Die langen Ladezeiten können hinderlich sein

Das Elektroauto laden – so funktioniert’s!

Du willst Dir ein Elektroauto zulegen, aber weißt nicht, wie Du es lädst? Wo ist die nächste Ladestation? Wie viel kostet eine Wallbox für zu Hause? Und wie ist das mit der Haushaltssteckdose? Hier erfährst Du alles, was Du übers Aufladen von Elektroautos wissen musst.

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  • Veröffentlicht am 10/24/2019, 12:07 PM
In Deutschland gibt es inzwischen über 17.000 öffentliche Ladestationen für Elektroautos.
Quelle: Oliver Berg/picture alliance/dpa In Deutschland gibt es inzwischen über 17.000 öffentliche Ladestationen für Elektroautos

Bisher war alles so schön einfach. Ging die Tanknadel in den roten Bereich, musstest Du die nächste Tankstelle aufsuchen, Problem gelöst. Jetzt aber soll es ein Elektrofahrzeug sein, ab in die Elektromobilität. Das ändert alles. Nicht nur, dass Du besten Gewissens fährst, weil Du die Umwelt schonst. Auch das Tanken läuft jetzt anders. Und während Du Dich im Internet schlau machst, prasselt die Informationsflut auf Dich ein. Typ-2-Stecker? Schuko-Steckdose? Tesla Supercharger? Die Elektromobilität erfordert neues Vokabular. Und wo ist überhaupt die nächste Ladestation? Aber keine Sorge, hier erfährst Du alles, was Du rund um das Aufladen von Elektroautos wissen musst.
Ob BMW i3, VW e-up! oder Nissan Leaf – egal welches Elektroauto Du fährst, irgendwann musst Du mit dem Fahrzeug an die nächste Ladestation. Selbst wenn Du einen Plug-in-Hybrid bevorzugst, der Elektromotor braucht Energie. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, um das Elektroauto aufzuladen: entweder an einer öffentlichen Ladestation oder zu Hause per Hausstrom. Das Elektrofahrzeug an der privaten Ladestation zu laden, klingt nicht nur komfortabel, sondern auch relativ einfach. Jedoch: Anders als bei Benziner oder Diesel gibt’s beim Elektroauto keine Norm, sondern diverse Möglichkeiten.

Das Auto zu Hause laden – Wallbox oder Steckdose?

Grundsätzlich kannst Du Dein Elektroauto ohne Probleme zu Hause laden – vorausgesetzt, Du hast Platz dafür. Über das vom Hersteller mitgelieferte Kabel lässt sich jedes Elektrofahrzeug über die Haushaltssteckdose, auch Schuko-Steckdose genannt, laden. Das kostet allerdings Zeit – beim Nissan Leaf etwa 21 Stunden – und ist auch nicht unkritisch. Denn die Steckdosen sind eigentlich nicht dafür ausgelegt, dass Du über Stunden so viel Strom abzapfst. Im schlimmsten Fall drohen Überhitzung und Kabelbrand.
Daher empfiehlt es sich, beim Hersteller Deiner Wahl die passende Wallbox zu bestellen. Die meisten E-Auto-Hersteller bieten eigene Systeme an, es gibt aber auch unabhängige Anbieter. Die Wallbox ist nicht nur sicher, sondern bringt auch eine höhere Ladeleistung mit. Ein Beispiel: Entscheidest Du Dich für den Renault Zoe als Dein Auto, kannst Du in 1,5 Stunden mit einer 22-kW-Wallbox Strom tanken. Bei einer 2,3-kW-Steckdose bist Du mit zehn Stunden dabei. Mehr Kilowatt, mehr Power, kürzere Ladezeit. Die Inbetriebnahme übernimmt ein Techniker des Herstellers – und schon hast Du Deine private Ladestation mit hoher Ladeleistung.
Preislich solltest Du mit mindestens 500 Euro für die Ladestation rechnen, nach oben geht natürlich mehr. Auch die Installation kostet extra. Du hast nur einen Außenstellplatz? Kein Problem, die Wallboxen sind witterungsfest. Einige Wallboxen, wie die von BMW i, lassen sich sogar in Dein Smart-Home-System integrieren. Aber Vorsicht: Wohnst Du in einem Mehrfamilienhaus und die Wallbox soll in die Tiefgarage, solltest Du Dich bei Vermietern oder Eigentümern über die rechtlichen Bestimmungen informieren. Ohne deren Einverständnis darfst Du keine sogenannte bauliche Maßnahme vornehmen. 

