Traumstraßen der Welt

Traumstraßen der Welt

Wenn der Weg das Ziel ist

Im Ausland darf zwar nicht so schnell wie in Deutschland gefahren werden, doch ist das auf einigen Routen auch gar nicht notwendig – oder ratsam.

 

28. November 2013

Heutzutage geht es bei einer Autofahrt vor allem um eines: möglichst schnell am Ziel ankommen. Selbst im Urlaub wird kaum noch ein Blick abseits des Asphalts riskiert. Dabei lohnt es sich in vielen Ländern, einfach mal die nächste Abfahrt gen Landstraße zu nehmen und sehenden Auges hinter den hässlichen Lärmschutzwänden zu fahren. Manches Mal entpuppt sich so eine aus Zeitgründen eigentlich gemiedene Route als unvergesslichen Teil des gesamten Urlaubs.

 

 
 

California Dreaming

Der 17 Mile Drive an der Westküste Kaliforniens nahe Monterrey ist solch eine unwirtschaftliche Strecke. Er führt durch einen Zypressen-Wald, an Villen und dem berühmten Golfplatz von Pebble Beach vorbei und zählt zu einer der bekanntesten Straßen weltweit.

Seit über 60 Jahren findet dort die Oldtimer-Veranstaltung Pebble Beach Concours d’Elegance statt. Doch nicht nur Autos, Häuser und Bäume, sondern auch Seelöwen und Pelikane sind an besonders markierten Punkten wie dem Bird Rock zu sehen.

Die Schönheit Afrikas

Ebenfalls viele Tiere, unter anderem Wale, lassen sich im Süden der südafrikanischen Metropole Kapstadt von der Straße aus mit dem bloßen Auge erblicken. Eine Fahrt über den Chapman´s Peak Drive lohnt sich aber auch für den Autofahrer selbst, dessen Blick an der schön geschwungenen Straße an der Steilküste Südafrikas klebt.

Auf den letzten Kilometern zum Kap der guten Hoffnung ist es für Cabrio-Fahrer ratsam, das Dach lieber geschlossen zu lassen, da sie ansonsten Gefahr laufen, sowohl von Sträußen als auch von einer Horde wilder Affen geentert zu werden, die sich sehr gut darin verstehen, das Innere eines Ledersitzes zum Vorschein zu bringen.

Wesentlich gemütlicher, wenn auch größer, geht es im Etosha Nationalpark in Namibia zu. Zum einen, weil dort aufgrund der großen Anzahl von Raubkatzen überhaupt keine Cabrios fahren dürfen. Und zum anderen weil Giraffen, selbst wenn sie auf der Schotterstraße vor einem das Sprinten beginnen, so aussehen, als würden sie die Bewegungen in Zeitlupe ausführen.

Ganz ungefährlich sind die Wege durch den wunderschönen Nationalpark zwar nicht, doch reicht im Normalfall ein durchschnittlicher Allradler für eine sorgenfreie Fahrt. Nur aussteigen, selbst im Pannenfall, sollte niemand.

Für den Nervenkitzel

Ans Aussteigen denkt an vielen Passagen des Prithvi Highway in Nepal freiwillig bestimmt keiner. Die viel befahrene Straße, auf der während der Regenzeit mit Erdrutschen oder Fahrbahneinbrüchen zu rechnen ist, führt entlang namenloser Bäche und wird täglich von hunderten Lastwagen und Kleinbussen befahren – ohne jedoch ausreichend Platz für etwaigen Gegenverkehr zu lassen. Der Seitenstreifen besteht zu größten Teilen aus senkrecht empor ragendem Fels und auf der anderen Seite aus einem hunderte Meter tiefen Abgrund.

Ohne Abgründe, aber dafür mit ähnlich starkem, jedoch schnellerem Verkehr läuft eine Fahrt auf den Straßen Sri Lankas ab. Ob an der Küste oder im Hochland, die Bus-, Lkw-, Auto- und Tuk-Tuk-Fahrer scheinen sich auf jedem Meter ihrer Route in einem Formel 1-Boliden inmitten eines Rennens zu wähnen.

Das im Skifahrer-Jargon mit dem Begriff des Aktiven Anstellens gemeinte Lückenfüllen in der Warteschlange des Skilifts, feiert auf den Straßen Sri Lankas seine schneelose Perfektion. Was am Tag allerdings schon furchteinflößend wirkt, gipfelt in der Nacht in einem wahren Spießroutenlauf. Denn in der absoluten Dunkelheit können die Fahrer ein entgegenkommendes Fahrzeug anhand der Frontscheinwerfer besser erkennen, weswegen sie der Meinung sind noch schneller fahren zu müssen – und die heiligen Kühe schlafen zu der Zeit eh am Straßenrand.

