Nissans Mini-SUV Juke im Fahrbericht

Nissan Juke II (2020) im Test: Erste Fahrt

Nissan bringt die zweite Generation des Juke. Das Mini-SUV kommt mit mehr Talenten, weniger Antrieben und höherem Mainstream-Faktor, irgendwie. Erste Fahrt.

  • Sven Förster
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  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:09 PM
Vom Vorgänger liefen rund 1,5 Millionen Exemplare vom Band. Ein Erfolgsmodell
Quelle: Nissan Vom Vorgänger liefen rund 1,5 Millionen Exemplare vom Band. Ein Erfolgsmodell. Ob der Juke der zweiten Generation daran anknüpfen kann, erfahrt Ihr in unserem Fahrbericht

Schwer zu sagen, ob sich der Nissan Juke dem Mainstream angepasst hat – oder es sich genau umgekehrt verhält. Mit rundlichen Formen und Glubschaugen begründete der Hochbeiner vor neun Jahren ein Segment, das sich selbst und die Offroad-Thematik nicht ganz so ernst nahm. Das funktionierte am Markt: Zwischen damals und heute liegt die Auslieferung von insgesamt 1,5 Millionen Juke und der Launch von mehr als einem Dutzend Konkurrenten von Citroen C3 Aircross über VW T-Cross bis Skoda Kamiq.

Nissans zweites Mini-SUV behält Formensprache und Anspruch bei – die nach oben gewölbten vorderen Leuchten nicht, sie werden durch schlitzförmige LED-Scheinwerfer ersetzt. Insgesamt gerät das ab Anfang 2020 erhältliche Modell weniger gewagt, aber wesentlich praktischer als sein Vorgänger. Der Nissan bietet die gewohnte Härte, mehr Assistenten, doch weniger Antriebs-Vielfalt.

Mehr Platz und gewohnte Optik im Juke II

Mit 4,21 Metern zählt der Nissan Juke II zu den längsten Vertretern seiner Fahrzeugklasse. Er überragt den Vorgänger um 7,5 Zentimeter, der Radstand wächst um mehr als 11 Zentimeter auf 2,64 Meter. Beides Maßnahmen, um den häufigsten Kritikpunkten am Juke erster Generation beizukommen. Viele wollten mehr Platz in Reihe zwei und Gepäckabteil. Im Juke II finden die Beine erwachsener Fond-Passagiere ausreichend Platz. Nach oben langt der Raum zwar knapp, aber immerhin. Längere Fahrten im Fond gehen damit weniger auf die Gelenke als aufs Gemüt: Die schmalen, nach hinten zulaufenden Seitenfenster erlauben wenig Lichteinfall und mäßige Sicht.

Die Glubschaugen hat der Juke in zweiter Generation abgelegt
Quelle: Nissan Die Glubschaugen hat der Juke in zweiter Generation abgelegt

Das Kofferraumvolumen liegt bei 455 Litern, 101 Liter mehr als beim Vorgänger. Stellt man die hinteren Lehnen flach, passen bis zu 1.088 Liter ins Heck. Alternativ kann man den variablen Kofferraumboden eine Raste weiter oben einhängen. Dann opfert man ein paar Liter zugunsten einer komplett ebenen Ladefläche.



Ein City-SUV mit Landstraßen-Tauglichkeit

In der vordersten Sitzreihe rückt groß gewachsenen und breit gebauten Passagieren die Türverkleidung unanständig auf die Pelle. Der Platz zwischen den Sitzen scheint ausreichend bemessen. Sonst fühlt man sich wohl auf den Stühlen mit passablem Seitenhalt, das Armaturenbrett mit Soft-Touch-Materialien und aufgesetztem Acht-Zoll-Screen sieht nett aus.

Das Dreispeichen-Lenkrad mit dünnem Kranz liegt gut in der Hand. Die Lenkung fällt präzise aus und ist eher leicht gewichtet. Der Widerstand lässt sich in Modellen mit Fahr-Erlebnisschalter erhöhen. Wer sich über den Schalter an der Mittelkonsole durch Eco und Standard auf Sport durchklickt, erhält deutlich mehr Widerstand und eine schärfere Gasannahme. Die Dämpfer spielen beim Wechsel nicht mit – für den Juke II gibt es keine adaptive Lösung. Nissan betont die geringe Rollbewegung des Aufbaus, die grundsätzlich agile Auslegung des Fahrwerks.

Tatsächlich gehört der Juke zu den fahraktiveren Modellen im Segment. Mit klar definiertem Druckpunkt auf der Bremse und generell härterer Abstimmung macht das City-SUV jenseits der Stadtgrenzen Laune. Fahrbahnunebenheiten bügelt es dabei mäßig weg und plumpst immerhin nicht hinein. Mit Querrillen in der Kurve kommt der Nissan Juke allerdings schlecht zurecht und versetzt mitunter geringfügig.

