Auf was Du bei der Besichtigung achten solltest

Elektroauto gebraucht kaufen: Die wichtigsten Fragen

Du möchtest Dir ein gebrauchtes E-Auto kaufen? Wir zeigen Dir, worauf es dabei ankommt - vor allem einem Bauteil solltest Du Deine Aufmerksamkeit widmen.

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  • Veröffentlicht am 11/25/2019, 4:25 PM
Der BMW i3 erreicht als Gebrauchter inzwischen Preise von deutlich weniger als 20.000 Euro 
Quelle: Fabian Hoberg Der BMW i3 erreicht als Gebrauchter inzwischen Preise von deutlich weniger als 20.000 Euro

Auch wenn Elektroautos seltener auf dem Gebrauchtwagenmarkt zu finden sind als Benziner und Diesel, so ist die Auswahl mittlerweile relativ groß – bei mobile.de stehen im November 2019 mehr als 9.000 gebrauchte E-Autos zum Verkauf. Dazu zählen unter anderem folgende Modelle: BMW i3, Ford Focus Electric, Fiat 500e, Nissan Leaf, Kia Soul EV, Renault Twizzy, Renault Zoe, Smart Fortwo Electric Drive, VW e-up und der VW e-Golf.

Die bekannteste Marke für Elektroautos dürfte Tesla sein. Weltweit das meistverkaufte Elektroauto ist jedoch der Nissan Leaf mit mehr als 350.000 Exemplaren. Allein 2018 verkaufte Nissan mehr als 40.000 neue Fahrzeuge in Europa. Nur worauf sollten Interessenten achten, wenn sie sich ein Elektroauto gebraucht anschaffen?



Generell gilt: Je neuer das gebrauchte E-Auto, desto besser ist die Qualität der Akkus und die der E-Motoren. Denn im Laufe der vergangenen Jahre haben die Hersteller ihre Elektroautos stetig technisch verbessert. Das gilt vor allem für die mögliche Reichweite mit einer Akkuladung sowie für die Zuverlässigkeit und den Verbrauch der E-Motoren.

Achte beim Kauf vor allem auf die Batterie

Die Schwachstelle eines Elektroautos sind ganz klar die Akkus. Sie altern mit der Zeit und nach häufigem Laden. Mit abnehmender Batterieleistung sinkt proportional die Reichweite. Doch Panik vor gebrauchten Batterien in E-Autos müssen Interessenten nicht haben – die meisten Batterien verlieren im Laufe ihres Lebenszyklus zwar bis zu 25 Prozent ihrer Speicherkapazität, das heißt aber nicht, dass sie permanent an die Steckdose müssen.

Wer ein gebrauchtes Elektroauto kaufen will, sollte sich die Daten des Akkus auslesen lassen. Geeignete Werkstätten können die Restkapazität der Batterie prüfen und bestätigen. Damit lässt sich der Alterungszustand des Akkus und seine nutzbare Kapazität, der „state of health“ (SOH), überprüfen. An die Daten der gebrauchten Batterie kommen Interessenten meist über die Datenschnittstelle heran. Seriöse Verkäufer, die nichts zu verbergen haben, lassen das Auslesen meist zu und bestätigen das Ergebnis hinterher schriftlich auf dem Kaufvertrag. Als Anhaltspunkt gilt für die meisten Autohersteller von Elektrofahrzeugen: Die Batterie des BMW i3 ist für ein ganzes Autoleben ausgelegt, heißt: mindestens zwölf Jahre und 150.000 Kilometer.

Wer dennoch Angst vor defekten Akkus hat, kann sich bei einem Hersteller umschauen, der einen Mietakku anbietet. Renault vermietet für sein Elektroauto Zoe die Batterie, sodass diese bei Defekten oder einer neuen Generation mit höherer Speicherkapazität getauscht wird. Nachteil: monatliche Mietkosten.

Das größten Augenmerk solltest Du auf die Batterie legen. Wieviel Restkapazität hat sie noch? Was kostet ein Ersatz?
Quelle: Fabian Hoberg Das größten Augenmerk solltest Du auf die Batterie legen. Wieviel Restkapazität hat sie noch? Was kostet ein Ersatz?

Wieviel kannst Du sparen?

Wie viel günstiger ein gebrauchtes E-Auto ist, hängt von Modell, Alter, Laufleistung und Zustand ab – ähnlich wie bei Autos mit Verbrennungsmotoren. Der Wertverlust für ein Elektroautos aus zweiter Hand bewegt sich in einem vergleichbaren Rahmen wie bei einem gebrauchten Auto mit Verbrennungsmotor. Ein paar Tausend Euro können Interessenten auf jeden Fall sparen. Bis zu einem Drittel kann ein Secondhand-Elektroauto günstiger sein als der vergleichbare Neuwagen. Einige Modelle verkaufen Händler oder Privatkunden für weniger als 10.000 Euro.

Einen Unterschied beim Preis macht auch der Akku aus. Je größer die Batterie ist und je mehr Kapazität sie hat, desto teurer ist das Auto – ähnlich wie bei der Motorleistung eines Autos mit Verbrennungsmotor. Auch eine anhaltende Garantielaufzeit auf die Antriebsbatterie kann den Preis erhöhen. Damit fährt der Käufer, der sich für ein gebrauchtes E-Auto interessiert, sicher.

Der Nissan Leaf ist eines der beliebtesten E-Autos auf dem Gebrauchtwagenmarkt.
Quelle: Fabian Hoberg Der Nissan Leaf ist eines der beliebtesten E-Autos auf dem Gebrauchtwagenmarkt

Gilt die staatliche Förderung auch für Gebrauchtkäufe?

