Die Kälte setzt den Akkus zu

Elektroauto im Winter: Das musst Du wissen

Reichweite ist das große Thema bei Elektroautos. Das gilt im Winter noch sehr viel mehr als im Sommer. Der höhere Energieverbrauch – vor allem von der elektrischen Heizung – zieht Energie aus den Speichern und lässt die Reichweite deutlich sinken. Aber eine Verbesserung ist in Sicht: Die Batterien werden stärker. Und wir geben Dir Tipps, die helfen, Strom zu sparen und Reichweite zu gewinnen.

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  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:07 PM
Im Winter musst Du deutliche Einbußen in der Reichweite Deines Elektroautos in Kauf nehmen.
Quelle: Sebastian Willnow (picture alliance/Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa) Im Winter musst Du deutliche Einbußen in der Reichweite Deines Elektroautos in Kauf nehmen

Der Winter hat es in sich. Das gilt besonders für Elektroautos. Um herauszufinden, wie sehr Elektroautos und deren Reichweite unter winterlichen Temperaturen leiden, hat der ADAC zusammen mit dem österreichischen Automobilclub ÖAMTC einen Test gemacht. Dazu wurden mit einem elektrisch angetriebenen Mitsubishi i-MiEV Vergleichsfahrten bei unterschiedlichen Temperaturen angestellt.
Dabei ergab sich im Stadtverkehr, dass eine Außentemperatur von null Grad im Vergleich zu 20 Grad bereits einen Reichweitenverlust von bis zu 50 Prozent ergeben kann. Weniger schlimm ist es außerhalb der Stadt. Bei höheren Geschwindigkeiten um 100 km/h beträgt der Verlust relativ bescheidene zehn Prozent. Drastisch wird es aber bei einer Kälte von minus 20 Grad aus. Da liegen die Verluste im Stadtverkehr bei 65 Prozent, bei 100 km/h bei 20 Prozent.

Manche Elektroautos bieten eine Innenraumheizung beim Aufladen der Batterie.
Quelle: Daniel Reinhardt (picture alliance/Daniel Reinhardt/dpa) Manche Elektroautos bieten eine Innenraumheizung beim Aufladen der Batterie

Reichweitenverlust bei niedrigen Temperaturen

-20 Grad0 Gradminus 20 Grad
30 km/h188 km93 km68 km
50 km/h158 km106 km82 km
100 km/h91 km82 km70 km

Die Batterie des Elektroautos versorgt viele Verbraucher

Die Gründe für den enormen Anstieg des Energieverbrauchs sind klar. Im Unterschied zu Autos mit Verbrennungsmotoren, bei denen die Heizungsanlage über die Abwärme des Motors versorgt wird, muss beim Elektroauto die Batterie auch die Heizung versorgen. Wenn also nicht nur die Innentemperatur, sondern auch die Front- und Heckscheiben, dazu noch Sitze und Lenkrad beheizt werden sollen, zieht das viel Energie aus dem Speicher.
Die Lithium-Ionen-Akkus in den Batterien mögen die Kälte ebenfalls nicht. Bei Minustemperaturen werden sie langsamer und bremsen die chemischen Prozesse. Das Aufladen dauert deutlich länger. Gegenüber Autos mit Verbrennungsmotoren hat das Heizen im Elektroauto immerhin einen nicht ganz uninteressanten Vorteil. Die Elektroheizungen wärmen rascher als die Pendants bei den Verbrennern. Diese sind bekanntermaßen auf die Abwärme des Motors angewiesen und der muss ja erst mal warm werden bei niedrigen Temperaturen.