Vorerst nur ein Motor im Nissan Juke II

Nissan stellt den Juke auf eine gemeinsam mit Renault entwickelte Plattform: Den CMF-B-Unterbau nutzt damit auch der direkte Konkurrent Renault Captur. Das japanische Mini-SUV kam schon in der ersten Generation mit etwas strafferer Auslegung als der Franzose. Die Rollen dürften in der zweiten Generation ähnlich verteilt bleiben.

Zum Marktstart bietet Nissan für den Juke ausschließlich das 117 PS-starke 1,0-Liter-Dreizylinder-Aggregat an
Quelle: Nissan Zum Marktstart bietet Nissan für den Juke ausschließlich das 117 PS-starke 1,0-Liter-Dreizylinder-Aggregat an

Beim Antriebsangebot hat der Captur dem Juke zum Marktstart viel voraus, zumindest quantitativ: Zunächst bietet Nissan lediglich ein Aggregat. Der 1,0-Liter-Dreizylinder liefert 117 PS bei 5.250 Umdrehungen. Das maximale Drehmoment von 180 Newtonmetern liegt zwischen 1.750 und 4.000 Touren konstant an. Selbstverständlich reicht das für Alltagsfahrten in einem (ab) 1.182 Kilogramm schweren Fahrzeug. Auf der ersten Testfahrt über die Landstraße liegt der Verbrauch im Bereich von 6,5 Litern Super – vertretbar angesichts einiger Zwischensprints.

Was dabei auffiel? Dass der Schub später kommt, als die Datenblatt-Lektüre vermuten lässt. Knapp 4.000 Umdrehungen will der Benziner für nennenswerten Vorwärtsdrang schon sehen. Heißt: Überholvorgänge oder Kreuzungs-Überquerungen in der finalen Gelb-Phase klappen tendenziell mit niedrigerem Gang besser.

6-Gang-Handschaltung oder Doppelkupplungsgetriebe

Wer den stets frontgetriebenen Juke mit 6-Gang-Handschaltung ordert, führt den hoch verbauten Hebel durch recht lange Schaltgassen. Immerhin sind sie klar definiert, ihre Handhabung ist exakt. Automatische Alternativen nutzten bei der ersten Juke-Generation ein stufenloses CVT-Getriebe. Für den Nachfolger bietet Nissan ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Mit dem (je nach Ausstattung) 1.600 bis 2.200 Euro teureren Strang kommen serienmäßig mitdrehende Schaltpaddles ans Lenkrad.

Daneben kann man über die Fahrmodi in die Handlungslogik des Getriebes eingreifen. Das Standard-Programm legt Nissan recht komfortabel aus. Wird der rechte Fuß spontan schwerer, kommt mit diesem Modus Unruhe ins System. Bei Gangwechseln kann es dann außerdem mit dem Kraftschluss etwas dauern. Im Sport-Setup klappt der Wechsel souveräner und mit vertretbaren Komfort-Einbußen bei gemächlicher Fahrt. Den Juke mit Fahrmodus-Schalter (Serie ab der dritten Ausstattungslinie N-Connecta) und sein schärfstes Programm empfehlen wir damit auch Käufern ohne ausgeprägtes Bedürfnis zum Heizen.

Gängige Assistenten und neue Apps

Ob es den Hinweis überhaupt braucht? Technische Spielereien kommen bei Juke-Kunden laut Hersteller generell gut an. Umfragen ergaben den Wunsch nach mehr Technik. Die gibt es nun einerseits unter Einbezug des Smartphones. Per App (serienmäßig ab der dritten Ausstattungslinie N-Connecta) lässt sich das Fahrzeug lokalisieren – oder überwachen: Auf Wunsch ertönt ein Alarm, wenn das Fahrzeug einen bestimmten Aktionsradius verlässt oder einen vordefinierten Speed-Level überschreitet. Der Sinn erschließt sich wohl, sobald der eigene Nachwuchs die Führerscheinprüfung bestanden hat.

Der Juke lässt sich mit dem Smartphone verbinden und überwachen
Quelle: Nissan Der Juke lässt sich mit dem Smartphone verbinden und überwachen. Wenn der Nachwuchs schneller unterwegs ist, als die Eltern erlauben, ertönt ein Alarmsignal

Klarer gelagert sind die Vorteile moderner Fahrassistenten: Ab der Basis verfügt der Juke II über einen Spurhalte-Assistenten. Den Lenk-Assistenten für die teilautonome Fahrt zwischen sichtbaren Leitlinien gibt es erst in der zweithöchsten Ausstattungslinie (Tekna). Enthalten sind außerdem ein Totwinkel-Warner und ein adaptiver Tempomat. In Kombination ergeben Geschwindigkeits-Regler und Lenk-Assistent den Stau-Assistenten Pro-Pilot. Damit schwimmt der Juke II selbstständig in der Kolonne mit. Große Fehler unterlaufen unserem Testwagen dabei nicht, doch auf längeren Geraden spielt der Nissan irgendwann Spurlinien-Billard.

