Zwei kleine Milde von Fiat: 500 und Panda werden elektrifiziert

Fiat 500 MHEV und Fiat Panda MHEV: Antrieb, Leistung, Marktstart

Fiat bringt Strom in die kleinste Klasse: Fiat 500 und Fiat Panda bekommen in der Basis einen elektrifizierten Dreizylinder. Alle Infos zum Mild-Hybrid.

  • Sven Förster
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  • Veröffentlicht am 01/18/2020, 12:00 AM
  • Aktualisiert am 01/20/2020, 10:49 AM
Zu sehen sind der Fiat Panda MHEV (Links) und Fiat 500 MHEV (Rechts) nebeneinander, stehend
Quelle: Fiat Die Fiat MHEV Modelle Panda und 500 sollen noch im ersten Quartal 2020 bei den Händlern verfügbar sein

Fiat startet die Elektrifizierung zaghaft, doch an der richtigen Stelle: Ab Ende Januar 2020 bieten die Italiener einen Mild-Hybrid-Antrieb für die betagten wie beliebten Kleinwagen 500 und Panda. Ein kleiner Benziner mit Riemen-Startergenerator ersetzt im Motorraum das bisherige Einstiegs-Aggregat mit vier Zylindern. Im Detail geht es um attraktivere Verbrauchswerte in den kleinsten Modellen. In der Gesamtheit soll der Flottenverbrauch mit Hilfe der elektrischen Unterstützung gedrückt werden, um damit Strafzahlungen zu vermeiden.

Wer den Autokauf nicht primär am Sprit-Konsum und der Finanzlage von Großkonzernen ausrichtet, sollte ebenfalls profitieren: Technisch geraten die Basis-Varianten von Fiats Kleinwagen ausgefeilter, ganz unabhängig vom Strom. Theoretisch sind sie schneller. Doch von der initialen Launch-Edition raten wir Käufern ohne ökologisches Kaufmotiv ab: Die ersten Modelle von 500 MHEV und Panda MHEV werden passend zum „grünen“ Anspruch in hellem Grün lackiert. Nun ja.  


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Strom zum Segeln und für die Start-Stopp-Funktion 

Bei Fiats simplem elektrifiziertem Antrieb unterstützt ein Riemen-Startergenerator den Verbrenner. Es geht nicht um rein elektrische Reichweite, sondern gesteigerte Effizienz mit vergleichsweise einfachen Mitteln und regulärem 12-Volt-Bordnetz. Konkret treibt in den Fiat-Kleinwagen Panda und 500 ein 1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner den Generator mit an. Ein Lithium-Ionen-Akku speichert den erzeugten Strom. Außerdem wird die Batterie beim Bremsen und im Schubbetrieb geladen.  

Zu sehen ist der Fiat Panda MHEV
Quelle: Fiat Die Fiat MHEV Modelle Panda und 500 sollen, nach den Angaben des Herstellers, im Durchschnitt 20 Prozent weniger verbrauchen als beim bisherigen Einstiegsmotor

Bis zu 130 Wattstunden (0,13 kWh) speichert Fiats Batterie. Zur Einordnung: Das ist rund ein Zehntel der Kapazität eines „echten“ Voll-Hybrid-Fahrzeugs (bspw. Toyota Prius). Doch genug Energie, um den nicht benötigten Verbrenner abzustellen und denkbar schnell wieder anzuwerfen. Das klappt nicht nur im Stand, sondern auch bei Geschwindigkeiten von weniger als 30 km/h, wenn der Verbrenner nicht gefordert wird. 



Antrieb: drei Zylinder, sechs Gänge  

Doch fürs emissionsfreie Segeln im niedrigen Geschwindigkeitsbereich benötigen die elektrifizierten Kleinwagen die Unterstützung des Fahrers: Ein Symbol im Bordcomputer zeigt, wann der Benziner in den Kurzschlaf versetzt werden könnte. Dann muss der Fahrer den Leerlauf einlegen – und rollt, während alle Stromverbraucher aus dem Lithium-Ionen-Akku und der regulären Batterie gespeist werden. Zugegeben, mit Automatik würde der Prozess weniger improvisiert wirken. Doch das elektrifizierte Aggregat ist laut ersten Informationen an Handschaltung und Fronantrieb gekoppelt. So wagen wir die Prophezeiung, dass das System in der Praxis nur selten sein volles Spritspar-Potenzial ausschöpfen wird. 

