Sicher durch den Sommer rollen

Profiltiefe bei Sommerreifen: Mindestprofiltiefe und Fahrsicherheit

Vom Profil eines Reifens hängen dessen Fahreigenschaften ab. Das beeinflusst auch die Verkehrssicherheit. Ist keine ausreichende Profiltiefe vorhanden, dann greift das Profil des Reifens nicht mehr und das Auto verliert, je nach Wetterlage, mehr oder weniger schnell die Bodenhaftung. Deshalb gibt es eine gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe für Sommer- und Winterreifen. Wir sagen Dir, was Du über das Reifenprofil bei Sommerreifen unbedingt wissen solltest.

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  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:08 PM
Auf der Skala des Messgeräts kannst Du die Tiefe des Profils ablesen.
Quelle: Petra Steuer (picture alliance/JOKER) Auf der Skala des Messgeräts kannst Du die Tiefe des Profils ablesen. Bei Sommerreifen wird eine Profiltiefe von drei Millimetern empfohlen

Nicht immer hat der Gesetzgeber Recht. Für Sommer- und Winterreifen ist eine gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern vorgeschrieben. Experten halten diese Profiltiefe bei Reifen aber für deutlich zu gering. Das gilt vor allem für Winterreifen. Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) empfiehlt eine Profiltiefe von mindestens vier Millimetern für Winterreifen und von mindestens drei Millimetern für Sommerreifen. Das ist sinnvoll, weil neue Autoreifen eine Profiltiefe von acht bis neun Millimetern haben.

Zur Messung der Profiltiefe setzt Du das Messgerät zwischen zwei Profilblöcken an. Dann schiebst Du die Messstange nach unten.
Quelle: D. Maehrmann (picture alliance / blickwinkel) Zur Messung der Profiltiefe setzt Du das Messgerät zwischen zwei Profilblöcken an. Dann schiebst Du die Messstange nach unten

Auswirkungen der Profiltiefe auf die Fahreigenschaften

Ein zu flaches Profil ist nicht nur bei schlechten Wetterbedingungen gefährlich – bei Regen etwa droht Aquaplaning –, sondern auch auf trockener Straße. Das liegt am längeren Bremsweg des Autos. Schon bei einer Profiltiefe von vier Millimetern nimmt die Haftung des Reifens auf nassen Straßen deutlich ab und der Bremsweg verlängert sich. Besonderes hoch ist die Gefahr von Aquaplaning bei Reifen mit einer breiten Lauffläche. Die Reifen können den Wasserfilm nicht mehr verdrängen und verlieren den Kontakt zur Straße.

Auf dem Reifenumfang finden sich an sechs Stellen kleine Stege im Profilgrund der relevanten Rillen. Diese Stege heißen Verschleißindikator oder auch Tread Wear Indicator (TWI). Die Profiltiefe wird in den Rillen direkt neben diesen Stegen gemessen. Gehen die Stege ohne Absatz in die Profilblöcke über, ist die gesetzliche Mindestprofiltiefe bereits unterschritten. Dann darf mit diesen Reifen nicht mehr gefahren werden, sagt der ADAC.

Messgeräte für die Profiltiefe sind für wenig Geld im Zubehörhandel erhältlich. Ein solcher Messschieber erinnert der Form nach an ein Lineal und wird zwischen zwei Profilblöcken angesetzt. Du schiebst die Messstange nach unten und kannst nun auf der Skala des Schiebers die Profiltiefe ablesen. Aber auch mit einer Ein-Euro-Münze kannst Du Dir behelfen. Eine millimetergenaue Messung ist damit nicht möglich. Du erhältst aber Aufschluss darüber, ob Du die Reifen noch eine Zeit lang fahren kannst oder ob sie ausgetauscht werden müssen.

