BMW setzt beim elektrischen X3 auf Effizienz

BMW iX3 2020, Details zum Elektro-SUV: Reichweite

2020 kommt der elektrische BMW iX3. Erste konkrete Details wie Reichweite und Leistung sind nicht aufsehenerregend. Doch bei anderen Faktoren fährt BMW vorne.

  • Heiko Dilk
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  • Veröffentlicht am 12/26/2019, 11:15 AM
BMW ix3 in der Frontansicht, fahrend
Quelle: BMW Bis zum Jahr 2023 will BMW 25 reine Elektrofahrzeuge im Programm haben

Im kommenden Jahr soll Elektromobilität bei BMW endlich „normal“ werden. Die Münchner gehören mit dem i3 und dem Hybrid-Sportler i8 zu den Vorreitern beim Strom. Doch die beiden Modelle mit der aufwendigen Carbon-Struktur und dem ungewöhnlichen Design sind Einzelgänger und Auslaufmodelle. Solitäre, die sich nicht skalieren lassen.

Dass es keine Carbon-Autos mehr geben wird, lässt 2014 schon der damalige Entwicklungschef Herbert Diess wissen, bevor er zu Volkswagen wechselt. Den i3 verantwortet noch sein Vorgänger. Sein Nachfolger Klaus Fröhlich richtet die Strategie neu aus: Elektromobilität wird „the new normal“.

Zusammen mit Verbrenner-Technologie und Plug-in-Hybriden, muss man ergänzen. Dass BMW nach dem furiosen Auftakt mit dem i3 inzwischen mindestens gefühlt bei der E-Mobilität hinterherhinkt, hat vor allem damit zu tun, dass die verschiedenen Antriebsformen auf einer Plattform zusammengeführt werden sollen.


Mercedes Elektro-Studie in der Frontansicht, fahrend
Elektro-SUVs

SUVs liegen im Trend. Elektroantriebe auch. Beides in Kombination findest Du auf mobile.de. Dort werden derzeit rund 1.200 elektrische SUVs angeboten.


BMW iX3 ab Herbst 2020 beim Händler

Erstes sichtbares Ergebnis dieser Strategie wird der BMW iX3, der in der ersten Hälfte 2020 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden dürfte, bevor dann zügig die Produktion startet. Bei den Händlern wird er wohl im Herbst aufschlagen. Viel Aufsehen dürfte er optisch nicht erregen. „the new normal“ heißt eben auch, dass die elektrische Version des SUVs X3 nicht viel anders aussieht als das SUV X3. Die Studie BMW Concept iX3 zeigt schon im April 2018 auf der Motorshow in Peking, wohin die Reise geht: zu einigen bläulichen Highlights, einem abgewandelten Grill mit verbundener Doppelniere und anderen Schürzen.

BMW Fahrzeuge vor der BMW-Zentrale stehend
Quelle: BMW BMW wendet sich ab von der Strategie, Elektroautos als Solitäre zu konzipieren. i3 und i8 waren in der Entwicklung und in der Produktion zu teuer

Die technischen Eckdaten hat BMW nun erstmals etwas präziser benannt. „Über 440 Kilometer“ Reichweite im WLTP-Zyklus versprechen die Münchner. Bei einer Akkugröße von 74 kWh netto, was etwas mehr als 80 kWh installierte Kapazität sein dürften. Den Stromverbrauch gibt BMW mit „weniger als 20 kWh“ an. Es handelt sich um vorläufige Werte. Auch wenn man für den WLTP-Verbrauch Verluste beim Laden berücksichtigen muss: Der offizielle Wert dürfte deutlich unter 20 kWh liegen.



