Der BMW 4er wird der sportlichste 3er

Das BMW 4er Coupé 2020 im ersten Test

Das BMW 4er Coupé emanzipiert sich vom 3er. Optisch und fahrdynamisch. Durchaus zu seinem Vorteil, wie unser erster Test zeigt.

  • Heiko Dilk
  • 0
  • Veröffentlicht am 04/30/2020, 11:49 AM
BMW 4er Coupé dreiviertel-frontansicht
Quelle: BMW Im Herbst 2020 rollen die ersten Exemplare des BMW 4er Coupé zu den Händlern

Gönnen wir uns ruhig, den Elefanten im Raum nicht zu thematisieren und den Grill Grill sein zu lassen. Auf Äußerlichkeiten kommt es beim BMW 4er 2020 noch früh genug an. Dann nämlich, wenn BMW die Serienversion an die Öffentlichkeit lässt, was im Sommer passieren soll. Um die Wartezeit zu verkürzen, können wir den BMW 4er schon mal ausprobieren. Als Prototyp in einer Tarnstufe, die von der großen Doppelniere ohnehin nichts zeigt.

Das BMW 4er Coupé in Kürze

  • Zweitüriger Ableger des BMW 3er G20 (2019)
  • Sportlichere Abstimmung als bei der Limousine
  • BMW M440i xDrive erstmals als 48-Volt-Mildhybird
  • Vorstellung der Serienversion voraussichtlich im Juni
  • Marktstart im Herbst 2020


Das BMW 4er Coupé

• Motor: Vierzylinder-Benziner
• Leistung: 184 PS
• 0-100 km/h: 7,5 s


BMW nimmt den 4er wichtiger als je zuvor. Daher die deutliche optische Abgrenzung zum 3er. Und daher eine andere Abstimmung: Mehr Sport bei gleichem Komfort verspricht BMW. Das erproben wir anhand zweier Varianten des 4er Coupés 2020. Dem BMW 430i sDrive und dem BMW M440i xDrive – dem sportlichen Topmodell.

Für beide Versionen gilt: Das Coupé legt an Gewicht zu. Wie viel genau, das verrät BMW noch nicht – aber wo. Es ist sozusagen Muskelmasse, kein Fett. BMW versteift den Vorderwagen, bringt zusätzliches „Fachwerk“ an, wie der Baureihenleiter das nennt.

So lässt sich das Fahrwerk direkter ansteuern, Lenkbefehle werden präziser umgesetzt, die Federung kann straffer abgestimmt werden – ohne Einbußen beim Komfort. An der Hinterachse helfen zusätzliche Streben vor allem dem Geradeauslauf und erlauben höhere Querkräfte. Außerdem kann sich der BMW 4er hinten auf einer um 23 Millimeter breiteren Spur abstützen als der 3er. Mehr Sturz an der Vorderachse hilft der Kurvenwilligkeit.

BMW 4er Coupé Seitenansicht
Quelle: BMW Die Technik stammt vom 3er BMW. Das BMW 4er Coupé kommt mit drei bekannten Antriebssträngen: Benzin, Diesel und Plug-in-Hybrid

BMW 4er 2020: Der M440i wird zum Mildhybrid

Damit ein bisschen Masse wieder rauskommt und um die Achslastverteilung bei 50 zu 50 zwischen Vorder- und Hinterachse zu halten, baut BMW die Türen des 4er Coupés aus Aluminium. Weil der 4er 57 Millimeter niedriger baut als der 3er, sinkt zudem der Schwerpunkt. Er rückt 21 Millimeter näher an den Asphalt. Alles im Zeichen der Dynamik.

Ein besonders kräftiger Muskel wandert im BMW M440i xDrive ins Auto: Der 3,0-Liter-Reihensechser wird jetzt von einem riemengetriebenen Startergenerator mit 48-Volt-Technik unterstützt. Der Motor leistet wie im M340i weiterhin 374 PS, doch im M440i hilft der Startergenerator bei Bedarf mit 8 kW/11 PS elektrischer Leistung und unterstützt den Verbrenner.

Das Prinzip ist bekannt und es funktioniert auch im BMW M440i xDrive. Gerade in Zwischenlastbereichen reagiert der 4er spontan auf jede Fußstreckung und gibt sofort Schub. Der Sechser dreht fröhlich hoch, lässt quasi bis zur Höchstgeschwindigkeit kaum nach und klingt dazu noch nett. Nicht zu laut, nicht zu dröhnend, charaktervoll untermalt er die Kletterübungen auf der Drehzahlleiter.