Besonders die Heizung belastet die Batterie im Elektroauto enorm, da zum Wärmen keine Abwärme des Motors vorhanden ist.
Quelle: Christin Klose (picture alliance / dpa Themendienst) Besonders die Heizung belastet die Batterie im Elektroauto enorm, da zum Wärmen keine Abwärme des Motors vorhanden ist

Tipps vom ADAC: So kann man Energie sparen

Elektroautos haben die Möglichkeit, bereits während des Ladevorgangs den Innenraum zu wärmen. Das hat den Vorteil, dass die Energie zum Aufheizen nicht von der Batterie kommt und diese schwächt, sondern direkt aus der Steckdose und damit keinen Einfluss auf die Reichweite hat. Die Option kann man in den Fahrzeugeinstellungen aktivieren und bei manchen Modellen auch per App aus der Distanz bedienen, wenn das Auto zum Beispiel in einem Parkhaus steht und aufgeladen wird.
Je kühler die Batterie ist, desto länger dauert der Ladevorgang. Deshalb ist es gerade im Winter von Vorteil, das Fahrzeug in einer Garage abzustellen. Energie kannst Du auch sparen, indem Du die Innenraumheizung sparsam einstellst und dafür die Sitzheizung aktivierst, die näher am Körper ist und mit weniger Energieaufwand einen Wärmeeffekt schafft. Da Batterien in der kalten Jahreszeit generell weniger Kapazität haben, empfiehlt der ADAC, unterwegs immer eine Reichweitenreserve einzukalkulieren.

Mit Wärmepumpe und guter Planung sicher über den Winter

Ein sinnvolles Accessoire ist eine Wärmepumpe. Sie nutzt Wärme aus dem Batteriespeicher und dem Elektromotor, um den Innenraum zu heizen, und funktioniert im Prinzip also ähnlich wie die Heizung eines Verbrennungsmotors, wo die Abwärme zum Heizen eingesetzt wird. Bei einigen Herstellern von Elektroautos sind solche Wärmepumpen bereits serienmäßig eingebaut, wie etwa beim Renault Zoe. BMW und VW bieten sie optional für den E-Golf und den i3 an.
Bei niedrigen Temperaturen ist es auch ratsam, unterwegs den passenden Fahrmodus zu wählen. Verschiedene Hersteller von Elektroautos bieten diverse Fahrmodi an. Mit einem Eco-Modus, der auf effizientes Energiemanagement und sparsame Fahrweise ausgelegt ist, kannst Du im Winter ebenfalls Reichweitenverluste lindern.
Wer über Nacht auflädt, sollte das so programmieren, dass der Ladevorgang in den Morgenstunden geschieht. So kühlt die Batterie vor dem Fahren nicht wieder restlos ab und benötigt viel Energie zum Aufheizen. Die simpelste Methode, Energie für die Reichweite zu sparen, ist eine dicke Jacke während der Fahrt. Das wird zwar keine dramatischen Verbesserungen schaffen, aber wenn es eng wird mit der Ankunft, könnte es einige Meter bringen.

Hybridfahrzeuge sind winterfester

Wenn Du mit einem Hybridfahrzeug unterwegs bist, hast Du die Vor- und Nachteile beider Systeme. Die reduzierte Reichweite kompensierst Du mit dem Verbrennungsmotor, der den Elektromotor bei Bedarf ablöst. Und bei der Heizung funktioniert es wie bei konventionellen Fahrzeugen, die über die Abwärme des Motors den Innenraum temperieren. Allerdings bleibt dann auch der Spareffekt bei den Emissionen etwas auf der Strecke.
Zum Trost bleibt noch die Perspektive, dass sich das Winterproblem bei Elektroautos in Zukunft abschwächt. Die Batterien werden immer leistungsfähiger und bewegen sich bei Top-Modellen bereits im Bereich von 100 kWh. Damit sinkt der Reichweitenverlust im Winter und Du kannst Dir auch ohne schlechtes Gewissen einen gut beheizten Innenraum leisten.



Spartipps für den Winter

  • Noch während des Aufladens Innenraum heizen
  • Fahrzeug in der Garage abstellen
  • Besser und effizienter mit Sitzheizung und Lenkradheizung wärmen
  • Mit Wärmepumpe Energie sparen
  • Im Winter immer mit Reichweitenreserve rechnen
  • Im Notfall dicke Jacke anziehen