Solider Kompakter mit Anfahrschwäche

Der Hyundai i30 im Alltagstest

Moderne Motoren, “europäisches” Design und viel Ausstattung für überschaubares Geld: Der Hyundai i30 tritt gut vorbereitet in der Kompaktklasse an.

  • Heiko Dilk
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  • Veröffentlicht am 07/29/2019, 12:00 AM
  • Aktualisiert am 10/24/2019, 12:06 PM
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Quelle: Peter Besser Der Hyundai i30 gehört zum großen Segment der Kompaktwagen - dort tritt er unter anderem gegen den VW Golf an

Hyundai hat sich gewandelt. Aus dem Billiganbieter mit mittelmäßigem Design und überholter Technik wurde ein Herausforderer mit Sinn für Optik und Qualität. Geblieben ist der günstige Preis. Zum Teil jedenfalls.

Geschichten wie diese gibt es nicht oft in der Automobilbranche. Der Nachteil für Hyundai: Einen Außenseiterbonus gibt es mittlerweile nicht mehr. Pro Jahr verkaufen die Koreaner mehr als 100.000 Autos in Deutschland. Nur zwei Importeure sind erfolgreicher: Skoda und Renault. Hyundai ist längst etabliert.

Die Technik ist auch auf dem aktuellen Stand. Kleine Dreizylinder sind im Programm, ein munterer 1,4-Liter-Turbobenziner kam vor wenigen Jahren dazu. Er soll die dritte Generation des i30 gegen die Großen im Segment unterstützen. Hyundai will mit “europäischem” Design punkten. Wir haben ausprobiert, ob Opel, Ford und VW jetzt Angst haben müssen.



Karosserie, Platzangebot und Abmessungen

Der i30 trifft mit 4,34 Metern Länge genau das Zentrum der Kompaktklasse. Opel baut den Astra drei Zentimeter länger, VW den Golf acht Zentimeter kürzer. Insgesamt bleibt genug Platz für Fahrer und Beifahrer. Beide haben ordentlich Platz zur Mittelkonsole und nach oben, die Übersicht stimmt. In der zweiten Reihe sitzt es sich dank großzügiger Beinfreiheit ebenfalls gemütlich, auch auf langen Strecken. Nur die Sitzflächen könnten gern etwas länger sein. 

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Quelle: Peter Besser Der Hyundai i30: dynamisch modulierte Seitenansicht

Seine wichtigsten Konkurrenten überbietet der i30 bei der Ladekapazität. 395 bis 1.301 Liter Volumen sind ein gutes Stück mehr als das, was Golf und Astra bieten. In der Praxis passt einiges zwischen Heckklappe und Rücksitzbank. Drei Mulden verstauen Kleinteile, Ösen und Gepäckhaken sichern die Ladung. Praktisch: Eine 12-Volt-Steckdose ist serienmäßig.

Eine Entriegelung für die Lehne der Rücksitzbank gibt es nur direkt an der Seite, nicht im Kofferraum. Bei einem Auto der Kompaktklasse lässt sich das verschmerzen. Liegt die Lehne, entsteht keine Stufe, aber eine leicht ansteigende Fläche.

Innenraum, Verarbeitung, Materialien

Es sieht modern aus im dritten i30, vor allem verglichen mit dem zweiten. Wenig harter Kunststoff, dafür viele unterschäumte Flächen freuen Hände und Augen. Erst in der unteren Hälfte fühlt sich das Cockpit nicht mehr gut an. Alles wirkt solide verarbeitet. Nur manche Flächen sehen günstiger aus, als sie sich tatsächlich anfassen.

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Quelle: Peter Besser Der Hyundai i30: Innenraum und Armaturenbrett wirken seriös und solide

Im i30-Cockpit ist Vieles gelungen. Leider wirkt die Klappe der Mittelkonsole wie ein Fremdkörper. Immerhin: Sie gleitet nach einem Fingerdruck sanft auf. Das wiederum wirkt hochwertig.

Der Bildschirm des Infotainmentsystems dürfte stärker zum Fahrer geneigt sein. Man hat ihn nicht perfekt im Blick, die Bedienknöpfe rechts davon sind zu weit weg vom Fahrer. Abgesehen davon stimmt die Ergonomie. Im i30 fährt es sich entspannt dank guter Bedienbarkeit und bequemen Sitzen. In unserem Fall: Leder-Komfortsitze mit Heizung und Kühlung.

