Mercedes GLB 220 d im Test: Erste Fahrt im Kompakt-SUV

Mercedes baut ein SUV für Familien: Der GLB fährt mit bis zu sieben Sitzen in der Klasse von VW Tiguan Allspace und Skoda Kodiaq. Erste Fahrt im Kompakt-SUV.

  • Constantin Bergander
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  • Veröffentlicht am 11/27/2019, 10:55 AM
Mercedes GLB 220d in der Frontansicht, Wasser durchfahrend
Quelle: Mercedes Im Offroad-Modus verteilt sich die Motorleistung auf beide Achsen

Beim Thema SUV ist Mercedes von GLC bis GLS gut aufgestellt. Nur im stärksten Subsegment sieht es bisher schlecht aus: In der Kompaktklasse kämpft ein alternder Mercedes GLA allein gegen die mächtige Konkurrenz. Mercedes positioniert ihn eher hübsch als praktisch. Das genügt auf Dauer nicht für seine Klasse.

Deshalb bekommt er jetzt Unterstützung. Der Mercedes-Benz GLB ist all das, was der GLA nicht sein kann: groß, variabel, nützlich. Mit einer Länge von 4,63 Metern gerät er fast so lang wie der GLC. Er basiert aber auf der gleichen Architektur wie A- und B-Klasse und nutzt seine Länge besser aus. Optional steckt sogar eine dritte Sitzreihe im Kofferraum.

Der Hersteller verzichtet beim GLB auf alles „Coupéhafte“ und „Fließende“, was normalerweise klobige Formen kaschieren soll. Man sieht dem Auto an, dass es viel Platz bietet. Gut so, denn er konkurriert mit großen Autos: Das SUV-Dreierlei aus dem VW-Konzern (VW Tiguan Allspace, Skoda Kodiaq und Seat Tarraco) fährt in seinem Segment. Zudem noch Honda CR-V und Mitsubishi Outlander.



Mercedes GLB mit schickem Innenraum

Es fällt Mercedes nicht schwer, eine eigene Position zu finden. Der GLB fühlt sich nobler an als die Konkurrenz. Harten Kunststoff gibt es zwar im Benz, doch der ist gut versteckt. Oberhalb der Knie fühlt sich das Cockpit weitestgehend gut an. Obwohl sich das eine oder andere günstige Element in den Sichtbereich schummelt. Man erkennt das aber nur, wenn man gezielt danach sucht.

Vorn sitzt es sich bequem im Mercedes GLB. Nicht so samtig versinkend wie eine Klasse höher bei gleicher Fahrzeuggröße, dafür mit viel Platz und Übersicht. Große Fensterflächen sind eine Wohltat in der SUV-Klasse, denn die Grenzen des GLB erkennt man prima. Was man zum Bedienen braucht, lässt sich gut erreichen.

Cockpit-Ansicht des Mercedes GLB 220d
Quelle: Mercedes Serienmäßig sitzen zwei Displays am Armaturenbrett. Gegen Aufpreis gibt es ein Head-Up-Display dazu

Gegen Aufpreis sitzen zwei riesige Displays auf dem Armaturenträger. Serienmäßig immerhin zwei kleinere. Das Besondere: Eine Folie verhindert Spiegelungen auf den Bildschirmen. Mercedes kann deshalb auf eine Haube verzichten. Dadurch wirkt das Cockpit schlanker. Optional bietet der Hersteller außerdem ein großes Head-up-Display an, das auf die Frontscheibe projiziert.

Reihe zwei sieht nicht ganz so hübsch aus, fühlt sich aber ähnlich gemütlich an. Bedingung: Die Rückbank befindet sich in der Lümmel-Position, also ganz hinten und mit schräger Lehne. Dann gibt es dort so viel Platz an Kopf und Knien, dass selbst große Erwachsene bequem lange Strecken mitfahren. Je mehr Gepäck im Kofferraum steckt, desto enger wird es allerdings davor. Die Rückbank lässt sich um 14 Zentimeter verschieben.

