Autos im Ausland mieten

Die Tricks der Fahrzeug-Verleiher

Mogeleien beim Mietwagen

Urlaubszeit ist Automiet-Zeit – doch wer beim Buchen und Mieten nicht aufpasst, ärgert sich hinterher garantiert. mobile.de stellt die fiesesten Fallen vor; seien es undurchsichtige Tankregelungen, überflüssige Zusatzversicherungen oder versteckte Kilometerbegrenzungen.

Nach einer Urlaubswoche kann selbst der schönste Strand langweilig werden – da bietet sich eine Landpartie an. Wer jetzt spontan und ahnungslos zum nächstbesten Autovermieter spaziert, kann sein blaues Wunder erleben. Denn viele Firmen in Feriendestinationen sind scheinbar darauf spezialisiert, naiven Kunden scheinbar spottbillige Mietwagen anzudrehen, die durch diverse versteckte Nebenkosten ziemlich teuer werden können.

Dazu gehören: Undurchsichtige Tankregelungen, die in einem Fall auf dem spanischen Festland 150 Euro Mehrkosten für einen Kleinwagen verursachten. Oder überflüssige Zusatzversicherungen für Glas und Reifen, obwohl derlei Schäden schon durch die Vollkasko-Versicherung abgedeckt sind. Oder, wie in Italien geschehen, überhöhte Zusatzgebühren von 60 Euro für die Bearbeitung von Strafzetteln. 

 
 

Wer die Tricks kennt, fällt nicht rein

Hierbei handelt es sich um klassischen Nepp – der aber immer wieder neu getarnt und ummäntelt wird. Wer die Tricks jedoch schon kennt, fällt kaum darauf herein. Es ist auch aus einem anderen Grund sinnvoll, Bescheid zu wissen: Mitunter gelten wirklich besondere Regeln im Ausland. Ignorieren Sie die, und es geht etwas schief, kann es richtig teuer werden: In manchen Ländern wie der Türkei gilt zum Beispiel der Haftpflichtschutz nur für maximal 14.000 Euro – alles, was darüber hinaus an Kosten anfällt, trägt der Verursacher selbst.

In Deutschland oder vor Ort mieten?

Der ADAC empfiehlt Urlaubern, den Mietwagen möglichst schon in Deutschland zu mieten. Dafür gibt es Gründe:

  • Der Preisvergleich kann ganz in Ruhe geschehen (Faustregel: Je früher man bucht, desto günstiger wird es), etwa über www.check24.de oder billiger-mietwagen.de.
  • Etwaige Zusatzkosten, etwa für Kindersitze oder den Zweitfahrer, müssen in Deutschland transparent aufgeführt sein – in anderen Ländern ist das nicht zwingend vorgeschrieben.
  • Alle Verträge und AGB liegen Ihnen in Deutsch vor
  • Geht etwas schief, hat man immer einen Ansprechpartner und auch den Gerichtssitz in Deutschland
  • In Deutschland zu buchende Mietwagen können meist direkt auf dem Flughafengelände abgeholt werden. Zeitraubende Shuttlefahrten entfallen
  • Und schließlich: Die internationalen Anbieter verwenden ausschließlich die "full-to-full"-Tankregelung. Bei der Betankung wird in den letzten Jahren gern getrickst: 
    Als Köder wird ein besonders günstiger Mietpreis angeboten. Doch statt "full-to-full" muss der Kunde die erste Tankfüllung zu Phantasiepreisen dazukaufen und den Wagen bei Rückgabe leer vorfahren. Das macht natürlich keiner, so dass der Vermieter mindestens einige Liter Sprit geschenkt bekommt. "Full-to-full" ist die transparente Alternative: Übersetzt heißt das nichts anderes, als dass der Wagen vollgetankt übernommen wird und auch ebenso wieder zurückgegeben werden muss. So ist es ideal.

Die Spritkosten können sehr hoch sein

Alles andere öffnet nämlich den versteckten Kosten Tür und Tor. Die "Leerer-Tank"-Regel ist besonders ruinös, wenn Sie mit dem Mietwagen nur wenige Kilometer unterwegs sind und also den Tank nicht leer fahren können; denn für überflüssiges Benzin gibt es zumeist keine Rückerstattung. Hinzu kommt: Der Service des vollgetankten Autos wird gerne mal mit Kraftstoffkosten und einer ominösen "Servicegebühr" von 150 Euro berechnet. Und wer kann in einem fremden Auto schon so genau schätzen, wann der Tank fast leer ist? Bei internationalen Qualitätsanbietern ist die „full-to-full“-Regelung nach Beobachtungen des ADAC Standard.

