Grip im Schnee dank Winterreifen

Profiltiefe bei Winterreifen: Mindestprofiltiefe und Fahrsicherheit

Die Profiltiefe eines Reifens wirkt sich auf die Fahreigenschaften aus – bei Winterreifen noch mehr als bei Sommerreifen. Setzt sich das Profil mit Schnee oder Eis zu, kann der Reifen keinen ausreichenden Bodenkontakt mehr herstellen. Das Fahrzeug wird dann zunehmend unbeherrschbar. Der Gesetzgeber schreibt deshalb eine Mindestprofiltiefe für Reifen vor. Wir sagen Dir, was Du über die Profiltiefe bei Winterreifen wissen solltest.

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  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:08 PM
Die Profiltiefe eines Reifens wirkt sich auf die Fahreigenschaften aus – bei Winterreifen noch mehr als bei Sommerreifen.
Quelle: Arno Burgi ((c) dpa) Die Profiltiefe eines Reifens wirkt sich auf die Fahreigenschaften aus – bei Winterreifen noch mehr als bei Sommerreifen

Die gesetzlich festgelegte Mindestprofiltiefe für Winter- wie für Sommerreifen beträgt 1,6 Millimeter. Diese Kongruenz überrascht. Und tatsächlich halten viele Experten die Mindestprofiltiefe für deutlich zu gering, vor allem bei Winterreifen. So empfiehlt der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) eine Profiltiefe von mindestens vier Millimetern für Winter- und von mindestens drei Millimetern für Sommerreifen – also 1,4 beziehungsweise 2,4 Millimeter mehr als die gesetzlich vorgeschriebenen Werte.

Experten raten dazu, die Tiefe des Profils regelmäßig zu messen.
Quelle: Arno Burgi ((c) dpa) Experten raten dazu, die Tiefe des Profils regelmäßig zu messen. Bei Winterreifen wird eine Profiltiefe von mindestens vier Millimetern empfohlen

Profiltiefe: Reifen im Praxistest

Der ADAC hat den Einfluss niedriger Profiltiefen auf die Leistungsfähigkeit von Reifen untersucht. Dafür wurden Winterreifen der Größe 185/60 R 14, die bei Schnee, Nässe und Glätte besonders auf die Verzahnung ihres Profils mit der Straße angewiesen sind, in drei unterschiedlichen Profiltiefen getestet: Im Neuzustand (etwa acht Millimeter Profiltiefe), mit 7,5 Millimetern und mit vier Millimetern Profiltiefe. Vier Millimeter entsprechen der vom ADAC geforderten Mindestprofiltiefe. Diese Mindestprofiltiefe ist nicht nur den ADAC-Experten zufolge die empfohlene Profiltiefe. Das Ergebnis des ADAC: Der Test belegt deutlich, welch großen Einfluss die Tiefe des Profils auf die Leistungsfähigkeit von Winterreifen hat. Das gilt tendenziell ebenso für Sommerreifen und auch für Ganzjahresreifen. Zum Thema Ganzjahresreifen sei aber gesagt: In einem Test des ADAC schnitten die untersuchten Reifen nur ausreichend oder befriedigend ab. Die Experten empfehlen deshalb, weiter auf Winter- und Sommerreifen zu setzen.

Auf Schnee waren die Unterschiede zwischen neuen und bereits gefahrenen Reifen am größten. So verursacht ein Reifen mit nur noch vier Millimetern Profil schon bei Tempo 30 einen 3,2 Meter längeren Bremsweg als der Neureifen, ermittelten die Experten. Noch deutlicher fielen die Unterschiede bei der Zugkraft aus, also dann, wenn der Reifen beim Anfahren besonders viel Grip aufbauen muss. Schon die Variante mit 7,5 Millimeter-Restprofil bringt gegenüber dem Neureifen nur noch 60 Prozent der Zugkraft auf. Und der abgefahrene Vier-Millimeter-Reifen schafft nicht einmal mehr die Hälfte, lauteten die Ergebnisse.

Reifenprofil und Grip – Was ist sicher?