Optional bietet Mercedes statt eines großen Kofferraums ein etwas kleineres Ladeabteil und zwei ausklappbare Sitze an. Sie sind bis zu einer Körpergröße von 1,68 Metern zugelassen. Für die letzten Zentimeter versetzt Mercedes die Heckklappenscharniere nach oben. Das Dach macht an diesen Stellen Platz, die Hubbel in der Dachhaut sorgen also für Kopffreiheit ganz hinten.

Vierzylinder-Motoren und Doppelkupplungsgetriebe

Insgesamt wirkt der Innenraum für seine Klasse schick, für einen Mercedes eher praktisch. Und unter der Haube? Dort geht es vor allem sachlich zu. Klassenüblich kommen Vierzylinder-Turbomotoren zum Einsatz, die quer im Motorraum stecken. Kleine Verbrenner treiben die Vorderräder an, größere (optional) alle vier Räder.

Der Diesel im GLB 220 d 4Matic passt hervorragend zum SUV. Seine Kraft kommt früh und hält lang durch, er bewegt das Auto zügig und souverän. Es muss gar nicht der Bereich mit dem maximalen Moment sein (400 Nm bei 1.600 bis 2.600 Touren). Seine Stärke zeigt er schon früher, störende Geräusche bleiben weitestgehend in der guten Dämmung hängen.

Mercedes GLB 220d in der Seitenansicht, fahrend
Quelle: Mercedes 4,63 Meter misst der GLB in der Länge. Damit ist er fast so lang wie der GLC

Man spürt allerdings, dass Mercedes im GLB keine Wandlerautomatik, sondern ein Doppelkupplungsgetriebe einsetzt. In den meisten Situationen schaltet es schnell und unauffällig. Bei langsamem Tempo verschluckt es sich aber gelegentlich. Hier gelingen nicht alle Übergänge so sanft, wie man es aus höheren Klassen kennt. Aber längst nicht so ruppig, wie es gelegentlich bei der Konkurrenz geschieht.

Sanftes Fahrwerk im Mercedes GLB

Man soll sich im GLB eben wie in einem Mercedes fühlen. Deshalb stimmt der Hersteller das Fahrwerk gemütlich ab. Es schwingt elegant nach und kaschiert damit viele Unebenheiten. Optionale adaptive Dämpfer spannen sich auf Knopfdruck an und vermitteln mehr Bodenkontakt. Ein Stakkato kommt dennoch nie im Innenraum an. In allen Fahrmodi lässt es sich im GLB gemütlich gleiten, lässig mit wenigen Fingern am Lenkrad und insgesamt guter Kontrolle über das Fahrzeug.

Wenn´s sein muss, quält sich der GLB sogar durch ungemütliches Gelände. Natürlich ist er kein kerniger Offroader. Aber er schafft mehr, als man ihm zutrauen möchte. Im Offroad-Modus kommen jeweils 50 Prozent der Motorleistung an beiden Achsen an. Hängt ein Rad in der Luft, bremst die Elektronik es ab und lenkt die Kraft an die anderen Räder weiter. Bergab hält der GLB eine konstante Geschwindigkeit. Steile Hügel nimmt er in kleinen Gängen ohne großes Drama. Die Frontkamera hilft, das Auto korrekt zu positionieren.

Mercedes GLB 220d in der Frontansicht, fahrend
Quelle: Mercedes Angetrieben wird der GLB 220d von einem 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel mit 190 PS

Schön, dass der GLB das kann. Andere Assistenten und Funktionen sind in einem SUV aber wichtiger. Hier übertrifft der Mercedes seine Konkurrenten: Neben den üblichen autonomen Funktionen wie Abstandstempomat und Spurassistent bekommt er noch einige Details aus höheren Klassen. Er kann zum Beispiel selbstständig die Fahrspur wechseln. Das klingt banal, entspannt aber auf langen Fahrten.



Nicht viel teurer als ein VW Tiguan Allspace

Mercedes gelingt mit dem GLB ein guter Spagat aus Nutzwert und Komfort. Das SUV rollt sanfter und gemütlicher ab als die Konkurrenz, bringt größere Displays und mehr Assistenz mit. Außerdem streckt sich die Antriebspalette weiter nach oben: Im Top-Modell Mercedes-AMG 35 arbeitet ein 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 306 PS und Allradantrieb.