Profiltiefe von Reifen korrekt messen

So kannst Du die Profiltiefe der Autoreifen messen: Der goldene Rand der Ein-Euro-Münze weist eine Breite von exakt drei Millimetern auf. Hältst Du die Münze in die Mitte des Reifenprofils, musst Du darauf achten, ob dieser Rand noch sichtbar ist oder ob er schon in der Bereifung verschwindet. Verschwindet der Goldrand, kannst Du – zumindest im Fall von Sommerreifen – bedenkenlos weiterfahren. Die Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern ist dann auf jeden Fall gegeben. das Profil liegt mit einer Tiefe von drei Millimetern oder mehr sogar in dem Bereich der empfohlenen Profiltiefe. Ist ein Teil des goldenen Rands jedoch sichtbar, sollten die Reifen ausgetauscht werden. 

Wird bei einer Polizeikontrolle festgestellt, dass die Reifen des Autos nicht die Mindestprofitiefe von 1,6 mm aufweisen, ist ein Bußgeld von bis zu 90 Euro fällig. Zudem droht ein Punkt im Zentralregister des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) in Flensburg. Schwerer noch wiegt im Falle eines Unfalls der eventuelle Verlust des vollwertigen Versicherungsschutzes. Wird man mit nicht zulässiger Profiltiefe mit dem Auto in einen Unfall verwickelt, kann dem Betroffenen grobe Fahrlässigkeit unterstellt werden. Ähnlich würde man beim Fahren mit Sommerreifen im Winter argumentieren. Der Betroffene wird dann mit hoher Wahrscheinlichkeit zur vollständigen Übernahme der Schadenskosten verpflichtet.

Allerdings haben Gerichte auch schon anders entschieden und die Versicherungen zur Übernahme der Schadenssumme verpflichtet. Dafür aber muss ein Gutachter bestätigen, dass der verhandelte Unfall selbst mit gesetzlich vorgeschriebener Mindestprofiltiefe nicht hätte vermieden werden können. Die Verkehrsrechtsexperten des Portals Bußgeldkatalog 2019 empfehlen daher, immer auch auf die entsprechenden Klauseln in den Versicherungsverträgen zu achten. So habe der Betroffene bei einer Vollkaskoversicherung zwar eine Chance, die Schäden am eigenen Kfz erstattet zu bekommen. Urteilen die Experten der Versicherung jedoch, dass ein stark abgefahrenes Reifenprofil die Unfallursache war, könne die Erstattung der Schäden reduziert werden oder völlig entfallen. 



Ist keine ausreichende Profiltiefe vorhanden, kann sich das auf die Verkehrssicherheit Deines Autos auswirken.
Quelle: Kai Remmers (picture alliance / dpa Themendienst) Ist keine ausreichende Profiltiefe vorhanden, kann sich das auf die Verkehrssicherheit Deines Autos auswirken. Daher solltest Du Deine Reifen regelmäßig überprüfen

Ungleichmäßiger Verschleiß und seine Ursachen

Kniffelig wird es, wenn Reifen ungleichmäßig verschleißen – und zwar nicht nur im Schadensfall. So könne es passieren, dass ein Reifen die Mindestprofiltiefe zwar großflächig erfüllt, an einigen Stellen aber deutlich unterschreitet, so die Rechtsexperten von Bußgeldkatalog.org. In dem Fall müsse der betroffene Reifen ausgetauscht werden. 

Ungleichmäßiger Verschleiß kann mehrere Ursachen haben. Die am einfachsten zu behebende ist ein zu niedriger Reifendruck. Die Vorgaben des Herstellers sollten also unbedingt eingehalten werden. Doch auch technische Defekte am Fahrzeug können sich auf die Reifen auswirken. So können defekte Stoßdämpfer ebenso zu ungleichmäßigem Verschleiß führen wie ein fehlerhaftes Bremssystem. Und auch eine falsch eingestellte oder verstellte Spur, etwa durch das heftige Überfahren eines zu hohen Bordsteins, oder defekte Radlager bewirken einen ungleichmäßigen Verschleiß des Reifenprofils.

Mindestprofiltiefe für Autoreifen

-SommerreifenWinterreifen
Gesetzliche Mindestprofiltiefe1,6 Millimeter1,6 Millimeter
Empfohlene MindestprofiltiefeMindestens 3 MillimeterMindestens 4 Millimeter