Eine grundsätzliche Enscheidungshilfe vor dem Autokauf

Diesel oder Benziner - Was passt zu mir?

Du suchst ein neues Auto und hast mehrere zur Auswahl? Klein oder groß, vier oder zwei Türen? Neu oder gebraucht? Ganz sicher fragst Du Dich auch: Diesel oder Benziner? Vielleicht sogar Hybridantrieb oder Elektro. Alle Antriebsarten bieten Vor- und Nachteile. In diesem Ratgeber gehen wir auf die Diesel und Benziner ein.

    0
  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:06 PM
Super oder Diesel? Das ist hier die Frage. Aber nicht für Ingo, sondern für dein Auto.
Quelle: Fabian Hoberg Super oder Diesel? Das ist hier die Frage. Aber nicht für Ingo, sondern für Dein Auto

Von den rund 57,3 Millionen in Deutschland zugelassenen Kraftfahrzeugen sind nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) rund 47 Millionen Autos. Davon haben 65,9 Prozent einen Ottomotor (Benziner) unter der Haube und 32,2 Prozent einen Dieselmotor. Der Rest verteilt sich auf alternative Antriebe wie Hybrid, Gasmotoren und Elektroantrieb. Mit anderen Worten: Mehr als 98 Prozent aller in Deutschland zugelassenen Autos arbeiten mit einem Verbrennungsmotor und tanken Benzin oder Diesel.

Galten vor 30 Jahren Dieselfahrzeuge als lahm und unsportlich, hat sich das mit dem Einzug von Turboladern und Direkteinspritzung stark geändert. Moderne Dieselmotoren bieten aus niedrigen Drehzahlen ein enormes Drehmoment und fahren sich sehr sportlich. Dabei verbrauchen sie weniger Kraftstoff als vergleichbare Ottomotoren.



Hieß es früher, dass Dieselfahrzeuge nur etwas für Langstreckenfahrer sind, hat sich auch das geändert. Obwohl Fahrzeuge mit Dieselmotor bei Kfz-Steuer und Versicherung mehr kosten als Benziner, können sie sich wirtschaftlich schon bei einer Fahrleistung von unter 10.000 Kilometer im Jahr rentieren. Deshalb ist ein Diesel nicht unbedingt teurer als ein Auto mit Benziner.

Obacht beim Tanken: Nicht aus Versehen zur falschen Zapfpistole greifen
Quelle: Fabian Hoberg Obacht beim Tanken: Nicht aus Versehen zur falschen Zapfpistole greifen

Was ist teurer: Benzin oder Diesel?

Dieselfahrzeuge sind in der Regel in der Anschaffung teurer als vergleichbare Autos mit einem Ottomotor. Das liegt nicht direkt an den sparsameren und modernen Motoren, sondern vielmehr an dem höheren Gewicht. Wegen der höheren Drücke im Motor sind Dieselaggregate in der Regel stärker ausgelegt als vergleichbare Ottomotoren, so dass sie schwerer ausfallen. Das wirkt sich auf viele Bauteile aus, wie unter anderem Federn, Dämpfer und Bremse, die deshalb ebenfalls robuster ausgelegt werden müssen. Wegen des oft höheres Drehmoments fallen auch Getriebe und Antriebswellen massiver aus. Das treibt das Gewicht und die Kosten in die Höhe. Eine moderne Abgasreinigungsanlage kommt dann noch oben drauf.

Auch bei den Unterhaltskosten müssen Dieselfahrer mehr zahlen als Besitzer von Ottomotoren. Kfz-Steuer, Versicherungsbeiträge und oftmals die Wartungskosten sind höher als bei vergleichbaren Benzinern.

Dafür sparen Dieselfahrer an der Tankstelle. Denn in der Regel verbrauchen Diesel weniger Kraftstoff als vergleichbare Ottomotoren, je nach Fahrweise 15 bis 20 Prozent. Das liegt neben der größeren Effizienz des Dieselmotors an der größeren Energiedichte des Dieselkraftstoffs.

Außerdem kostet ein Liter Dieselkraftstoff je nach Region und Zeit zwischen 10 und 15 Cent weniger pro Liter. Bei einem Benzin-Verbrauch von 8 Litern und 1,35 Euro pro Liter kosten 100 Kilometer dann beim Kraftstoff 10,80 Euro. Ein Diesel-Fahrer mit 5,5 Liter Verbrauch auf 100 Kilometer und einem Dieselpreis von 1,26 Euro/l zahlt nur 6,93 Euro für 100 Kilometer. Das ist eine Ersparnis von 3,87 Euro auf 100 Kilometer, 38,7 Euro auf 1.000 Kilometer und 387 Euro auf 10.000 Kilometer. Dieser Preisvorteil bezieht sich aber nur auf den reinen Kraftstoffverbrauch. Für eine genaue Berechnung müssen noch die verschiedenen Unterhaltkosten einbezogen werden.

Wenn Du vor der Wahl stehst, Diesel oder Benziner, solltest Du Dich also genau informieren und auch die Preise der Kfz-Versicherung vergleichen. Nur so kannst Du die Kosten genau kalkulieren und miteinander vergleichen. Faustregel: Bei einer jährlichen Fahrleistung von mehr als 20.000 Kilometern rechnet sich ein Auto mit Diesel. Bei Kleinwagen schneiden meist Benziner besser ab.