Wo Wege sich kreuzen

Offenbar niemals schlafen Großteile der Bevölkerung Tokyos. Anders lässt sich das hohe Verkehrsaufkommen in der japanischen Hauptstadt zu jeder Tages- und Nachtzeit nicht erklären. Da helfen auch die zum Teil drei- und viergeschossigen Autobahnen oder zweigeschossige Brücken wie die Regenbogen-Brücke nicht mehr, um der Verkehrsflut Herr zu werden.

Und wenn einmal die Autos aufgrund einer Rotphase an einer Kreuzung zum Stehen kommen, kann es passieren, dass 15.000 Menschen auf einmal die Alle-Gehen-Grünphase zum Überqueren nutzen. Nicht ohne Grund wird eine Kreuzung im Stadtteil Shibuya als eine der am meisten frequentierten Kreuzungen der Welt bezeichnet.

Für Glücksritter

Sowohl von Fußgängern als auch von Autos rund um die Uhr genutzt wird der Las Vegas Boulevard, auch Strip genannt. Die 6,8 Kilometer lange mehrspurige Straße beginnt am Mandalay Bay Hotel, in direkter Nähe zum berühmten „Welcome to Fabulous Las Vegas“-Schild, und endet am höchsten freistehenden Bauwerk der USA, dem 350 Meter hohen Stratosphere Tower.

Wenn gegen Abend die unzähligen Lichter der Stadt zu leuchten beginnen, sollte das Auto am besten abgestellt und mit offenen Augen der Strip abgelaufen werden.

Zu Fuß nahezu gar nicht zu durchschreiten ist das berühmte Tal des Todes unweit der Spielerstadt Las Vegas. Das Death Valley beherbergt nicht nur die tiefste Stelle der USA, das mit 85,5 Meter unter dem Meeresspiegel liegende Badwater, sondern auch die höchsten Temperaturen des Landes. In diesem Jahr wurden 53,9 Grad Celsius gemessen.

Da wundert es nicht, dass die Todesursache Nummer eins das Verdursten ist. Es gibt zwar Wasserstellen innerhalb der Salzdecken, doch die sind so salzhaltig, dass es schädlicher ist, dieses Wasser zu trinken als nichts zu trinken.

Küsten, von sonnig bis rau

Über zu wenig Wasser können sich die Autofahrer des Overseas Highways, der im US-Bundesstaat Florida das Festland mit Key West verbindet, nicht beklagen. Allerdings handelt es sich auch hier um salzhaltiges Wasser. Der 205 Kilometer lange Highway führt über 40 Inseln der Florida Keys hin zum südwestlichsten Punkt der USA. Das türkisfarbene Wasser und die strahlende Sonne lassen sich am besten in Kombination mit einem schicken Cabrio genießen.

Ein wenig frischer und karger geht es am Nordkap zu. Wie auch nach Key West führt auch zum nördlichsten Punkt Europas nur eine Straße inklusive eines langen Tunnels. Während der Fahrt auf der E69 kommen Autofahrer nicht nur mit ihresgleichen und Motorradfahrern, sondern auch mit der einheimischen Fauna in Form von Rentieren in Kontakt.

Spannend ist es, kurz vor dem Nordkap einen Blick auf sein Navigationsgerät zu werfen. Je nach Typ endet der kartographierte Inhalt an einer schwarzen Kante.

Hügel und Berge

Wie dünne schwarze Striche durchziehen kleine Straßen die Weinberge rund um Trier. Die einmal im Jahr von der Rallye Deutschland genutzten Wege führen durch ganze Weinhänge und bieten je nach Jahreszeit einen herrlich farbenfrohen Anblick.

Ein ähnliches Farbenspiel bietet sich Autofahrern, die sich auf der Landstraße P2030 bei Oukaimeden in Marokko die Berge emporwinden.

In nahezu unzähligen Serpentinen lassen sich die Seealpen und die richtigen Alpen per Auto überqueren. Am für Fahrzeuge höchsten Punkt angekommen, werden die Insassen für die anstrengende Auffahrt durch ein herrliches Panorama entlohnt – wobei sie womöglich für einen kurzen Augenblick vergessen, dass die Talabfahrt über ebenso viele Kurven verfügt.

Durch genau acht scharfe Kurven, jedoch auf einer Länge von nur 145 Metern, müssen sich die Autofahrer schlängeln, die die berühmte Lombard Street in San Francisco herunterfahren. Die mit 27 Prozent Gefälle zu den steilsten Straßen der Stadt zählende Lombard Street wurde sogar schon von dem legendären Käfer Herbie und vielen weiteren automobilen Stars durchfahren.

Text: Marcel Sommer; press-inform