Satte Leistung gibt es ebenfalls. Ein Elektromotor, den BMW an der Hinterachse verbaut, leistet 200 kW (270 PS) und mobilisiert 400 Newtonmeter Drehmoment. Zudem verspricht BMW eine gewisse „Drehfreude“. So soll die Leistung bis in hohe Drehzahlen der E-Maschine anhalten. Dabei soll die Antriebseinheit bei gleicher Leistung um 30 Prozent kompakter werden als der aktuelle Elektroantrieb. BMW spricht von „eDrive-Technologie der fünften Generation“. E-Motor, Leistungselektronik und Getriebe sind in einem Gehäuse zusammengefasst. BMW zeigt die Technik bereits 2018, die komplette Einheit ist nicht größer als ein kleiner Medizinball – oder ein aktueller Dreizylinder-Verbrenner. Dabei aber flacher.

Elektromotoren ohne Seltene Erden

Bemerkenswert ist zudem, dass BMW angibt, in seinen Elektromotoren komplett auf den Einsatz Seltener Erden verzichten zu können. Da diese nur in wenigen Regionen der Welt in größeren, gut abbaubaren Mengen vorhanden sind, ist das ein wesentlicher Faktor, um Abhängigkeiten zu reduzieren.

Stolz ist BMW auch auf die Batteriezellen, die in der fünften Generation zum Einsatz kommen. Zwar fertigt sie BMW nach wie vor nicht selbst, gibt aber den Herstellern präzise Vorgaben, die im eigenen Entwicklungszentrum für Hochvoltspeicher erarbeitet wurden.

Ansicht eines E-Motors
Quelle: BMW BMW verzichtet beim Bau von Elektromotoren auf den Einsatz seltener Erden

Zudem schließt BMW eigene Lieferverträge über Kobalt und Lithium ab, beschafft die Rohstoffe also selbst und reicht sie an die Zellhersteller weiter. Beide Stoffe werden oft unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen abgebaut und zum Teil in Kinderarbeit gefördert. Laut BMW sei mit den Lieferverträgen sichergestellt, dass das hier nicht passiert.

Zudem will BMW gewährleisten, dass die CO2-Gesamtbilanz der Elektroautos über die Lebensdauer besser ausfällt als bei einem Auto mit konventionellem Antrieb. Der BMW iX3 soll beispielsweise inklusive Rohstoffbeschaffung, Lieferkette, Produktion, Nutzungsphase und Recycling am Ende seines Lebens eine um 30 Prozent bessere CO2-Bilanz aufweisen als ein aktueller BMW X3 sDrive 20d – beim europäischen Strommix. Wird stets mit Grünstrom aus erneuerbaren Energien geladen, soll der Vorteil bei 60 Prozent liegen.


Audi Q8 in der Ansicht von vorne-links, fahrend
Sport Utility Vehicles von Audi

Bodenfreiheit wie im Geländewagen und Komfort wie in einer Limousine. Jeder dritte Neuwagen in Deutschland ist ein SUV.


BMW i4 und BMW iNext ab 2021

BMW mag also aktuell gefühlt bei der Elektromobilität hinterherfahren. Und der iX3 wird niemanden mit seiner Reichweite vom Hocker hauen. Doch die Münchner scheinen die Elektromobilität in ihrer Gesamtheit recht gut durchdacht zu haben. Zumindest gleichen sie den gefühlten Rückstand recht geschickt durch weiche Faktoren wieder aus.

Wir rechnen im 2. Quartal 2020 mit dem ersten Auftritt des serienmäßigen BMW iX3. Ein gutes Erscheinungsdatum könnte die Peking Motor Show im April sein. Dort zeigte BMW vor dann genau zwei Jahren das Concept iX3. Weitere reine Elektroautos werden jedoch erst 2021 folgen. Mit dem BMW i4 kommt eine sportliche Limousine in 3er-Dimensionen, die mit einer Akkuladung mehr als 600 Kilometer weit fahren soll. Es folgt der BMW iNext als Technologie-Träger für Vernetzung und automatisiertes Fahren mit ähnlicher Reichweite.

Bis 2023 sollen insgesamt 25 elektrifizierte Modelle im BMW-Portfolio stehen. Vermutlich sind 12 davon rein batterieelektrisch, der Rest Plug-in-Hybride. Und Verbrenner bleiben natürlich. Die werden dann zum „the old normal“.