Sicherheit ist oberstes Gebot

Reifenfreigabe: Alles, was Du wissen musst

Welcher Reifen darf auf welches Auto? Wo steht diese Info? Und wie gehst Du vor, wenn Du andere Pneus auf Dein Auto oder Motorrad montieren möchtest?

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  • Veröffentlicht am 12/13/2019, 11:03 AM
Auf einem Sportwagen sind rote Leichtmetallräder aus dem Zubehör montiert.
Quelle: dpa / Picture Alliance Die Reifenfreigabe sorgt dafür, dass auf allen Autos die richtigen Reifen mit passender Größe und Tragkraft montiert werden

Reifen sind ein wichtiges Sicherheitsmerkmal und müssen zwingend zum Fahrzeug passen. Aus diesem Grund gibt es die sogenannte Reifenfreigabe. Sie soll verhindern, dass etwa ein viel zu kleiner oder zu schwacher Pneu auf ein großes SUV montiert wird, oder ein viel zu breiter auf einen getunten Kleinwagen.

Was ist die Reifenfreigabe?

Sie legt fest, welcher Reifen auf das Fahrzeug montiert werden darf. Diese Vorgabe beinhaltet die Reifengröße, die Bauart ebenso wie die Tragfähigkeit und die zulässige Höchstgeschwindigkeit. All dies wird in einer Zahlen-Buchstabenkombination angegeben, die auf der Flanke des Reifens zu finden ist. Ein Beispiel für einen gängigen Kleinwagen-Reifen ist die Größe 185/65 R15 T. Hierbei steht die erste Zahl für die Breite in Millimetern, die zweite für das Verhältnis von Höhe und Breite in Prozent. Der Buchstabe beschreibt die Bauart. R steht dabei für Radial, D für Diagonal. Danach folgt der Felgendurchmesser in Zoll, dann der Index für die erlaubte Höchstgeschwindigkeit. Steht vor dem letzten Buchstaben eine Zahl, beschreibt sie die Tragfähigkeit.

So kannst Du die Reifenfreigabe ermitteln

Welche Reifengröße erlaubt ist, steht in den Fahrzeugpapieren. Der bis Herbst 2005 ausgestellte Fahrzeugschein führt unter den Punkten 20 bis 23 die zulässigen Dimensionen. Unter Punkt 33, den Bemerkungen, können weitere Informationen zu den erlaubten Reifen stehen, wie Fabrikatsbindungen. Seit 2000 sind diese für Pkw allerdings aufgehoben und die Hersteller geben lediglich noch Empfehlungen.

Bei neueren Fahrzeugen heißt der Fahrzeugschein Zulassungsbescheinigung Teil I. Dort stehen unter den Punkten 15.1 bis 15.3 die zugelassenen Dimensionen, eventuelle Änderungen oder weitere Informationen sind unter Punkt 22 vermerkt. In der Zulassungsbescheinigung Teil II sind sie ebenfalls zu finden.

Die dort aufgeführten Reifengrößen können ohne Bedenken montiert werden, sofern keine weiteren Einschränkungen vorgeschrieben sind. Neben diesen Dimensionien genehmigen Prüfstellen wie TÜV, GTÜ, Dekra und KÜS oft auch noch weitere Größen. Möchtest Du gerne breitere, größere, schmalere Reifen montieren, schaue in das sogenannte Certificate of Conformity (CoC). Auf Deutsch heißt dies Übereinstimmungsbescheinigung. Diese wird beim Kauf eines Neuwagens ausgehändigt. Willst Du Niederquerschnittsreifen für Deinen alten VW Golf kaufen und kannst das CoC nicht finden, dann kannst Du es bei einem Händler oder beim Autohersteller für Dein Fahrzeug anfordern. Meist gegen Gebühr. Oder Du suchst im Internet. Oft stellen große Fahrzeughersteller wie VW, BMW, Mercedes und Co. die CoC auch zum Download bereit.

Montierst Du einen Auto-Reifen, der nicht in den Fahrzeugpapieren, sondern im CoC steht, solltest Du eine Kopie dieses Dokuments als Nachweis im Auto deponieren. Oder Du lässt Dir die montierten Reifen in den Fahrzeugschein eintragen. Diese Eintragung kostet allerdings Gebühren.

Ein Bandarbeiter montiert Reifen in einem Werk von BMW.
Quelle: dpa / Picture Alliance Hersteller rüsten ab Werk ihre Fahrzeuge mit den passenden Reifen aus - auch die optionalen Leichtmetallfelgen sind mit den richtigen Gummis bezogen

Wie kannst Du eine Reifenfreigabe beantragen?