Der Staat fördert den Kauf von neuen Elektroautos mit bis zu 4.000 Euro, Plug-in-Hybride mit bis zu 3.000 Euro. Gefördert werden jedoch nur:

  • reine Elektrofahrzeuge
  • Plug-in-Hybride
  • Brennstoffzellenfahrzeuge
  • Fahrzeuge ohne lokale CO2-Emissionen
  • Fahrzeuge, die weniger als 50 Gramm CO2-Emissionen pro Kilometer verursachen
  • Fahrzeuge, deren Netto-Listenpreis als Basismodell nicht höher als 60.000 Euro liegt

Wer ein Elektroauto gebraucht kaufen will, erhält vom Staat keine Förderung. Es sei denn, das gebrauchte E-Auto ist noch ein sehr junger Elektro-Gebrauchtwagen und hatte eine Tageszulassung oder war ein Vorführ- oder Service-Ersatzwagen. Verkauft ein E-Auto-Besitzer sein ehemals neuen Elektrowagen innerhalb von vier Jahren, muss er das der Förderstelle melden. Unter Umständen muss er dann die vorher kassierte Fördersumme teilweise wieder zurückzahlen.

Im Gegensatz zum Verbrenner sind E-Motoren verschleißfrei und damit wartungsfrei gebraut.
Quelle: Fabian Hoberg Im Gegensatz zum Verbrenner sind E-Motoren verschleißfrei und damit wartungsfrei gebraut. Dennoch solltest Du bei der Probefahrt genau darauf achten, ob alles einwandfrei läuft

Auf welche Dinge muss ich beim Kauf achten?

Ganz allgemein besitzen gebrauchte Elektroautos keine typischen Schwachstellen. Undichte Motoren oder Getriebe finden sich ebenso wenig wie rostende Auspuffe. Dafür kann wie bei konventionellen Gebrauchtwagen das Fahrwerk - Federn, Dämpfer, Bremsen und Reifen - Mängel aufweisen. Vor allem die Vorderreifen können sich durch das hohe Drehmoment schneller abnutzen.

Wer ein gebrauchtes Elektroauto sucht, sollte deshalb auf eine frische HU-Bescheinigung achten. Bei der Hauptuntersuchung kontrollieren die technischen Prüfer alle sicherheitsrelevanten Teile. Zusätzlich ist eine Bestätigung über die Restkapazität der Batterie aus einer Fachwerkstatt vor allem bei älteren Elektro-Gebrauchtwagen sinnvoll. Markenwerkstätten können über die Datenschnittstelle wichtige Batteriedaten auslesen.

Wer ganz sicher gehen will, testet die Reichweite eine volle Batterieladung lang und lädt den Akku danach wieder auf. Liegt die Reichweite im erwarteten Bereich und auch die Ladezeit, dann sollte die Batterie einwandfrei arbeiten. Für diesen Test schaltest Du auch starke elektrische Verbraucher ein, wie die Klimaanlage, Heckscheibenheizung und die Heizung. Eine Probefahrt ist bei Interessenten,  die sich ein Elektroauto gebraucht kaufen wollen, unabdingbar.

Bei einem Defekt der Batterie muss die Werkstatt nicht immer den ganzen Akku tauschen. Einzelne Zelldefekte lassen sich reparieren oder separat tauschen. Spezielle Akku-Programme können gebrauchte Batterie konditionieren und die Zellspannung glätten. Je nach Fahrzeugmodell kostet das nur einen Bruchteil eines neuen Akkus. Denn der kann je nach Größe und Leistung mehr als 10.000 Euro kosten.

Zu dem meist noch jungen Elektroauto gehören alle Papiere, also ein ausgefülltes Scheckheft, Rechnungen von Inspektionen oder Reparaturen sowie die letzten HU-Protokolle. So lässt sich die Laufleistung des gebrauchten Elektroautos gut nachvollziehen.

Achte darauf, dass eine Schnellladefunktion verbaut ist, die bei älteren E-Autos meist Sonderausstattung war.
Quelle: Fabian Hoberg Achte darauf, dass eine Schnellladefunktion verbaut ist, die bei älteren E-Autos meist Sonderausstattung war



Für wen rentiert sich ein gebrauchtes Elektroauto?

Hand aufs Herz: Passt ein gebrauchtes Elektroauto überhaupt zu Deinem Fahrprofil? Käufer, die sich für ein Elektroauto interessieren, sollten sich genau überlegen, wie sie das E-Auto einsetzen wollen. Oft rentiert sich der Stromer nur, wenn die tägliche Gesamtstrecke weniger als 120 Kilometer beträgt. Von der nominellen Reichweite wie beispielsweise 160 Kilometer gehen im Winter allein 20 bis 30 Kilometer für das Heizen des Autos drauf. 

Viele begehrte Elektroautos kommen erst in den nächsten Jahren richtig im Gebrauchtwagenmarkt an - wie das Tesla Model 3
Quelle: Fabian Hoberg Viele begehrte Elektroautos kommen erst in den nächsten Jahren richtig im Gebrauchtwagenmarkt an - wie das Tesla Model 3

Ladestation in der eigenen Garage

Wer sich ein Elektroauto kaufen möchte, hat idealerweise eine eigene Garage mit Lademöglichkeit. Doch wie sollte man laden? Schonend, aber sehr langsam über die normale Haushaltssteckdose oder über eine sogenannte Wallbox? Das sind Schnelllader, die extra bezahlt und montiert werden müssen. Statt dem eingebauten 3,6-kW-Ladesystem, (über Steckdose nur 2,3 kW), lässt sich die Batterie mit den Schnellladesystemen mit bis zu 50 kW befüllen. Der Vorteil ist die Ladegeschwindigkeit - die verkürzt das Vollladen ebenso wie schnelles Zwischenladen.