Fiat 500e (2020): Preise, Daten, Bilder, Marktstart

Fiats 500e ist mehr als ein elektrischer 500

Ein Fiat 500 mit E-Motor? Überraschenderweise: nein. Der 500e ähnelt diesem Kleinwagen nur, ist aber ein eigenständiges Modell. Alle Infos zum Elektro-Fiat.

  • Sven Förster
  • Veröffentlicht am 08/05/2020, 03:18 PM
Fiat 500e in der Ansicht von vorne rechts, stehend
Quelle: Fiat Der Elektromotor im Fiat 500e leistet 118 PS. Tempo 100 erreicht der Stromer damit in neun Sekunden. Bei 150 km/h ist Schluss

Dieser elektrische Kleinwagen springt ungeniert durch die automobilen Epochen. Fiats Absatzhoffnung für die nahe Zukunft zitiert die Marken-Vergangenheit mit den Mitteln der Kleinstwagen-Gegenwart. Bedeutet konkret: Der neue rein elektrische Fiat 500e sieht ziemlich genau so aus wie der aktuelle 500 mit Verbrenner. Doch technisch handelt es sich um ein komplett eigenständiges Auto. Der 500e wird größer als der Retro-Kleinwagen ohne e im Namen und steht auf einer eigens entwickelten Plattform für E-Antriebe.

Damit ist der 500e Fiats bislang ernsthaftestes Elektroauto. Erste Angaben zu Reichweite und Top-Speed stellen in Aussicht: Mit diesem City-Car kommt man auf der Autobahn klar und auf der Landstraße weit genug. Beides nach vertretbarer Aufenthaltsdauer an der Ladesäule. Doch zum günstigsten Elektro-Kleinwagen am Markt wird der 500e eher nicht.


Fiat 500X Sport
Fiat 500X Sport

Zu Fiats 500er-Baureihe gesellt sich eine Sport-Variante. Der Fiat 500X Sport mischt das Segment der Mini-SUVs kräftig auf.


Fiat 500e: Karosserie und Abmessungen

Warum Fiat das E-Auto so nah an den normalen 500er rückt? Weil er funktioniert. Beständig, auf Ebene von Markt und Marketing. Europa kennt und kauft den Retro-Kleinwagen mit technischem Ursprung im Jahr 2007. Zur Einordnung: Das ist, als hätte VW auf die jüngsten beiden Golf-Generationen einfach verzichtet – und trotzdem noch einen der Bestseller des Segments.

Es dürfte Fiat um Risikominimierung gehen. Das kostspielig entwickelte E-Auto muss ankommen, an der Karosse wird es nicht mehr scheitern. Bis auf die letzte Rundung gleicht der 500e dem gewöhnlichen 500 dabei nicht: Am treffsichersten klappt die Unterscheidung an der Front. Die Lufteinlässe sind größer, die Scheinwerfer knabbern an der unteren Kante der Motorhaube.

Fiat 500e an einer Ladesäule stehend
Quelle: Fiat Laut Hersteller fährt der elektrifizierte Fiat 500 mit einer Akkuladung bis zu 320 Kilometer weit

Fiats neueste Interpretation des 60er-Jahre-Kleinwagenklassikers Nuova 500 streift insgesamt etwas Niedlichkeit ab. Zum Teil mag das an den Proportionen liegen. Der 500e ist breiter und rund sechs Zentimeter länger als das Verbrenner-Modell, misst etwas mehr als 3,7 Meter. Der Radstand nimmt um zwei Zentimeter zu und liegt bei knapp 2,32 Metern.



Fahrleistungen und Reichweite 

Den Akku mit 42 kWh Kapazität integriert Fiat in den Unterboden. Eine Batterie-Ladung soll im Fiat 500e für 320 Kilometer ausreichen, gemessen im einigermaßen realitätsnahen WLTP-Zyklus. Tendenziell dann, wenn man die Möglichkeiten der 118 PS (87 kW) selten ausschöpft. Wer die Verantwortung lieber der Elektronik als dem eigenen Gasfuß zuschiebt, kann den „Sherpa“-Fahrmodus wählen. Dann reagiert der 500e träge auf Gasbefehle, gängelt die Klimaanlage und drosselt das maximale Tempo auf 80 km/h. Das reguläre Top-Speed beträgt 150 km/h – ebenfalls elektronisch abgeregelt, doch absolut autobahntauglich.

Von 0 auf 100 km/h lässt der 500e laut Datenblatt sämtliche braven Verbrenner-500er stehen: Den Sprintwert von 9,0 Sekunden unterbieten nur die Abarth-Modelle. Gegen die sieht man im 500e womöglich beim Innenstadt-Spurt einen Tick besser aus. Denn die 50 km/h soll der 500e bereits nach 3,1 Sekunden erreichen.

Lademöglichkeiten: Wallbox und Schnellladesäule

An der Wallbox wird der Stromspeicher über Nacht voll. Mit 7,4 kW Ladeleistung lässt sich der Akku laut Hersteller in rund sechs Stunden komplett wieder aufladen. Wer es eiliger hat, kann unterwegs eine Schnellladesäule ansteuern. Über den Combo-Stecker mit Gleichstrom-Polen zieht der Fiat 500e in fünf Minuten Strom für rund 50 Kilometer. In 35 Minuten wird der Akku laut Hersteller zu 80 Prozent geladen.

