Spart es wirklich Geld oder reicht ein günstiges Öl aus?

Lifetime Öl – Was ist dran?

Nie wieder Öl wechseln? 200.000 Kilometer oder mehr fahren, ohne den Schmierstoff im Motor auch nur einmal auszutauschen? Mit diesem Versprechen ging einst eine deutsche Firma ins Rennen. Die Behauptungen wurden widerlegt. Wahr ist aber: Motoröl ist zu einem Hightech-Produkt geworden. Das hat dem Autofahrer immerhin ein Longlife-Öl beschert.

    0
  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:06 PM
Ölfilter haben im Auto die Aufgabe, Ablagerungen und andere feste Partikel aus dem Motoröl zu entfernen.
Quelle: picture alliance Ölfilter haben im Auto die Aufgabe, Ablagerungen und andere feste Partikel aus dem Motoröl zu entfernen

Der regelmäßige Ölwechsel gehört zu den wichtigsten Wartungsarbeiten am Auto. Wer das Öl zu alt werden lässt, riskiert Motorschäden. Es schmiert bewegliche Teile des Motors, die Kolben etwa. Auch leistet es einen wichtigen Beitrag zur Kühlwirkung, denn das eigentliche Kühlmittel erreicht nicht die letzten Winkel eines Verbrennungsmotors. Weil Öl außerdem den Motor von Ruß und Abrieb säubert, wird der Schmierstoff verunreinigt, er altert und zählt damit zu den Verschleißteilen am Auto.

Das steckt hinter dem „Lifetime Öl“

Was wäre, wenn Autofahrer nie mehr das Öl wechseln müssten? Mit diesem Versprechen kam schon manch einer um die Ecke. Ende der 1990er-Jahre war es der Wertheimer Hersteller Trabold, der einen Filter entwickelt hatte: den sehr feinporigen Trabold-Filter.

Er sollte den Motor besser reinigen als herkömmliche Ölfilter und den jährlichen Ölwechsel damit praktisch überflüssig machen. Nur der Filter selbst sollte etwa alle 15.000 Kilometer ausgetauscht und ein wenig Öl nachgegossen werden. Doch Versuche im Auftrag des Umweltbundesamtes konnten die Lifetime-Eigenschaften nicht nachweisen.

Eine andere, auch heute noch existente Firma nannte sich gleich Lifetime Technologies. Das im oberbayerischen Ismaning ansässige Unternehmen behauptete, ein Öl entwickelt zu haben, das nicht gewechselt und für immer verwendet werden könne. Das ZDF-Magazin Frontal 21 berichtete im Frühjahr 2008 in einem Beitrag über die angebliche Sensation und erzählte die Geschichte von überflüssigen Ölwechseln, mit denen Schmierstoffproduzenten und Werkstätten ordentlich Geld scheffelten.

Der Trick des Herstellers Lifetime Technologies: Das Altöl könne mit einer Öldialyse so gut gefiltert werden, dass es nicht gewechselt werden müsse. Dazu werde es abgelassen und nach der Prozedur ins Auto wieder eingefüllt – befreit von Verunreinigungen.
Experten der BP-Marke Castrol analysierten einige der Lifetime-Öle und kamen zu dem Schluss, dass es sich – vereinfacht gesprochen – um Standardöle verschiedener Viskositätsklassen handelte. 2013 untersagte das Landgericht Dessau-Roßlau der Firma Lifetime Technologies irreführende Werbeaussagen wie „Nie wieder Ölwechsel?“. Das Motoröl-Aufbereitungsverfahren suggeriere Kunden, dass ihr Öl nach der Filterprozedur so gut wie neu sei. Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) teilte damals mit, ein solcher Effekt sei nicht nachgewiesen worden. Dass man nie mehr das Öl wechseln müsse, sei „kompletter Unsinn“. Heute findet sich auf der Homepage von Lifetime Technologies kein Hinweis mehr auf Lifetime-Öle, beworben wird Stand 2019 ein Longlife-Diesel, der sauberer verbrenne als herkömmlicher Dieselkraftstoff. Einen Shop für den Super-Diesel hat die Website nicht.

Eine Möglichkeit, dem Alterungsprozess von Motoröl entgegenzuwirken, sind Additive.
Quelle: picture alliance Eine Möglichkeit, dem Alterungsprozess von Motoröl entgegenzuwirken, sind Additive. Diese Zusätze sind meist schon im Öl enthalten, manchmal werden sie zusätzlich nachgefüllt

Öl als Verschleißteil

Dass Öl verschleißt, ist unbestritten. Metallischer Abrieb des Motors ist eine Sache, doch auch Asche, Ruß oder Schwefeldioxid setzen dem Schmierstoff mit der Zeit zu. Abrieb, Staub und Verbrennungsrückstände lassen sich ohne Problem vom Ölfilter entfernen. Doch altersbedingte chemische Reaktionen führen zu Säurebildung im Schmierstoff. Da hilft auch der beste Filter der Welt nicht weiter. Gelöste Schadstoffe verbleiben im Öl. Der Schmierstoff verliert auf Dauer seine schmierenden Eigenschaften, das Öl wird dicker. Man sagt auch: Die Viskosität des Öls erhöht sich. Unerwünschter Nebeneffekt: Durch die erhöhte Reibung im Motor steigt der Kraftstoffverbrauch – um bis zu fünf Prozent.

