Der nicht mehr ganz so kleine Mokka-Bruder

Peugeot 2008 SUV (2019): Erster Test, Fahrbericht

Kunden lieben SUVs, die Branche liefert. Der neue Peugeot 2008 ist ein tolles Auto, zeigt aber die Schwächen des Hochbeiner-Konzepts. Erfahre hier mehr.

  • Björn Tolksdorf
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  • Veröffentlicht am 12/07/2019, 11:00 AM
Zu sehen ist der Peugeot 2008, fahrend
Quelle: Peugeot Je nach Konfiguration sitzt ein 1,2-Liter-Dreizylinder Turbo-Benziner mit 155 PS oder ein 1,5-Liter-Vierzylinder-Diesel 131 PS unter der Motorhaube des Peugeot 2008

Ob die Welt City-SUVs wie den neuen Peugeot 2008 braucht, der im Schnitt 200 Kilo mehr wiegt als der technisch identische Kleinwagen Peugeot 208? Die Welt antwortet: ja. Kleine SUVs verkaufen sich wie geschnittene iPhones. Deshalb kann es sich kein Hersteller leisten, ins Hintertreffen zu geraten, und deshalb ist der neue Peugeot 2008 so gut. Unübersehbar haben die Franzosen in dieses Auto sehr viel investiert – Ideen, Geld und Know-how.



Ein Mini-SUV ist er eigentlich nicht mehr, der 2008. Mit 4,30 Metern Länge übertrifft er seinen Vorgänger um 14 Zentimeter und sein aktuelles Schwestermodell DS 3 Crossback um 18 Zentimeter. Den neuen VW Golf überragt der Peugeot 2008 um 2 Zentimeter. Er basiert als viertes Konzernmodell der Peugeot-Gruppe auf der Plattform CMP. Das nächste Modell wird voraussichtlich 2020 die 2. Generation des Opel Mokka.  

Viel Platz und digitales Cockpit 

Stämmig steht der Peugeot 2008 da, eigen und ein wenig futuristisch. Peugeot hat seine Designlinie mit dem größeren SUV 3008 gefunden und steht wieder für etwas – optisch wie funktional. Das Raumangebot im neuen 2008 reicht durchaus für die Kleinfamilie. 405 gut beladbare Liter fasst der Kofferraum, auf der Rückbank finden zwei Erwachsene bequem Platz. Auch vorn bietet das Peugeot-SUV Fahrer und Beifahrer ausreichend Raum in alle Richtungen. Allerdings wirkt der Fußraum des Fahrers relativ schmal, die Knie stoßen schnell an Tür und Mittelkonsole gleichzeitig an. 

Zu sehen ist der Peugeot 2008, stehend, orange lackiert
Quelle: Peugeot Die kantige Front des Peugeot 2008 wird beim Anfahren auf schrägen Oberflächen zum Nachteil. Sie schiebt sich ins Blickfeld und versperrt die Sicht

Ein Problem hat Peugeot genauso wie VW: Es fällt im Mehrmarken-Konzern, in dem alle Marken den gleichen Baukasten verwenden, nicht immer leicht, sich abzugrenzen. Peugeot setzt ganz auf sein „i-Cockpit“ genanntes Bedienkonzept mit tiefliegendem, kleinem Lenkrad. Darüber schaut der Fahrer auf den Instrumententräger. Für ein Head-up-Display besteht kein Bedarf, da sich alle Anzeigen bereits im Blickfeld befinden. Das Konzept gefällt nicht jedem, man sollte ihm jedoch etwas Zeit geben – und vor allem Sitz- und Lenkradhöhe aufeinander abstimmen. Im Peugeot 2008 steckt das neue Display mit 3D-Effekt, bei dem die Informationen dreidimensional vor dem Digital-Display erscheinen. So kann sie der Fahrer laut Peugeot schneller erfassen.  

Hohe Qualität und nette Ideen im 2008

Schick aussehen konnten auch frühere Peugeot-Cockpits. Dieses hier wirkt auch qualitativ ausgesprochen hochwertig. Kunststoffe, gummierte Oberflächen, Chrom- und Aluminiumelemente schmeicheln Hand und Auge. Alles rastet sauber und klickt satt. Zur ersten Probefahrt brachte Peugeot allerdings nur Fahrzeuge der Top-Ausstattung „GT-Line“ mit und gibt zu: Es gibt auch weniger noble Trimms. 

Einige Detaillösungen wirken weiterhin schrullig, andere überzeugen: Der Schalter für den Parkpiloten etwa befindet sich im Automatik-Wahlhebel. Ein kluger Ort für diese Funktion. Den mittigen Infotainment-Touchscreen ergänzt Peugeot um eine haptisch feine Schalterleiste. Um die Temperatur zu verstellen, muss man jedoch weiterhin ins Untermenu des Touchscreens abtauchen.  

