Der große Ceed mit dem schöneren Rücken

Der Kia Xceed: Crossover-SUV im Fahrbericht

Beim Xceed mischt Kia Kompaktlimousine, SUV und schüttelt ein wenig Coupé in den Mix. Was daraus entsteht, erfährst Du in unserem Fahrbericht.

  • Heiko Dilk
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  • Veröffentlicht am 09/03/2019, 12:00 AM
  • Aktualisiert am 10/24/2019, 12:08 PM
Mit dem Xceed bringt Kia ein Crossover aus Kompaktlimousine, SUV und etwas Coupé auf den Markt
Quelle: Kia Mit dem Xceed bringt Kia ein Crossover aus Kompaktlimousine, SUV und etwas Coupé auf den Markt

Es gibt offenbar keine Nischen mehr. Eine Chimäre aus Kompaktlimousine, SUV und Coupé – da würde man meinen, das sei ziemlich speziell, nur was für Extrovertierte. Von wegen. Kia rechnet beim Xceed mit einem Anteil von 50 Prozent an allen Ceed-Baureihen. Dazu gehören bereits die klassische Kompaktlimousine, der praktische Kombi Ceed SW und der schnittige Kombi Proceed. Der, das nur am Rande, derzeit alleine 35 Prozent des Modellmixes ausmacht. Es gibt eben keine Nischen mehr.

Der Xceed bringt viel mit, das ihn massentauglich macht. Man sitzt hinten genauso gut wie im Ceed. Mit ordentlich Beinfreiheit und genügend Platz am Kopf. Der Kofferraum kann mit 426 Litern 31 Liter mehr einladen als der Ceed mit Steilheck, bei umgeklappter Rückbank werden es 1.378 Liter Kofferraumvolumen. Die Ladekante liegt jedoch ziemlich hoch. Der hintere Türausschnitt ist knapp geschnitten, so dass man den Kopf etwas einziehen muss. Und: Der Xceed misst fast neun Zentimeter mehr in der Länge als der Ceed. Das ist nicht unbedingt ein Vorteil.

Kia Xceed: Ein Kompromiss für den Alltag

Crossover heißt eben auch: Kompromiss. Aber man kann beim Xceed gut damit leben. Das „CUV“ fällt nur wenig höher aus als ein VW Golf, die Sitzposition legt Kia um 37 Millimeter höher als beim Ceed. Hinter dem Steuer merkt man davon nur wenig, wer es darauf abgesehen hat, dürfte etwas enttäuscht sein. Doch für uns ist das ein Vorteil: weil der Schwerpunkt nur wenig nach oben wandert, fährt der Xceed sich nicht wie ein SUV.

Wegen des niedrigen Schwerpunkts lässt sich der Xceed dynamischer bewegen als ein reines SUV
Quelle: Kia Wegen des niedrigen Schwerpunkts lässt sich der Xceed dynamischer bewegen als ein reines SUV

Dabei haben die Fahrwerkstechniker die Federraten sogar verringert. Der Xceed federt vorne um 7 Prozent weicher als die Kompaktlimousine, hinten um 4 Prozent. Komfortabel fühlt sich das an, der Xceed schluckt grobes Pflaster gekonnt, federt aber trotzdem verbindlich. Trotz der großen 18-Zöller rollt der Xceed auch noch geschmeidig ab und dämmt dabei Geräusche prima, nichts poltert aus den Radhäusern. Wenn das Fahrwerk hart arbeitet, lässt es die Insassen wenig davon spüren und hören.

Ein Sportler ist der Xceed nicht. Doch die breite Spur hilft ihm beim Abstützen in der Kurve. So geht er lange neutral um die Biegungen und fängt erst spät an, über die Vorderräder zu schieben. Eher als zu viel Geschwindigkeit am Kurveneingang, macht ihm zu viel Leistung beim Herausbeschleunigen zu schaffen.

