Rubicon Trail

Rubicon Trail

Steine-Schach an der Belastungsgrenze

Für Offroad-Kenner ist der Rubicon Trail das Nonplusultra. Doch Erfolg und Scheitern liegen bei der rund 40 Kilometer langen Naturstrecke nah beieinander.

18. Juli 2013

Der Rubicon Trail zieht jährlich tausende Offroad-Fans in seinen Bahn. Der rund 40 Kilometer lange Weg, der den malerischen Lake Tahoe im Nordosten Kaliforniens mit Georgetown verbindet, wurde ursprünglich von den Indianern genutzt und Mitte des 19. Jahrhunderts von Trappern und Postboten wiederentdeckt.

Ende des 19. Jahrhunderts war der beschwerliche Pfad die einzige Möglichkeit die warmen und wohltuenden Rubicon-Quellen sowie das dazugehörige Hotel zu erreichen. Sengende Hitze im Sommer und Schnee im Winter erschwerten das Vorankommen mit Pferd, Maultier und Fuhrwerk.

 

 
 

Rostendes Autowrack

Mit dem Aufkommen der Automobile wurde die Reise einfacher, aber nicht ungefährlicher: Wer genau hinschaut, entdeckt abseits des steinigen Pfades den Namensgeber für eine anspruchsvolle Offroad-Passage: Wrackteile eines rostenden Autos.

Der Legende nach ist es ein Cadillac, der in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts am Rubicon Trail scheiterte. Es könnte aber auch Buick oder ein Pontiac sein. Nur klingt der Name "Cadillac Hill" besser.

Das erste Auto, das Rubicon Springs erreichte, wurde 1908 übrigens von einer Frau gefahren. Die Publicity war dementsprechend.

Belastung für die Fahrer und Wagen

Die Geländewagen-Aficionados nutzen den Rubicon Trail seit Anfang der 50er-Jahre und verliehen ihm schnell den Titel des Kronjuwels der Offroad-Strecken. Ein nicht ganz ungefährlicher, aber immer wieder faszinierender automobiler Edelstein.

Auf dem Cadillac Hill trennt sich die Spreu vom Weizen. Hüfthohe Felsbrocken liegen im Weg herum, während andere, noch deutlich größere Trümmer die Fahrbahn - wenn man die unwirkliche Anordnung von Felsen und Baumstämmen überhaupt so nennen kann - auf wenig mehr als eine Fahrzeugbreite begrenzen. Hier geraten Mensch und Maschine an die Belastungsgrenze.

Jeeps werden von den monströsen Hindernissen hin und her geworfen wie Spielzeugautos. Metall ächzt unter der Beanspruchung. Wenn der zwei Tonnen schwere Geländewagen aufsetzt, hat man das Gefühl, dass jeden Moment die Spitze des Steines in den Innenraum dringt. Manche Schläge sind so hart, dass sich die Wirbelsäule schlagartig zusammenstaucht. Man möchte sich gar nicht vorstellen, wie der Unterbodenschutz aussieht.

Ein Blick auf von außen lässt einen an seinen Überzeugung zum Thema Autobau zweifeln. Chassis verwinden sich und Achsen hängen quer, nur um den Reifen Kontakt zu geben. Grip ist nötig, egal woher der kommt - ob Stein oder Baumstamm.

Die Gefahr fährt mit

Selbst mit dem umfangreichen Technikarsenal eines Geländewagens geht es nur Zentimeter um Zentimeter vorwärts. Statt dem Gasfuß entscheidet ein filigraner Umgang mit dem Bremspedal über den Erfolg, den Rubicon Trail zu bezwingen.

Der gewagte Tanz zwischen den Felsen hat etwas von einem Schachspiel. Einfach darauf losfahren resultiert unweigerlich in technischen Defekten des Fahrwerks oder schlimmstenfalls in einem Unfall, der auch tödlich enden kann.

Wie der der Frau, die sich vergangenes Jahr in ihrem Fahrzeug überschlug, das daraufhin Feuer fing. Kreuze am Fuße des Cadillac-Hills gedenken der unglücklichen Seelen, die der Berg abgeworfen hat.

Die Gefahr des Scheiterns ist allgegenwärtig. Jeder Fehler kann fatale Konsequenzen haben. Deswegen muss man den Aufstieg penibel planen und die Fahrmanöver wie beim königlichen Spiel strategisch planen. Was ist die Ideallinie? Wann ist neben der obligatorischen Untersetzung des Getriebes das Aktivieren der beiden Sperrdifferenziale an Vorder- und Hinterachse nötig, um das Vorankommen zu garantieren?

Selbst, wenn das Richtungsändern dann schwerer fällt: Manchmal ist es besser, nur ein Sperrdifferenzial zu aktivieren, um weiter zu kommen.

Neben den Unwägbarkeiten des Geländes hält die Natur der Sierra Nevada einige Überraschungen parat: Angefangen von Klapperschlangen, die sich auf der "Fahrbahn" sonnen, bis hin zu Bären, die das Treiben der Karawane, die sich durch die Wälder schlängelt, interessiert beobachten.

Ein toller Ritt.

Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll | Bildmaterial: Hersteller