Der ideale Zugwagen

Der ideale Zugwagen

Die ziehen ab!

Egal ob Wohnwagen, Pferdeanhänger oder Großeinkauf: Manchmal ist es sehr praktisch, einen geeigneten Zugwagen zu haben. Doch was zeichnet den idealen Zugwagen aus?

Früher war das Leben und Fahren mit Anhänger anstrengend. Nicht nur die geringe Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h in Deutschland machte lange Fahrten anstrengend, die meist mit simplen Fahrwerken ausgestatteten Anhänger stammten aus der technischen Steinzeit. Drohte sich der Anhänger zum Beispiel bei Seitenwind hinter dem Zugwagen aufzuschaukeln, half nur beherztes Bremsen. Und hoffen.

 

 

 
 

 

Der Zugwagen hilft dem Anhänger

Moderne Autos können das wesentlich besser. Doch sind ein paar grundsätzliche Überlegungen zu berücksichtigen. Drehmomentstarke Wagen sind als Zugfahrzeug vor allem im hügligen Geläuf besser geeignet als nur PS-starke mit hochdrehenden Motoren; und die Automatik ist dem handgeschalteten Pendant beim Anfahren überlegen.

Kleinwagen als Zugfahrzeug? Besser nicht

Ebenso sollte das Auto selbst eine gewisse Größe aufweisen. Wer einen Hänger ziehen will – und sei es nur ein kleiner – ist mit der Kleinwagen- oder Kompaktklasse nicht gut beraten. Größere Fahrzeuge sind schwerer, was beim Hängerbetrieb von Vorteil ist: Je mehr Masse das Zugfahrzeug aufweist, desto schwerer ist es durch den Hänger aus der Spur zu bringen.

Das ESP stabilisiert den Anhänger

Gut, wenn der Gebrauchtwagen nicht allzu alt ist. Das ESP wird im Normalfall als Schleuderschutz genutzt. Gerät das Auto aus der Spur, stabilisiert das ESP durch gezieltes Abbremsen einzelner Räder das Auto wieder. Moderne ESP sind jedoch auch in der Lage, die Sicherheit beim Fahren mit Hänger zu erhöhen.

Die Motorsteuerung verändert sich

Auch die Motorsteuerung kann durch den Hängerbetrieb beeinflusst werden. Wird der Anhänger mit dem Zugfahrzeug verbunden, erkennt das ESP, dass jetzt ein Anhänger angekuppelt wurde. „Bei manchen Autos wird in diesem Fall auch die Motorsteuerung verändert. Hierdurch wird mehr Drehmoment als im Normalmodus bereitgestellt, so dass das Anfahren beispielsweise am Hang erleichtert wird“, so Arnulf Thiemel vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg.

Macht das Auto, was der Fahrer will?

Erkennt das ESP den Hängerbetrieb, wird zusätzlich zum Auto indirekt auch der Anhänger mit überwacht. Thiemel: „Der Gyrosenor des ESP überwacht die Bewegungen des Autos um die Hoch- und Längsachse. Erkennt der Sensor ein gefährliches Pendeln, wird das ESP mit gezielten Bremseingriffen den ganzen Zug stabilisieren“.

SUV als Zugwagen haben Vorteile

SUVs, Freizeitfahrzeuge in Geländewagenoptik, verkaufen sich gut, werden von vielen aber als „Pseudo-Geländewagen“ abgetan. Als Zugfahrzeug haben sie gegenüber anderen Bauformen jedoch einige Vorteile. So sind sie die einzige Autoklasse, die laut Straßenverkehrsordnung bis zum 1,5fachen des eigenen Maximalgewichts an den Haken nehmen darf. Anhängelasten bis 3,5 Tonnen sind dadurch möglich.

Geländetechnik hilft beim Rangieren

Durch ihre hohe Bauform sind sie zudem übersichtlich, was das Rangieren mit dem Hänger im Schlepp einfacher macht. Zur Sicherheit trägt die oft breitere Spur bei, was sie unempfindlicher gegenüber dem gefürchteten Aufschaukeln macht. Und schließlich hilft auch die Geländeuntersetzung des Getriebes (wenn vorhanden), den Anhänger präzise rückwärts zu rangieren.

ADAC-Experte Thiemel rät dazu, einen Blick auf die Ausstattungsliste des Zugfahrzeugs zu werfen. So sei eine elektrisch oder mechanisch ausfahrbare Anhängerkupplung ein praktisches Detail, wenn man nicht ständig den Haken an- oder abmontieren möchte. Und mit Rückfahrkameras, die beim Zurücksetzen gezielt den Bereich der Anhängerkupplung ins Bild rücken, sei das Ankuppeln des Hängers wesentlich leichter und auch im Ein-Mann-Betrieb zu schaffen.

Text: Stephan Hellmund | Bildmaterial: Foto: Hymer