Über Sinn und Unsinn von Elektromotoren

Prognose: Ist das Elektroauto die Zukunft?

Du willst Dir ein Elektroauto zulegen, zweifelst aber daran, ob es sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten durchsetzt? Unsere Zukunftsprognose verrät Dir, welche Antriebe in Zukunft dominieren könnten – und warum Benzin- und Dieselfahrzeuge der Vergangenheit angehören.

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  • Veröffentlicht am 08/09/2019, 12:00 AM
  • Aktualisiert am 10/24/2019, 12:07 PM
Der Renault Zoe zählt zu den beliebtesten Elektroautos der Deutschen.

„Das Auto hat keine Zukunft. Ich setze auf das Pferd.“ Das sagte vor gut hundert Jahren Kaiser Wilhelm II., der letzte deutsche Kaiser. Heutzutage musst Du nur einen Blick aus dem Fenster werfen, um festzustellen: steile These. Damals, zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, stand die Mobilitätsrevolution jedoch ganz am Anfang. Das Automobil war noch weit davon entfernt, ein Massenprodukt zu sein.
Heute stehen wir vor der nächsten Revolution: Alternative Antriebe sind dabei, den Automobilmarkt aufzumischen. Und den Satz von Kaiser Wilhelm hast Du – in abgewandelter Form – bestimmt auch schon einmal gehört. Denn Skeptiker gibt es viele. Oder positiv formuliert: Autoliebhaber. Von seinem V8-Motor will sich so manch einer ungern trennen. Und dann heißt es: Das Elektroauto hat keine Zukunft. Ich setze auf den Verbrenner.

Historie trifft auf Gegenwart: Der Flocken Elektrowagen neben einem Porsche Cayenne.

1912 noch 565 Elektroauto-Hersteller auf der ganzen Welt

Dabei sind sich die meisten Experten einig, dass die Zukunft dem Elektroantrieb gehört. Und ein Blick in die Geschichte zeigt: Es würde sich ein Kreis schließen. Wusstest Du zum Beispiel, dass schon 1881, noch bevor Carl Benzʼ „Patent-Motorwagen Nummer 1“ – eines der ersten Autos der Geschichte – vorgestellt wurde, der französische Erfinder Gustave Trouvé mit dem dreirädrigen und 12 km/h schnellen „Trouvé Tricycle“ das erste Elektrofahrzeug entwickelte? Oder dass bereits 1888 der Coburger Fabrikant Andreas Flocken mit dem „Flocken Elektrowagen“ das erste deutsche Elektroauto präsentierte? Und 1899 war es ebenfalls ein E-Auto, gebaut vom belgischen Rennfahrer und Konstrukteur Camille Jenatzy, das erstmals die magische Tempogrenze von 100 km/h durchbrach.
Tatsächlich waren Elektrofahrzeuge in der Frühzeit des Automobils nicht nur schneller als Benzinkutschen, sondern auch gesellschaftlich akzeptierter. Der Benziner galt als zu laut und explosiv, außerdem konnte das Benzin ausschließlich in Apotheken erworben werden. Hinzu kam, dass der Benzinmotor per Hand angekurbelt werden musste. Das kostete Kraft – und war gefährlich. Deshalb boomten die Elektroautos. 1912 gab es weltweit 565 Hersteller von Elektrofahrzeugen.
Schließlich war es ausgerechnet eine elektrische Erfindung, die die Erfolgsstory der Elektromobilität auf Eis legte: Charles F. Kettering erfand den elektrischen Anlasser für den Motor, der das Kurbeln überflüssig machte. Vergleichsweise große Reichweiten, niedrige Benzinpreise und massive Werbung, die den Benziner mit Begriffen wie Kraft und Potenz besetzten, brachten den Verbrenner auf die Siegesstraße. Und das gilt bis heute.

Im Jahr 2016 gab es rund 6.000 öffentliche Ladestationen in Deutschland, im Juni 2019 lag die Zahl bei 17.000.