Spezialwünsche besser in Deutschland buchen

Neben diesem Vorteil sollten Sie auf jeden Fall schon in Deutschland buchen, wenn Sie …

  • … ein besonderes Auto brauchen – beispielsweise einen Siebensitzer oder als mobilitätseingeschränkte Person nur Autos mit Automatik fahren können
  • … besondere Ausstattung benötigen – beispielsweise ein Navigationsgerät oder einen Kindersitz
  • … mit dem Wagen eine (oder mehrere) Staatsgrenze überqueren wollen

Natürlich ist aber auch eine spontane Anmietung im Ausland möglich. Oft ist sie sogar günstiger als bei den Branchenriesen. Allerdings muss man hier eine ganze Reihe von Dingen beachten, um nicht am Ende kräftig draufzuzahlen.

Versicherungsinhalt genau prüfen

Tipps des ADAC: Immer zu prüfen sind Leistungen, Versicherungsschutz, Freikilometer, Rückgabebedingungen (Tankregelung), Zusatzkosten für einen eventuellen Zweitfahrer oder Zubehör wie Kindersitze. Bei der Fahrzeugübergabe sollten schon vorhandene Schäden vor Fahrtantritt geprüft und schriftlich festgehalten werden. Beim Versicherungsschutz ist darauf zu achten, dass eine Vollkasko- und Diebstahl-Versicherung ohne Selbstbeteiligung im Schadenfall vorliegt. Diese sollte immer im Grundmietpreis enthalten sein.

Die Mallorca-Police hilft weiter

Liegt die in den AGB aufgeführte Haftpflichtdeckungssumme nicht bei mindestens 1 Millionen Euro, sollte, um sicher zu gehen, die sogenannte Mallorca-Police abgeschlossen werden. Diese gilt für die EU bzw. für das geografische Europa und die außereuropäischen Mittelmeeranrainerstaaten sowie die Kanarischen Inseln und Madeira. Sie enthält eine Haftpflichtdeckung in Höhe von 10 Millionen Euro pauschal für Sach- und Personenschäden.

Die besten Urlaubsfotos: Die vom Mietfahrzeug!

Zudem hat es sich immer als sinnvoll erwiesen, den Wagen von allen Seiten zu fotografieren. Das schafft Klarheit und vermeidet Ärger bei der Rückgabe. Ist die Beule schon dagewesen, was genau heißt "Schramme am Kotflügel"? Was für Sie ein kaum erwähnenswerter Kratzer aussieht, wird vom Vermieter am Ende als verlängerte Beule interpretiert...

Die Anmietung sollte immer schriftlich erfolgen und der Vertrag neben der Landessprache wenigstens in englischer Sprache vorgehalten werden. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen ("General Terms and Conditions") sollten Sie genau lesen. Unterschreiben Sie nur dann, wenn Sie wirklich alles verstanden haben.

Kilometerbegrenzung ist nicht mehr zeitgemäß

Im Vertrag und auf dem Voucher sollten alle Informationen – etwa zum Thema Zweitfahrer oder Kilometerbegrenzung – aufgeführt sein. Eine Kilometerbegrenzung ist heute nicht mehr Standard, wird aber gern vom Vermieter in den AGB versteckt. Sie zu überschreiten, kann ebenfalls teuer werden. Für den Zweitfahrer Kosten zu berechnen, ist jedoch üblich. Die dafür erhobene Gebühr korreliert mit dem Alter des Fahrers – je jünger, desto teurer. Manche Vermieter fordern ein Mindestalter zwischen 21 und 25 Jahren.

Wichtig ist auch ein klar ausgewiesener Gesamtpreis, damit der Mieter nicht von versteckten Kosten überrascht wird. Beim Anmieten sind der gültige nationale, in einzelnen Ländern auch der internationale, Führerschein sowie eine Kreditkarte vorzulegen.

Ist das alles erfüllt, steht einem entspannten Ausflug im Ausland nichts im Wege.

Text: Portalmanufaktur / Stephan Hellmund