Zu sehen ist das Hybrid-Emblem des Fiat 500 MHEV
Quelle: Fiat Ein Hybrid-Schriftzug ziert das Heck des Fiat Panda MHEV. Eine irreführende Bezeichnung, da die Modelle keinen Elektromotor besitzen

Serienmäßig flanscht Fiat ein Sechsgang-Getriebe an den Dreizylinder, bislang kamen Einstiegs-Modelle mit fünf Gängen. Ein lang übersetzter erster Gang soll den Verbrauch in jenen Tempo-Bereichen verringern, bei denen die Elektrifizierungs-Maßnahmen keinen echten Vorteil bringen. Offizielle Verbrauchswerte gibt es noch nicht. Fiat spricht von durchschnittlich 20 Prozent weniger Verbrauch als beim bisherigen Einstiegsmotor. Mit dem 1,2-Liter-Vierzylinder konsumieren Fiat Panda und Fiat 500 rund 5,4 Liter Super. 

Panda MHEV und 500 MHEV: Leistung und Drehmoment 

Am abgelösten Basis-Motor von Fiat wird seltener der Verbrauch bemängelt als sein Durchzug. Laut vielen Panda- und 500-Besitzern fühlt sich der 1,2-Liter-Vierzylinder in der Praxis nicht mal nach seiner mageren Leistung von 69 PS und seinem Drehmoment von 102 Newtonmetern an. Dass die Leistung in der Theorie für knapp 1.000 Kilo leichte Autos ausreicht, hilft ihnen dabei wenig. 

Zu sehen ist der Fiat Panda MHEV in seitlicher Position
Quelle: Fiat Die Fiat MHEV Modelle Panda und 500 erfüllen die zukünftige Emissionsklasse Euro 6d

Beim elektrifizierten Neuzugang im Antriebs-Portfolio wird sich ebenfalls erst zeigen, wie gut er mit den kleinsten Fiat-Modellen zurechtkommt. In der Theorie sollten sie spritziger fahren. Mit 70 PS bei 6.000 Touren und einem Drehmoment von 92 Newtonmetern bei 3.500 Umdrehungen kommt der 1,0-Liter-Dreizylinder auf ähnliche Werte wie sein Vorgänger-Aggregat. Doch im unteren Drehzahlbereich steuert der Riemen-Startergenerator knapp 5 PS (3,6 KW) bei. Um rund eine halbe Sekunde soll der neue Antriebsstrang beim Sprint auf 100 km/h dem alten überlegen sein. Ein Teil davon lässt sich auf den minimalen Gewichtsvorteil zurückführen: Der kleinere Alu-Block ist mit 77 Kilogramm schlicht leichter. 


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Launch Edition: grüner Lack, Recycling-Bezüge 

Preise nennt Fiat vorerst nicht. Im Januar öffnen die Bestellbücher, noch im ersten Quartal 2020 sollen erste Exemplare bei den Händlern stehen. Frühe Modelle von 500 MHEV und Panda MHEV wird man erkennen. Am hellgrünen Lack und einem Hybrid-Schriftzug am Heck. Letzteres ist gewagt ob eines Antriebsstranges, der nur mild hybridisiert. Doch anderswo (Suzuki) klebt man schon für weniger (sprich: bei einem Micro-Hybrid, der keine Antriebsleistung beisteuert) ein solches Schild ans Hinterteil. 

Zu sehen ist das Hybrid-Emblem der Fiat MHEV Modelle
Quelle: Fiat Ein Riemen-Startergenerator unterstützt den Verbrenner der Fiat MHEV Modelle Panda und 500

 

Letztlich ist das Wortklauberei. Bei den Launch-Modellen geht es weniger um technische Korrektheit im Detail als um ein grünes Gewissen im Ergebnis. Dafür überzieht Fiat die Sitze der ersten Fiat 500 MHEV und Fiat Panda MHEV mit einem Stoff aus recycelten Plastik-Abfällen – 10 Prozent des Materials werden beim Material „Seaqual“ aus dem Meer gefischt, den übrigen Kunststoff sammelt der Sitzbezug-Hersteller an Land. 



Rein elektrischer Fiat 500 kommt noch 2020 

Das übrige Motorenangebot von Fiat 500 und Fiat Panda bleibt unangetastet: Oberhalb des elektrifizierten Dreizylinders gibt es wie gehabt den 0,9-Liter-Zweizylinder-Benziner mit 85 PS. Beim Panda läuft dieser Motor optional (und bivalent) mit Erdgas.  

Zu sehen ist die Front des Fiat 500 MHEV
Quelle: Fiat Unter der Motorhaube beider Fiat MHEV Modelle (Panda und 500) schlummert ein 1,0-Liter-Dreizylinder-Saugbenziner mit Riemen-Startergenerator und 70 PS

Noch in diesem Jahr soll Fiat eine rein elektrische Version des 500 präsentieren. Gibt es doch bereits? Stimmt doppelt. Doch den ursprünglichen Fiat 500e bieten die Italiener ab 2013 ausschließlich in den USA an. Und die Elektro-Adaption des Retro-Kleinwagens für Mitteleuropa stammt nicht direkt von Fiat – sondern dem deutschen Umbau-Spezialisten Karabag. Der erste Plug-in-Hybrid aus dem Konzern kommt vorher auf den Markt. Und wird ein Jeep-Logo tragen: Im Frühjahr 2020 rollt der Renegade PHEV auf die Straßen. 