Die Nachfrage steigt – weltweit

Ein steigendes Umweltbewusstsein aufgrund der Klimakrise sowie die Tatsache, dass Öl als fossile Ressource irgendwann nicht mehr verfügbar sein wird, sorgen derzeit für ein weltweites Umdenken.
In China wurden im vergangenen Jahr mehr als eine Million E-Autos verkauft, der Marktanteil stieg von 2,7 auf 4,5 Prozent. In den USA stieg der Absatz 2018 um 86 Prozent auf 361.000 Elektroautos. Marktanteil: 2,1 Prozent. In Europa führt Norwegen die Statistiken als Vorreiter der Elektromobilität an. Fast jedes zweite neu zugelassene Fahrzeug wird dort mit Elektromotor angetrieben. Bilanz 2018: 73.000 verkaufte E-Autos.
Und Deutschland? Von dem von der Regierung ausgegebenen Ziel, bereits 2020 eine Million Stromer auf den deutschen Straßen zu sehen, ist man noch weit entfernt. 2018 wurden Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) zufolge rund 34.000 E-Pkw neu zugelassen. Du denkst, das ist wenig? Ja, das ist es. Schaust Du Dir aber das Wachstumspotenzial an, so sehen die Zahlen schon etwas vielversprechender aus. 2017 wurden rund 25.000 Neuzulassungen an E-Autos verzeichnet, 2016 sogar nur knapp 11.000. Innerhalb des letzten Jahres ist der Gesamtbestand an Elektroautos in Deutschland laut Angaben des KBA auf rund 83.000 Stromer angestiegen.
Die E-Mobilität ist im Aufwind. Laut einer Marktanalyse des Beratungsunternehmens PwC sind batteriebetriebene Elektroautos weltweit mit einer Wachstumsrate von 85,4 Prozent das am stärksten wachsende Segment. 
Spielst Du nun auch mit dem Gedanken, Dir ein Elektroauto zuzulegen, stellt sich da natürlich die Frage: Ist das batteriebetriebene E-Auto wirklich die Zukunft? Oder wird es, wie schon 1911, wieder scheitern? 

Automobilhersteller denken um

Die Nachfrage der Kunden steigt – also steigt natürlich auch das Angebot. Tesla etwa gilt schon seit Jahren als Vorreiter der Branche und hat das Elektroauto vor allem in den USA in der Gesellschaft etabliert. Auch die europäischen Automobilhersteller haben längst die Bühne der E-Mobilität betreten. Der Renault Zoe etwa war noch in den vergangenen Jahren das beliebteste E-Auto der Deutschen. Der BMW i3 surrt bereits seit 2013 über deutsche Straßen. VW will bis 2023 rund 44 Milliarden Euro in die Elektromobilität investieren und in den nächsten zehn Jahren 70 neue E-Modelle auf den Markt bringen. Audi, Mercedes und selbst Porsche sind mittlerweile ebenfalls elektrisch vertreten, genauso wie die britischen Traditionsmarken Jaguar und Mini mit den Modellen I-Pace und Mini electric.
Hinzu kommen zahlreiche asiatische Hersteller: Traditionelle wie Kia, Honda oder Nissan, aber auch neue (und vor allem chinesische) Hersteller haben den Markt für sich entdeckt. Und der spricht eine klare Sprache: Wer heute kein Elektroauto im Portfolio hat, der hat den Trend verpasst. Geht es nach den Herstellern, zeigt sich: Ja, Elektromobilität ist die Zukunft.

Manko der Elektromobilität: Die Ladeinfrastruktur

Es gibt also eine immer größer werdende Auswahl an Elektroautos. Doch das funktioniert nur, wenn ausreichend Ladepunkte vorhanden sind.
Lange Zeit wurde die Ladeinfrastruktur in Deutschland kritisiert. Doch auch hier tut sich was. Gab es Anfang 2016 noch rund 6.000 öffentliche Ladepunkte, sind es im Juni 2019 schon über 17.000. Der Ausbau läuft auf Hochtouren. Die Europäische Union (EU) will zudem einführen, dass bei Neubauten Ladestationen in Tiefgaragen oder an Stellplätzen verpflichtend werden. Das zeigt: Auch Politik, Städte und Gemeinden haben erkannt, was in Zukunft zu einer erfolgreichen Mobilität gehört – nämlich das E-Auto.
Du denkst Dir vielleicht: Das ist ja alles schön und gut, aber ich habe im Vergleich zum Benziner immer noch sehr kurze Reichweiten und sehr lange Ladezeiten. Ein Beispiel: Im Jahre 2016 hatte ein Nissan Leaf noch eine Reichweite von 250 Kilometern. Heute sind – bei entsprechender Fahrweise – schon über 400 Kilometer möglich. Auch die Ladezeiten werden immer kürzer und liegen per Schnellladung bei den meisten Elektroautos bei unter einer Stunde. Fortschritte in der Entwicklung gibt es nahezu wöchentlich. Und bei dem, was die Stromer heute schon leisten können, darfst Du Dich freuen auf das, was uns in den kommenden Jahren noch erwartet.

