Vorschriften, Modelle, Strafen

Kindersitzpflicht: Welches Gesetz gilt in Deutschland?

Sind Kinder an Bord, hat Sicherheit höchste Priorität. Wer die Kleinen nicht vorschriftsmäßig sichert, risikiert ein Bußgeld und die Gesundheit der Kinder.

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  • Veröffentlicht am 12/28/2019, 08:30 AM
Ein Crashtest eines Kindersitzes.
Quelle: Guido Kirchner (picture alliance/dpa) Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr oder bis zu einer Körpergröße von mindestens 1,50 Metern müssen mit einem geeigneten Kindersitz gesichert werden

Es gibt Regeln, für die es keine Ausnahmen gibt. Eine davon ist die Pflicht, Kinder im Auto vorschriftsmäßig zu sichern. Dies ist in der StVO festgelegt und gilt auch für die kürzeste Strecke. Wer sich nicht daran hält riskiert die Gesundheit seiner Kinder. Und wer von der Polizei angehalten wird, muss ein Bußgeld bezahlen.

In der Regel droht ein Verwarngeld von 30 Euro, wenn ein Kind ohne die vorschriftsmäßige Sicherung im Auto mitfährt. Bei mehreren Kindern erhöht sich die Strafe auf 35 Euro. Bist Du selbst als Kraftfahrzeugführer dafür verantwortlich, das mitfahrende Kind zu sichern, und kümmerst Dich nicht darum, musst Du 60 Euro zahlen und bekommst einen Punkt in Flensburg.


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Was genau sagt das Gesetz?

In der StVO heißt es, dass Kinder bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr oder bis zu einer Körpergröße von mindestens 1,50 Metern im Fahrzeug zusätzlich mit einem geeigneten Kindersitz gesichert werden müssen. Für jede Altersklasse gibt es verschiedene Modelle und Ausführungen. Bei neueren Sitzen gibt es auch Gewichtsangaben. Dies ist sehr hilfreich, da Alter und Größe wenig über die Statur aussagen.

Warum ist ein Kindersitz im Fahrzeug wichtig?

Es ist noch gar nicht so lange her, da schrieb die StVO noch nicht vor, wie Kinder im Fahrzeug Platz zu nehmen haben. Es gab Zeiten, da stellten Eltern die Liegeschalen aus den Kinderwagen einfach auf die Rückbank. Heutzutage müssen sich Autofahrer an strikte Regeln halten, wenn sie mit Kindern im Fahrzeug unterwegs sind – und das aus gutem Grund.

Kinder können wegen ihrer geringere Körpergröße noch nicht von den fahrzeugeigenen Sicherheitsgurten im Auto gesichert werden. Der Gurt würde ihnen im Falle eines Unfalls keinen Schutz bieten und könnte sogar Schaden anrichten. Deshalb müssen Kinder speziell gesichert werden – und das funktioniert am besten mit passgenauen Sitzen und Gurten, die auf ihre Größe zugeschnitten sind.



Welche Anforderungen muss der Kindersitz erfüllen?

In erster Linie muss ein Kindersitz oder eine Babyschale zum Kind und dessen Statur passen. Das heißt, das Kind oder Baby muss sicher darin sitzen können – der Sitz darf zum Beispiel weder zu groß noch zu klein sein. Eltern können sich bei der Wahl an den fünf gängigen Gewichtsklassen orientieren: 

  • Gruppe 0: eignet sich für Kinder bis zu 10 kg
  • Gruppe 0 plus: eignet sich für Kinder bis zu 13 kg
  • Gruppe 1: eignet sich für Kinder von 9 bis 18 kg
  • Gruppe 2: eignet sich für Kinder von 15 bis 25 kg
  • Gruppe 3: eignet sich für Kinder von 22 bis 36 kg
Ein Kindersitz muss sich bei einem Crashtest bewähren.
Quelle: Guido Kirchner (picture alliance/dpa) Damit er auch wirklich Sicherheit garantiert, muss ein Kindersitz richtig im Auto eingebaut werden

Worauf muss man beim Kauf des Sitzes achten?

Beim Kindersitzkauf gibt es einige Tipps, die bei der Auswahl helfen können. Wichtig zu wissen ist beispielsweise, dass Kleinkinder möglichst lange rückwärtsgerichtet fahren sollten – im besten Falle bis zum vierten Geburtstag. Bei einem Frontalcrash sind Kinder dieses Alters in dieser Position deutlich besser geschützt. Für die rückwärtsgerichtete Sitzposition solltest Du also einen sogenannten Reboarder-Kindersitz kaufen. Die Reboarder fungieren wie ein Schutzschild. Das Kind wird bei einem Crash darin abgefangen und die Kraft des Aufpralls verteilt sich gleichmäßiger. So senkt sich erwiesenermaßen das Risiko für schwere Wirbelsäulenverletzungen.

