Reichweite, Akkus und Preis des VW ID.3

Der VW ID.3 ist kein Elektro-Kompromiss

Der erste VW ohne Option auf einen Verbrenner heißt ID.3: Das kompakte Elektroauto kommt zum Kampfpreis – allerdings erst ein paar Monate nach dem Start.

  • Constantin Bergander
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  • Veröffentlicht am 07/29/2019, 12:00 AM
  • Aktualisiert am 09/25/2019, 5:44 PM
VW ID.3 mit butner Tarnung an der Ladestation
Quelle: Volkswagen Der VW ID.3 ist ungefähr so breit und lang wie ein Golf, aber etwas höher

Elektroautos gibt es bei VW schon länger, bisher waren sie aber stets ein Kompromiss. E-Golf und E-Up sind umgebaute Verbrenner. Alles an ihnen ist auf Benzin oder Diesel ausgelegt, Elektroantrieb der Fremdkörper im Chassis. Das funktioniert nur mit Abstrichen. Es bleibt wenig Platz für die Akkus, die Reichweite ist daher überschaubar. Genug zum Pendeln, viel mehr geht nicht.

VW erklärt seit Jahren, dass bald alles besser wird. Eine neue Modellfamilie startet auf eigener Plattform, ganz ohne Rücksicht auf veraltete Technik oder nötige Kompromisse in umgenutzten Karossen. Nur Strom, kein Sprit. Diverse Studien unterstützten dieses Vorhaben. Nun ist das erste Serienauto fast da: Der kompakte ID.3 debütiert im September 2019 auf der IAA in Frankfurt am Main, Anfang 2020 beginnt die Auslieferung.

Vorab zeigt VW das getarnte Auto und nennt wichtige Details. Optisch lehnt sich der ID.3 deutlich an die Studie an, so viel ist schon jetzt zu erkennen. Seine Technik deckt nur einen kleinen Teil der Möglichkeiten ab. Weitere Fahrzeuge folgen zeitnah und bringen zusätzliche Funktionen mit.

VW ID.3: Elektroauto mit Golf-Größe

Der ID.3 wird ungefähr so groß wie ein VW Golf. Länge und Breite stimmen fast genau überein, in der Höhe überbietet das Elektroauto den Verbrenner. Die Akkus sind in der Bodenplatte zwischen den Achsen platziert, die Sitzposition liegt ungefähr auf dem Niveau des Golf Sportsvan. VW tut aber viel dafür, das Modell nicht wie ein SUV wirken zu lassen.

Der ID.3 bekommt kurze Überhänge und große Räder. Seine Form hebt sich bewusst von den Verbrennern der Marke ab, die Elektro-Flotte soll eigenständig aussehen. Der Elektromotor sitzt an der Hinterachse. Ein zweiter Motor vorn ist im ID.3 nicht vorgesehen, technisch aber machbar. Später folgen weitere Modelle mit Allradantrieb.

VW will im ID.3 drei verschiedene Akkus anbieten. Die Basisversion speichert 45 Kilowattstunden Strom. Optional wächst die Batterie auf 58 oder 77 kWh Kapazität. Alle Angaben beziehen sich auf die tatsächlich nutzbare Energie, also den Netto-Wert. Der üblicherweise angegebene Brutto-Wert liegt jeweils etwas höher.

Im realitätsnähen WLTP-Zyklus ergibt das Reichweiten von 330, 420 oder 550 Kilometern. Der ID.3 verträgt Ladeströme mit bis zu 125 Kilowatt. Je nach Batteriegröße sind 80 Prozent Ladung also innerhalb einer halben Stunde wiederhergestellt.

Schwache Motoren lohnen sich bei Elektroautos nicht. Sie sind kaum günstiger und können beim Bremsen nur wenig Energie zurückgewinnen. Eine günstige Basisversion mit wenig Leistung steht deshalb nicht zur Debatte. VW plant zwei Antriebsvarianten: Der schwächste ID.3 leistet 110 kW (150 PS), die starke Version 150 kW (204 PS).

VW ID.3 bunt getarnt, fotografiert von der Seite
Quelle: Volkswagen VW nimmt bereits Reservierungen für den ID.3 an

Basisversion für rund 30.000 Euro

Schon früh im Projekt versprach VW, den ID günstig einzupreisen. Er sollte sich an einem vergleichbaren Dieselmodell orientieren, hieß es. Mittlerweile steht fest: Die Basis kostet knapp 30.000 Euro vor Vergünstigungen. Zieht man die Elektroprämie der Bundesregierung ab, bleiben 26.000 Euro. Ein Kampfpreis für ein kompaktes Elektroauto.

Aktuell unterbietet VW damit alle direkten Konkurrenten. Die technischen Zwillinge Kia E-Soul und Hyundai Kona Elektro kosten vor Vergünstigungen 34.000 bzw. 34.600 Euro. Nissan verkauft den Leaf für mindestens 37.000 Euro. Tesla hat ein günstiges Model 3 angekündigt, verkauft es aber in Deutschland bisher nicht. Der Einstiegspreis liegt bei 44.500 Euro.

Ein E-Golf mit 231 Kilometern Norm-Reichweite kostet 35.900 Euro ohne Rabatte, ist aber kaum noch zu bekommen. Die Produktion läuft bald aus, eine rein elektrische Variante des Golf 8 wird es nicht geben. Ein Golf 2.0 TDI mit 150 PS und Automatik kostet mindestens 30.950 Euro.

ID.3 1st: Launch-Modell mit mittlerem Akku

Im eigenen Haus steht der VW ID.3 also gut da. Ob er den Abstand zur Konkurrenz halten kann, wird sich zeigen. Die Wettbewerber haben noch Zeit zum Reagieren. Denn den Basis-ID.3 gibt es erst, wenn 30.000 Launch-Modelle gebaut sind. Die stattet VW besser aus – und preist sie höher ein.

Der ID.3 kostet in der einfachsten „1st“-Ausstattung knapp 40.000 Euro. Sie bekommen den mittelgroßen Akku und sinnvolle Extras. Und jene, auf die VW besonders stolz ist. Zum Beispiel ein riesiges Head-up-Display in der teuersten „1st“-Variante. Es projiziert Navigationsanweisungen gefühlt auf die Straße, VW spricht von „Augmented Reality“.

Sparfüchse werden sich ungefähr bis zum Sommer 2020 gedulden müssen. Sie bekommen weniger Reichweite, dafür aber ein günstiges Elektroauto mit der Größe eines Golf, den Platzverhältnissen eines Passat und dem Wendekreis eines Up. Vielleicht gibt es bis dahin weitere Elektroautos in einer bezahlbaren Preisklasse.