Die Auswahl im CoC ist Dir nicht groß genug? Dann kannst Du auch eine Reifenfreigabe beantragen. Das ist jedoch aufwändig und kostet Geld. Denn eine Umrüstung geht nur mit einem Kfz-Gutachter oder Kfz-Sachverständigen. Dieser muss bestätigen, dass der Reifen Deiner Wahl auf die gewählte Felgen passt und die Räder-Reifen-Kombination auf das Auto. Dafür benötigt er teilweise auch Angaben vom Fahrzeughersteller, ob die Reifen-Räder-Kombination mit dem ABS oder einer vorhandenen Antischlupfregelung (ASR) kompatibel ist. Passt alles, wird die Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) erteilt.



Wichtig: Änderungen eintragen lassen

Mit diesem Gutachten beziehungsweise der erteilten ABE kannst Du Dir die Reifen in die Fahrzeugpapiere eintragen lassen. Das ist wichtig, denn wenn Du ohne genehmigte Bauteile unterwegs bist, erlischt die Betriebserlaubnis für das gesamte Fahrzeug. Die Polizei kann das Fahrzeug in so einem Fall sicherstellen. Des Weiteren kann es zu Problemen mit der Versicherung kommen, wenn Du mit einem Fahrzeug ohne Betriebserlaubnis einen Unfall verursachst.

Sonderfall: Reifenfreigabe für Motorräder

Welche Reifen getestet und freigegeben werden, steht bei Motorrädern ebenfalls in den Fahrzeugpapieren. Allerdings gelten für Motorräder weitere Regelungen bezüglich der Reifenfreigabe, die für Autos nicht unbedingt gelten. Denn bei Motorrädern haben Reifen einen noch größeren Einfluss auf das Fahrverhalten und damit auf die Sicherheit. Aus diesem Grund gibt es in Deutschland, dem Land ohne allgemein gültiges Tempolimit, für Motorräder teilweise Fabrikatsbindungen.

Das heißt, es ist mitunter vorgeschrieben, ob der Motorradreifen von Dunlop, Bridgestone, Continental oder einem anderen Hersteller kommen muss. Eine Fabrikatsbindung kann allerdings durch Unbedenklichkeitsbescheinigungen der Hersteller erweitert werden.

Für die Freigaben haben Fahrzeug- und Reifenhersteller gemeinsam auf einer Teststrecke erprobt, ob die Reifen für das jeweilige Motorrad geeignet sind. Die Motorradhersteller, egal ob Honda, Yamaha, Suzuki, KTM, BMW oder Harley-Davidson, veröffentlichen im Anschluss an die Tests alle aus ihrer Sicht sicheren Reifen-Fahrzeug-Kombinationen und erteilen damit offiziell eine Freigabe. Für neue Motorräder gibt es diese Informationen bei den Fahrzeugherstellern. Für ältere Modelle sind hingegen die Reifenhersteller zuständig. Der ADAC empfiehlt allen Motorradfahrern, sich schon allein aus Eigeninteresse an die Empfehlungen der Hersteller zu halten. Abweichungen könnten schwer oder nicht kalkulierbare Fahreigenschaften wie starkes Schlingern zur Folge haben. 

Mögliche Neuerungen für 2020

Laut dem Verkehrsblatt 15/2019 könnten sich die aktuellen Vorgaben künftig ändern. Denn gemäß dem Blatt dürfen „auf Motorrädern mit EU-Typgenehmigung alle passenden, bauartgenehmigten Motorradreifen gefahren werden“, wenn bestimmte Voraussetzungen gegeben sind. Dies könnte für Reifen gelten, die ab 2020 produziert werden. Nach Einschätzung des ADAC wird es jedoch weiterhin so bleiben, dass sich Motorradfahrer nach den Empfehlungen der Hersteller richten oder sich für ihren Wunschreifen eine Unbedenklichkeitserklärung beschaffen.

In einem Reifenlager stehen Sommerreifen im Hochregallager.
Quelle: dpa / Picture AlliaNCE Entspricht ein nachgerüsteter Reifen nicht der Reifenfreigabe, musst Du ihn eintragen lassen

Reifenfreigabe: So gehst Du vor

  • Schaue im Fahrzeugschein oder in der Zulassungsbescheinigung Teil I, welche Reifen erlaubt sind
  • im Certificate of Conformity stehen weitere erlaubte Dimensionen
  • das CoC bekommst Du beim Kauf eines Neuwagens, direkt beim Hersteller oder über den Händler
  • führe das CoC mit, solltest Du eine darin aufgeführte Größe montieren
  • nicht im COC aufgeführte Dimensionen benötigen eine Freigabe von einem Gutachter und müssen in die Papiere eingetragen werden