Ein deutliches Plädoyer für die Winterreifenpflicht hielten die Experten zudem mit dem zusätzlichen Test eines Sommerreifens: Der leistete auf Schnee sogar nur noch ein Viertel der Zugkraft eines neuen Winterreifens – bei einem um 7,5 Meter längeren Bremsweg schon aus Tempo 30. Deutliche Unterschiede zwischen neuen und gebrauchten Winterreifen wurden im Test auch bei Nässe gemessen. Während der neue Reifen erst bei 87 km/h aufschwimmt, war das beim Reifen mit vier Millimetern schon bei 63 km/h der Fall, so das Ergebnis. Der Bremsweg aus 80 km/h verlängerte sich zudem um sieben Prozent.

Eine Überraschung gab es allerdings in dem Text auch: So zeigte sich, dass der Bremsweg eines Fahrzeugs mit fortschreitendem Abriebzustand des Winterreifens auf trockenem Belag sogar kürzer wird. Der Grund den Experten des ADAC zufolge: Die flacher werdenden Profilblöcke verformen sich bei Bremsungen weniger, weshalb mehr Gummi und damit mehr Lauffläche auf dem Asphalt liegt.

Deshalb solltest Du aber nicht möglichst lange auf abgefahrene Winterreifen setzen. Schließlich sei der deutsche Winter für trockene Straßen nicht gerade bekannt, so der ADAC. Und auch wer glaube, man könne Winterreifen im Sommer „aufbrauchen“, liegt falsch. Denn Winterreifen haben gegenüber Sommerreifen einen deutlich längeren Bremsweg.

Mit einem Messgerät, aber auch mit einer 1-Euro-Münze kannst Du die Profiltiefe Deiner Winterreifen messen.
Quelle: Arno Burgi ((c) dpa) Mit einem Messgerät, aber auch mit einer 1-Euro-Münze kannst Du die Profiltiefe Deiner Winterreifen messen

Profiltiefe messen – So geht‘s

Auf dem Reifenumfang finden sich an sechs Stellen kleine Stege im Profilgrund der relevanten Rillen, erklärt der ADAC. Diese Stege tragen den Namen Verschleißindikator oder auch Tread Wear Indicator (TWI). Gemessen werde die Profiltiefe in den Rillen direkt neben den Stegen. Gehen die Stege ohne Absatz in die Profilblöcke über, sei die gesetzliche Mindestprofiltiefe bereits unterschritten. Dann dürfe das Fahrzeug mit diesen Reifen nicht mehr gefahren werden, so die Experten. Sie raten dazu, die Profiltiefe regelmäßig zu messen.

Messgeräte für die Profiltiefe sind für wenige Euro im Zubehörhandel erhältlich. Ein solcher Messschieber erinnert der Form nach an ein Lineal und wird auf der Lauffläche zwischen zwei Profilblöcken angesetzt. Man schiebt die Messstange nach unten und kann nun auf der Skala des Schiebers die Profiltiefe ablesen.

Aber auch mit einer Ein-Euro-Münze kann man die Tiefe des Profils messen. Zwar ist eine millimetergenaue Messung damit nicht möglich. Immerhin erhält man aber schon einmal Aufschluss darüber, ob man die Reifen noch eine Weile fahren kann oder ob man sie besser austauschen sollte.

So funktioniert die Messung: Der goldene Rand der Ein-Euro-Münze weist eine Breite von exakt drei Millimetern auf. Hält man die Münze in die Mitte des Reifenprofils, muss man darauf achten, ob dieser Rand noch sichtbar ist. Verschwindet der Goldrand, kann man – zumindest im Fall von Sommerreifen – bedenkenlos weiterfahren. Ist ein Teil des goldenen Rands jedoch sichtbar, sollten die Reifen ausgetauscht werden.



Winterreifen: Einfluss der Profiltiefe auf die Leistungsfähigkeit

-Neuer WinterreifenWinterreifen mit 7,5 mm RestprofilWinterreifen mit 4 mm Restprofil
Auf Schnee bremsen100 %97 %86%
Zugkraft auf Schnee100 %60 %48 %
Aquaplaning100 %95 %73 %
Auf nasser Fahrbahn bremsen100 %103 %93 %
Trocken bremsen100 %106 %118 %

Quelle: ADAC

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