Der Blick ins High-Tech-Land China

Elektroautos in China: Der E-Auto-Markt boomt

China ist der größte Automarkt der Welt – auch in der Elektromobilität. Im ersten Quartal 2019 wurden bereits 254.000 Elektroautos verkauft. Weltweit wird fast jedes zweite Elektroauto in China zugelassen. Was aber ist mit den deutschen Herstellern und dem Qualitätssiegel „Made in Germany“? Und welche Elektroautos sind in China beliebt?

    0
  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:07 PM
Die chinesische Regierung investiert seit Jahren in eine flächendeckende Elektroautoinfrastruktur.
Quelle: picture alliance / Photoshot Die chinesische Regierung investiert seit Jahren in eine flächendeckende Elektroautoinfrastruktur

Sagt Dir die Automarke Build your Dreams – kurz: BYD – etwas? Oder BAIC BJEV? Changan vielleicht? Nie gehört? Kein Wunder, denn in Deutschland siehst Du die Autos kaum über die Straßen rollen. In China jedoch dominieren sie die Top-Ten-Liste der erfolgreichsten Elektroauto-Hersteller 2018. Der E-Auto-Trend boomt in Fernost, im letzten Jahr wurden rund eine Million Elektroautos verkauft.
Deutsche Hersteller wirst Du in diesen Listen jedoch nicht finden. Denn während die chinesische Regierung seit Jahren auf das E-Auto setzt und Milliarden in die Elektromobilität investiert, sind Elektroautos von BMW, VW, Daimler und Co. auf dem chinesischen Markt kaum vertreten. Erst auf der vergangenen Shanghai Auto Show im April 2019 zeigte sich: Die deutschen Hersteller haben verstanden – und präsentierten allesamt E-Modelle, teilweise extra für den chinesischen Markt designt und entwickelt.

Die deutschen Autohersteller wollen mit neuen Elektroautomodellen den chinesischen Markt angreifen.
Quelle: Uli Deck (dpa) Die deutschen Autohersteller wollen mit neuen Elektroautomodellen den chinesischen Markt angreifen

Deutsche Hersteller stehen unter Zugzwang

Reichlich spät, möchte man meinen, denn China ist immerhin der wichtigste Markt – auch für deutsche Automobilhersteller. VW verkauft dort 40 Prozent aller Modelle, Audi mehr als 30 Prozent und BMW und Daimler rund 25 Prozent. Im vergangenen Jahr war der Volkswagen Konzern (inklusive Audi, Porsche etc.) sogar Marktführer mit 18,1 Prozent. Entwickelt sich der Automarkt in China weiter wie bisher, dürften solche Zahlen allerdings der Vergangenheit angehören. Denn die chinesische Regierung tut alles, um es den Verbrennern so schwer wie möglich zu machen.
Zehntausende Elektro-Ladestationen wurden errichtet, der Kauf von Elektroautos wird subventioniert und in Großstädten wie Peking werden sogar gar keine Verbrennerfahrzeuge mehr zugelassen. Nummernschilder gibt es nur noch für Elektroautos – aber auch diese Schilder werden verlost oder verkauft, um die Großstädte nicht im Verkehr ersticken zu lassen. Hinzu kommt die sogenannte E-Auto-Quote, die die Hersteller zu emissionsfreien Fahrzeugen im Angebot verpflichten soll. Sind es zu wenige, drohen Strafzahlungen.

Automarkt bricht ein, Elektroautos profitieren

Die Maßnahmen kommen allerdings nicht plötzlich, sondern sind schon länger bekannt. Chinesische Hersteller sind darauf eingerichtet und bieten E-Fahrzeuge für jeden Zweck. Das führte in der Vergangenheit zu kuriosen Absatzzahlen auf dem Automobilmarkt: 30 Jahre lang Aufwind, steigende Zahlen alle zwölf Monate. 2018 dann der Einbruch um 3,8 Prozent. Und auch 2019 begann nicht rosig für die Automobilindustrie in China, um 13,7 Prozent ging der Absatz der Automobilbranche im ersten Quartal zurück. Während ein solches Absatzminus derzeit weltweit verzeichnet wird, blüht in China jedoch die Elektromobilität auf, nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Maßnahmen der Regierung.
Über eine Million Elektroautos wurden 2018 verkauft. Insgesamt fahren rund 2,6 Millionen Elektroautos durch die Volksrepublik. Bei 5,6 Millionen Elektroautos weltweit bedeutet das: Fast jedes zweite Elektroauto fährt durch China.
Mittlerweile wurden die Subventionen reduziert. Der Markt läuft und das scheinbar von ganz allein. Während nämlich der gesamte Auto-Absatz im ersten Quartal um 13,7 Prozent zurückging, konnte der E-Auto-Absatz in China weiter zulegen. Denn er stieg im ersten Quartal um 118 Prozent auf 254.000 verkaufte E-Pkw an. Zum Vergleich: Zum gleichen Zeitpunkt waren es im Vorjahr 117.000 E-Fahrzeuge – danach folgten in drei Quartalen noch rund 900.000. Das sind beeindruckende Zahlen.
Mitmischen konnten die deutschen Hersteller bisher nicht. BMW hatte den i3 im Angebot, VW den e-Golf. Doch während hierzulande stets nach Reichweite, Ladedauer oder Leistung gefragt wird, zählen in China andere Trends: Digitalisierung, Vernetzung, Komfort. Gleicht das Auto nicht einem Smartphone auf Rädern, hat es in China kaum eine Chance. Die ernüchternden Zahlen: Das deutsche Top-Modell in China ist der BMW i3 – mit 1.021 verkauften Einheiten 2018.

