Elektroautos sind bisher nicht besonders günstig, aber warum?

Elektroautos – Ein Überblick über das aktuelle Angebot

Der Markt für Elektroautos wächst stetig. Es gibt kaum einen Hersteller, der nicht bereits mehrere Modelle im Angebot führt oder zumindest für die kommenden anderthalb Jahre angekündigt hat. Wir stellen die interessantesten E-Autos und ihre wichtigsten technischen Daten vor.

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  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:07 PM
Manche E-Autos müssen bereits nach etwa 150, andere erst nach 500 Kilometern geladen werden
Quelle: picture alliance/dpa So unterschiedlich wie ihre Preise sind auch die Reichweiten der E-Autos. Manche müssen bereits nach etwa 150, andere erst nach 500 Kilometern geladen werden

Ab Anfang 2021 müssen Autobauer Strafen an die Europäische Union (EU) zahlen, wenn sie den Flotten-Grenzwert von 95 Gramm Kohlendioxid (CO2) pro Kilometer nicht einhalten. Mit Benzin- und Dieselfahrzeugen ist das nahezu unmöglich. Auf die Hersteller könnten also empfindliche Zahlungen zukommen. Bei Volkswagen (VW) etwa wäre das eine Summe von 1,4 Milliarden Euro, wie aktuelle Berechnungen unter anderem des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) ergeben haben. Umso engagierter wird aktuell daran gearbeitet, die Flotten mit Elektromobilität zukunftsfähig zu machen – mit dem Resultat, dass das Angebot an Elektroautos ständig wächst.

Audi e-tron – Das erste Luxus-SUV der Marke

Der Audi e-tron ist ein Luxus- und gleichzeitig auch das erste Elektro-SUV von Audi. Der e-tron ist ab 80.900 Euro zu haben und größenmäßig zwischen den Audi-Verbrenner-Modellen Q5 und Q7 einzuordnen. Die zwei Elektromotoren des e-tron leisten 408 PS, die Energiekapazität des 700 Kilogramm schweren Akkus liegt bei 95 Kilowattstunden (kWh). Laut Audi soll damit eine Reichweite von 400 Kilometern möglich sein. Das hält der ADAC nach einem Test allerdings nur im Stadtverkehr für realistisch, wo durch viele Bremsvorgänge Energie zurückgewonnen wird (Rekuperation).

BMW i3 – Teuer und kurzatmig

Der BMW i3 wird bereits seit 2013 angeboten und kostet ab 38.000 Euro. Die Reichweite des BMW i3 im Alltag wird von BMW mit 260 Kilometern angegeben. Der ADAC hat Anfang 2019 den i3s getestet, der statt 170 PS beim Standardmodell sogar 184 PS leistet, dann allerdings auch mindestens 41.600 Euro kostet. Die Test-Reichweite lag dennoch nur bei eher enttäuschenden 205 Kilometern.

e.GO Life – der Newcomer für die Stadt

Der e.GO Life ist ein viersitziger Kleinwagen für die Stadt, der von einem Start-up der Uni Aachen, der e.GO Mobile AG, unter Leitung von Professor Günther Schuh entworfen wurde. Der Stadtflitzer ist ab 15.900 Euro zu haben. Die Reichweite des E-Autos soll, je nach Ausführung, zwischen 100 und 145 Kilometern betragen. 

Mercedes ECQ – Luxus, der gefördert wird

Was der e-tron für Audi ist, das ist der ECQ für Mercedes-Benz – das erste rein elektrische SUV der Marke. Ein Luxus-SUV, das mit 408 ebenso viele PS leistet wie der Audi und mindestens 71.200 Euro kostet. Was wiederum einen Netto-Listenpreis von ganz knapp unter 60.000 Euro bedeutet. Clever von Mercedes, denn damit kommen ECQ-Käufer noch in den Genuss der E-Auto-Prämie des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Die Prämie liegt bei 4.000 Euro. Mercedes gibt eine Reichweite von 450 Kilometern an, ein Test des ADAC hat immerhin 320 Kilometer ergeben. Nicht schlecht für ein Fahrzeug mit einem Gewicht von knapp zweieinhalb Tonnen.

