Nicht zu viel Luft und nicht zu wenig

Reifendruck beim Auto: Worauf solltest Du achten?

Zu wenig Luft im Reifen ist gefährlich. Zu viel ist ebenfalls schlecht. Wir erklären Dir, worauf es beim Reifendruck ankommt und wie Du ihn korrekt einstellt.

  • Fabian Hoberg
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  • Veröffentlicht am 03/04/2020, 5:39 PM
Ein junger Mann überprüft den Luftdruck an einem schwarzen Auto.
Quelle: dpa / Picture Alliance Die Angaben für die korrekten Füllstande Deiner Reifen findest Du bei den meisten Autos in der Fahrertüre oder im Tankdeckel

Mit dem schleichenden Plattfuß rollt das Auto aus. Hättest Du den Druckverlust beim Fahren früher gemerkt, würdest Du jetzt nicht hier stehen. Doch eigentlich hast Du noch Glück gehabt, denn es hätte weitaus schlimmer ausgehen können. Ein falscher Luftdruck klingt zwar banal, kann aber böse Unfälle verursachen.

Eines vorab: Seit dem 1. November 2012 müssen alle neu gebauten Fahrzeuge ein Reifendruckkontrollsystem (RDKS) besitzen und seit dem 1. November 2014 dürfen Neuwagen ohne RDKS nicht mehr verkauft werden. Es besteht aber keine Pflicht zur Nachrüstung, auch wenn sie bei modernen Autos sinnvoll ist. 



Wieso ist es wichtig, den Reifendruck zu messen?

Die Reifen sind die einzigen vier Kontaktpunkte des Autos zur Straße. Deshalb ist es wichtig, dass sie optimalen Grip besitzen. Der ist nicht nur vom Reifenprofil, der Profiltiefe und dem Alter des Gummis abhängig, sondern auch vom richtigen Reifendruck.

Ist der Luftdruck zu niedrig, rollt der Reifen meist nur über die äußeren Flanken ab und die mittlere Lauffläche erhält keinen Kontakt zur Straße. Bei einem zu hohen Reifendruck bläht der Reifen sich wie ein Ballon auf und rollt nur über die Mittelfläche. Die äußeren Flanken haben keinen Kontakt zur Straße.

Ganz gleich, ob der Druck zu niedrig oder zu hoch ist: Kostbare Lauffläche geht verloren. Der Grip sinkt, der Bremsweg verlängert sich und der Reifen verschleißt schneller. Dabei ist es unerheblich, ob Du einen Pkw, ein Motorrad, einen Wohnwagen oder ein Wohnmobil fährst. Aufmerksame Autofahrer spüren eine starke Luftdruck-Veränderung beim Fahren, ganz gleich ob bei Sommerreifen oder Winterreifen.

Ein junger Mann hält den Luftschlauch am Autoventil fest.
Quelle: dpa / Picture Alliance Beim Aufpumpen der Reifen solltest Du den Verschluss sorgfältig anbringen, damit die Luft dorthin strömt, wo sie hin soll

Wie oft sollte der Reifendruck überprüft werden?

Eine regelmäßige Überprüfung des Reifendrucks an der Tankstelle sollte für alle Autofahrer selbstverständlich sein. Ein normaler Pneu kann im Laufe von drei Monaten 0,1 bar und mehr verlieren. Experten raten Autofahrern zu einer Kontrolle bei jedem Tankvorgang, also nach rund 600 Kilometern, oder aber alle zwei Wochen.

Spätestens wenn sich das Auto beim Lenken ungewöhnlich schwammig anfühlt, oder das Auto ohne Lenkeinschlag zu einer Seite zieht, solltest Du den Reifendruck am Auto kontrollieren. Dafür benötigst Du nur wenige Minuten an der Tankstelle und ein Luftdruckmessgerät oder einen Kompressor. Oder  Du nutzt einen handlichen Reifendruckprüfer, den es für ein paar Euro zu kaufen gibt.


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Woher weiß ich, welchen Reifendruck das Auto braucht?

Den richtigen Reifendruck findest Du in der Reifendruck-Tabelle der Betriebsanleitung des Autos. Meist steht er auch in der Innenseite des Tankdeckels oder am Türrahmen der Fahrertür. Dort sind die verschiedenen Drücke für Vorder- und Hinterräder angegeben, in der Regel für zwei Beladungszustände: leer und vollbeladen. Anhand der Tabelle kannst Du ablesen, wie viel Luftdruck (in bar) in die jeweiligen Reifen gehört. Wichtig ist auch die Reifengröße. Häufig unterscheiden die sich für Sommer- und Winterreifen. Auch diese Angaben findest Du in der Betriebsanleitung oder auf der Innenseite des Tankdeckels.

Welche Vorteile bringt ein optimaler Reifendruck?

