Im Sprachgebrauch oft falsch verwendet: Der Reifenwechsel

Reifenwechsel & Räderwechsel – so unterscheiden sich die Kosten

Die Räder umstecken – das ist für die meisten Autofahrer halbjährliche Pflicht im Takt von Winter- und Sommersaison. Neue Reifen auf die Felgen zu ziehen, wird spätestens notwendig, wenn die Reifen zu alt, abgefahren oder an der Flanke beschädigt sind. Da dies aufwendiger ist, als nur die Reifen zu tauschen, ist die Reifenmontage teurer. Eine Kostenübersicht.

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  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:06 PM
Beim Radwechsel empfehlen Experten den Reifen auch auf Unwucht kontrollieren zu lassen.

Fachbetriebe unterscheiden den Reifenwechsel vom Räderwechsel. Die beiden Begriffe sagen schon, um was es geht. Beim Räderwechsel wird ein Radsatz gegen einen anderen ausgetauscht, die Fachleute nennen das Umstecken. Reden Laien vom Reifenwechsel, meinen sie eigentlich dieses Umstecken. Beim eigentlichen Reifenwechsel aber, der auch Reifenmontage oder Reifenummontage genannt wird, werden die Pneus von den Felgen genommen und neue aufgezogen.

Kosten und Aufwand variieren stark

Diese Reifenmontage lassen die meisten Autofahrer nicht saisonal vornehmen, denn sie besitzen oft zwei komplette Radsätze für ihr Auto – einen für den Winter, einen für den Sommer. Das ist anfangs zwar teurer, weil zwei Felgensätze angeschafft werden müssen, amortisiert sich aber mit der Zeit. Wenn Du zur Saison die Räder wechselst, wechselst Du gleichzeitig die Reifen. Der umgangssprachliche Begriff Reifenwechsel ist also nicht ganz falsch.
So unterschiedlich die Arbeitsschritte sind, so unterschiedlich sind Aufwand und Kosten, die beim Reifen- und Räderwechsel auf Dich zukommen. Den Räderwechsel, das Umstecken, hat eine Fachwerkstatt vergleichsweise schnell erledigt. Auch fallen dafür keine Materialkosten an. Da die Konditionen von Werkstatt zu Werkstatt variieren, lohnt ein Preisvergleich. In der Regel sollte der saisonale Austausch aller vier Räder nicht mehr als 20 bis 30 Euro kosten.

Im Gegensatz zum Reifenwechsel wird beim Radwechsel das gesamte Rad ausgetauscht.

Auswuchten – Zusatzkosten, aber Sicherheitsgewinn

Experten empfehlen zudem das regelmäßige Auswuchten der Räder. Da sie dafür vom Fahrzeug abmontiert werden müssen, kann das auch gleich mit dem Umstecken erfolgen. Eine Unwucht liegt vor, wenn der Reifen nicht mehr sauber um die eigene Achse rotiert; man spricht dann von einem unrunden Lauf. Ursache können ungleichmäßig angefahrene Profile sein, etwa aufgrund von Bremsmanövern oder Kurvenfahrten. Du erkennst eine Unwucht durch ein flatterndes Lenkrad bei höheren Geschwindigkeiten auf der Autobahn oder andere Vibrationen während der Fahrt.
Wer eine Unwucht nicht beheben lässt, riskiert nicht nur verstärkten Verschleiß an Reifen, Fahrwerk oder der Radaufhängung, sondern geht auch ein Sicherheitsrisiko ein, weil Fehler beim Lenken wahrscheinlicher werden. Für das Auswuchten, das Fahrsicherheit und Fahrkomfort wiederherstellt, kassieren manche Werkstätten ab drei Euro pro Rad. Der Preis variiert je nach Radgröße, über zehn Euro sollte er aber nicht liegen. Dabei wird das Rad in eine Wuchtmaschine eingespannt und zum Rotieren gebracht, um das Abrollen zu simulieren. Die Maschine ermittelt die Ungleichgewichte und teilt der Fachkraft in der Werkstatt mit, wo Gegengewichte an der Felge angebracht werden müssen. Wurde gute Arbeit geleistet, läuft das Rad danach wieder rund. Es sei denn, die Vibrationen rühren von Ungleichgewichten an Bremsscheiben oder -trommeln oder der Radnabe her, dann wird ein sogenanntes Feinwuchten notwendig.
Wer die Räder seines Autos beim Umstecken einlagern lässt, zahlt pro Saison noch mal 20 bis 50 Euro zusätzlich. Freie Werkstätten sind in der Regel günstiger; der Vertragshändler ist teurer. In jedem Fall aber spart man sich das Schleppen der schweren Räder vom Keller in den Kofferraum und kann relativ sicher gehen, dass die Pneus gut lagern – nämlich trocken, dunkel und auf den Felgen liegend. Werkstätten bieten oft auch rabattierte Festpreise fürs Umstecken und Einlagern. Zum weiteren Service gehört meist auch, dass die Monteure Luftdruck und Profiltiefe kontrollieren sowie einen Blick auf die Bremsbeläge und -scheiben des Autos werfen.

Beim Reifenwechsel werden die Gummis von der Felge entfernt.

Die Reifenmontage ist Profisache – die Kosten

Ist das Profil runter, wird der Reifenwechsel notwendig. Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe liegt bei 1,6 Millimetern, wenngleich Experten für Sommerreifen drei und für Winterreifen vier Millimeter empfehlen. Ein Reifenwechsel wird auch nötig, wenn das Gummi beschädigt oder der Pneu zu alt und ausgehärtet ist und an den Flanken womöglich schon Risse aufweist. Experten raten, Sommerreifen nach rund acht und Winterreifen nach rund sechs Jahren gegen Neuware zu tauschen. Über das Alter gibt die DOT-Nummer an der Reifenflanke Auskunft.  
Den Räderwechsel können Autofahrer mit dem notwendigen Werkzeug und Wissen auch selbst durchführen und so die Werkstattkosten sparen. Beim Reifenwechsel ist eine teure Reifenmontagemaschine notwendig, die die wenigsten Halter privat besitzen dürften. Also geht der Weg über den Fachmann.
Auch bei der Reifenmontage gibt es Preisunterschiede, dafür ist das Auswuchten immer im Preis enthalten, da es nach dem Aufziehen auf die Felge notwendig ist. Weil Leichtmetallfelgen empfindlicher als Stahlfelgen sind, verlangen die Betriebe bei den „Alus“ mehr Geld. Auch große und breite Reifen können die Kosten treiben. Als Richtwert gilt: Aufziehen und Auswuchten schlagen mit rund zwölf bis 18 Euro pro Rad zu Buche, also 48 bis 72 Euro pro Satz. Handelt es sich um Reifen mit Sensoren für das Reifendruckkontrollsystem (RDKS), steigen die Kosten – sowohl beim Rad- als auch beim Reifenwechsel. Weil die Systeme gewartet bzw. neu eingestellt werden müssen, kommen je nach Fahrzeug 25 bis 100 Euro hinzu.

Wenn das Reifenprofil abgefahren ist, solltest Du einen Reifenwechsel vornehmen.
DienstleistungKosten in Euro – Richtwerte
Kompletter Radwechsel20 bis 30 Euro
Auswuchten Radsatz12 bis 40 Euro
Einlagerung Radsatz pro Saison20 bis 50 Euro
Reifenwechsel und -montage pro Satz48 bis 72 Euro



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