Preislich orientiert sich Mercedes am Volumen. Ein GLB 200 d mit 150 PS, Frontantrieb und automatischem Getriebe startet bei rund 39.260 Euro. VW beginnt beim Tiguan Allspace mit gleicher Konfiguration und Comfortline-Ausstattung acht Euro und zehn Cent niedriger. Nach oben lässt Mercedes natürlich etwas mehr Luft – zum Beispiel für Optik-Pakete, feines Leder, das große Navi oder die Fahrassistenz.

Der gefahrene Mercedes GLB 220 d mit 190 PS und Allradantrieb kostet mindestens 44.600 Euro (Tiguan Allspace: 43.115 Euro). Eine stimmige Kombination in einem Segment, das Mercedes kürzlich noch fremd war.

Mercedes GLB 220 d 4Matic: Technische Daten

Mercedes GLB 220 d 4MaticTechnische Daten
Motor2,0-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel
GetriebeAchtgang-Doppelkupplungsgetriebe, Allrad
Leistung190 PS (140 kW) bei 3.800 U/min
Drehmoment400 Nm bei 1.600-2.600 U/min
0-100 km/h7,6 s
Höchstgeschwindigkeit217 km/h
Normverbrauch5,2-5,5 l/100 km
CO2-Emissionen138-146 g/km
Kofferraumvolumen Fünfsitzer570 bzw. 760-1.805 Liter
Kofferraumvolumen Siebensitzer500 bzw. 640-1.680 Liter
Länge4.634 mm
Breite1.834 mm
Höhe1.659 mm (Fünfsitzer), 1.663 mm (Siebensitzer)
Radstand2.819 mm
Gewicht1.735 kg
Anhängelast2.000 kg
PreisAb 44.601 Euro

Der Mercedes GLB 220d in Bildern

  • Mercedes GLB 220d in der Frontansicht, stehend
    Quelle: Mercedes Das Fahrwerk stimmt Mercedes gemütlich ab. Das SUV soll auch für Familien taugen
  • Mercedes GLB 220d in der Frontansicht, fahrend
    Quelle: Mercedes 7,6 Sekunden braucht der GLB 220d für Tempo 100. Bei 217 km/h ist Schluss
  • Mercedes GLB 220d in der Frontansicht, stehend
    Quelle: Mercedes Zwischen 5,2 und 5,5 Liter Normverbrauch stehen beim GLB 220d im Datenblatt
  • Mercedes GLB 220d in der Frontansicht, Wasser durchfahrend
    Quelle: Mercedes Im Offroad-Modus verteilt sich die Motorleistung auf beide Achsen
  • Mercedes GLB 220d und AMG-Version stehend nebeneinander
    Quelle: Mercedes Die AMG-Version wird von einem 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 306 PS angetrieben
  • Mercedes GLB 220d in der Heckansicht, fahrend
    Quelle: Mercedes Mindestens 44.601 Euro verlangt Mercedes für das SUV
  • Mercedes GLB 220d in der Frontansicht, fahrend
    Quelle: Mercedes Angetrieben wird der GLB 220d von einem 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel mit 190 PS
  • Mercedes GLB 220d in der Seitenansicht, fahrend
    Quelle: Mercedes 4,63 Meter misst der GLB in der Länge. Damit ist er fast so lang wie der GLC
  • Cockpit-Ansicht des Mercedes GLB 220d
    Quelle: Mercedes Serienmäßig sitzen zwei Displays am Armaturenbrett. Gegen Aufpreis gibt es ein Head-Up-Display dazu
  • Blick auf ein Display im Innenraum des Mercedes GLB 220d
    Quelle: Mercedes Gegen Aufpreis setzt Mercedes größere Displays ein
  • Blick auf die Rückbank des Mercedes GLB 220d
    Quelle: Mercedes Die Rückbank lässt sich um 14 Zentimeter verschieben. Damit fahren auch Erwachsene in reihe zwei bequem mit
  • Blick auf die dritte Sitzreihe im Mercedes GLB 220d
    Quelle: Mercedes Optional gibt es eine dritte Sitzreihe. Dann fahren bis zu sieben Personen mit