Infotainment, Radio und Bedienung im Hyundai i30

Hyundai verzichtet auf viele kleine Bausteine für das Infotainment-System. Navigation, Digitalradio, induktives Laden für Handys, Rückfahrkamera und die Smartphone-Standards Apple Carplay sowie Android Auto gibt es im Paket. Das kostet für die Varianten “Style” und “Premium” 600 Euro, für “Trend” und “N Line” 1.400 Euro. In den Basis-Ausstattungen ist es gar nicht verfügbar.

Das System lässt sich problemlos bedienen. Besonders die Smartphone-Integration ist gut gelöst. Sind die Telefone mit dem Kabel verbunden, zeigt das Display ein Symbol an. Siri und die Google-Sprachsteuerung lassen sich per Sprachtaste am Lenkrad anwählen. Das ist praktisch und lenkt nicht groß ab.

Assistenzsysteme und Sicherheit

Ähnlich simpel und umfassend handhabt Hyundai die Assistenten. Serienmäßig hält der i30 aktiv die Spur, bremst im Notfall ab, achtet auf Übermüdung oder hält die Geschwindigkeit. Optional kommen weitere Funktionen ins Auto. Das “Sicherheits-Paket” beinhaltet einen adaptiven Tempomaten, Fußgängererkennung und einen Knie-Airbag für den Beifahrer. 

Die Top-Ausstattung bringt die Extras serienmäßig mit, bei kleineren Modellen beträgt der Aufpreis 620 Euro. Für die Basis ist das “Sicherheits-Paket” nicht verfügbar. In Verbindung mit dem Doppelkupplungsgetriebe steigt der Preis, dafür bremst der Tempomat bis zum Stillstand.

Motor, Getriebe und Fahrleistungen des Hyundai i30

Es hat lange gedauert, bis Hyundai seine Benziner auf Turbo umrüstete. Jetzt sind sie da: In unserem Testwagen arbeitet der 1.4 T-GDI mit 140 PS und 242 Newtonmeter Drehmoment. Wir schalteten per Hand, ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe kostet 1.900 Euro Aufpreis.

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Quelle: Peter Besser Der Hyundai i30 gefällt mit einer modernen Heckansicht

Ein Extra, über das man nachdenken sollte. Unser i30 fällt beim Anfahren regelmäßig in ein Leistungsloch. Manchmal macht er dabei den Eindruck, absaufen zu wollen. Mit mehr Gas und viel Geschwindigkeit im Kupplungsfuß funktioniert es besser, aber eben nicht gut. Ähnliches erleben wir bereits mit anderen Modellen der Marke. Hier sollten die Entwickler dringend nachbessern.

Sobald der i30 fährt, benimmt sich sein Motor besser. Richtig kräftig fühlt er sich nicht an, Drehfreude fehlt ihm ebenfalls. Seine Leistungsdaten möchte man ihm gerade so abnehmen. Kurios: Im technisch eng verwandten Kia Ceed verhält sich der gleiche Motor angenehmer. Leise und laufruhig arbeitet er auch im Hyundai. Nur die Schaltarbeit in den ersten drei Gängen bedarf dringender Korrekturen seitens Hyundai.

In der Stadt verbrauchen wir bei guten Bedingungen etwas mehr als 7 Liter pro 100 Kilometer. Nach diversen zügigen Autobahnetappen und viel Stadtverkehr liegt der Verbrauch des i30 bei 8,5 Litern. Insgesamt sollte man etwa 7,5 Liter pro 100 Kilometer einplanen. Kein beeindruckender Wert, doch akzeptabel.

Fahrwerk, Lenkung, Federung, Fahrverhalten

Unser i30 fragt nicht, ob wir lieber komfortabel oder sportlich unterwegs sein wollen. Fahrprofile gibt es nur in der Automatik-Version. Dort beeinflusst das Programm Lenkung und Getriebe. Uns hat nichts gefehlt. Lenkung und Fahrwerk des i30 arbeiten sehr angenehm, nachvollziehbar und ausgewogen.

Hyundai trifft einen guten Bereich mit viel Komfort und ein bisschen Sport. Der Kompakte verträgt Gullydeckel und Bahnschienen, rollt sanft ab und federt mit der richtigen Härte. Das Fahrwerk kommt mit komplizierten Situationen zurecht und meldet die Parameter zuverlässig an den Fahrer. Gewichtung und Abstimmung der Lenkung stimmen - mehr braucht es nicht in dieser Klasse.

