Urlaubs-Tipps: Ärger ersparen

Urlaubs-Tipps: Ärger ersparen

Das erspart Ärger

Mautgebühren im Ausland treiben die Reisekosten hoch. Richtig teuer werden können Unfälle. So sind Sie auf der sicheren Seite.

Urlauber, fährst du nach Frankreich, dann pass bloß auf: Aus keinem anderen europäischen Urlaubsland gehen mehr crashbedingte Hilferufe ein beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

4.400 Verkehrsunfälle wurden im letzten Berichtszeitraum (2011) aus dem Land von Baquette und La Croisette gemeldet. Das sind rund 16 Prozent aller Urlaubs-Unfallmeldungen beim Zentralruf in Hamburg. 27.536 waren es insgesamt.

Frankreich hat damit den bisherigen Spitzenreiter Italien abgelöst. Mit 4.091 Crashanrufen liegt das Pasta-Paradies auf Platz zwei – und deutlich vor den Niederlanden (3.002), Österreich (2.063) und Polen (1.973).

 

 
 

Vermehrtes Unfallaufkommen in den Urlaubsmonaten

In den Haupt-Urlaubsmonaten Juli bis September gehen aus Frankreich im Schnitt 20 Meldungen pro Tag ein. Spitzenreiter im August und September ist Italien mit 1.807 telefonischen Hilferufen – macht 30 am Tag.

„Wer in Länder reist, die nicht zur EU gehören, muss dort bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall mit erheblich geringeren Entschädigungen bei Personen- und Sachschäden rechnen“, warnt Bernhard Gause, Mitglied der Hauptgeschäftsführung im GDV.

Zeitlich begrenzte Vollkasko für Auslandsreisen

Gause rät daher zum Abschluss einer begrenzten Kfz-Vollkaskoversicherung. Wird der eigene Wagen bei einem Verkehrsunfall oder durch Vandalismus beschädigt, erhält der Halter – je nach Selbstbeteiligung – vollen Schadenersatz. 



Immer dabei haben sollte man die „Grüne Versicherungskarte“. In Ländern wie der Ukraine ist das Mitführen dieser Versicherungs-Bestätigung sogar gesetzlich vorgeschrieben.
Wenn es kracht, sollte man auf jeden Fall die Polizei verständigen und sich die Personalien, das Kennzeichen und den Versicherer der Unfallbeteiligten notieren.

Wird der Versicherer nicht genannt – sei es aus Unkenntnis oder mit unlauteren Hintergedanken –, kann ihn in den allermeisten Fällen der Zentralruf der Autoversicherer ausfindig machen: Die kostenlose 24-Stunden-Service-Rufnumer lautet 0800 - 250 260 0, aus dem Ausland +49 - 40 - 300 330 300. Der gebührenfreie Handy-Notruf der deutschen Autoversicherer ist rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr unter der Nummer 0800 NOTFON D (0800 - 668366 3) erreichbar.

Für alle im europäischen Wirtschaftsraum (EWR) und in der Schweiz versicherten Fahrzeuge kann der GDV außerdem ermitteln, wer der zuständige Schadenregulierer der ausländischen Versicherung in Deutschland ist. Das verkürzt die Bearbeitungszeit.

Reisekostentreiber Mautgebühren

Immer im Handschuhfach griffbereit haben sollten Autofahrer den „Europäischen Unfallbericht“ (gibt es bei jedem Kfz-Versicherer). Das europaweit einheitliche Formular enthält Ausfüllhilfen in zehn Sprachen – von Englisch bis Polnisch.

Ganz schön ins Geld gehen können nicht nur Unfälle, sondern auch Tickets im Ausland. 50 km/h zu schnell außerhalb geschlossener Ortschaften kosten in Großbritannien umgerechnet 5.500 Euro, in Österreich knapp 2.200 Euro. Zum Vergleich: In Deutschland ist man derzeit mit 160 Euro dabei (plus 23,50 Euro Gebühren, drei Punkte und ein Monat Fahrverbot).

Striktes Einhalten der geltenden Verkehrsregeln schützt also auch im Ausland vor unangenehmen finanziellen Folgen. Was sich dort auf den Hauptreiserouten selten umgehen lässt, sind Mautgebühren.