Fiat 500 MHEV und Fiat Panda MHEV: erste technische

Daten

Modell Fiat 500 MHEV und Fiat Panda MHEV 
Antrieb 1,0-Liter-Dreizylinder-Saugbenziner mit Riemen-Startergenerator 
Leistung 70 PS (51 kW) bei 6.000 U/min 
Drehmoment 92 Nm bei 3.500 U/min 
Batteriekapazität 130 Wattstunden (0,13 kWh) 
Spannung des Bordnetzes 12 Volt 
Länge Fiat 500 MHEV 3.546 mm 
Breite Fiat 500 MHEV 1.627 mm 
Höhe Fiat 500 MHEV 1.485 mm 
Länge Fiat Panda MHEV 3.650 mm 
Breite Fiat Panda MHEV 1.640 mm 
Höhe Fiat Panda MHEV 1.550 mm 
Bestellstart  Ende Januar 2020 
Marktstart Frühjahr 2020 (als „Launch Edition” im abgebildeten „Tau Grün“) 

 

Fiat 500 MHEV und Fiat Panda MHEV in Bildern

  • Zu sehen sind der Fiat Panda MHEV (Links) und Fiat 500 MHEV (Rechts) nebeneinander, stehend
    Quelle: Fiat Die Fiat MHEV Modelle Panda und 500 sollen noch im ersten Quartal 2020 bei den Händlern verfügbar sein
  • Zu sehen sind der Fiat 500 MHEV (Links) und der Fiat Panda MHEV (Rechts, im Hintergrund)
    Quelle: Fiat Ökologischer Fußabdruck: die Fiat MHEV Modelle Panda und 500 werden passend zu der Thematik „Tau Grün“ lackiert
  • Zu sehen ist die Front des Fiat 500 MHEV
    Quelle: Fiat Unter der Motorhaube beider Fiat MHEV Modelle (Panda und 500) schlummert ein 1,0-Liter-Dreizylinder-Saugbenziner mit Riemen-Startergenerator und 70 PS
  • Zu sehen ist das Heck des Fiat 500 MHEV. Das Cabrio-Dach wird geöffnet
    Quelle: Fiat Die Cabrio-Variante des Standard-Modells wird für die MHEV-Modifikation des Fiat 500 übernommen
  • Zu sehen ist der Fiat 500 MHEV in seitlicher Position
    Quelle: Fiat Der Lithium-Ionen-Akku der Fiat MHEV Modelle Panda und 500 speichert bis zu 130 Wattstunden (0,13 kWh). Die Batterie wird beim Bremsen und im Schubbetrieb geladen
  • Zu sehen ist das Hybrid-Emblem des Fiat 500 MHEV
    Quelle: Fiat Ein Hybrid-Schriftzug ziert das Heck des Fiat Panda MHEV. Eine irreführende Bezeichnung, da die Modelle keinen Elektromotor besitzen
  • Zu sehen ist das Cockpit des Fiat Panda MHEV
    Quelle: Fiat Fiat fertigt für die Sitze der MHEV Modelle Panda und Fiat Sitzbezüge aus recycelten Plastik-Abfällen. 10% des Garn-Materials „Seaqual“ werden aus dem Meer gefischt
  • Zu sehen ist das Amaturenbrett des Fiat 500 MHEV
    Quelle: Fiat Der Boardcomputer gibt dem Fahrer ein Zeichen, sobald die Stromkapazität aus der Batterie der Fiat MHEV Modelle Panda und 500 verwendet werden kann
  • Zu sehen ist der Fiat Panda MHEV
    Quelle: Fiat Die Fiat MHEV Modelle Panda und 500 sollen, nach den Angaben des Herstellers, im Durchschnitt 20 Prozent weniger verbrauchen als beim bisherigen Einstiegsmotor
  • Zu sehen ist der Fiat Panda MHEV in seitlicher Position
    Quelle: Fiat Die Fiat MHEV Modelle Panda und 500 erfüllen die zukünftige Emissionsklasse Euro 6d
  • Zu sehen ist das Hybrid-Emblem der Fiat MHEV Modelle
    Quelle: Fiat Ein Riemen-Startergenerator unterstützt den Verbrenner der Fiat MHEV Modelle Panda und 500