Bei einem optimalen Reifendruck rollen alle Pneus gleichmäßig mit ideal großer Laufläche ab. Der Reifen hält den optimalen Kontakt zur Straße, bietet eine gute Bodenhaftung, präzises Lenk- und Kurvenverhalten und verschleißt weniger. Schon 0,5 bar zu wenig erhöhen den Bremsweg des Wagens und verschlechtern die Kurvenlage. Das gilt nicht nur bei nasser Fahrbahn, sondern auch bei trockener Strecke.

In nahaufnahme sind die Kontrollleuchten für Reifendruck, ABS und das ESP zu sehen
Quelle: dpa / Picture Alliance Leuchtet die Reifendruckkontrolllampe dauerhaft, solltest Du den Reifen neu befüllen und auf eventuelle Schäden überprüfen (lassen)

Wie stelle ich den Reifendruck korrekt ein?

Bei der Kontrolle und dem Einstellen des Reifendrucks solltest Du auf ein paar Dinge achten:

1.         Die Reifen sollen kalt und nicht warm sein (maximal 20 Grad)

2.         Tank und Flüssigkeitsbehälter sollten gefüllt sein

3.         Korrekten Reifendruck in Tabelle im Tankdeckel oder in der Bedienungsanleitung nachlesen

4.         Den vorgeschriebenen Reifendruck nacheinander einstellen

5.         Maximal 0,3 bar mehr als vorgeschrieben in die Reifen füllen

6.         Ventilschutzkappe wieder schließen

Experten wie die des ADAC raten zu einem leicht erhöhten Druck von 0,2 bar über dem angegebenen Wert. Komforteinbußen sind bei einem erhöhten Reifendruck nicht zu spüren, die Sicherheit sinkt nicht, dafür reduziert sich der Spritverbrauch.



Was passiert, wenn der Reifendruck falsch ist?

Ein falscher Luftdruck im Reifen, ganz gleich ob zu niedrig oder zu hoch, verändert das Fahrverhalten und verringert die Sicherheit. Gleichzeitig erhöht sich der Kraftstoffverbrauch. Bei einem Minderdruck von 0,4 bar steigt der Verbrauch um 0,3 Liter je 100 Kilometer, sagt der ADAC. Wie viel Reifendruck nötig ist, hängt vom jeweiligen Modell, der Motorisierung und den Reifen ab. Bei den meisten Autos liegt der empfohlene Reifendruck zwischen 2,0 bar und 2,5 bar.

Bringt die Nutzung von Reifengas Vorteile?

Reifengas ist ein Stickstoff und kann statt Druckluft in Reifen gefüllt werden. Stickstoff bietet den Vorteil, dass er nicht entzündlich ist und sogar Feuer erstickt. Deshalb sind Flugzeugreifen und Reifen von Rennwagen damit befüllt. In normaler Luft stecken aber schon 78 Prozent Stickstoff.

Eine Füllung mit Reifengas kostet rund zehn Euro und soll länger den Druck halten können als normale Luft im Reifen. Dennoch müssen auch diese Reifen kontrolliert werden, denn undichte Stellen oder Beschädigungen können auch hier auftreten. Wer regelmäßig den Reifendruck kontrolliert, kann sich das Geld für Reifengas sparen.

Was leisten Reifenkontrollsysteme?

Es gibt verschiedene Reifendruckkontrollsysteme. Sie alle eint, dass sie den Fahrer bei einem Druckverlust eines oder mehrerer Reifen warnen. Die Bedienung ist denkbar einfach. Lediglich bei einem Reifenwechsel oder beim Tausch von Sommer- auf Winterreifen und umgekehrt musst Du zunächst einmal den korrekten Reifendruck an allen Reifen einstellen und das System kalibrieren. Das funktioniert bei den meisten Fahrzeugen einfach über das Bediensystem. 


VW Golf 7
Der Golf 7

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Kann ich ein Reifendruckkontrollsystem nachrüsten?

Bei älteren Fahrzeugen lässt sich ein Reifendruckkontrollsystem bei Autoreifen einfach nachrüsten. Der Autofachhandel bietet ebenso Lösungen an, wie manche Händler im Netz. Die Nachrüstlösungen kosten meist weniger als 100 Euro und sind schnell zu installieren. Es gibt indirekte und direkte Systeme.

Das direkte System misst über einen Luftdrucksensor auf dem Ventil den Druck im Reifen, manchmal auch die Innentemperatur. Der Sensor überträgt die Daten auf ein zusätzliches Gerät in den Innenraum des Autos. Sinkt der Druck in einem Reifen, schlägt die das System optisch oder akustisch Alarm.

Bei einem indirekten System benutzt die Reifendruckkontrolle die Sensoren von ABS und ESP. Dabei wird der Reifenumfang während der Fahrt gemessen. Verliert der Reifen Luft, wird der Reifenumfang kleiner und er dreht sich schneller – und das System schlägt Alarm. Indirekte Systeme eignen sich weniger als Nachrüstlösung, da sie zu aufwändig sind.