Nissan Juke II: Preise und Ausstattungen

Der Juke II startet ab 18.990  Euro (Preise jeweils mit 117 PS und Handschaltung). Multifunktionslenkrad, Fernlicht-Assistent und Verkehrszeichenerkennung sind in der Basis-Linie (Visia) bereits enthalten. Ab 20.990 Euro verlangt Nissan für einen Juke der zweiten Ausstattungslinie (Acenta). Dann steht das kleine SUV auf 17-Zoll-Alufelgen anstelle der stählernen 16-Zöller und verfügt außerdem über den acht Zoll großen Touch-Screen. Die dritte Linie (N-Connecta) bringt ab 22.990 Euro den Fahrmodus-Schalter und einen Wi-Fi-Hotspot in den Innenraum, außerdem die App aufs Handy.

Die Wahl zwischen den beiden Top-Linien beginnt mit einer Grundsatzentscheidung: Wer das volle teilautonome Angebot ausschöpfen will, wählt einen Nissan Juke Tekna. Der startet ab 25.790 Euro, in vollem Umfang profitiert man von den Assistenten allerdings erst mit der ab 27.790 Euro teuren Automatik-Variante. Interessenten mit ausgeprägten Individualisierungs-Bestrebungen werden eher mit der N-Design-Linie (ab 26.390 Euro) glücklich. Dann lassen sich die elf Karosserie- und drei Dach-Farben frei mixen, Teile des Innenraumes in bunten Farben tapezieren. Darunter finden sich bestimmt einige Kombinationen, die den Nissan Juke II auf Wunsch wieder ein gutes Stück weiter weg vom Mainstream rücken.

Nissan Juke II (2020): Technische Daten

  • Motor: 1,0-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner
  • Leistung: 117 PS (86 kW) bei 5.250 U/min
  • Drehmoment: 180 Nm bei 1.750 bis 4.000 U/min
  • Getriebe: 6-Gang-Handschaltung oder 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DKG),
  • Frontantrieb
  • 0-100 km/h: 10,4 s (11,1 mit DKG)
  • Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
  • Verbrauch: 5,6 bis 6,2 l/100 km (WLTP, je nach Reifengröße
  • und Getriebe)
  • CO2-Emissionen: 135 bis 145 g/km (WLTP, je nach Reifengröße und
  • Getriebe)
  • Abgasnorm: Euro 6d-Temp
  • Länge: 4.210 mm
  • Breite: 1.800 mm (ohne Außenspiegel)
  • Höhe: 1.595 mm
  • Leergewicht: ab 1.182 kg (ab 1.257 kg mit DKG)
  • Kofferraum: 455 bis 1.088 l
  • Preis: ab 18.990 Euro (ab 20.990 Euro mit DKG)
  • Marktstart: Januar 2020

Der Nissan Juke II in Bildern

  • Die Glubschaugen hat der Juke in zweiter Generation abgelegt
    Quelle: Nissan Die Glubschaugen hat der Juke in zweiter Generation abgelegt
  • Der Juke lässt sich mit dem Smartphone verbinden und überwachen
    Quelle: Nissan Der Juke lässt sich mit dem Smartphone verbinden und überwachen. Wenn der Nachwuchs schneller unterwegs ist, als die Eltern erlauben, ertönt ein Alarmsignal
  • Vom Vorgänger liefen rund 1,5 Millionen Exemplare vom Band. Ein Erfolgsmodell
    Quelle: Nissan Vom Vorgänger liefen rund 1,5 Millionen Exemplare vom Band. Ein Erfolgsmodell. Ob der Juke der zweiten Generation daran anknüpfen kann, erfahrt Ihr in unserem Fahrbericht
  • Zum Marktstart bietet Nissan für den Juke ausschließlich das 117 PS-starke 1,0-Liter-Dreizylinder-Aggregat an
    Quelle: Nissan Zum Marktstart bietet Nissan für den Juke ausschließlich das 117 PS-starke 1,0-Liter-Dreizylinder-Aggregat an
  • Mindestens 18.990 verlangt Nissan für das Mini-SUV
    Quelle: Nissan Mindestens 18.990 verlangt Nissan für das Mini-SUV
  • Der Juke kommt wahlweise mit 6-Gang-Handschaltung oder 7-Gang-Doppekupplungsgetriebe
    Quelle: Nissan Der Juke kommt wahlweise mit 6-Gang-Handschaltung oder 7-Gang-Doppekupplungsgetriebe