Fahrverhalten: Handlich, drahtig, aber eben doch SUV 

Typisch SUV, wirkt der neue 2008 in vielen Situationen etwas klobiger, als er müsste. An Steigungen schiebt sich die kantige Front ins Blickfeld und versperrt den Blick auf Gegenverkehr oder Parkhauswand. Die Funktion spielt hinter der vom Kunden gewünschten Form nur die zweite Geige.  

Zu sehen ist der Peugeot 2008 von hinten, stehend
Quelle: Peugeot Mit einer Länge von 4,3 Metern überragt der Peugeot 2008 die Dimensionen eines Mini-SUV. Er übertrifft seinen Vorgänger um 14 Zentimeter

Aber: Die Abstimmung des Mini-SUVs ist Peugeot gut gelungen. Der 2008 wirkt leicht beherrschbar, handlich, agil, fast dynamisch – aber nie hart. Im Gegenteil. Das Fahrwerk federt ausgesprochen weich und regt die Karosserie mitunter sogar zum Schwingen an – wie der Franzose es liebt. Dabei fühlt sich der 2008 in sich straff, stabil und auch in ambitioniert genommenen Kurven griffig an – nur eben weich gelagert. Dazu passt die im normalen Fahrmodus französisch leichtgängige und sich im Sport-Modus spürbar straffende Lenkung. Sie transportiert wenig Infos über die Fahrbahn, arbeitet aber sehr präzise. Im Sport-Modus mischt Peugeot etwas synthetischen Sportwagen-Sound in den Innenraum, die der Allzweck-Dreizylinder des PSA-Konzerns von allein nicht erzeugen kann.  

Überhaupt: Der große Benziner mit 155 PS ist etwas viel des Guten für dieses Auto. Die Abstimmung auf die Achtgang-Automatik gelingt den Franzosen prima, aber so viel Kraft braucht der 2008 nicht – so richtig dynamisch wird es dann eben doch nicht mit dem hohen Schwerpunkt. Auch unser Verbrauch von rund 7 Litern im reinen Landstraßenbetrieb wirkt nicht extrem stimmig. Den 130-PS-Diesel (in Deutschland der einzige) fahren wir mit 5,5 Litern auf 100 Kilometer. Er harmoniert vor allem bei langsamer Fahrt nicht ganz so gut mit der Achtgang-Automatik. 

Ausstattung: LED-Licht ab der Basis 

Schön: Die Ausstattungslinien des 2008 schnürt Peugeot stimmig. Einen „nackten“ 2008 gibt es nicht. Die Basis „Active“ (ab 21.500 Euro) fährt bereits mit LED-Licht, Frontkollisionswarner, Einparkhilfe hinten, Licht- und Regensensor, Müdigkeitswarner, Spurhalteassistent und Alu-Rädern. Ebenso an Bord sind ein Touchscreen mit Audioanlage und eine manuelle Klimaanlage. In „Allure“ (2.500 Euro Aufpreis) kommen zum Beispiel der Fahrmodus-Schalter, volle Konnektivität, die elektrische Handbremse, eine Rückfahrkamera und das digitale Cockpit hinzu. Vor allem aber lässt sich der Peugeot 2008 nun mit Vollleder-Massagesitzen, dem großen Assistentenpaket, einem Navi und der GT-Line aufrüsten.  

Zu sehen ist das Heck des Peugeot 2008
Quelle: Peugeot Das optionale Ausstattungspaket 'Allure' des Peugeot 2008 birgt charmante Extras. Für 2.500 Euro erhält man unter anderem eine Rückfahrkamera

Die Top-Linie GT (ab 33.900 Euro) enthält vieles davon bereits, wird aber nur zum stärksten Benziner und zum Elektroauto angeboten. Genau, Elektroauto: Peugeot nennt das bei seinen neuen Modellen 208 und 2008 „Multi-Energy“. Sie sind als Benziner, Diesel und als Elektroauto erhältlich. Der Stromer startet zeitgleich mit Benziner und Diesel Ende Januar in den Verkauf, die Auslieferungen beginnen jedoch erst zwei Monate später.



Fazit: Der 2008 hält Abstand zum 208 

Unterm Strich: Der neue Peugeot 2008 macht vieles sehr gut und fast alles besser als sein Vorgänger. Die Qualität überzeugt ebenso wie das Fahrverhalten und die Ausstattung. Er leidet aber daran, dass er zugleich ein kleines, handliches Auto und ein SUV sein soll. Die ausladende Karosse verspielt ein wenig den Gewichtsvorteil der hochmodernen CMP-Plattform des PSA-Konzerns. Die kantige Form reduziert den Effizienzvorteil der sparsamen Downsizing-Motoren. 