Wobei Fiat in diesen Rechenbeispielen mit der maximalen Ladeleistung von 85 kW kalkuliert. Allerdings bieten viele öffentlich zugängliche Schnelllader nur maximal 50 kW. Gegenargument: Das ist eine Momentaufnahme mit absehbarer Entwicklung nach oben. Und der 500e wird dem Markt einige Zeit lang erhalten bleiben. Unter den Volumen-Herstellern wählt aktuell niemand längere Produktlebenszyklen als Fiat.


Der Fiat 500

Seine niedliche Optik macht ihn äußerst beliebt - ein rundum stilvoller Kleinwagen


Gängige Fahrassistenten, neues Infotainment

Ein möglichst komplettes Bündel an Fahrassistenten ist entscheidend, wenn ein Auto lange frisch wirken soll. Fiat bietet beim 500e unter anderem einen adaptiven Tempomaten und einen Spurhalter mit Zentrierungsfunktion. In Kombination ergeben sie einen Stau-Assistenten für Vor-Autonomie im zähen Kolonnenverkehr.

Mit dem Elektromodell debütiert Fiats neues Infotainment-System mit horizontalem 10,25-Zoll- Display und allen gängigen Kopplungsfunktionen. Der Screen steht auf einem angenehm sachlich gehaltenen Armaturenbrett mit wenigen Tasten. Und ohne angeschlossene Kulisse für den Schalthebel. Fiat spart ihn aus, das Nachlegen entfällt bei einem E-Auto mit permanenter Übersetzung.

Preise: „La Prima“ wird nicht Fiats günstigster 500e

Für den Innenraum bietet Fiat optional Stoffe aus Recyclingmaterial – und direkte Sonneneinstrahlung: Den 500e gibt es wie den Verbrenner geschlossen oder mit unverlötetem Dach. Das abgebildete Modell zeigt die offene Version mit faktischer Vollausstattung. Es handelt sich um jenes Modell, das Fiat mit dem Namenszusatz „la Prima“ vor der regulären Serie produziert. Pro Markt gibt es 500 Exemplare, die ersten stehen planmäßig im Sommer 2020 bei den Händlern.

Fiat 500e Heckansicht
Quelle: Fiat Wie auch die Verbrenner-Variante bietet Fiat den 500e geschlossen oder offen an

500 Euro verlangt Fiat für die Vorab-Reservierung dieser First Edition, der Verkaufspreis für Deutschland steht noch nicht fest. Für den italienischen Markt kursiert eine Zahl von 37.500 Euro. Ein guter Richtwert für die Preisgestaltung. Er legt nahe: In der Basisausstattung und ohne Faltdach wird der 500e diesen Wert unterbieten. Aber tendenziell kommen andere Elektro-Kleinwagen günstiger. Der Peugeot 208e startet bei etwas mehr als 30.000 Euro, der Opel Corsa-e haarscharf unterhalb dieser Grenze. In Anspruch und Auftritt kommt der Mini Cooper SE dem Fiat 500e am nächsten. Die E-Version kostet ab 32.500 Euro.



Der reguläre Fiat 500 bleibt im Programm

Doch diese Autos sind Elektro-Ableger, keine eigenen E-Modelle. Der 500e ist anders, diesmal. Die Automobilgeschichte kennt zumindest zwei andere Elektro-500er mit der herkömmlichen Verbrenner-Karosserie. Weitere Unterschiede? Die bei einem deutschen Fiat-Händler gefertigten 500 Karabag geraten wesentlich schwächer als der neue 500e. Ein gleichnamiger Elektro-500er für den kalifornischen Markt kommt pro Akkuladung signifikant weniger weit.

Regulär bietet Fiat in der herkömmlichen 500er-Karosse demnächst eine Mild-Hybrid-Version und die gewohnten Verbrenner-Varianten. Sie bleiben im Programm, der 500e löst den gewohnten 500er nicht ab. 80.000 Stück des Elektroautos will Fiat jährlich im Werk von Mirafiori in Turin bauen. Also dort, wo einst der legendäre Nuova 500 vom Band lief.

Fiat 500e (2020): Erste technische Daten

Modell Fiat 500e auf eigenständiger Elektroplattform
Antrieb Elektromotor mit Eingang-Getriebe
Leistung 118 PS (87 kW)
Beschleunigung 0-100 km/h 9,0 s
Geschwindigkeit 150 km/h
Batteriekapazität 42 kWh
Reichweite laut Hersteller 320 km (WLTP)
Marktstart Mitte 2020

Der Fiat 500e in Bildern

  • Fiat 500e in der Frontansicht
    Quelle: Fiat Mitte 2020 soll der elektrische Fiat 500 starten
  • Fiat 500e Heckansicht
    Quelle: Fiat Wie auch die Verbrenner-Variante bietet Fiat den 500e geschlossen oder offen an
  • Innenraumansicht des Fiat 500e
    Quelle: Fiat Den Innenraum des 500e hält Fiat aufgeräumt und schlicht. Auf Wunsch werden Stoffe aus Recyclingmaterial verwendet
  • Fiat 500e in der Ansicht von vorne rechts, stehend
    Quelle: Fiat Der Elektromotor im Fiat 500e leistet 118 PS. Tempo 100 erreicht der Stromer damit in neun Sekunden. Bei 150 km/h ist Schluss
  • Fiat 500e an einer Ladesäule stehend
    Quelle: Fiat Laut Hersteller fährt der elektrifizierte Fiat 500 mit einer Akkuladung bis zu 320 Kilometer weit