Die Eagle Plains Lodge in Kanada

Eagle Plains Lodge

Am Rande der Welt

Die Eagle Plains Lodge in Kanada ist das nördlichste Rasthaus auf dem amerikanischen Kontinent.

11. Februar 2013

Gleich hinterm Parkplatz ist erst einmal die Welt zu Ende. Eine Straßensperre verhindert jede Weiterfahrt. Über den Dempster Highway tobt ein heftiger Schneesturm hinweg. Wer sich da mit dem Auto hinein traut, dem ist nicht mehr zu helfen.

Das gute Dutzend Trucks, das während des vergangenen Tages Richtung Inuvik im hohen Norden Kanadas unterwegs war, steht mit eingeschaltetem Licht und laufenden Motoren auf dem Parkplatz der Eagle Plains Lodge. Willkommen im nördlichsten Rasthaus auf dem amerikanischen Kontinent.

 

 
 

Landschaft satt

Während sich die Motoren draußen selbst warmhalten, sitzen die Trucker in der Bar des Rasthauses vor einem dampfend heißen Kaffee oder einem eiskalten "Yukon Gold"-Bier. An der Wand hängen präparierte Bison-, Elch- und Karibuköpfe oder Bärenfelle. Dazu jede Menge vergilbter Fotos und Urkunden, die etwas über die Geschichte dieser Gegend erzählen.

In der einen Ecke steht - eingerahmt von ein paar Topfpflanzen - ein ausgestopftes Rentier, in der anderen ein Billardtisch. Außer der Bar gibt es noch ein Restaurant, dessen Spezialität üppige Burger sind, ein Hotel mit 32 Betten, einen Waschsalon, eine Tankstelle und eine Autowerkstatt. Und ringsum: Landschaft satt.

Weit weg von allem

Bis nach Dawson im Süden sind es rund 400 Kilometer, bis nach Inuvik an der Mündung des Mackenzie Rivers ebenfalls. Häuser oder gar Ortschaften gibt es dazwischen nirgends.

Für die Verbindung zwischen Dawson und Inuvik sorgt seit Ende der 1970er Jahre der Dempster Highway, vor allem im Winter eine rutschige Schnee- und Eispiste, die von mächtigen Räumfahrzeugen mehr planiert als freigeschaufelt wird.

Vor allem Touristen

Der Dempster Highway ist mit seinen insgesamt 735 Kilometern Länge die nördlichste öffentliche Straße in Kanada. Er führt durch weite Tundra-Ebenen, durch raues, vulkanisches Gebirge und durch die Tombstone Mountains.

Ein großer Teil des "Dempster", der erst im August 1979 offiziell eröffnet wurde, folgt einem alten Hundeschlittenweg. Ein gutes halbes Jahr bevor der Highway fertig wurde, eröffnete Ende 1978 die Eagle Plains Lodge. Stan McNevin, ihr Besitzer, verdiente sich sein Geld vorher im Baugewerbe.

Neben den Truckern sind es im Sommer vor allem Touristen, Fahrrad-Wanderer und Motorradfahrer, die bei ihm auf dem Weg zum gerade mal 35 Kilometer entfernten Polarkreis einen Zwischenstopp einlegen. Mehr als die Hälfte seiner Gäste komme aus Europa, sagt McNevin.

Komplett autark

Weit weg von allem, was mit Zivilisation zu tun hat, ist die Eagle Plains Lodge komplett autark. Ein Generator sorgt für Strom. Das Trinkwasser wird aus 44 Kilometer Entfernung mit Tankwagen vom Eagle River angekarrt, die Tanks der Lodge fassen mehr als 60.000 Liter.

Geöffnet hat Stan McNevin das ganze Jahr über. Anders als der Dempster Highway vor der Tür: Der war 2012 an 21 Tagen gesperrt. Wegen Schneesturms.

Text: Press-Inform / Jürgen Wolff