Opel Corsa-e – Der Volkswagen von Opel

Der Opel Ampera-e Plus, dessen Grundpreis bei 42.990 Euro liegt, leistet 204 PS. Opel gibt eine Reichweite von bis zu 520 Kilometern an. Ein ADAC-Ecotest hat immerhin noch sehr gute 400 Kilometer ergeben. Deutlich günstiger aber ist der brandneue Opel Corsa-e, der mit 29.900 Euro unter der 30.000-Euro-Preisgrenze bleibt und 330 Kilometer schaffen soll. Opel verspricht eine 80-prozentige Schnellladung der Lithium-Ionen-Batterien innerhalb von 30 Minuten. Zudem soll der Corsa-e verschiedene Ladeoptionen bieten, von der Haushaltssteckdose bis hin zur Wallbox, einer speziellen Steckdose für die heimische Garage.

Porsche Taycan – der erste Elektro-Sportwagen von Porsche

Der Porsche Taycan ist das erste rein elektrisch betriebene E-Auto des Sportwagenbauers aus Zuffenhausen. Mindestens 99.000 Euro verlangt Porsche für den Taycan, der als Viertürer daherkommt und nicht nur deshalb an den Porsche Panamera erinnert. Bis zu 600 PS leistet der Sportwagen, der mehr als 250 km/h schnell sein soll. Porsche gibt eine Reichweite von 500 Kilometern an, und schnell voran geht es auch dann noch, wenn die erreicht sind. Denn der Unterschied zu anderen Elektroautos ist die Spannungslage, mit der der Taycan arbeiten kann, berichtet der ADAC. Während andere Elektroautos mit einer 400-Volt-Spannungslage auskommen müssen, kann der Taycan 800 Volt aufweisen. Das ermögliche eine Aufladung des Lithium-Ionen-Akkus für 100 Kilometer Reichweite in nur etwa vier Minuten, so der Automobilclub.

Smart forfour EQ – günstig, aber kaum Reichweite

Der Smart forfour EQ bietet im Gegensatz zu seinem kleinen Bruder, dem Smart fortwo EQ Coupé, vier Türen und vier Plätze und kostet 22.600 Euro. Allerdings ist die Reichweite mit kaum mehr als 150 Kilometern sehr bescheiden. Das gilt auch für die Reichweite des zweisitzigen Smart fortwo EQ Coupé, der laut Hersteller bis zu 160 Kilometer schaffen soll. Ab 21.940 Euro verlangt Smart für den fortwo.

VW ID.3 – VWs neuer Volkswagen

Laut ADAC-Ecotest gerade einmal 200 Kilometer schafft die elektrifizierte Version von Volkswagens Verkaufsschlager, dem VW e-Golf. Das ist nicht allzu viel für ein Elektroauto, das mit einem Grundpreis von 35.900 Euro alles andere als ein Schnäppchen ist. Deutlich günstiger als der e-Golf ist der kleinere VW e-up!, der ab knapp 23.000 Euro zu haben ist. Hier aber fällt die Reichweite noch viel enttäuschender aus. Gerade einmal 100 Kilometer sind es im e-up!, bevor man wieder an die Steckdose muss. Deutlich mehr zu bieten hat da der ID.3, mit dem Volkswagen eine ganze Modellfamilie begründen will. Mit einer Reichweite von zwischen 300 und 500 Kilometern (je nach Akku-Ausführung) und einem Einstiegspreis von unter 30.000 Euro könnte der ID.3, ähnlich wie der Corsa-e, das Zeug zum buchstäblichen Elektro-Volkswagen haben. Mehr als 20.000 Vorbestellungen lagen im Juni 2019 bereits vor, obwohl das Elektroauto, das auf dem Prototyp VW ID Neo basiert, erst Mitte 2020 auf den Markt kommt.

Hyundai – der Langläufer

Mit den Modellen Hyundai Ioniq Elektro und Hyundai  Kona Elektro haben die Südkoreaner gleich zwei E-Autos im Portfolio, die das Label „alltagstauglich“ für sich in Anspruch nehmen können. Vor allem der ab einem Grundpreis von 34.600 Euro erhältliche Kona überzeugte bisher in vielen Tests. Hyundai gibt für die Basisvariante eine Reichweite von 289, für die bei 39.000 Euro startende stärkere Version von 449 Kilometern an. In einem Test des Fachmagazins „Auto Bild“ schaffte der Kona aber mit einer Batterieladung sogar 613 Kilometer – und damit 13 Kilometer mehr als ein Tesla Model S, das Elektroauto mit der vermeintlich größten Reichweite!

