Ganz viel Q3, ein bisschen Sportback

Audi Q3 Sportback (2019) im Test: erste Fahrt im SUV-Coupé

Der Q3 erhält einen schicken Bruder: Als Sportback kommt das Kompakt-SUV geduckt und mit flachem Coupé-Rücken. Technisch ändert sich wenig. Erste Fahrt.

  • Constantin Bergander
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  • Veröffentlicht am 08/30/2019, 12:00 AM
  • Aktualisiert am 10/24/2019, 12:08 PM
Der Audi Q3 Sportback (2019) im Fahrbericht
Quelle: Audi Der Audi Q3 Sportback (2019) leidet im Fahrbericht ein wenig unter seinem hohen Schwerpunkt - wie alle SUVs

Es geht vor allem um die Optik. Audi weiß, dass das Aussehen die meisten Kaufentscheidungen fällen oder kippen kann. Deshalb betreibt der Hersteller beim Q3 Sportback viel Aufwand, damit er sich vom Q3 Basismodell abhebt. Nicht nur bei Details wie der serienmäßigen S-Line-Verspoilerung und den lackierten Radlaufkanten. Audi nimmt auch einige große Änderungen vor.

Die Karosserieteile hinter den vorderen Kotflügeln sind zum Beispiel nicht austauschbar zwischen Q3 und Q3 Sportback. A-Säule und Dach bauen ein bisschen flacher, das Heck fällt deutlich niedriger aus. An den Türen verläuft die Sicke jetzt durch die Klinken, nicht mehr darüber. Nur die Rückleuchten passen vom normalen Q3.

Audi Q3 Sportback kommt mit Mild-Hybrid

Ein neues Auto also? Nicht ganz. Der Q3 bleibt ein Q3, auch als Sportback. Denn unter seiner stark modifizierten Hülle steckt im Prinzip das, was schon die normale Karosserie füllt. Er übernimmt drei von fünf Antrieben, den Baukasten sowieso. Einen vierten Motor modifizieren die Entwickler für ein bisschen Eigenständigkeit. Er ist ein Ausblick auf das, was bald in vielen anderen Motoren und Modellen folgen wird.

Die Höchstgeschwindigkeit des Audi Q3 Sportback mit dem neuen Mild-Hybrid steht noch nicht fest
Quelle: Audi Die Höchstgeschwindigkeit des Audi Q3 Sportback mit dem neuen Mild-Hybrid steht noch nicht fest

Im Basis-Sportback 35 TFSI arbeitet – sofern er mit dem Doppelkupplungsgetriebe kombiniert wird – zum ersten Mal ein Vierzylinder von Audi mit einem 48-Volt-Bordnetz zusammen. Es versorgt einen Riemen-Starter-Generator, der mit Bremsenergie einen Akku mit 456 Wattstunden Kapazität lädt. Bis zu Geschwindigkeiten von 40 km/h steuert er maximal 50 Newtonmeter bzw. 9 Kilowatt zur Motorleistung bei. Das entlastet den Verbrenner in der Stadt.



Außerdem verbessert er den Komfort der Start-Stopp-Automatik erheblich. Man spürt es kaum, wenn der 1,5-Liter-Vierzylinder anspringt. Deshalb weitet Audi die Funktion aus: Beim Rollen ohne Last steht der Verbrenner still. Im Alltag soll das fast einen halben Liter Sprit pro 100 Kilometer sparen. Bisher gibt es diese Funktion in dem Umfang bei Audi nur in großen Limousinen mit mindestens sechs Zylindern.

Auf dem Papier stehen weiterhin 150 PS. Mehr müssen es auch gar nicht sein, wenn sich der flache Q3 vor allem sparsam bewegen soll. Erst beim Klettern fordert er niedrige Gänge und hohe Drehzahlen. Ein paar brummige Resonanzen des Benziners dringen absichtlich in den Innenraum. So richtig dynamisch fährt der Q3 Sportback mit dem Motor aber nicht.

