Konzept und Positionierung
Der Ferrari Purosangue (F175) überträgt die Sportwagen-DNA der Marke in ein viertüriges Fahrzeug mit erhöhter Karosserie. Technisch orientiert er sich stärker an viersitzigen Gran-Turismo-Modellen als an klassischen Geländewagen. Vier Einzelsitze, hoher Fahrkomfort und ausgeprägte Fahrdynamik stehen im Vordergrund, während Variabilität und Laderaumflexibilität eine untergeordnete Rolle spielen. Das bewusst begrenzte Produktionsvolumen und der im Vergleich zu Lamborghini Urus oder Aston Martin DBX zurückhaltende Auftritt positionieren ihn als besonders exklusives Angebot für Kunden, die sehr hohe Leistung mit diskreter Optik verbinden.
Design und Raumgefühl
Mit knapp fünf Metern Länge und relativ geringer Höhe wirkt der Purosangue deutlich flacher als viele andere SUV dieser Leistungsklasse. Die lange Motorhaube, schmalen Scheinwerfer und die stark geneigte Heckscheibe nehmen klare Anleihen bei den Sportwagen der Marke und erzeugen eine coupéhafte Silhouette. Gegenläufig öffnende Fondtüren erleichtern den Einstieg zu den hinteren Einzelsitzen und setzen einen eigenständigen gestalterischen Akzent. Trotz der großzügigen Außenabmessungen fällt der Knieraum im Fond eher knapp aus. Der Kofferraum fasst 473 Liter und besitzt eine elektrische Heckklappe, was den Alltagsnutzen gegenüber den zweitürigen Ferrari-Coupés deutlich erhöht. Umklappbare Rücklehnen schaffen zusätzlichen Stauraum, die feste Trennwand macht das Beladen in der Praxis jedoch etwas umständlicher.
Innenraum und Bedienung
Im Innenraum prägt ein Doppelcockpit mit eigenem Bildschirm für den Beifahrer das Bild. Die Instrumente orientieren sich klar am Fahrer, während feines Leder und sauber verarbeitete Metallapplikationen den luxuriösen Charakter betonen. Recycelte Stoffe für Dachhimmel und Teppiche bringen einen moderneren Nachhaltigkeitsaspekt in den Innenraum. Das Bedienkonzept wirkt dagegen anspruchsvoll. Viele Funktionen laufen über berührungsempfindliche Flächen und verschachtelte Menüs am Lenkrad. Ein zentraler Touchscreen fehlt, daher übernehmen Smartphone-Integration und Beifahrerdisplay häufig Navigation und Mediensteuerung. Im Vergleich zu anderen Luxus-SUV verlangt das System spürbar mehr Eingewöhnung, bevor sich die Funktionen weitgehend intuitiv nutzen lassen.
Fahrverhalten und Technik
Der frei atmende V12-Saugmotor mit 6,5 Litern Hubraum zeichnet sich durch direkte Gasannahme und hohe Drehfreude aus. In Verbindung mit dem heckbetonten Allradantrieb wirkt der Purosangue für seine Größe agil und bleibt bei schlechtem Grip gut kontrollierbar. Eine Allradlenkung verbessert das Einlenkverhalten auf Landstraßen und erhöht die Stabilität bei höherem Tempo. Das Fahrwerk nutzt elektrisch geregelte Aktivdämpfer mit 48-Volt-Versorgung. Sie reduzieren Wankbewegungen in schnellen Kurven und erhalten dennoch einen hohen Federungskomfort. Große Räder und eine kräftige Bremsanlage unterstützen das sportliche Fahrgefühl, verstärken auf schlechten Fahrbahnen jedoch die Abroll- und Abrollgeräusche. Insgesamt fährt der Purosangue eher wie ein hoch bauender Gran Turismo als wie ein klassischer Offroader.
Alltag, Effizienz und Kosten
Im Alltag profitieren Insassen von bequemen Einstiegen und vier vollwertigen Einzelsitzen. Der Kofferraum mit 473 Litern Volumen nimmt auch größeres Reisegepäck auf, umklappbare Lehnen erhöhen den Nutzwert. Die feste Trennwand und empfindliche Bezüge schränken die praktische Nutzung etwas ein. Eine Bergabfahrhilfe unterstützt auf steilen Passstraßen, die verstellbare Bodenfreiheit schafft Reserven auf moderaten Feldwegen. Dem hohen Komfort steht ein sehr hoher Kraftstoffverbrauch gegenüber. Zusammen mit der großen Tankkapazität entstehen zwar ordentliche Reichweiten, die Betriebskosten steigen jedoch deutlich. Auch der Anschaffungspreis liegt klar über vielen anderen Luxus-SUV, was die Zielgruppe stark einschränkt.
Fazit
Der Purosangue verbindet einen emotionalen V12-Antrieb und ausgeprägte Fahrdynamik mit vier Einzelsitzen und alltagstauglichem Kofferraum. Design, Verarbeitung und Technik sprechen Kunden an, die ein sehr schnelles, komfortables und vergleichsweise dezentes Luxus-SUV suchen. Komplexe Bedienung, hoher Verbrauch und extreme Gesamtbetriebskosten bleiben jedoch zentrale Nachteile. Wer diese Punkte akzeptiert, erhält einen exklusiven Gran Turismo mit erhöhter Karosserie und eigenständigem Charakter im Modellprogramm von Ferrari.