Ausstattung, Preise, Kosten

Ein nackter Hyundai i30 startet bei 17.450 Euro. Ein Alibi-Modell ohne Ausstattung und mit einem kleinen Saugbenziner, Extras lassen sich nicht dazubestellen. Die modernen Turbobenziner kosten mindestens 20.100 Euro (1.0 T-GDI), verfügbar ab der Ausstattung “Select”. Die getestete Motorisierung beginnt bei 22.750 Euro in “Trend”.

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Quelle: Peter Besser Der Gepäckraum des Hyundai i30 fasst 395 Liter, bei umgeklappter Rückbank 1.301 Liter

In dieser Variante ist schon einiges dabei. Die wichtigsten Assistenten baut Hyundai serienmäßig ins Auto, außerdem einige komfortable Extras. Tempomat, Müdigkeitswarner, Fernlichtassistent, Klimaanlage und ein Bluetooth-Radio sind eine anständige Basisausstattung. Ein vergleichbarer Golf wäre rund 3.000 Euro teurer, Astra und Focus liegen etwa 1.000 Euro über dem Hyundai.

Der Abstand zu Ford und Opel bleibt ungefähr bestehen. Der Golf entfernt sich mit jedem Extra weiter vom Hyundai. Der Koreaner bleibt verhältnismäßig günstig, ist aber längst kein Schnäppchen mehr. Immerhin: Unser Testwagen mit ausgezeichneter Ausstattung kostete weniger als 30.000 Euro.

Viel gibt es nicht zu meckern am Hyundai i30. Nur der unharmonische Antrieb stört. Wer mit der Anfahrschwäche leben kann (oder ein Doppelkupplungsgetriebe bestellt), bekommt ein solides Auto auf der Höher der Zeit. Klingt langweilig? Ist es auch. Macht nichts, mit diesem Konzept ist der Golf zum Bestseller geworden.

Technische Daten des Hyundai i30 1.4 T-GDI

  • Antrieb: 1,4-l-Vierzylinder-Benhziner, Turbo
  • Leistung: 140 PS (103 kW) bei 6.000 U/min
  • Drehmoment: 242 Nm bei 1.500 U/min
  • Getriebe: Sechsgang-Handschaltung, Frontantrieb
  • 0-100 km/h: 8,9 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
  • Verbrauch: 5,4 l/100 km (NEFZ)
  • CO2: 124 g/km
  • Testverbrauch: 8,5 l/100 km
  • Länge: 4.340 mm
  • Breite: 1.795 mm
  • Höhe: 1.455 mm
  • Radstand: 2.650 mm
  • Leergewicht: 1.279-1.427 kg
  • Kofferraum: 395-1.301 l
  • Zuladung: 393-541 kg
  • Basispreis Hyundai i30 1.4: ab 17.450 Euro (Pure)
  • Basispreis Hyundai i30 1.4 T-GDI: ab 22.350 Euro (Trend)
  • Preis des Testwagens: 29.540 Euro

Hyundai i30 Alltagstest: Alle Bilder

  • Hyundai i30
    Quelle: Peter Besser Der Hyundai i30 gefällt mit einer modernen Heckansicht
  • Hyundai i30-10
    Quelle: Peter Besser Der Hyundai i30 gehört zum großen Segment der Kompaktwagen - dort tritt er unter anderem gegen den VW Golf an
  • Hyundai i30-11
    Quelle: Peter Besser Der Hyundai i30: Front mit dominantem Kühlergrill
  • Hyundai i30-13
    Quelle: Peter Besser Der Hyundai i30: Innenraum und Armaturenbrett wirken seriös und solide
  • Hyundai i30-15
    Quelle: Peter Besser Das Multifunktionslenkrad des Hyundai i30: Viele Knöpfe sind nicht immer gut für die Übersicht
  • Hyundai i30-16
    Quelle: Peter Besser Wir testeten Hyundais Kompaktwagen i30 zwei Wochen lang im Alltag
  • Hyundai i30-3
    Quelle: Peter Besser Der Gepäckraum des Hyundai i30 fasst 395 Liter, bei umgeklappter Rückbank 1.301 Liter
  • Hyundai i30-5
    Quelle: Peter Besser Der Hyundai i30: dynamisch modulierte Seitenansicht
  • Hyundai i30-8
    Quelle: Peter Besser Komfortable, belederte Sitze in unserem Hyundai i30-Testwagen
  • Hyundai i30-9
    Quelle: Peter Besser Die hintere Sitzreihe des Hyundai i30 bietet klassenübliche Platzverhältnisse