Sportlicher nur im Aussehen

Spürbar flotter wird das SUV mit dem großen Benziner. Audi nennt ihn „45 TFSI“ – die neue Bezeichnung für den 2,0-Liter-Turbobenziner aus dem VW Golf GTI. Er leistet 230 PS und schickt seine Kraft über ein Doppelkupplungsgetriebe an alle vier Räder. Er passt besser zum sportlichen Anspruch, den Audi dem Sportback selbst auferlegt, lohnt sich aber vor allem bei hohem Tempo und in den Bergen.

Zum Sportler wird das SUV ohnehin nicht. Audi packt prinzipiell alles hinein, was dafür nötig ist. Die „Progressivlenkung“ mit variabler Lenkübersetzung und ein Sportfahrwerk gibt es serienmäßig im Sportback. Ohne Aufpreis baut Audi die sanfteren Federn ein, optional verstellbare Dämpfer mit ordentlicher Spreizung.

Audi ändert im Vergleich zum Standard-Q3 viel am Q3 Sportback, der Auftritt ist eigenständig
Quelle: Audi Audi ändert im Vergleich zum Standard-Q3 viel am Q3 Sportback, der Auftritt ist eigenständig

Aber der Sportback leidet, wie fast jedes SUV, unter seinem hohen Schwerpunkt. Treibt man ihn um flotte Kurven, neigt er sich spürbar. Die gewaltigen Räder kündigen früh an, wenn die Querbeschleunigung zu hoch wird. Absolut gesehen ist er kein Kurvenräuber. Für ein kompaktes SUV macht er seine Sache jedoch sehr gut.

Hohe Geschwindigkeiten mag das adaptive Fahrwerk gern. Bei niedrigem Tempo zieht es ebene Straßen vor. Durch etwas tiefere Schlaglöcher rumpelt es holperig. Die Lenkung stimmt Audi ganz markentypisch direkt, präzise und leichtgängig ab. Im Sport-Modus gibt es mehr Gegengewicht in der Kurve.

Der Geschmack darf beim Audi Q3 entscheiden

Letztendlich kann wohl niemand beim Fahren den Q3 vom Q3 Sportback unterscheiden. Spätestens wenn der Mild-Hybrid im größeren Modell nachgereicht wird, gibt es gefühlt keinen Unterschied mehr. Das bedeutet aber auch: Durch seine flache Dachlinie entsteht im Innenraum kaum ein Nachteil.

Vorn spürt man weder die Neigung der A-Säule, noch die Höhe der Dachhaut. Hinten könnten sich Riesen am Himmel reiben. Wer 1,90-Meter-Beifahrer vorn einlädt, muss das nicht beachten. Der Norm-Kofferraum misst 530 Liter, genau wie beim Q3. Nur die verschiebbare Rückbank verliert zwei Zentimeter ihrer Variabilität. Sie rutscht jetzt nur noch 13 Zentimeter nach vorn oder hinten, nicht mehr 15. Bei umgelegten Rücksitzen büßt der Sportback 125 Liter Volumen ein – die fehlen auf Höhe der Heckscheibe.

Die Rückleuchten wurden vom Q3 Basismodell übernommen. Beim Sportback sitzen sie jedoch etwas weiter hinten
Quelle: Audi Die Rückleuchten wurden vom Q3 Basismodell übernommen. Beim Sportback sitzen sie jedoch etwas weiter hinten

Beim Preis soll sich der flotte Q3 ebenfalls kaum unterscheiden. Er kostet in seiner Basisversion 1.600 Euro mehr, bekommt aber mehr Serienausstattung. Unterm Strich endet der Vergleich beinahe in einer Null. Heißt: Wer gern Waschmaschinen transportiert, sollte den Q3 wählen. Alle anderen dürfen sich vom Aussehen leiten lassen.