Der Diesel macht größere SUV wirtschaftlich erst tragbar
Quelle: Fabian Hoberg Der Diesel macht größere SUV wirtschaftlich erst tragbar

Umweltfreundlichkeit: Was ist sauberer?

Moderne Dieselmotoren der aktuellen Abgasnorm Euro 6c mit OBD-Norm 6-2, Euro 6d-temp oder Euro 6d sind sauber. Mit diesen Normen darfst Du auch noch in Zukunft in Umweltzonen fahren, sie werden in absehbarer Zeit nicht von Fahrverboten betroffen sein. Die Bezeichnung findest Du in Feld 14 des Fahrzeugscheins (Zulassungsbescheinigung Teil I). Handelt es sich um einen Neuwagen, der noch nicht angemeldet ist, lass Dir die Abgasnorm bestätigen.

Ein Benziner ist nicht dreckiger als ein Diesel. Es sei denn, der Benziner ist sehr alt, fährt ohne Katalysator und der Diesel ist neu und stößt nur wenige Schadstoffe aus. Stammen beide Fahrzeuge mit den unterschiedlichen Motorenkonzepten aus dem gleichen Jahr, stößt der Diesel weniger CO2 aus, weil er in der Regel weniger Kraftstoff verbraucht. Bei der Stickstoffdioxid (NO2)-Belastung emittiert er aber mehr als ein vergleichbarer Ottomotor. Diesel-Pkw sind laut Umweltbundesamt mit rund 60 Prozent Hauptquelle für Stickoxid in den Städten.

Ein Euro-5-Diesel-Pkw darf 180 mg NOx/km ausstoßen, ein Diesel mit Euro 6 nur 80 mg NOx/km. Im realen Stadtverkehr liegt der Wert aber bis zu fünfmal höher. Der Grenzwert im realen Fahrbetrieb nach RDE (Real Driving Emissions) liegt bei Dieseln bei 168 mg/km NOx (Benziner: 126 mg/km). Mit dem neuen Prüfverfahren nach WLTP und RDE (im Straßenbetrieb) dürfen Diesel nach Euro 6d ab 2020 nur noch 120 mg/km (Benziner: 90 mg/km) Stickoxide ausstoßen. Anhand der Werte siehst Du, dass ein Diesel zwar weniger CO2 ausstößt, dafür aber mehr Stickoxide.

Moderne Ottomotoren mit Direkteinspritzung emittieren real weniger Stickoxide und sind daher sauberer. Ihr Problem sind Partikelemissionen, die nur mit neuen Otto-Partikelfiltern (OPF) in den Griff zu bekommen sind. Bis zu 90 Prozent der Partikel sollen diese Anlagen filtern. Wenn Du ein besonders sauberes Auto kaufen möchtest, sollte es auf jeden Fall eines mit Euro 6d-temp oder Euro 6d sein. Bei einem Ottomotor sollte schon ein moderner OPF integriert sein.

Oft sehen nur Kenner, welcher Motor unter der Haube seine Dienste verrichtet.
Quelle: Fabian Hoberg Abgesehen vom härteren Verbrennungsgeräusch und dem unterschiedlichen Drehzahlband erkennst Du von außen kaum, was bei einem Auto unter der Haube steckt

Die Vor- und Nachteile

-VorteileNachteile
Dieselsparsam guter Durchzug geringere Kraftstoffkosten hohe Reichweite oft robust und langlebig neue Motoren sauberhöhere Kfz-Steuer teurer in der Anschaffung nageln im kalten Zustand alte Motoren dreckig Probleme bei Fahrverboten höhere Versicherungsprämien höhere Wartungskosten derzeit hoher Wertverlust
Benzinersauber preiswerter in Anschaffung preiswerter bei geringer Laufleistung günstigere Versicherung derzeit preisstabilhöherer Verbrauch hohe Kosten bei Vielfahrern
Der Diesel wurde so populär, dass sogar Porsche im Macan, Panamera und Cayenne einen Selbstzünder anbot
Quelle: Fabian Hoberg Der Diesel wurde so populär, dass sogar Porsche im Macan, Panamera und Cayenne einen Selbstzünder ins Programm aufnahm

Kann man Diesel auf Benzin umrüsten?

Einen Diesel auf Benzin umrüsten, funktioniert nicht. Zumindest lässt sich der Motor nicht einfach umbauen, es gibt zu viele Unterschiede zwischen Benzin und Diesel. Ein Ottomotor benötigt zur Zündung des Kraftstoff-Luft-Gemisches eine Zündkerze. Ein Diesel komprimiert die Luft im Zylinder so stark, dass sich der Dieselkraftstoff von selbst entzündet, deshalb heißt er auch Selbstzünder. Auch lässt sich ein Motor mit einer anderen Verbrennungsart nicht so einfach tauschen. Um einen VW Golf Benziner in einen Diesel umzurüsten, braucht es weit mehr als nur einen Motortausch. Elektronik, Steuergeräte, Auspuffanlage, Einspritzung, Pumpen und Tank müssen ebenfalls geändert werden. Je nach Gewicht und Leistung müssen auch Antriebswellen sowie Fahrwerk mit Bremsen, Dämpfern und Federn getauscht werden. Es wäre ein Komplettumbau des Autos und rentiert sich in der Regel nicht.