Wenn es mal schnell gehen soll: Sogenannte Schnellladestationen spenden mehr als 100 kW.
Quelle: Stefan Sauer/picture alliance/dpa Wenn es mal schnell gehen soll: Sogenannte Schnellladestationen spenden mehr als 100 kW

Über 17.000 öffentliche Ladepunkte in Deutschland

Du wohnst im dritten Stock und hast keinen Privatparkplatz für Dein Fahrzeug? Mittlerweile kein Problem mehr, denn in Deutschland gibt es immer mehr Ladestationen. Wie aber lädst Du Dein Fahrzeug öffentlich auf? 
Ob auf dem Supermarktparkplatz, in der Hotelgarage oder bei Dir in der Nachbarschaft – öffentliche Ladesäulen findest Du mittlerweile fast überall. Mehr als 17.000 Ladepunkte mit im Schnitt 43 kW Ladepower sind in Deutschland zu finden. Eine Übersicht gibt es im Navi Deines Elektroautos oder auf diversen Internetseiten. An der Ladesäule angekommen, kannst Du Dein E-Auto direkt verbinden. Jedoch solltest Du über die Bezahlmodelle der Ladepunkte informiert sein. Denn derzeit bieten verschiedene Anbieter diverse Modelle mit Tankkarte, Flatrate oder monatlicher Grundgebühr an. Aber keine Sorge, an fast allen Ladepunkten ist sogenanntes Ad-hoc-Laden möglich, das ist allerdings ein wenig teurer. Dafür brauchst Du nur Deine Kreditkarte und schon geht’s los. Der durchschnittliche kWh-Preis liegt bei 29 Cent, damit musst Du also mindestens rechnen. Die Abrechnung erfolgt entweder pro Minute, pro Stunde oder pro kWh. Dabei können die Preise stark variieren. Deswegen ist es wichtig, dass Du Dich vorher genau über die Bestimmungen in Deiner Region informierst.

Ladetechnik ist entscheidend

Entscheidend für die Ladedauer des Fahrzeugs ist auch die Ladetechnik. Denn die Elektroautos speichern Gleichstrom (DC), die meisten Ladesäulen geben – wie auch Deine Haushaltssteckdose – Wechselstrom (AC) ab. Darauf ist Dein Elektroauto ausgelegt. Jeder Stromer verfügt über einen On-Board-Stromwandler, der den Wechselstrom in Gleichstrom umwandelt. Die Gleichrichter in Renault Twizy, VW e-Golf oder Mercedes EQC haben allerdings verschiedene Aufnahmekapazitäten, die sich auf die Ladezeiten auswirken. Es kommt also auch auf die Technik Deines Autos an.
Hinzu kommt die Kapazität Deiner E-Auto-Batterie. Ein e.GO Life mit einer Batteriekapazität von 14,5 Kilowatt pro Stunde wird an einer Ladesäule, die 22 kW ausgibt, in weniger als einer Stunde geladen – ein Tesla mit einer Kapazität von 75 kWh braucht die fünffache Zeit. 
Hast Du es eilig, kannst Du Schnellladesäulen aufsuchen. Diese Ladepunkte spenden mehr als 100 kW (bis zu 350 kW) und wandeln den Wechselstrom in Gleichstrom um. Dieser fließt also direkt in Dein Auto. Es geht also schneller, ist jedoch auch teurer. Aber Vorsicht, nicht jedes E-Auto ist auf Schnellladungen ausgelegt.
Hast Du Dich für ein E-Auto entschieden, musst Du nur noch wissen, welche Stecker benötigt werden (siehe Infobox), denn an den Ladestationen ist verschiedene Technik gefragt, die Einfluss auf die Dauer hat. Im Allgemeinen gilt also: Ladesäule, Ladekabel und E-Auto-Technik – alle Komponenten wirken sich auf die Ladezeit aus. Das Ladesystem ist nur so stark wie sein schwächstes Glied.
Ob an der privaten E-Ladestation oder an öffentlichen Ladepunkten – bei modernen Elektroautos werden die Ladeleistungen immer höher, die Ladezeiten reduzieren sich. Zwar variieren die Preise der verschiedenen Anbieter, günstiger als mit Verbrennern fährst Du aber allemal. Jetzt musst Du Dich nur noch für das passende E-Auto entscheiden – und schon fährst Du günstig und emissionsfrei.

Elektromobilität: Diese Stecker sind derzeit auf dem Markt

  • Typ-1-Stecker: Dieser Stecker kommt aus dem asiatischen Raum. In Europa ist er eher unüblich. Seine Ladeleistung geht bis zu 7,4 kW. Fährst Du ein Modell, das mit Typ-1-Stecker geladen wird, solltest Du das mitgelieferte Kabel stets dabeihaben, denn an europäischen Ladestationen wirst Du einen passenden Anschluss für einen Typ-1-Stecker selten finden. Der Stecker eignet sich nicht für Schnellladungen.
  • Typ-2-Stecker, auch Mennekes-Stecker genannt: Hierbei handelt es sich um einen dreiphasigen Stecker, der von der Europäischen Union (EU) als Norm festgelegt wurde. In Europa findest Du ihn an nahezu jedem öffentlichen Ladepunkt. Hier sind bis zu 43 kW Ladeleistung möglich. Rechenbeispiel: Ein 43-kWh-Akku wäre an der Ladestation also in rund einer Stunde aufgeladen. Schnellladesäulen kannst Du damit aber nicht anzapfen.
  • CCS-Stecker (Combo-Stecker): Neben dem EU-genormten Typ-2-Stecker werden zwei zusätzliche Kontakte verbaut, sodass Dein E-Auto per Schnellladung mit Gleichstrom betankt wird. Maximale Ladeleistung: 200 kW.
  • Tesla Supercharger: Fährst Du einen Tesla, ist der Supercharger eine gute Alternative. Er ist eine hauseigene Modifizierung des Typ-2-Steckers. Die Tesla-Ladesäulen gibt es mittlerweile in dritter Generation mit einer maximalen Ladeleistung von 250 kW.