Ein weiteres Problem ist das Thema Ölverdünnung. Bei Ottomotoren tritt sie typischerweise auf, wenn viel Kurzstrecke gefahren wird. Dann sammeln sich unverbrannte Benzinbestandteile im Öl. Auch bei Dieselmotoren mit Partikelfilter tritt Ölverdünnung auf, wenn Motor und Filter zu selten auf die richtige Betriebstemperatur kommen. Ist das Öl zu flüssig, sinkt die Viskosität, die Schmierfähigkeit leidet ebenfalls – ein Ölwechsel steht an.

Um Alterungsprozessen entgegenzuwirken und Säuren zu neutralisieren, werden dem Öl zahlreiche Zusätze beigemischt - sogenannte Additive. Manchmal, vor allem bei hochwertigen Motorölen, macht ihr Anteil bis zu einem Drittel aus. Aber auch die Additive altern irgendwann. Und sie erhöhen das Risiko, dass das Ölfiltersystem verstopft. Dank des technischen Fortschritts, den Synthetiköle in den vergangenen Jahrzehnten durchlaufen haben, sind die Service-Intervalle allerdings von rund 7.500 auf 30.000 Kilometer und manchmal noch mehr vergrößert worden.

Mit dem Nachgießen von Öl – auch modernste Verbrennungsmotoren verbrauchen Öl – oder das Nachfüllen von Additiven können die Intervalle weiter hinausgezögert werden. Doch irgendwann muss man das Verschleißteil wechseln, sonst wird es mit den drohenden Motorschäden ernst. Um keine Garantieansprüche zu riskieren, sollten sich Autofahrer an die vorgeschriebenen Ölwechsel halten. Die Vorgaben der Fahrzeughersteller finden sich in den Betriebsanleitungen, auch beim Wechseln des Ölfilters sollte man den Empfehlungen folgen.

Eine der typischen Arbeiten einer Autowerkstatt ist der Ölwechsel. Manche Anbieter werben mit Lifetime-Ölen.
Quelle: picture alliance Eine der typischen Arbeiten einer Autowerkstatt ist der Ölwechsel. Manche Anbieter werben mit Lifetime-Ölen, die den Ölwechsel überflüssig machen soll

Ist der Ölwechsel überflüssig?

Vor allem mit den recht teuren Longlife-Ölen für Autos mit Longlife-Service sind große Wechselintervalle möglich – bei Diesel-Pkw sogar manchmal 50.000 Kilometer und mehr. Sie bestehen aus hochwertigen Grundölen mit einer Reihe von Additiven. Und sind für Öl ziemlich dünnflüssig – was den Spritverbrauch verringert. Um die Schmiereigenschaften dennoch zu gewährleisten, werden spezielle Stoffe zugesetzt, sogenannte Viskositätsverbesserer. Weil grundsätzlich nur Öl in der geforderten Qualität nachgefüllt werden darf, sollten Autofahrer immer einen Liter zur Reserve an Bord haben.

Ein weiterer Trick, den Ölwechsel hinauszuzögern, besteht darin, das Thema Ölverbrauch beim Fahren in den Ablauf miteinzubeziehen. Benötigt ein Auto zum Beispiel drei Liter Öl auf 30.000 Kilometer und gießt man diese Menge frisches Öl infolge der gefahrenen Distanz nach, dann ist der Schmierstoff bei einer Öl-Gesamtfüllmenge von 4,5 Litern größtenteils ausgetauscht, das Grundöl aufgefrischt und die Additive sind erneuert. Doch nur durch einen echten Wechsel mit Ablassen des gesamten Öls kommen auch die letzten Verunreinigungen aus dem Kreislauf. Der Ölwechsel ist und bleibt somit nicht überflüssig.

Und teils werden die Intervalle sogar wieder kürzer. Das betrifft vor allem Motoren mit kleineren Hubräumen, denen durch Aufladung viel Leistung abverlangt wird. Aufgrund höherer  Temperaturbelastungen und der Abgasnachbehandlung steigen die Anforderungen an das Motoröl zum Teil wieder. Auch die Beimischung von Biokraftstoffen beansprucht den Schmierstoff zusätzlich. Die Folge: Vom Longlife-Öl sind wir weiter entfernt als je zuvor.



Viskosität und Viskositätsklassen

Niedrige Viskosität meint Dünnflüssigkeit, hohe Viskosität Dickflüssigkeit. Viskosität beschreibt also die Zähigkeit von Flüssigkeiten. Weil sich diese mit der Temperatur verändert, steht das Motoröl im Auto vor einer besonderen Herausforderung. Es muss schon beim Kaltstart schmieren und darf andererseits nicht zu dünnflüssig werden, wenn der Motor auf Betriebstemperatur ist. Bei der Herstellung werden Synthetikölen spezielle Additive zugefügt, die die optimale Viskosität möglichst unabhängig von der Umgebungstemperatur gewährleisten sollen.

Damit Autofahrer ihr Öl eindeutig der Herstellervorgabe zuordnen können, gibt es die Einteilung in sogenannte SAE-Viskositätsklassen mit Bezeichnungen wie 10W-40 oder 25W-60. Dahinter stehen technische Normen der Society of Automotive Engineers, die Auskunft über die Zähigkeit des Öls in Bezug auf Temperaturen geben. Je kleiner die Zahl vor dem „W“,  desto flüssiger ist das Öl bei Kälte. Je höher die Zahl hinter dem „W“, desto besser steht es um die Schmierfähigkeit bei Hitze.

Verwandte Artikel