Urlaubs-Mietwagen: Vorsicht, Falle!

Unseriöse Tricks der Mietwagen-Firmen

Urlaubs-Auto, saftig verteuert

Wer in den großen Ferien am Urlaubsort motorisiert sein will, sollte bald den Mietwagen buchen. Die Reservierung im Internet ist einfach und geht schnell – doch fallen Sie nicht auf die Tricks unseriöser Vermieter hinein. 

 
 
  • Wer in den Sommerferien ein Mietauto braucht, sollte jetzt reservieren.
  • Preisvergleichsportale im Internet erlauben einen schnellen Überblick.
  • Die günstigsten Angebote beinhalten immer versteckte Mehrkosten.

Die meisten faulen Tricks sind bekannt

Die Sorge reist mit: Wer schon einmal im Ausland einen Mietwagen übernommen hat, kennt diese leichte Nervosität. Behalte ich die Kontrolle? Von der Begrüßung über die Vertragsunterlagen bis zur Fahrzeug-Übergabe findet die gesamte Kommunikation zumeist in einer fremden Sprache statt.

In der Regel klappt alles – aber was, wenn nicht? Das Internet hat den Preisvergleich, die Reservierung und Buchung von Mietwagen kinderleicht gemacht. Doch vor Ort bleibt jeder auf sich allein gestellt. Und muss sich auf alle Angaben verlassen, die zuvor gemacht wurden.

Auch hier gilt: Meistens stimmen die. Aber es kommt immer wieder zu Nepp und Tricksereien. Das meiste lässt sich schon bei der Internet-Buchung ausschließen. Wenn Sie vorher Bescheid wissen.

Wettbewerb führt zu Nepp-Angeboten

Auf dem Mietwagen-Markt tobt ein heftiger Kampf um Kunden – viele kleinere Firmen in Urlaubsländern wie Spanien oder Italien versuchen, durch Lockangebote den Umsatz zu steigern. Das führt auf den ersten Blick zu entwaffnend günstigen Preisen von unter zehn Euro pro Tag. Doch dabei bleibt es nie.

Insbesondere die „Tankregelung“ hat es bei diesen Dumping-Angeboten in sich: Es gilt nicht das traditionelle und transparente „Voll-Voll“ (also mit vollem Tank übernehmen und mit vollem Tank wieder abgeben), sondern „Leer-Leer“. Wie kann das sein?

Natürlich wird Ihnen das Auto nicht mit leerem Tank übergeben, sondern der Kunde muss eine Tankfüllung extra kaufen. Und die beinhaltet nicht nur den Spritpreis, sondern auch eine Servicegebühr. So kann der ursprünglich günstige Mietpreis plötzlich um 100 Euro und mehr in die Höhe schießen. Das ist natürlich Nepp.

Ein paar Liter Sprit ergaunert

Es kommt hinzu, dass kaum ein Kunde das Auto am Ende mit total leerem Tank wieder zurück zur Mietwagenstation schieben wird – und damit hat sich der unseriöse Verleiher bestenfalls auch noch ein paar Liter Benzin zusätzlich ergaunert.

Wer aber nur ein paar Tage unterwegs ist und den Tank folglich gar nicht leerfahren kann, wird noch erheblich mehr draufzahlen, denn eine Erstattung bieten diese Vermieter in aller Regel nicht an.

Einige Preisvergleichsportale wie z.B. Check24.de haben auf diese Entwicklung reagiert und filtern Angebote mit der nachteiligen Tankregelung heraus; wer auch diese sehen will, muss zuvor ein Häkchen aus der Suchmaske entfernen. Bei anderen wie z.B. Billiger-Mietwagen ist die Filteroption zumindest vorhanden, wenn auch nicht voreingestellt.

Billige Anbieter liegen dezentral

Es gibt viele weitere Gründe, warum Urlauber den Mietwagen über ein Preisvergleichsportal buchen sollten. Denn dort sehen Sie mit einem Blick weitere Nachteile der Dumping-Firmen: Viele dieser oft lokalen Anbieter liegen dezentral, also nicht in den Stadtzentren und außerhalb der Terminals von Flughäfen.

Das ist an sich kein Problem, wenn man die Zeit für Transfers zuvor einplant. Doch falls bei der Abgabe etwas schiefläuft bzw. über Schäden oder Kleingedrucktes im Vertrag Diskussionsbedarf besteht, kann die Zeit bis zum Abflug oder der Abfahrt des Zuges schnell knapp werden. Wer will da noch einen kühlen Kopf bewahren...

Die Hitliste der versteckten Kosten geht weiter mit Extra-Gebühren für einen zweiten Fahrer, hohen Aufpreisen für Kindersitze und einer Kilometer-Begrenzung (üblich sein sollten unbegrenzte Kilometer).

Vermieter als Versicherungsvertreter

Wer klug bucht, hat das alles bereits vor der Reise ausgeschlossen. Vor Ort kann dann nicht mehr viel Schlimmes passieren. Ausnahme: das Geschäft mit den Zusatzversicherungen. Da die Angestellten kleiner Mietwagenfirmen oft sehr niedrig entlohnt werden, versuchen sie sich durch Vermittlung von Haftpflicht- und Kasko-Verträgen quasi als freiberufliche Versicherungsvertreter zusätzlich eine Provision zu verdienen.

Dabei treten einige dieser Zeitgenossen – je nach Talent – mit sehr überzeugender Suggestiv-Rhetorik auf. Hier hilft nur eins: standhaft bleiben! Wer über eines der deutschen Vermittlungsportale gebucht hat, braucht keine Zusatzversicherung.

Eine weitere Falle vor Ort kann im Zuge der eigentlichen Übergabe des Fahrzeugs zuschnappen: Verlassen Sie sich nicht darauf, dass der Vermieter alle vorhandenen Schäden protokolliert. Fotografieren Sie den Mietwagen bei der Übergabe selbst (alle Seiten, Details, Felgen sowie die bereits vorhandenen Schäden). Dann können Sie bei der Abgabe nachweisen, dass Sie nicht der Verursacher waren. Sicher ist sicher.

Stiftung Warentest empfiehlt

Die Stiftung Warentest hat 16 große Mietwagen-Preisvergleichsportale unter die Lupe genommen. Die Sieger Check24 und Billiger-Mietwagen erhielten jeweils die Bestnote 1,4. Begründet haben die Tester das unter anderem mit Transparenz: Auf den bestplatzierten Portalen sind alle Buchungsschritte klar ersichtlich, die Stornierung ist einfach und wird per E-Mail bestätigt.

Auch rechtliche Kriterien waren der Stiftung Warentest wichtig: DIe Buchung über ein Portal bringt in der Regel für Kunden auch den Vorteil, dass ihren Verträgen deutsches Recht zugrunde liegt. Bei dem Portal Holiday Autos ist das zum Beispiel nicht der Fall. 

Auch unzulässige Klauseln in den AGB monierten die Tester: So fanden sich in den Verträgen einiger Portale unter anderem die Bestimmung, dass Kunden schon bei geringfügiger Verspätung ihren Anspruch auf ein Auto verlören, jedoch ihre Anzahlung nicht erstattet bekämen.

Häufige Ärgernisse bei der Automiete

Die Stiftung Warentest befragte im Anschluss User, welche Probleme sie beim der Automiete im Ausland erlebt haben.

Die am häufigsten genannten Ärgernisse in der Bildergalerie.

Text: mob