So kannst du auch als Laie Deine Räder selbst wechseln

Räder wechseln – Schritt-für-Schritt-Anleitung und Tipps

Zweimal jährlich, außer man fährt mit Ganzjahresreifen, steht der Reifenwechsel am Auto an – in Frühjahr und Herbst. Wer die Kosten für den professionellen Service einer Fachwerkstatt sparen möchte, kann die Räder selber umstecken. Essenziell ist natürlich das Know-how – denn Fehler bei der Durchführung können folgenschwer sein. Unsere Anleitung gibt Dir Tipps für den Wechsel.

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  • Veröffentlicht am 08/09/2019, 12:00 AM
  • Aktualisiert am 10/24/2019, 12:06 PM
Beim Radwechsel musst Du vorsichtig sein. So verhinderst Du, dass dir das Rad entgegenfällt.

Er gehört zu den wenigen praktischen Handgriffen, die Autofahrer an ihrem Fahrzeug noch selbst vornehmen: der Räderwechsel. Wenn es so langsam warm wird oder wieder kälter, häuft sich das Bild von Haltern, die auf der Einfahrt ihr Auto aufbocken, Räder abziehen, andere aufstecken, Muttern anziehen.
Der richtige Zeitpunkt für die Sommerreifen ist gekommen, wenn nachts kein Frost mehr erwartet wird; umgekehrtes gilt für den Winterreifen. Die alte Faustregel „Von O bis O“, also Ostern bis Oktober, als Einsatzzeitraum für Sommerreifen, gilt also je nach Wetterlage nur bedingt. Eine Anleitung in sieben Schritten:

Schritt 1: Das benötigte Werkzeug zurechtlegen

Wenn Du das erste Mal die Reifen wechseln möchtest, solltest Du jemanden dabeihaben, der es Dir zeigt. Ohne Erfahrung und Hilfe fährst Du am besten doch in die Fachwerkstatt. Vor allem der Umgang mit den schweren Reifen von SUVs ist nicht ganz ohne. Bevor es losgehen kann, legst Du Dir das Werkzeug zurecht. Der Reifenwechsel steht und fällt im wahrsten Sinne des Wortes mit einem stabilen Wagenheber, am besten ist ein Modell mit Hydraulik.
Um das Fahrzeug abzusichern, benötigst Du einen Unterstellbock; um die Schrauben und Bolzen anzubringen, ein Radkreuz sowie einen Drehmomentschlüssel. Ebenfalls in Greifnähe sollte eine Drahtbürste liegen. Die Betriebsanleitung Deines Autos gibt Auskunft darüber, wo der Wagenheber an den Schwellen angesetzt werden darf. Hast Du Dich gegen Diebstahl mit einem Felgenschloss gewappnet, bitte den zugehörigen Schlüssel nicht vergessen – ansonsten wird’s nichts mit dem Reifenwechsel.

Vor dem Reifenwechsel solltest Du dir das benötigte Werkzeug zurechtlegen.

Schritt 2: Fahrzeug arretieren, Felgen säubern

Als Nächstes wird das Auto für den Reifenwechsel vorbereitet. Du solltest auf ebenem Boden ohne Gefälle geparkt haben. Kopfsteinpflaster ist tabu. Um das Fahrzeug gegen Wegrollen zu sichern, muss die Handbremse angezogen und der erste Gang eingelegt werden; bei Automatikgetriebe stellst Du den Gangwahlhebel auf „P“.
Stelle auch sicher, dass Schrauben und Muttern unbeschädigt sowie die Schraubverbindungen an den Felgen sauber sind. Gegebenenfalls lassen sich Dreck und Flugrost mit der Drahtbürste gut beseitigen.

Schritt 3: Radmuttern lösen und Wagen anheben

Kommen wir zum dritten Schritt unserer Anleitung: Sofern vorhanden, werden jetzt die Radkappen abgezogen. Dann löst Du mit dem Radkreuz die Radmuttern oder Radbolzen an, und zwar um je eine viertel Umdrehung. Danach erst wird das Auto aufgebockt. Dabei ist es wichtig, dass Du den Wagenheber ausschließlich an den dafür vorgesehenen Aufnahmepunkten ansetzt – er könnte ansonsten verkanten oder das Auto Schaden nehmen. Wo sich diese Punkte befinden, steht in der Betriebsanleitung Deines Autos. Die Montagehöhe ist erreicht, wenn das abzunehmende Rad wenige Zentimeter über dem Boden schwebt.

Die Radmuttern löst Du am einfachsten mit einem Radkreuz.

