Design und Karosserie
Der Ferrari Portofino (Baujahre 2018 bis 2023, interne Bezeichnung F164) setzt das Konzept des Klappdach-Cabrios deutlich schärfer um als der California. Die rund 4.600 mm lange Karosserie wirkt niedriger und breiter, große Lufteinlässe an der Front betonen diesen Eindruck. Mit etwa 1.900 mm Außenbreite verlangt das Modell beim Rangieren Aufmerksamkeit, steht auf der Straße jedoch sehr präsent. Das Aluminium-Klappdach fährt in etwa 14 Sekunden ins Heck und ermöglicht schnelle Wechsel zwischen Cabrio und geschlossenem Coupé. Im geschlossenen Zustand bleibt der Geräuschkomfort auf der Autobahn für einen Sportwagen angenehm, das feste Dach vermittelt ein solides Gefühl.
Innenraum und Platzangebot
Im Innenraum dominieren Lederflächen, Aluminiumdetails und ein klar fahrerorientiertes Cockpit. Am Lenkrad sitzt der typische Fahrmodi-Schalter, viele Funktionen wandern dorthin, sodass die Hände beim Fahren am Kranz bleiben. Straff gepolsterte Vordersitze mit großen Verstellbereichen nehmen auch größere Personen bequem auf. Die beiden hinteren Sitze taugen eher für Kinder oder Handgepäck, schaffen im Alltag aber zusätzliche Flexibilität. Der Kofferraum fasst 292 Liter und bleibt selbst mit geöffnetem Dach noch gut nutzbar, was Wochenendtrips ohne großes Packpuzzle erleichtert. Die Bedienlogik des Infotainmentsystems wirkt im Vergleich zu typischen Premium-Limousinen zunächst verschachtelt, arbeitet nach kurzer Eingewöhnung jedoch zuverlässig.
Antrieb und Fahrverhalten
Der frontmittig positionierte 3,9-Liter-V8 mit Biturboaufladung prägt den Charakter des Ferrari Portofino. Er leistet 441 kW (600 PS) und liefert kräftigen Schub schon aus niedrigen Drehzahlen. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h gelingt in rund 3,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei über 320 km/h und bestätigt den Anspruch als Gran-Turismo-Sportwagen. Ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe schaltet schnell und im Automatikmodus weich, sodass der Portofino auf der Landstraße erstaunlich entspannt fährt. Hinterradantrieb und ausgewogene Gewichtsverteilung sorgen für agiles Einlenken, erfordern bei deaktivierten Fahrhilfen jedoch Erfahrung. Elektronisch geregelte Dämpfer wechseln je nach Programm zwischen eher komfortabler und sehr straffer Abstimmung. Der kombinierte Normverbrauch liegt bei etwa 10 bis 11 Liter pro 100 km, in der Praxis oft deutlich höher.
Alltagstauglichkeit und Konkurrenz
Im Alltag hilft das variable Dach in Verbindung mit dem brauchbaren Kofferraum. Im weicheren Fahrprogramm filtert das Fahrwerk viele Unebenheiten heraus und schont auf langen Strecken die Insassen. Die Übersicht nach hinten leidet unter breiten C-Säulen, Parksensoren und Rückfahrkamera entschärfen das Rangieren. Mehrere Airbags sowie Stabilitätsprogramm und Traktionskontrolle sichern die hohe Leistung ab. Die hinteren Sitze bleiben Notsitze, für Familien oder Vielfahrer mit viel Gepäck eignet sich der Portofino daher nur eingeschränkt. Mit Neupreisen um 200.000 Euro und hohen Unterhaltskosten bleibt er ein Luxusprodukt. Im Vergleich zu einem Porsche 911 Cabriolet wirkt die Abstimmung komfortorientierter, ein Aston Martin DB11 Volante setzt stärker auf klassisches Gran-Turismo-Flair, während der später eingeführte Roma Spider mit Stoffverdeck und zurückhaltenderer Optik eine ähnliche Klientel anspricht.
Fazit
Der Ferrari Portofino verbindet hohe Fahrleistungen, auffälliges Design und für einen offenen Sportwagen ordentliche Alltagseigenschaften. Schwächen bleiben der hohe Verbrauch, das sehr hohe Preisniveau und die eingeschränkte Nutzbarkeit der Rücksitze. Als offener Gran Turismo mit Ferrari-Charakter und 2+2-Layout präsentiert sich der Portofino insgesamt als stimmiges Gesamtpaket mit deutlich erlebnisorientiertem Charakter.