Kia e-Niro – der ist sein Geld wert

Auch Hyundai-Tochter Kia bietet mit dem e-Soul (auch bekannt als Kia Soul EV) ab knapp 34.000 Euro und dem e-Niro ab 35.290 Euro gleich zwei interessante Elektroautos an. So sollen mit dem e-Niro bis zu 455 Kilometer ohne Ladestopp möglich sein – vorausgesetzt, man entscheidet sich für die stärkere von zwei Batteriegrößen. Dann allerdings fallen rund 40.000 Euro an. Der ADAC hat den e-Niro bereits getestet. Gut 400 Kilometer seien bei ganz normaler Fahrweise absolut kein Problem, so die Experten des Automobilclubs. In der Stadt, wo viel Energierückgewinnung beim Bremsen möglich ist, sollen sogar 500 Kilometer machbar sein. Auch weitere Tests von Fachzeitschriften legen nahe, dass der e-Niro sein Geld wert zu sein scheint.

Nissan Leaf – der Bestseller

Der Nissan Leaf wird bereits seit 2010 gebaut. Seit Anfang 2018 ist die zweite Generation des Japaners auf dem Markt, die ab 36.800 Euro erhältlich ist und laut Nissan eine Reichweite von 285 Kilometern hat. Zudem bietet Nissan seit Januar 2019 die Variante Leaf e+ an, die 217 PS leistet und eine Reichweite von knapp 400 Kilometern schaffen soll. Allerdings ist der Leaf e+ auch deutlich teurer als die Basisvariante und kostet mindestens 46.500 Euro. Laut Herstellerangaben ist der Nissan Leaf heute zudem das meistverkaufte E-Auto in Europa.

Renault Zoe – der Günstige

Wie der Nissan Leaf gehört auch der Renault Zoe zu den Vorreitern auf dem Markt der Elektroautos. Seit März 2013 ist der Franzose erhältlich, der aktuell ab günstigen 21.900 Euro zu bekommen ist und in dieser Basisvariante laut Renault bis zu 170 Kilometer schaffen soll. Für die Version mit stärkerem Akku verlangen die Franzosen gut 26.000 Euro und versprechen eine Reichweite von 316 Kilometern. Im ADAC-Ecotest schaffte der Renault Zoe allerdings nur 240 Kilometer. Mit dem Modell Twizy bietet der Hersteller zudem ein Elektroauto ausschließlich für die Stadt an, das etwa 70 Kilometer Reichweite hat und um die 8.000 Euro kostet. Da der Twizy als Leichtfahrzeug eingestuft wird, entfällt allerdings die staatliche Förderung.

Tesla Model 3 – der erste Tesla für (fast) alle

Mit hohen Reichweiten hat sich der US-Hersteller Tesla schon vor Jahren den Ruf des Elektroauto-Pioniers erarbeitet. Lange aber verhinderten Teslas Preise den Durchbruch auch auf dem europäischen Massenmarkt. Der Tesla Model S (ab 81.890 Euro), nach Tesla-Angaben mit 600 Kilometern das reichweitenstärkste Elektroauto überhaupt, und der Tesla Model X (ab 97.400 Euro) sind einfach zu teuer und bleiben Autofahrern vorbehalten, die von Luxusmarken wie Mercedes oder BMW auf erprobte Elektroauto-Technik umsteigen wollen. Ein Sonderangebot ist zwar auch der Tesla Model 3 nicht, der 2018 zum weltweit meistverkauften E-Auto wurde und seit Februar 2019 auch in Europa erhältlich ist. Mit einem Preis von 45.480 Euro aber dürfte dieser Tesla das Zeug haben, seine Erfolgsgeschichte auch in Deutschland fortzuschreiben.

Die wichtigsten Elektroautos auf dem deutschen Markt

  • Audi e-tron, Preis: ab 80.900 Euro
  • BMW i3, Preis: ab 38.000 Euro
  • e.GO Life, Preis: ab 15.900 Euro
  • Hyundai Kona, Preis: ab 34.600 Euro
  • Kia e-Niro, Preis: ab 35.290 Euro
  • Mercedes EQC, Preis: ab 71.200 Euro
  • Opel Corsa-e, Preis: ab 29.900 Euro
  • Porsche Taycan, Preis: ab 99.000 Euro
  • Smart forfour EQ, Preis: ab 22.600 Euro
  • Smart fortwo EQ Coupé, Preis: ab 21.940 Euro
  • Nissan Leaf, Preis: ab 36.800 Euro
  • Renault Zoe, Preis: ab 21.900 Euro
  • Tesla Model 3, Preis: ab 45.480 Euro
  • Volkswagen ID.3, Preis: knapp unter 30.000 Euro