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Kindersitzerhöhungen als Alternative zum Kindersitz – Was sie leisten, was sie kosten

Leicht, günstig, klein - Sitzerhöhungen haben Vorteile, aber auch Nachteile. Lies hier, was Du über sie und die Sicherheit Deiner Kinder wissen musst.

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  • Veröffentlicht am 11/20/2019, 5:38 PM
Ein kleineres Kind sitzt in einem Kindersitz, der Bildausschnitt zeigt die Schuhe, die aus dem Kindersitz ragen
Quelle: Nicolas Armer ((c) dpa) Sitzerhöhungen sind flexibler und deutlich günstiger als Kindersitze. Allerdings fehlt ihnen der Seitenaufprallschutz

Sitzerhöhungen sind eine flexible und auf den ersten Blick recht unkomplizierte Angelegenheit: Das Teil aus dem Kofferraum gefischt, das Kind daraufgesetzt, den Gurt umgelegt, und schon ist der Nachwuchs gesichert. Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht. Zum einen gibt es große Unterschiede bei Qualität, Material und Ausstattung. Zum anderen fahren nur Kinder ab einer bestimmten Körpergröße vergleichsweise sicher auf einer Sitzerhöhung.

Was ist eine Sitzerhöhung?

Eine Sitzerhöhung, manchmal auch Autositzerhöhung, Kindersitz ohne Rückenlehne oder Sitzkissen genannt, ist eine für Kinder gedachte Auflage für Autositze. Die Sitzfläche der Auflage ist für mehr Komfort und gute Passform ergonomisch geformt. Sie fällt nach hinten leicht ab, sodass das Kind während der Fahrt bei Bremsmanövern nicht gleich nach vorn rutscht.

In der Regel sind Sitzerhöhungen zwischen 35 und 45 Zentimeter breit. Vor dem Kauf empfiehlt es sich, nachzumessen, ob alle gegebenenfalls zum Gebrauch vorhandenen Rückhaltevorrichtungen nebeneinander passen, wenn mehrere Kinder mitfahren. Geeignet sind die Auflagen ab einem Körpergewicht von 15 Kilo, das erlaubte Höchstgewicht liegt bei 36 Kilo.

Leichte Modelle bestehen aus Styropor, schwerere besitzen einen Kern aus Hartplastik. Damit sind sie stabiler und langlebiger, dafür aber nicht ganz so flexibel. Damit der Sitzkomfort nicht leidet, gibt es eine Schaumstoffauflage, für Optik und Hygiene einen abnehmbaren waschbaren Sitzbezug, der meist aus einem Misch- oder Polyestergewebe besteht.



Die Rechtslage für die Mitnahme von Kindern im Auto

Die Straßenverkehrsordnung (StVO) legt fest, dass ein Kind bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr in Pkw bis 3,5 Tonnen nur mithilfe einer sogenannten „Rückhalteeinrichtung“ mitfahren darf – wenn es kleiner als 1,50 Meter ist. Eine solche Rückhalteeinrichtung kann ein Kindersitz sein, aber auch eine Sitzerhöhung – der Gebrauch des Sicherheitsgurtes ist immer Pflicht.

Zudem unterteilt der Gesetzgeber Rückhalteeinrichtungen – von der Babyschale über Kindersitze bis zur Sitzerhöhung – in fünf Gruppen, die sich nach dem Körpergewicht ausrichten:

GruppeGewicht/Alter
0Geburt bis 10 Kilo/ca. 9. Lebensmonat
0 plusGeburt bis 13 Kilo/ca. 18. Lebensmonat
I9 bis 18 Kilo/ca. 9. Lebensmonat bis 4. Lebensjahr
II15 bis 25 Kilo/ca. 3. bis 7. Lebensjahr
III22 bis 36 Kilo/ca. 6. bis 12. Lebensjahr

Sitzerhöhungen fallen in die Gruppen II und III. Unter vier Jahre sollte das zu befördernde Kind nicht alt sein. In den Produktbeschreibungen geben die Hersteller meist an, zu welcher Gruppe das Modell zählt. Auch Altersempfehlungen werden gegeben. Man sollte darauf achten, dass das Produkt eine gültige Prüfnummer besitzt (UNECE-R 44/03, UNECE-R 44/04 oder UNECE-R 129). Das entsprechende Prüfsiegel steht an der Unter- oder Rückseite.