So fährt das BMW 4er Coupé (2020): Zackig und leichtfüßig

Munter auf und ab geht es auf der Testfahrt und fröhlich um die Ecken. Der M440i lenkt vor allem im Sport-Modus extrem zackig ein, die Nase folgt sofort dem Lenkeinschlag. Die Reifen haken sich mit reichlich Grip im Kurvenradius ein. Fast nervös wirkt das, aber auch sehr leichtfüßig, präzise, direkt und berechenbar.

Das 4er Coupé lässt einen mühelos schnell fahren. Und verliert dabei fast nie die Haftung. Trockene Straßen und Allradantrieb xDrive helfen. Gelegentlich spürt man, wie das Sperrdifferenzial an der Hinterachse die Kurvenlinie verengt, wenn es sehr holprig wird. Dann flackert mal das Lämpchen des Schleuderschutzes. Aber selten. Dabei federt der 4er trotzdem nicht unkomfortabel. Im Comfort-Modus kann man sich lange Autobahnetappen ohne Probleme vorstellen.



Mehr Bewegung, nicht weniger Spaß: Der BMW 430i

Der BMW 430i kann das allerdings ebenfalls prima. Ohne Verstellfahrwerk, aber mit hubabhängigen Dämpfern, die wir vom 3er kennen. BMW hat sie in Details angepasst. Im Vergleich zum M440 bewegt sich der BMW 430i etwas mehr auf den Dämpfern. Er federt straffer als das M-Performance-Modell in Comfort, dabei aber nicht unkomfortabel. Natürlich und organisch fühlt sich das an, zackig um die Kurve geht es trotzdem. Das Sperrdifferenzial hängt in unserem Fall an der Hinterachse, serienmäßig muss der 430i ohne auskommen.

Da der BMW 430i mit Hinterradantrieb sDrive fährt, kann man in typischer BMW-Manier mit dem Heck spielen. Klar, wir bewegen uns im Straßenverkehr. Also nur mit leicht entspannter Traktionskontrolle, nicht mit komplett abgeschaltetem Schleuderschutz. So darf das Heck ein bisschen tanzen und wird dann sauber wieder eingefangen.

Der 2,0-Liter-Benziner im 430i lässt mit 258 PS und 400 Newtonmetern keinen Eindruck von Mangel entstehen. Nur im direkten Vergleich zum M440i fehlt obenrum die Power, in der Praxis fehlt nichts. Und der Vierzylinder klingt gut. Spaß hat man damit auf der Landstraße fast genauso. Das adaptive Fahrwerk? Haben wir nicht vermisst.


BMW 3er
Der BMW 3er

Der 3er ist das Herzstück der Marke BMW. 2019 startete das bayerische Mittelklasse-Modell in die siebte Generation.


BMW 4er Coupé 2020: Im Herzen ein 3er

Mit dem vernünftigsten Motor fährt der 430i natürlich nicht. Dafür stehen weiterhin die Diesel. Das 4er Coupé wird wie bereits der 3er als 420d mit dem mild hybridisierten 2,0-Liter-Vierzylinder mit 190 PS plus 11 PS vom RSG unterwegs sein. Mit einem 418d rechnen wir nicht, womit es auch kein 4er Coupé mit Handschalter mehr geben dürfte. Im 3er wird einzig der 318d manuell geschaltet.

BMW 4er Coupé dreiviertel-heckansicht
Quelle: BMW Im Sommer wird das BMW 4er Coupé ohne Tarnfolie vorgestellt

Die restlichen Motoren orientieren sich wie gehabt am 3er. Allerdings dürfte BMW auch bei den Benzinern den kleinsten weglassen. Einstiegsmotor wird der 420i, darüber rangiert der 430i. Beide dürfte es mit Allradantrieb geben. Genau wie die Diesel 420d und 430d. Der M440i kommt ohnehin stets als xDrive. Spannend bleibt die Frage, ob BMW den 4er auch als M440d xDrive bringt. Der sportliche Diesel-Mildhybrid wurde gerade im 3er vorgestellt.