Verbrenner werden verbannt

Hinzu kommen die von der EU vorgegebenen CO2-Flotten-Grenzwerte, die ab 2020 für alle Automobilhersteller verbindlich in Kraft treten. Diejenigen, die den maximal erlaubten Wert von 95 g CO2/km nicht einhalten, müssen ab 2021 mit saftigen Strafen rechnen. Ab 2030 muss die CO2-Bilanz sogar um weitere 37,5 Prozent CO2 reduziert werden.
Klimafreundliche Mobilität mit alternativen Antrieben wird also auch von staatlicher Seite nicht nur (mit Prämien und Steuerersparnissen) gefördert, sondern auch gefordert. Und das deckt sich mit dem gesellschaftlichen Begehren. Die Europawahl 2019 hat gezeigt, dass umweltfreundliche Parteien vor allem in Deutschland im Aufwind sind. Das Umweltbewusstsein steigt, grünes Autofahren wird immer beliebter. 
Gleichzeitig gibt es schon einige Länder mit sehr konkreten Vorhaben: In Schweden werden ab 2030 keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen, ebenfalls geplant ist dies in Indien, Irland und sogar auf den Balearen. In Dänemark ebenfalls, wo man sich sogar vorgenommen hat, ab 2050 komplett frei zu sein von fossilen Energieträgern. Diesbezüglich befindet sich auch Deutschland auf einem guten Weg, in diesem Jahr lag der Ökostrom-Anteil erstmals bei über 40 Prozent. 

Gemischter Markt scheint möglich

Aber ist das batteriebetriebene Elektroauto wirklich die einzige Lösung? Was ist mit anderen alternativen Antrieben?
Die stehen natürlich zur Debatte. Allen voran die Wasserstoffautos. Diese sind genau genommen ebenfalls als Elektroautos zu bezeichnen, allerdings werden sie anstatt von einer Batterie von einer Brennstoffzelle angetrieben. Getankt wird: Wasserstoff, vollkommen emissionsfrei. Nur gibt es bis heute noch keine ausreichende Infrastruktur an Wasserstofftankstellen. Und die Autos gelten als zu teuer. Vorteile: Wasserstoff lässt sich aus vielfältigen Ausgangsstoffen gewinnen, die Autos haben hohe Reichweiten und die Ladezeiten ähneln denen eines Benzintankvorgangs. Toyota gilt hier als Vorreiter. Bereits in den Neunzigerjahren hat der japanische Hersteller mit dem Hybridauto Prius gezeigt, dass er neue (und damals noch belächelte) Mobilitätskonzepte erfolgreich am Markt platzieren kann. Mit dem Toyota Mirai, dem meistverkauften Wasserstoffauto weltweit, setzt der japanische Hersteller auf die Brennstoffzellentechnologie. Der Preis für das Modell liegt allerdings bei rund 80.000 Euro. Doch auch diese Technologie steht noch am Anfang, sodass Du davon ausgehen kannst, dass auch Wasserstoffautos in Zukunft erschwinglicher werden.
So oder so: Die Zukunft heißt Elektromobilität – ob mit Brennstoffzelle oder Batterie. Experten gehen von einer breiten Auswahl aus – nicht nur an Modellen, sondern auch an alternativen Antrieben. Für jeden Zweck das passende Konzept. Schließt das Wasserstoffauto auf das batteriebetriebene E-Auto auf, haben wir bald vielleicht wieder ein Angebot wie vor rund 100 Jahren. Verschiedene Antriebe – aber keine Verbrenner.



Darum ist die Elektromobilität die Zukunft

  • Weniger/gar keine Emissionen (je nach Strom-Mix)
  • Immer mehr Auswahl an E-Modellen
  • Kaufpreise werden niedriger
  • Reichweiten werden höher
  • Ladezeiten werden geringer
  • Verbrenner bald in vielen Ländern verboten
  • Öl nicht unendlich verfügbar
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