Bremsweg, Verschleiß und Spritverbrauch

Darfst Du Winterreifen im Sommer fahren?

Reifen wechseln ist lästig. Warum also nicht die Winterreifen das ganze Jahr drauf lassen? Weil das gefährlich sein kann. Je wärmer, desto gefährlicher.

  • Fabian Hoberg
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  • Veröffentlicht am 03/06/2020, 04:29 PM
Ein schwarzer BMW 1er mit Winterreifen im Sommer.
Quelle: Peter Besser Der wichtigste Grund für einen rechtzeitigen Wechsel ist der längere Bremsweg bei sommerlichen Temperaturen

Der Asphalt kocht und auf den Reifen Deines Autos dreht sich eine Schneeflocke? Dann bist Du im Hochsommer mit Winterreifen unterwegs. Das ist zwar in Deutschland nicht verboten, schlecht ist es trotzdem. In Deutschland schreibt der Gesetzgeber für Reifen eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern vor – und im Winter bei entsprechenden Witterungsverhältnissen („situative Winterreifenpflicht“) spezielle Reifen. Eine Sommerreifenpflicht besteht indes nicht.


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Du kannst also das ganze Jahr mit dicken Profilreifen durch die Gegend fahren, im Sommer sogar mit Winterreifen in den Urlaub kutschieren. Ganz legal. Auch wenn Du im Sommer mit den groben Pneus zum TÜV fährst, wird es keinen Ärger geben. Doch ratsam ist das nicht. Das gilt auch dann, wenn die Reifen für die kalte Jahreszeit weniger als die von Experten empfohlenen vier Millimeter Profil aufweisen und Du sie im Sommer nur „runterfahren“ möchtest.

Winterreifen im Sommer fahren ist nicht verboten, weil …

  • Grund 1. die Reifen mehr als ausreichend Profil haben.
  • Grund 2. sie ausreichend Haftung bei niedrigen Temperaturen bieten.
  • Grund 3. sie bei Regen oder Starkregen eine gute Haftung bieten.



Winterreifen im Sommer fahren ist schlecht, weil…

  • Grund 1: sie einen längeren Bremsweg vor allem auf trockener Fahrbahn haben.
  • Grund 2: sie bei höheren Temperaturen stark und schnell verschleißen.
  • Grund 3: sie schlechtere Fahreigenschaften bieten, vor allem in Kurven.
  • Grund 4: sie generell eine schlechte Haftung in der warmen Jahreszeit bieten
  • Grund 5: sie eine schlechtere Fahrstabilität bei hoher Beladung verursachen.
  • Grund 6: sie den Verbrauch erhöhen und damit die Kraftstoffkosten.
  • Grund 7: in Italien bestimmte Winterreifen und Ganzjahresreifen nicht benutzt werden dürfen.
  • Grund 8: es unter Umständen nach einem Unfall Ärger mit der Versicherung gibt. 

Der wichtigste Grund für einen rechtzeitigen Wechsel ist der längere Bremsweg bei sommerlichen Temperaturen. Bei Regen sind die Auswirkungen noch nicht so stark. Aber auf trockener Straße schlittern Pneus für den Winter je nach Temperatur und Verschleißzustand aus 100 km/h im schlimmsten Fall bis zu 16 Meter weiter als gute Sommerreifen. Dabei ist der Bremsweg umso länger, je mehr Profiltiefe die Winterreifen aufweisen und je wärmer es ist.


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Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Winterreifen mit deutlich weniger als vier Millimeter Profiltiefe im Sommer besser bremsen als frische Winterreifen mit viel Profil. Im Vergleich zu Sommer-Pneus mit den gesetzlich vorgeschriebenen 1,6 Millimetern Mindestprofiltiefe ist der Bremsweg aber immer noch um rund fünf Meter länger. Das entspricht der Länge eines Oberklassefahrzeugs.

Warum sind Winterreifen nichts für den Sommer?

Sommer- und Winterreifen unterscheiden sich nicht nur beim Profil und der Anzahl an Lamellen, sondern auch bei der Gummimischung. Pneus für den Winter setzen auf eine weichere Gummimischung, die auch bei tiefen Temperaturen eine gute Haftung bietet. In der Regel enthält sie einen höheren Anteil an Kautschuk, der den Reifen weicher macht. Bei warmen Temperaturen, meist ab einem zweistelligen Gradbereich, wird das an sich schon weiche Material noch weicher, das Profil verformt sich und bietet weniger Haftung.

Jemand zeigt mit dem Finger auf die Lamellen eines Winterreifens.
Quelle: dpa / Picture Alliance Die Lamellen, die Reifenmischung und das tiefe Profil sorgen auf Schnee für Grip - im Sommer verlängern sie den Bremsweg drastisch

Was passiert nach einem Unfall mit Winterreifen im Sommer?

Zwar sind Winterreifen im Sommer nicht verboten, wie oben ausführlich erläutert. Dennoch kann es sein, dass im Falle eines Unfalles Ärger mit der Versicherung droht. Der Grund dafür ist eine eventuelle Mitschuld. Die Haftung wird in so einem Fall unter Umständen zwischen den Unfallbeteiligten aufgeteilt.



Mögliche Alternative: Ganzjahresreifen

Wenn Dir das zweimalige Wechseln der Reifen pro Jahr zu lästig ist, und Du in gemäßigter Lage mit wenig Schneefall und Bergen wohnst, kannst Du auch mit Ganzjahresreifen fahren. Die bieten zwar weniger Grip als gute Sommerreifen und beißen schlechter in Schnee als gute Winterreifen. Dafür bieten Ganzjahresreifen einen guten Kompromiss.

Fazit

Wer im Sommer mit Winterreifen unterwegs ist, verschenkt bares Geld. Verschleiß, Abrieb und der erhöhte Kraftstoffverbrauch erzeugen unnötige Kosten. Dazu kommen eine deutlich schlechtere Performance und ein längerer Bremsweg bei warmen Temperaturen im Vergleich zu reinen Sommerreifen. Schon allein aus diesem Grund sollten Autofahrer spätestens ab Ende April auf Sommerreifen wechseln – und ab Ende Oktober wieder auf Winterreifen.


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