BMW 4er Coupé 2020: Preise und Marktstart

Im Innenraum, bei Infotainment und Assistenz gibt es nichts Überraschendes zu erwarten. Hier rechnen wir mit dem Stand des BMW 3er. Natürlich wird das aktuelle Operating System 7.0 ins Auto wandern, das allerlei Online-Funktionalität beinhaltet, eine natürliche Sprachsteuerung und einige Gesten versteht. Updates dafür fließen kontinuierlich ein, denn das System lässt sich aus der Ferne „Over the Air“ updaten.

In den Markt startet das BMW 4er Coupé im Herbst 2020. Die Preise werden wie bisher etwas mehr als 3.000 Euro über dem 3er liegen. Der BMW 420i beginnt dann voraussichtlich bei gut 44.000 Euro, der 420d rückt nah an die 47.000 Euro. Der BMW M440i xDrive dürfte rund 66.000 Euro kosten.

Zunächst folgt allerdings die offizielle Präsentation und damit sicher eine ausführliche Diskussion um die große Doppelniere an der Front. An weniger getarnten Erlkönigen als den jetzt gefahrenen haben wir schon einen ersten Eindruck bekommen. Wirklich ernst wird es erst ohne schwarz-weiße Folie, also im Sommer. Dann können wir darüber nicht mehr hinwegsehen.

Das BMW 4er Coupé (G22) in Bildern

  • BMW 4er Coupé Frontansicht
    Quelle: BMW Vom gewaltigen neuen Grill zeigt BMW in der dieser Tarnstufe noch nichts
  • BMW 4er Coupé dreiviertelfrontansicht
    Quelle: BMW Um 21 Millimeter rückt der Schwerpunkt des BMW 4er weiter nach unten. Zackig geht es so um die Kurven
  • BMW 4er Coupé dreiviertel-frontansicht
    Quelle: BMW Im Herbst 2020 rollen die ersten Exemplare des BMW 4er Coupé zu den Händlern
  • BMW 4er Coupé dreiviertel-heckansicht
    Quelle: BMW Im Sommer wird das BMW 4er Coupé ohne Tarnfolie vorgestellt
  • BMW 4er Coupé Seitenansicht
    Quelle: BMW Die Technik stammt vom 3er BMW. Das BMW 4er Coupé kommt mit drei bekannten Antriebssträngen: Benzin, Diesel und Plug-in-Hybrid
  • BMW 4er Coupé Heckansicht
    Quelle: BMW Schmale Rückleuchten zieren das Heck des BMW 4er Coupé Erlkönig. In der Fassung der LED-Leiste ist ein leichter Knick zu erkennen
  • BMW 4er Coupé dreiviertel-frontansicht
    Quelle: BMW Mit 374 PS, unterstützt von einem 48-Volt-System, bildet der BMW M440i xDrive die Spitze des Angebots
  • BMW 4er Coupé dreiviertel-heckansicht
    Quelle: BMW Der Hersteller koppelt eine Achtgang-Automatik an den Motor des BMW 4er Coupé
  • BMW 4er Coupé Cockpit
    Quelle: BMW Das Cockpit zeigt BMW noch weitgehend verhüllt. Wahrscheinlich aber wird sich auch hier die Nähe zum 3er zeigen
  • BMW 4er Coupé Konzeptfahrzeug Seitenansicht
    Quelle: BMW Beim BMW Concept 4 Series Coupé handelt es sich um ein Konzeptfahrzeug. In der Vergangenheit zeigte BMW aber, dass dieses durchaus einen Vorgeschmack auf das Serienmodell gibt
  • BMW 4er Coupé Konzeptwagen Seitenansicht
    Quelle: BMW Mit dem Concept 4 interpretiert BMW die klassischen Coupé-Formen neu
  • BMW 4er Coupé Konzeptwagen dreiviertel-heckansicht
    Quelle: BMW Der BMW Concept 4 wurde 2019 auf der IAA vorgestellt
  • Zu sehen ist die Front des BMW 4er Coupé Erlkönig
    Quelle: Stefan Baldauf / SB-Medien Die hochglänzende Doppelniere ist ein echter Hingucker Der Kühlergrill mit Sechseckmuster an der Front des BMW 4er Coupé Erlkönig wird die neue Designlinie des Herstellers
  • Zu sehen ist der BMW 4er Coupé Erlkönig von vorn
    Quelle: Stefan Baldauf / SB-Medien Die Umrisse des Blechköpers wirken vertraut. Die Silhouette des BMW 4er Coupé Erlkönig erinnert an einen Mix aus BMW 8er Coupé und 3er G20