Weitere Tipps für den Kindersitzkauf:

  • Kindersitz mit Fangkörper
    Für Kinder bis vier Jahre gibt es Kindersitze mit Fangkörper. Dieser wird mit einem Sicherheitsgurt vor dem Bauch des Kindes angebracht und wirkt bei einem Unfall wie ein bereits entfalteter Airbag. Er verhindert, dass die Kraft, die bei einem Unfall entsteht, auf die Wirbelsäule des Kindes wirkt. So ist das Kind besser geschützt.
  • Auf i-Size-Zertifizierung achten
    Seit 2013 gibt es eine neue i-Size-Regelung. i-Size steht für die erste Phase der Kindersitz-Norm ECE R129. Dieses ECE-Prüfsiegel bezieht sich auf Kindersitze und Babyschalen für Kinder bis zu einer Größe von maximal 105 Zentimetern. Es gibt zwei weitere Phasen der ECE-Prüfnorm, bei denen die Norm auf Sitze für Kinder bis 150 Zentimeter Körpergröße ausgeweitet wird. i-Size-Kindersitze sind über das sogenannte Isofix-System mit dem Fahrzeug verbunden. Isofix steht für International Standardization Organization und ist ein international standardisiertes System, das als sicherste, leichteste und schnellste Möglichkeit gilt, einen Kindersitz im Auto zu befestigen, ohne den fahrzeugeigenen Sicherheitsgurt benutzen zu müssen.
  • Vor dem Kauf vergleichen
    Der ADAC oder auch die Stiftung Warentest bewerten regelmäßig Kindersitze fürs Fahrzeug. Sie geben eine gute Orientierung beim Kauf des richtigen Kindersitzes.
Ein Crashtestdummy sitzt angeschnallt in einem Kindersitz.
Quelle: Guido Kirchner (picture alliance/dpa) Wer sich nicht an die Kindersitzpflicht hält, riskiert ein Bußgeld

Kinder sitzen hinten am sichersten

Wo der Kindersitz im Auto am besten angebracht wird, schreibt das Gesetz nicht vor. Im Gesetz werden lediglich das Alter und die Körpergröße der Kinder beschrieben. Kindersitze werden vage als „spezielle Rückhalteeinrichtungen“ bezeichnet – hier gibt das Gesetz also keine genauen Vorschriften zur optimalen Platzierung oder zu einzelnen Kindersitz-Modellen vor. Auch wenn das Gesetz sich zu diesem Punkt nicht äußert, zeigt die Erfahrung, dass es sich empfiehlt, einen Kindersitz auf der Rückbank zu montieren. Ideal ist der Platz hinten rechts oder hinten in der Mitte. Denn hier hat das Kind die Möglichkeit, auf der Seite zum Gehweg ein- und auszusteigen.



Wie wird der Sitz im Fahrzeug richtig eingebaut?

Ein Kindersitz muss richtig im Auto eingebaut werden, damit er auch wirklich Sicherheit garantiert.

Mit diesen Tipps klappt es:

  • Vor dem Einbauen solltest Du Dir klarmachen, dass der Sitz sehr stabil und kippsicher auf dem Autositz befestigt werden muss. Am besten funktioniert das mit dem Isofix-System. Achte bereits beim Kauf darauf, ob der ausgewählte Kindersitz über dieses Isofix-System verfügt.
  • Wenn Du den Kindersitz einbaust, solltest Du darauf achten, dass der Sicherheitsgurt möglichst straff anliegt. Zwischen Kind und Gurt sollte nicht mehr als eine flache Hand passen.
  • Der Schultergurt sollte mittig über die Schulter verlaufen. Der Beckengurt sollte so tief wie möglich über der Leistenbeuge sitzen.
  • Nicht vergessen, den Airbag auszustellen, wenn Du einen rückwärtsgerichteten Kindersitz oder eine Babyschale vorne auf dem Beifahrersitz montierst. Sonst riskierst Du im Falle eines Unfalls schwere Verletzungen bei Deinem Kind.

Tipp: Überprüfe immer mal wieder die Höhe der Kopfabstützung am Kindersitz. Kinder wachsen sehr schnell und es kann passieren, dass der Kopf aus dem Sitz herausragt. Dann solltest Du auf den nächstgrößeren Kindersitz umsteigen, damit Dein Kind auch wirklich sicher sitzt und der Kopf gut geschützt ist.