China ist der größte Markt für Elektroautos und wartet mit einer Reihe einheimischer Hersteller auf.
Quelle: Wang Jiaguo (Imaginechina/ © dpa) China ist der größte Markt für Elektroautos und wartet mit einer Reihe einheimischer Hersteller auf

Digitalisierte E-SUV für China

Zeit für neue E-Modelle, zugeschnitten auf die chinesischen Käufer, denen es im Großstadtgetümmel von Peking weniger auf Reichweite oder Top-Speed, sondern auf Komfort ankommt. Die deutschen Hersteller scheinen die gleiche Taktik zu verfolgen und präsentierten allesamt neue E-SUV auf der Shanghai Auto Show 2019.
Der "VW ID. Roomzz" kam als knallrotes SUV mit Schiebetüren, die sich dank fehlender B-Säule in gegenläufige Richtung öffnen und einen Blick in den geräumigen Innenraum freigeben. Digitale Details: Das Filtersystem „CleanAir“, das trotz schlechter Umgebungsluft für saubere Innenluft sorgt; fehlende Seitenspiegel, dafür Kameras, die alles im Blick haben; ein glasüberbautes „digital Cockpit“ mit integriertem Lenkrad, das auf Knopfdruck im Armaturenbrett verschwindet – denn das SUV soll autonom auf Level 4 fahren, der Fahrer kann in bestimmten Bereichen auf Autopilot stellen. Daraus resultiert ein komfortabler Innenraum: Die Sitze können um 25 Grad gedreht oder in Liegeposition gestellt werden. 450 Kilometer Reichweite, 30 Minuten Ladezeit. Markstart in China, wo das SUV auch produziert wird, ist 2021.
Das E-SUV Mercedes EQC kommt nicht so futuristisch daher, sondern bleibt im Design bei Bewährtem. 450 Kilometer Reichweite, 408 PS, 40 Minuten Ladezeit. An Bord ist als digitales Highlight der lernfähige Künstliche-Intelligenz-Assistent „MBUX“ (die Abkürzung steht für Mercedes Benz User Experience). Intelligenter Komfort, wie die Möglichkeit, den Innenraum im Sommer bereits vor der Nutzung abzukühlen, ist ebenfalls mit dabei. Gebaut wird in Peking, Ende 2019 kommt der EQC auf den Markt.
Der BMW Vision iNext ist zwar noch eine Studie, zeigt aber, worauf es in China ankommt: Autonomes Fahren auf Level 4, Innenraum mit Lounge-Charakter und die innovative Technologie „Shytech“: Die Sitzbezüge und Holzoberflächen sind touchintensiv und werden neben der Sprachsteuerung zur Schaltzentrale. Knöpfe suchst Du hier vergebens. Ab 2021 soll der iNext in Serie gehen.
Audi ist schon weiter, der seit März erhältliche Audi e-tron kommt bereits im zweiten Halbjahr 2019 nach China, natürlich als SUV mit 408 PS und 417 Kilometern Reichweite. Das Cockpit ist weniger innovativ. Zwei Touchscreens sind vorhanden, der digitale Helfer myAudi ebenso. Den großen Schritt in die Zukunft wagt Audi mit diesem Modell aber noch nicht. 

Die Konkurrenz ist groß

Durchsetzen müssen sich die deutschen Automobilunternehmen allerdings gegen die chinesischen Hersteller. Spitzenreiter 2018 waren die Elektroautos von BYD mit mehr als 200.000 verkauften Modellen. Zum Vergleich: In Deutschland gab es 2018 rund 34.000 Neuzulassungen insgesamt. Damit würde sich der gesamte deutsche E-Auto-Absatz auf Platz sieben positionieren, knapp vor der Marke Zotye, die rund 33.200 Modelle verkauft hat. Das erfolgreichste E-Modell in China kommt indes nicht von BYD, sondern vom zweitplatzierten BAIC BJEV (Beijing Electric Vehicle Company). Die BAIC EC-Serie konnte sich 2018 weltweit auf Platz zwei setzen, hinter dem Tesla Model 3, aber vor dem Nissan Leaf. Daimler und Volkswagen sind weltweit nicht einmal in den Top 20 vertreten. Der EC189 ist übrigens kein SUV, sondern ein Kleinwagen mit 200 Kilometern Reichweite, 120 km/h Spitzengeschwindigkeit und sieben Stunden Ladezeit – und subventioniert für umgerechnet 7.000 Euro zu haben. Der E-Volkswagen Chinas.

Die zehn erfolgreichsten chinesischen E-Auto-Hersteller 2018

HerstellerVerkaufte Fahrzeuge 2018
BYD (Build your Dreams)215.800
BAIC BJEV160.790
SAIC Motors PV107.985
Chery90.000
JAC Motors63.600
JMEV50.000
Changan42.400
Zotye33.200
GAC NE20.000
Zhi Dou15.300



Absatz von Elektroautos in relevanten Märkten 2018 (2017)

LandE-Auto-Absatz 2018 (2017)
China1.275.000 (777.000)
USA356.000 (194.000)
Norwegen73.000 (62.000)
Deutschland68.000 (54.000)
Großbritannien59.000 (49.000)
Japan50.000 (56.000)
Frankreich45.000 (37.000)
Niederlande24.000 (9.000)
Technologie und InnovationElektro