So hält der neue 2008 immerhin die Differenzierung zum klassischen Kleinwagen 208 aufrecht. Der in engen Innenstädten mit umkämpftem Parkraum die bessere Wahl darstellt. Wem das Prinzip SUV zusagt, der Peugeot jedoch etwas zu exzentrisch ausfällt, der muss nicht mehr lange warten: 2020 wird Opel mit identischer Technik, aber eigenem Design und eigener Abstimmung den neuen Mokka zeigen. Auch Citroën hat ein Crossover-Modell auf CMP-Basis als Nachfolger des C4 Cactus in Aussicht gestellt. 

Peugeot 2008 2019: Technische Daten

Modell Peugeot 2008 Puretech 155 EAT8 Peugeot 2008 BlueHDI 130 EAT8 
Motor 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbo-Benziner 1,5-l-Vierzylinder-Diesel 
Leistung 155 PS (114 kW) 131 PS (96 kW) 
Drehmoment 240 Nm 300 Nm 
Getriebe 8-Gang-Automatik 8-Gang-Automatik 
0-100 km/h 8,2 s 9,3 s 
Höchstgeschwindigkeit 208 km/h 195 km/h 
Normverbrauch 5,0 l/100 km 3,8 l/100 km 
Testverbrauch 7,0 l/100 km 5,5 l/100 km 
CO2 113 g/km 100 g/km 
Länge 4.300 mm 4.300 mm 
Breite 1.770 mm 1.770 mm 
Höhe 1.530 mm 1.530 mm 
Radstand 2.605 mm 2.605 mm 
Leergewicht 1.280-1.407 kg 1.310-1.445 kg 
Kofferraum 405-1.467 l 405-1.467 l 
Preis 33.900 Euro (GT) 29.950 Euro 
Basispreis Peugeot 2008 21.500 Euro 
Marktstart Januar 2020 Januar 2020 

Peugeot 2008 Fahrbericht in Bildern

  • Zu sehen ist der Peugeot 2008, stehend, orange lackiert
    Quelle: Peugeot Die kantige Front des Peugeot 2008 wird beim Anfahren auf schrägen Oberflächen zum Nachteil. Sie schiebt sich ins Blickfeld und versperrt die Sicht
  • Zu sehen ist der Peugeot 2008 von hinten, stehend
    Quelle: Peugeot Mit einer Länge von 4,3 Metern überragt der Peugeot 2008 die Dimensionen eines Mini-SUV. Er übertrifft seinen Vorgänger um 14 Zentimeter
  • Zu sehen ist der Peugeot 2008, stehend
    Quelle: Peugeot Der Fahrer hält problemlos die Zügel in der Hand. Der Peugeot 2008 wirkt handlich, agil und fast dynamisch
  • Zu sehen ist das Heck des Peugeot 2008
    Quelle: Peugeot Das optionale Ausstattungspaket 'Allure' des Peugeot 2008 birgt charmante Extras. Für 2.500 Euro erhält man unter anderem eine Rückfahrkamera
  • Zu sehen ist der Peugeot 2008, fahrend
    Quelle: Peugeot Je nach Konfiguration sitzt ein 1,2-Liter-Dreizylinder Turbo-Benziner mit 155 PS oder ein 1,5-Liter-Vierzylinder-Diesel 131 PS unter der Motorhaube des Peugeot 2008
  • Zu sehen ist das Cockpit des Peugeot 2008
    Quelle: Peugeot Kunststoffe, gummierte Oberflächen, sowie Chrom-und Aluminiumelemente schmücken den Innenraum des Peugeot 2008. Oberhalb des Lenkrads befindet sich der Instrumententräger mit diversen Anzeigen
  • Zu sehen ist das Digital-Display des Peugeot 2008
    Quelle: tibo Das Infotainmentsystem im Peugeot 2008 beherrscht natürlich die Smartphone-Standards Android Auto und Apple Carplay (im Bild)
  • Zu sehen sind die Vordersitze des Peugeot 2008
    Quelle: Peugeot Fahrer und Beifahrer finden im Peugeot 2008 ausreichend Raum in alle Richtungen. Der Fahrer-Fußraum wirkt jedoch etwas schmal
  • Zu sehen ist die Rückbank des Peugeot 2008
    Quelle: Peugeot Der Peugeot 2008 bietet Platz für die ganze Familie. Auf der Rückbank finden zwei Erwachsene bequem Platz
  • Zu sehen ist der Kofferraum des Peugeot 2008
    Quelle: tibo Bei umgeklappter Rückbank wächst das Kofferraumvolumen im Peugeot 2008 auf 1.467 Liter