Zu viel Leistung für die Vorderräder

Allerdings nicht mit dem 1.4 T-GDI. Der beliebteste Motor in der Kompaktklasse von Kia leistet wie gehabt 140 PS und 242 Nm Drehmoment. Der Motor ist kräftig genug, läuft angenehm ruhig und leise und passt gut zum Xceed. Mehr Kraft vermisst man eigentlich nicht. Kia bietet noch einen 1,0-Liter-Deizylinder mit 120 PS an, der etwas zu schwach sein dürfte. Dazu gibt es zwei Diesel, einen mit 115 und einen mit 136 PS. Wahlweise wird mit sechs Gängen manuell geschaltet oder automatisch per Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (DCT). Der kleine Benziner und der schwache Diesel erfordern immer Handarbeit.

Der 1.6 T-GDI schöpft 204 PS und 265 Newtonmeter Drehmoment aus 1,6 Litern Hubraum und macht sich unter reichlich Last im Lenkrad bemerkbar. Die Vorderräder ringen dann um Haftung und das stört die präzise Linie natürlich. Allradantrieb gibt es im Xceed nicht, die Plattform sieht das nicht vor. Wie bei Kia üblich braucht es nicht viel Kraft am Steuer, um den Xceed in die Kurven zu zwingen. Wenigstens der Sport-Modus könnte hier gerne mehr Widerstand leisten.

Man aktiviert ihn wie gewohnt über einen Knopf auf dem Mitteltunnel. An oder aus, Sport oder normal – das sind die Optionen. Angenehm schlicht. Kein Eco-Modus, kein Sport-Plus, keine fünf Modi, die sich nur in Nuancen unterscheiden. Gut so.

Digitaler Instrumententräger im Kia Xceed

Auch der Rest des Xceed gibt wenig Anlass für Ratespiele. Die Gliederung der Bedienelemente ist klar, wie beim Ceed. Das Design übersichtlich. Materialauswahl und Verarbeitung überzeugen ebenfalls. Das Infotainmentsystem wird optional deutlich größer als im Standard-Ceed. Bis zu 10,25 Zoll misst der Touchscreen. Er lässt sich dreiteilen, um etwa links das Navi anzuzeigen, mittig die gespielte Musik und rechts zum Beispiel das Wetter. Dazu beherrscht das System diverse Online-Funktionen, verbindet sich mit dem Smartphone und empfängt zum Beispiel Navi-Ziele von dort. Überwachen lässt sich das Auto ebenfalls, Statistiken sind abrufbar und bald sollen gewisse Funktionen per Handy steuerbar sein.

Ebenfalls neu im Xceed: Ein optionales 12,5-Zoll-Digital-Display als Instrumententräger. Dessen Grafiken sind klar und scharf, zwischen zwei Rundinstrumenten lassen sich diverse Infos einblenden. Individualisierbar ist es leider nicht, aber das soll später kommen, verspricht Kia.

Optional werden die Instrumente digital auf einem 12,5-Toll-Display angezeigt
Quelle: Kia Optional werden die Instrumente digital auf einem 12,5-Toll-Display angezeigt

Wie übrigens auch ein Plug-in-Hybrid mit 141 PS und rund 60 Kilometern rein elektrischer Reichweite. Ein Mildhybrid mit Diesel und 48-Volt-Bordnetz startet ebenfalls ab 2020. Mit konventionellen Antrieben schlägt der Xceed am 21. Septembern bei den Händlern auf. Die Preise starten bei 21.390 Euro für den 1,0-Liter-Benziner in der Ausstattung Edition7.

Der voraussichtlich beliebteste Xceed 1.4 T-GDI mit 140 PS kostet mindestens 1.000 Euro mehr. Das Topmodell 1.6 T-GDI liegt mit dem optionalen, prima arbeitenden Doppelkupplungsgetriebe bei 37.540 Euro. Dafür gibt es allerdings die Platinum Edition mit üppiger Ausstattung. Insgesamt kein schlechtes Angebot. Der Xceed wird Kia noch eine Mende Freude machen.