Der Audi Q3 Sportback ist bereits konfigurierbar. Die Mild-Hybrid-Variante 35 TFSI S-Tronic steckt allerdings noch in der Homologationsphase. Endgültige Daten und der Bestellstart dieses Modells folgen im Laufe des Herbstes 2019.

Audi Q3 Sportback 35 TFSI S-Tronic: Technische Daten

  • Motor: 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner
  • Hybridisierung: Mild-Hybrid via Riemen-Startergenerator, 48-Volt-Bordnetz
  • Leistung: 150 PS (110 kW)
  • Drehmoment: 250 Nm
  • Getriebe: Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, Frontantrieb
  • Beschleunigung 0 – 100 km/h: k.A.
  • Höchstgeschwindigkeit: k.A.
  • Verbrauch: k.A.
  • Länge: 4.500 mm
  • Breite: 1.840 mm
  • Höhe: 1.560 mm
  • Radstand: 2.680 mm
  • Kofferraumvolumen: 540 bis 1.400 Liter
  • Basispreis Audi Q3 Sportback: 36.000 Euro (Q3 SB 35 TFSI Handschalter)


Der Audi Q3 Sportback im ersten Test - Bildergalerie

  • Der Audi Q3 Sportback wird ab Herbst 2019 zu bestellen sein
    Quelle: Audi Der Audi Q3 Sportback wird ab Herbst 2019 zu bestellen sein
  • Der Audi Q3 Sportback (2019) im Fahrbericht
    Quelle: Audi Der Audi Q3 Sportback (2019) leidet im Fahrbericht ein wenig unter seinem hohen Schwerpunkt - wie alle SUVs
  • Das Kofferraumvolumen des Audi Q3 Sportback reicht von 540 bis 1.400 Liter
    Quelle: Audi Das Kofferraumvolumen des Audi Q3 Sportback reicht von 540 bis 1.400 Liter
  • Die Rückbank des Audi Q3 Sportback bietet Platz für drei Personen
    Quelle: Audi Die Rückbank des Audi Q3 Sportback bietet Platz für drei Personen, sie lässt sich um 13 Zentimeter verschieben
  • Hinter dem Lenkrad befindet sich das "virtual cockpit"
    Quelle: Audi Hinter dem Lenkrad befindet sich das "virtual cockpit". Dabei handelt es sich um einen 12,3 Zoll großen Bildschirm mit Full HD-Auflösung für zusätzliche Darstellungen. Der Aufpreis liegt bei 420 Euro
  • Die Höchstgeschwindigkeit des Audi Q3 Sportback mit dem neuen Mild-Hybrid steht noch nicht fest
    Quelle: Audi Die Höchstgeschwindigkeit des Audi Q3 Sportback mit dem neuen Mild-Hybrid steht noch nicht fest
  • Die Rückleuchten wurden vom Q3 Basismodell übernommen. Beim Sportback sitzen sie jedoch etwas weiter hinten
    Quelle: Audi Die Rückleuchten wurden vom Q3 Basismodell übernommen. Beim Sportback sitzen sie jedoch etwas weiter hinten
  • Die LED-Scheinwerfer gehören zur Serienausstattung des Audi Q3 Sportback
    Quelle: Audi Die LED-Scheinwerfer gehören zur Serienausstattung des Audi Q3 Sportback
  • Audi ändert im Vergleich zum Standard-Q3 viel am Q3 Sportback, der Auftritt ist eigenständig
    Quelle: Audi Audi ändert im Vergleich zum Standard-Q3 viel am Q3 Sportback, der Auftritt ist eigenständig
  • Die Serienauststattung des Q3 Sportback beinhaltet ein Infotainmentsystem mit 10,25 Zoll großem Touchbildschirm
    Quelle: Audi Die Serienauststattung des Q3 Sportback beinhaltet ein Infotainmentsystem mit 10,25 Zoll großem Touchbildschirm