Fehlt dieser Nachweis, darf die Sitzerhöhung nicht im Straßenverkehr verwendet und laut Gesetz in der EU auch gar nicht auf den Markt gebracht werden. Generell empfiehlt es sich, Rückhalteeinrichtungen auf der Rückbank hinter dem Beifahrersitz anzubringen. Statistisch gesehen ist das der sicherste Platz im Auto.

Ausstattungsvarianten von Sitzerhöhungen

Komfortablere Sitzerhöhungen ab dem mittleren Preisniveau haben Armlehnen in Hörnchenform. Sie sorgen für eine entspannte Position und steigern die Sicherheit. Der Beckengurt kann nicht nach oben rutschen, weil er unter den Hörnchen entlang geführt wird. Ist der Gurt angelegt, kann bei Bremsmanövern auch die Auflage nicht unter dem Po nach vorn rutschen.

Darüber hinaus gibt es bei teureren Modellen das System Gurtfix. Dabei handelt es sich um eine zusätzliche Gurtführung samt einstellbarem Gurt und Schnalle für den Bereich Hals und Schulter. Man führt den Dreipunktgurt des Autos durch die Schnalle, stellt alles so ein, dass der Gurt am Hals nicht einschneidet, sondern auf der Brust aufliegt. Das kann notwendig sein, wenn das Kind noch kleiner ist.

Wie bei Kindersitzen mittlerweile Standard führt der Handel auch Sitzerhöhungen mit dem Isofix-Befestigungssystem. Dabei greifen kleine Rastarme in die Haltebügel zwischen Sitzfläche und Rücklehne. Ein Klick und die Sitzerhöhung ist starr fixiert und kann nicht mehr verrutschen. Das dient zusätzlich der Sicherheit, schränkt aber die Flexibilität etwas ein, weil die Auflage nicht mal eben schnell wieder in den Kofferraum gelegt werden kann.

Sitzerhöhungen in der Kritik

Kindersitzerhöhungen für das Auto sind umstritten. Hauptkritikpunkt ist der mangelnde seitliche Schutz, weswegen sie in Sitzerhöhungs-Tests oft mit der Bewertung „mangelhaft“ durchrasseln. Ohne Seitenschutz drohen Kinder, wenn sie im Auto einschlafen, zur Seite zu kippen – was gute Kindersitze mit Seitenwangen verhindern.

Ab dem zwölften Lebensjahr muss ein Kind laut Gesetz keinen Kindersitz mehr benutzen. Doch wichtiger als das Alter ist die Größe. Denn sitzt ein Kind zu tief, verläuft der Sicherheitsgurt nicht optimal am Körper. Dann können auch Airbags ihre volle Schutzwirkung nicht entfalten, weil sie auf die Körpermaße von Erwachsenen hin konstruiert sind. Als Richtwert gilt eine Körpergröße von 1,50 Metern, bis zu der es durchaus Sinn ergibt, das Kind im Auto nur erhöht mitfahren zu lassen.

Beim Kauf sollte auf eine ausreichende Sitzhöhe geachtet werden – dazu am besten einen kurzen Sitzerhöhungs-Test selber durchführen und das Kind Probe sitzen lassen. Von Gebrauchtware wird abgeraten, denn die Sitzerhöhung muss intakt und stabil sein und darf zum Beispiel keine Mikrorisse aufweisen, die unsichtbare Folge eines Unfalls sein können.

Einfache Sitzerhöhungen nur für kurze Fahrten

Sitzerhöhungen können eine flexible und preisgünstige Lösung für kurze Fahrten sein, sofern das Kind nicht mehr in den Kindersitz passt. Geht es jedoch in den Urlaub, sollte selbst bei größeren Kindern aufgerüstet werden. Dann ist die bessere Lösung eine Sitzerhöhung mit Schlafstütze. Das ist eine Rückenlehne, die in Höhe des Kopfes zwei Seitenwangen besitzt. Diese sollen das Wegkippen verhindern. 