Kia Xceed 2019: Technische Daten

Modell1.0 T-GDi1.4 T-GDi (7G-DCT)1.6 T-GDi (7G-DCT)1.6 CRDi 1151.6 CRDi 136 (7G-DCT)
Motor1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner1,4-Liter-Vierzylinder-Benziner1,6-Liter-Vierzylinder-Benziner1,6-Liter-Vierzylinder-Diesel1,6-Liter-Vierzylinder-Diesel
Leistung120 PS (88 kW) b. 6.000 U/min140 PS (103 kW) b. 6.000 U/min204 PS (150 kW) b. 6.000 U/min115 PS (85 kW) b. 4.000 U/min136 PS (100 kW) b. 4.000 U/min
Drehmoment172 Nm b. 1.500-4.000 U/min242 Nm b. 1.500-3.200 U/min265 Nm b. 1.500-4.500 U/min280 Nm b. 1.500-2.750 U/min (DCT7: 300 Nm b. 1.500-2.500 U/min)280 Nm b. 1.500-3.000 U/min (DCT7: 320 Nm b. 2.000-2.500 U/min)
AntriebFrontantrieb, 6-Gang-HandschaltungFrontantrieb, 6-Gang-Handschaltung (7-Gang-DCT)Frontantrieb, 6-Gang-Handschaltung (7-Gang-DCT)Frontantrieb, 6-Gang-HandschaltungFrontantrieb, 6-Gang-Handschaltung (7-Gang-DCT)
0-100 km/h11,3 s9,4 s (9,5 s)7,7 s (7,5 s)11,4 s10,6 s (10,1 s)
Geschwindigkeit186 km/h200 km/h220 km/h190 km/h196 km/h (198 km/h)
Verbrauch6,2-6,0 l/100 km6,7-6,4 l/100 km (6,4-6,2 l/100 km)7,7 l/100 km (7,0 l/100 km)4,5-4,4 l/100 km4,9-4,4 l/100km (4,9-4,7 l/100 km)
CO2-Ausstoß142-138 g/km153-147 g/km (146-141 g/km)175 g/km (160 g/km)118-114 g/km125-118 g/km (125-123 g/km)
Länge/Breite/Höhe (mm)4.395/1.826/1.4834.395/1.826/1.4834.395/1.826/1.4834.395/1.826/1.4834.395/1.826/1.483
Radstand2.650 mm2.650 mm2.650 mm2.650 mm2.650 mm
Kofferraumvolumen426-1.378 l426-1.378 l426-1.378 l426-1.378 l426-1.378 l
Gewicht1.257 kg1.270 kg (1.300 kg)1.315 kg (1.342 kg)1.340 kg1.340 kg (1.365 kg)
Anhängelast1.200 kg1.410 kg1.410 kg1.500 kg1.500 kg

Der Kia Xceed in Bildern

  • Mit dem 1.6 T-GDI schlummern 205 PS unter der Motorhaube
    Quelle: Kia Mit dem 1.6 T-GDI schlummern 205 PS unter der Motorhaube
  • Im Vergleich zum Ceed streckt sich der Xceed fast neun Zentimeter in die Länge
    Quelle: Kia Im Vergleich zum Ceed streckt sich der Xceed fast neun Zentimeter in die Länge
  • Mit dem Xceed bringt Kia ein Crossover aus Kompaktlimousine, SUV und etwas Coupé auf den Markt
    Quelle: Kia Mit dem Xceed bringt Kia ein Crossover aus Kompaktlimousine, SUV und etwas Coupé auf den Markt
  • Wegen des niedrigen Schwerpunkts lässt sich der Xceed dynamischer bewegen als ein reines SUV
    Quelle: Kia Wegen des niedrigen Schwerpunkts lässt sich der Xceed dynamischer bewegen als ein reines SUV
  • Mit "Sport" und "Normal" stehen zwei Fahrmodi im Xceed zur Verfügung
    Quelle: Kia Mit "Sport" und "Normal" stehen zwei Fahrmodi im Xceed zur Verfügung
  • Im Kofferraum haben die Kia-Ingenieure 31 Liter mehr rausgeholt. 426 Litern Platz stehen zur Verfügung
    Quelle: Kia Im Kofferraum haben die Kia-Ingenieure 31 Liter mehr rausgeholt. 426 Litern Platz stehen zur Verfügung
  • Optional werden die Instrumente digital auf einem 12,5-Toll-Display angezeigt
    Quelle: Kia Optional werden die Instrumente digital auf einem 12,5-Toll-Display angezeigt