Bekommt der Strom-Vivaro den Corsa-Antrieb?

Opel Vivaro-e: Elektro-Kastenwagen startet 2020

Opel startet 2020 mit dem elektrischen Vivaro-e. Am sauberen Strom-Transporter führt vor allem in Städten künftig kein Weg vorbei. Erfahre hier mehr.

  • Björn Tolksdorf
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  • Veröffentlicht am 11/22/2019, 5:39 PM
Gelber Transporter mit Vivaro-e Schriftzug auf der Seite fährt über ein Hafengelände
Quelle: Opel Opel setzt seinen Transporter Vivaro unter Strom. 2020 soll der Vivaro-e starten

Die Bundesregierung und die Autohersteller versuchen, die Autofahrer mit neuen Prämien vom Elektroauto zu überzeugen. Im Nutzfahrzeugsegment könnte das schneller gehen, denn hier trifft zumeist am Ende der Taschenrechner die Entscheidung. Stichwort: „Total Cost of Ownership“. Fährt der Elektro-Transporter unterm Strich günstiger, wartungsärmer, zweckmäßiger als ein Diesel? Dann wird der höhere Kaufpreis des Elektroautos keine entscheidende Hürde sein.

Zu den Herstellern, die ein attraktives Angebot unterbreiten wollen, gesellt sich ab 2020 Opel. Die Rüsselsheimer bringen 2020 eine rein elektrische Version ihres Eintonnen-Transporters Vivaro. Gedacht sind solche Fahrzeuge vor allem für den städtischen Lieferverkehr. In den Innenstädten müssen Logistik-Unternehmen vielerorts künftig mit deutlich strengeren Emissionsvorschriften rechnen – da zum großen Teil Transporter mit großen Dieselmotoren die Waren zu den Kunden bringen.



Zwei Akkugrößen im Vivaro-e

Gerade auf der Kurzstrecke ist der Diesel keine effiziente Technologie – hier besitzen Elektroantriebe einen echten Vorteil. Ein Markt, den zum Beispiel Daimler mit dem Mercedes eVito und Ford mit dem Transit Custom PHEV bereits anzapfen. Die Post fährt mit elektrischen Lieferwagen ihrer eigenen Fahrzeugtochter Streetscooter.

Opels Mutterkonzern PSA hatte bereits 2018 angekündigt, in seiner Nutzfahrzeugflotte neben dem Diesel einen rein elektrischen Antrieb anbieten zu wollen. Im Opel Vivaro kündigt der Hersteller nun die Wahl zwischen zwei Batteriegrößen an. Je nach Einsatzzweck können sich Kunden so für niedrigere Kosten oder eine größere Reichweite entscheiden. Ein 50-kWh-Akku soll eine Reichweite von bis zu 200 Kilometern ermöglichen. Mit einem 75-kWh-Akku fährt der Opel Vivaro-e bis zu 300 Kilometer weit.

Gelber Vivaro steht neben einer Ladesäule und wird über ein Kabel geladen
Quelle: Opel Für den Vivaro-e sind zwei Akku-Größen verfügbar. Mit dem 50-kWh-Akku sind bis zu 200 Kilometer Reichweite drin. Wer den größeren 75-kWh-Akku nimmt, legt bis zu 300 Kilometer zurück

Corsa-Antrieb im Opel-Transporter?

Weitere technische Details zum Elektroantrieb verrät Opel noch nicht. Allerdings verwendet der Hersteller auch im Pkw-Bereich einen 50-kWh-Akku: Im Kleinwagen Corsa-e leistet der Elektromotor 100 kW (136 PS) und 260 Nm Drehmoment. Bis zu 100 kW Ladeleistung ermöglichen eine 80-Prozent-Ladung in 30 Minuten. Denkbar, dass dieser Motor auch im Opel Vivaro-e zum Einsatz kommt. 136 PS platzieren ihn mitten im Motorensortiment des Vivaro (102-177 PS). In der Stadt spielt die Spitzenleistung beim Elektroauto (wie auch beim Verbrenner) ohnehin keine tragende Rolle. Wettbewerber Daimler setzt im eVito auf nur 85 kW Spitzenleistung (116 PS), aber auf etwas mehr Drehmoment (295 Nm).

Opel kündigt weitere elektrische Lieferwagen sowie Pkw-Derivate an. Auf gleicher technischer Basis und mit gleicher Motorleistung soll auch der Hochdachkombi Opel Combo ab 2021 elektrisch fahren, ebenso wie die Pkw-Versionen Zafira Life und Combo Life.

Veränderte PSA-Elektro-Strategie

Mit dem vollelektrischen Opel Vivaro und seinen Schwestermodellen Citroën Berlingo sowie Peugeot Partner verfolgt der PSA-Konzern bei Nutzfahrzeugen eine andere Elektrifizierungs-Strategie als bei Personenkraftwagen. Dort lautet die Regel bislang: Reine Elektroautos fahren in der Kleinwagenklasse auf Basis der Kleinwagenplattform CMP. Größere Modelle basieren auf der Plattform EMP2 und erhalten einen Plug-in-Hybridantrieb mit elektrifizierter Hinterachse. Dies ermöglicht sowohl eine höhere Reichweite als auch bessere Fahrleistungen. Die Nutzfahrzeuge des Konzerns basieren zwar ebenfalls auf der EMP2-Plattform. Einen Plug-in-Hybridantrieb sieht PSA aber nicht vor, stattdessen setzen die Franzosen auf rein elektrischen Antrieb – oder klassisch auf Diesel mit 1,5 oder 2,0 Litern Hubraum.



Opel hatte bereits im Frühjahr 2018 angekündigt, seinen Kastenwagen der Eintonnen-Klasse aus der Kooperation mit Renault herauszulösen und künftig auf Basis der Technik des neuen Mutterkonzerns zu bauen. Ein logischer Schritt für den neuen Opel-Eigner: Bei Renault handelt es sich immerhin um den Hauptkonkurrenten des PSA-Konzerns. PSA produziert den Kastenwagen im ehemaligen Eurovan-Werk Sevel-Nord für die eigenen Marken Citroën und Peugeot sowie für Toyota. Opel dagegen produziert den Vivaro im englischen Vauxhall-Stammwerk Luton. Für die Produktion des neuen Vivaro stockte der Konzern 2019 die Kapazität des Werks auf rund 100.000 Fahrzeuge pro Jahr auf.

Zu den Preisen des Opel Vivaro-e verrät Opel derzeit noch nichts. Wir rechnen mit einem Listenpreis zwischen 40.000 und 50.000 Euro netto, je nach Ausstattung und Karosserievariante. Der Mercedes eVito startet bei rund 40.000 Euro netto, Ford verlangt für den Transit Custom Plug-in-Hybrid mindestens 47.995 Euro zuzüglich Umsatzsteuer.