Bekannte Hersteller von Autositzerhöhungen

  • Bellelli
  • Britax Römer
  • Chicco
  • Cybex Kindersitz
  • Graco
  • Heyner
  • Joie
  • Kiddy
  • Maxi-Cosi
  • Migo
  • Osann
  • Patron
  • Safety 1st
  • Unitec
  • United Kids
  • Storchenmühle
  • Nania

Stiftung Warentest & Co.: Sitzerhöhungs-Tests im Überblick

In Vergleichstests, beispielsweise von Stiftung Warentest, werden Sitzerhöhungen meist mit und ohne Rückenlehne durchgecheckt. Eine Rückenlehne bietet nicht nur zusätzlichen Seitenaufprallschutz, sondern lässt sich auch in der Höhe verstellen. Damit wächst die Sitzerhöhung mit dem Kind quasi mit. Fünf Modelle werden mit der Bewertung „sehr gut“ hervorgehoben (Stand: Juli 2019):

  • Das Modell Boost Isofix von Babyblume geht als Sieger aus dem Vergleich hervor. Kostenpunkt: 40 Euro. Es handelt sich um eine einfache Sitzerhöhung ohne Rückenlehne, die zwei Kilo wiegt und per Isofix im Auto befestigt werden kann.
  • Fast schon ein vollwertiger Kindersitz ist der Britax Römer Kidfix SL, der mit Rückenlehne ausgeliefert wird und 5,1 Kilo wiegt. Neben einer Einfassung für den Kopf gibt es seitliche Wangen zur Stabilisierung des Körpers. Die Gurtführung ist verstellbar. 139 Euro, online zu haben ab etwa 100 Euro.
  • Der Osann Junior Isofix Shadow ohne Rückenlehne wiegt zwei Kilo, hat einen maschinenwaschbaren Bezug und kostet 31 Euro.
  • Das 4,3 Kilo schwere Modell Discovery SL ist das günstigere Angebot von Britax Römer und kostet regulär 100 Euro, Online-Sonderangebote ab rund 90 Euro. Zur Ausstattung zählen eine Rückenlehne und weniger hochgezogene Seitenwangen als beim teureren Modell des Herstellers.
  • Der Peg Perego seggiolino Shuttle Urban Denim wiederum kommt ohne Lehne und wiegt 3 Kilo. Mit regulär 100 Euro für eine einfache Sitzerhöhung kostet er aber recht viel. Dafür ist die Polsterung aufwendig.

Auch die folgenden vier Modelle haben in verschiedenen Sitzerhöhungs-Tests gut abgeschnitten; sie alle haben keine Isofix-Halterung:

  • Petex 44430013 Kindersitzerhöhung Max: Gewicht 960 Gramm, Material Hartplastik, flexible Gurtführung, gepolsterte Armlehnen, Preis: online ab gut 10 Euro
  • Patron Sitzerhöhung Max in Schwarz/Grau: Gewicht 1,5 Kilo, Material Hartplastik, seitliche Elemente und Armlehnen für mehr Komfort, Preis: online ab knapp 30 Euro
  • Safety 1st Manga Autositzerhöhung: Gewicht von knapp 830 Gramm, Material Styropor, weich gepolsterte Armlehnen, geringes Eigengewicht, Preis: online ab knapp 15 Euro
  • Babyblume Kindersitzerhöhung: Gewicht 1,5 Kilo, Material Hartplastik, Gurtfix - praktische Zusatzgurtführung, ergonomisch gebaut, überdurchschnittlich breit, Preis: online ab rund 25 Euro

Pro und Kontra: Die Vor- und Nachteile von Sitzerhöhungen

VorteileNachteile
einfach zu handhabenbieten eine eher unsichere Gurtführung
platzsparendhaben keinen Seitenaufprallschutz
günstig in der Anschaffungeignen sich weniger für lange Fahrten