Schritt 4: Radmuttern rausdrehen und Räder abziehen

Nun drehst Du die Radmuttern des Rads komplett raus. Bei der letzten solltest Du aufpassen, dass Dir das Rad nicht entgegenfällt. Gerade bei Leichtmetallrädern kann es sein, dass ein gewisser Kraftaufwand beim Abziehen vonnöten ist, weil sie auf den Stahlnaben mitunter recht fest sitzen. Auf jeden Fall solltest Du vorsichtig vorgehen, denn ziehst Du zu sehr, kann das Auto, wenn es ganz übel läuft, vom Wagenheber rutschen – mit allen damit verbundenen Verletzungsrisiken und möglichen Schäden am Fahrzeug.

Schritt 5: Neues Rad aufsetzen

Wichtig ist natürlich auch, dass die neuen Reifen frei von Schäden sind und genügend Profil aufweisen. Die gesetzlich vorgeschriebene Tiefe liegt bei 1,6 Millimetern; Experten empfehlen jedoch mindestens drei und bei Winterreifen sogar vier Millimeter Profiltiefe. Steckst Du Räder mit neuen Winterreifen auf, sollten diese das Alpine-Symbol tragen (Schneeflocke mit Bergpiktogramm an der Flanke). Pneus mit der älteren M+S-Kennzeichnung (Matsch und Schnee) sind allerdings noch bis September 2024 im Verkehr zulässig.  
Bevor das neue Rad ans Auto kommt, sollte die Radnabe, ebenfalls mit der Drahtbürste, von möglichem Schmutz befreit werden. Du kannst sie auch mit Kupferpaste dünn einschmieren, das vereinfacht das Abnehmen beim nächsten Reifenwechsel. Beim Aufstecken musst Du darauf achten, dass die Laufrichtung des Reifens stimmt. Eine Angabe dazu findet sich auf der Reifenflanke. Weil die Pneus auf den Antriebsrädern höher beansprucht werden, sollte achsweise ausgetauscht werden: Autoreifen, die in der Vorsaison vorn montiert waren, wandern nach hinten und umgekehrt.

Wie stark das neue Rad angezogen werden muss, steht in der Bedienungsanleitung Deines Autos.

Schritt 6: Radmuttern festziehen und Auto herunterlassen

Jetzt nimmst Du erneut das Radkreuz und ziehst alle Radmuttern handfest, also ohne große Kraftanstrengung, an. Dann lässt Du den Wagenheber herab, bis der Reifen gerade auf dem Boden aufsteht, und nimmst den Drehmomentschlüssel zur Hand. Mit ihm ziehst Du die Muttern über Kreuz fest. Das dazu vorgeschriebene Anzugsdrehmoment findest Du in der Auto-Betriebsanleitung oder erfährst Du beim Hersteller der Felge. Es nicht zu überschreiten ist deshalb wichtig, weil vor allem Alufelgen oft Schaden davontragen, wenn man die Muttern zu fest anzieht.

Schritt 7: Reifen markieren und Luftdruck prüfen

Die abmontierten Räder sollten liegend und trocken eingelagert und, damit sie beim nächsten Wechsel an die richtige Position kommen, vorab mit Kreide eindeutig markiert werden – üblich ist „VR“ für „vorne rechts“, „HL“ für „hinten links“ und so weiter. Zum Schluss kontrollierst Du den Reifendruck an den frisch montierten Pneus und füllst, falls notwendig, Luft nach. Wichtig auch: nach rund 50 Kilometern Fahrt mit den montierten Rädern noch mal die Muttern nachkontrollieren. Es kann vorkommen, dass sie sich lösen – dann müsste der Drehmomentschlüssel noch mal ran.  

Nach Abschluss des Reifenwechsels solltest Du den Luftdruck und die Radmuttern kontrollieren.



Sonderfall Reifendruckkontrollsystem (RDKS)

Das Reifendruckkontrollsystem, seit November 2014 in Neuwagen Pflicht, macht den Reifenwechsel teils erheblich teurer. Während indirekt messende Systeme, die den Reifendruck mit ESP-Sensoren über den Abrollumfang messen, diese Zusatzkosten nicht verursachen, sind sie bei direkt messenden Systemen teils horrend.
Diese besitzen Sensoren an den Reifenventilen, die den Reifendruck ermitteln und der Bordelektronik per Funk mitteilen. Das hat zwar den Vorteil, dass der Druck einzelner Räder ermittelt wird – anders als beim indirekten RDKS, das den Druckverlust keinem bestimmten Autoreifen zuordnen kann. Jedoch müssen die Sensoren bei jedem Reifenwechsel gewartet werden, wofür meist 50 bis 100 Euro anfallen. Außerdem kann man die Kosten für den Reifenwechsel an sich nicht sparen, da dieser bei direkt messenden RDKS in einer Fachwerkstatt stattfinden sollte. Denn: Bei der HU gilt ein nicht funktionierendes RDKS als erheblicher Mangel, eine frische TÜV-Plakette gibtʼs dann nicht. Müssen neue Sensoren ans Rad, fallen schlimmstenfalls mehrere Hundert Euro zusätzlich an.