Eine Woche Bulgarien ab 5 Euro

In Europa werden inzwischen auf vielen Autobahnen und Schnellstraßen sowie für Pass-Straßen und Tunnels Straßenbenutzungsgebühren erhoben. Wo wie viel zu entrichten ist, erfahren registrierte Mitglieder von Automobilclubs wie dem ADAC auf den jeweiligen Internetseiten. Hier ein kleiner, alphabetisch geordneter Überblick:

Bulgarien begehrt für eine Vignette je nach Gültigkeitsdauer 5 Euro (eine Woche), 13 Euro (ein Monat) oder 34 Euro (ein Jahr). Das Überqueren der Donau kostet Autofahrer 2 Euro (Brücke) bzw. 23 Euro (Fähre). Wohnmobilfahrer zahlen 6 bzw. 46 Euro.

Dänemark hat die Straßennutzungsgebühren kräftig angezogen und kassiert jetzt für das Befahren der Öresundbrücke je nach Fahrzeuglänge 47 statt 32 Euro (bis sechs Meter inklusive Hänger) bzw. 94 statt 49 Euro (über sechs Meter). Motorradfahrer sind mit 25 statt 17 Euro dabei.

Frankreich spickt seine Autobahnen seit Jahr und Tag mit „Péage“-Stationen. Dort bilden sich in der Regel lästige Warteschlangen. Meistens zieht man ein Ticket und zahlt beim Verlassen der Autobahn je nach Länge der gefahrenen Strecke; teils werden vorab kleinere Pauschalbeträge erhoben. In der Regel werden Kreditkarten (außer American Express) akzeptiert.

Italien erhebt zusätzlich City-Maut

Italien erhebt auf fast allen Festland-Autobahnen Mautgebühren; Motorräder und Pkw mit zwei Achsen und einer Höhe über 1,30 Meter an der Vorderachse zahlen zum Beispiel für die Strecke Brenner – Verona laut Automobilclub von Deutschland (AvD) 17,70 Euro. Vier länderübergreifende Strecken sind ebenfalls gebührenpflichtig. Mailand und Bologna verlangen eine Citymaut.

Norwegen hat etwa 150 Mautstellen und kassiert seine Straßennutzungsgebühren fortschrittlich: Über www.autopass.no registriert man sein Kennzeichen und gibt eine Kreditkartennummer an. Kameras erfassen dann bei der Durchfahrt das Auto und rechnen automatisch ab.

Polen berechnet die Maut je nach Achszahl und Bereifung; Fahrzeuge mit zwei Achsen und Zwillingsreifen kosten mehr als herkömmliche Zweiachser (z.B. Pkw). Fünf Kategorien gibt es insgesamt. Die Gebühren für Motorräder und Autos ohne Anhänger betragen auf der Autobahn A1 zum Beispiel 4,15 Euro (Gdansk- Nowe Marcy), mit Anhänger sind es 9,85 Euro.

Schweiz und Österreich setzen weiter auf Vignetten

Die Schweiz und Österreich schwören nach wie vor auf die Vignette. Die Jahresgebühr bei den Eidgenossen beträgt 33 Euro (vor Ort 40 CHF), in Österreich sind es für Pkw, Gespanne und Wohnmobile mittlerweile 80,60 Euro (bis 3,5 Tonnen). Alternativ gibt es dort eine Zwei-Monats-Vignette für 24,20 Euro oder eine Zehn-Tages-Vignette für 8,30 Euro. Motorradfahrer zahlen jeweils 32,10 Euro bzw. 12,10 Euro und 4,80 Euro.

Spanien rechnet wie Frankreich ab. Auf den meisten Autobahnen richtet sich die Höhe des zu zahlenden Betrages nach der gefahrenen Strecke. Auf manchen Teilstrecken wird eine Pauschalgebühr fällig, ein Ticket muss nicht gezogen werden. An einigen wenigen Abschnitten wirft man das abgezählte Geld in einen Trichter. Die Stadtautobahnen von Barcelona, Saragossa und Valencia sind gebührenfrei.

Ungarns Autobahnen sind für alle Kfz gebührenpflichtig. Eine Vignette (e-Matrica) für Autos bis 3,5 Tonnen und Motorräder kostet für eine Woche rund 10 Euro, für einen Monat rund 16 Euro, für ein Jahr rund 145 Euro. Die elektronische Kontrolle erfolgt über das Kfz-Kennzeichen.

Text: Ralf Bielefeldt | Bildmaterial: detailblick - Fotolia.com