Sprit-Diät: Start-Stopp-Systeme

Sprit-Diät: Start-Stopp-Systeme

An/Aus für alle

Start-Stopp-Systeme senken den Spritverbrauch spürbar – und sorgen vor allem in den Städten für weniger Emissionen.

10. Dezember 2012

Vielleicht fahren alle Autos irgendwann ja doch mal mit Wasserstoff. Schnurrend werden sie durch unsere Städte gleiten und dabei nichts als kleine Dampfwölkchen hinterlassen. Technisch wäre das eines schönes Brennstoffzellentages wohl möglich, doch realistisch ist dies Szenario nicht. Die Zukunft gehört dem Bewährten.

Das erklären zumindest Marktforscher und Autobauer. Auch im Jahr 2020 noch werden mindestens neun von zehn Autos mit Benzin, Diesel oder Gas betankt, sagen sie voraus. Für reine Elektroautos und Plug-in-Hybride werden sich demnach nicht einmal zehn Prozent der Autokäufer entscheiden.

Sauber sollen die Autos der Zukunft aber trotzdem sein: Der Verbrauch muss runter, das verlangen nicht nur die Spritpreise, sondern auch die Klimaschutzprogramme. Downsizing auf allen Ebenen ist gefragt, außer bei Komfort und Sicherheit.

 

 
 

Erneuerbare und abschaltbare Energien

Erreicht werden soll das nicht nur durch kleinere Motoren (der Trend geht zu drehmomentstarken Dreizylindern), perfektionierte Leichtbauweise (ein paar Gramm gehen immer) und optimierte Aerodynamik, sondern auch durch neue Fertigungs- und Einspritztechniken.

Schon heute liefern moderne Motoren Höchstleistungen bei Minimalverbräuchen – unter anderem dank Bremsenergie-Rückgewinnung (Rekuperation), Start-Stopp-System und Segel-Modus.

Wer schläft, sündigt nicht, steckt als Idee dahinter. Ein hübsches Sprichwort, das auch für Motoren gilt. Denn die schalten sich heutzutage einfach selbst ab, wenn sie nicht gebraucht werden, vor der Ampel zum Beispiel oder beim lästigen Stop-and-go zu Stoßzeiten.

Vorzeigebuben aus bestem Haus

Bei Premiumherstellern wie BMW verlässt kein Auto mehr das Band ohne „EfficientDynamics“-Bausteine wie Auto-Start-Stopp-Funktion, Rekuperation, Schaltpunktanzeige und bedarfsgerecht gesteuerten Nebenaggregaten. Ordert man zudem den „Fahrerlebnisschalter“ mit „ECO PRO Modus“ (spezieller Spritspar-Fahrmodus), seien Einsparungen bis zu 20 Prozent möglich.

Sparen wo es nur geht – das gilt auch bei den Nachbarn in Ingolstadt. Audis aktueller A8 verbraucht dank Leichtbau, Direkteinspritzung und „Effizienztechnologien“ wie Rekuperation und Thermomanagement bis zu 23 Prozent weniger als das Vorgängermodell.

Der sparsamste Sechszylinder-Diesel (A8 3.0 TDI mit 204 PS) begnügt sich mit 6,0 Liter auf 100 Kilometer – in einer 1,9 Tonnen schweren Luxuslimousine. BMW schraubt das Einstiegsniveau im automobilen Oberhaus noch weiter hinunter: 5,6 l/100 km benötigt der 258 PS starke „TwinPower Turbo Reihen-6-Zylinder“-Diesel 730d mit variabler Turbolader-Einlassgeometrie – bei einem maximalen Drehmoment von 560 Nm.

Feinste Zutaten für die Kleinen

Was die Großen für meist sehr viel Geld können, leisten inzwischen auch die Kleinen. Peugeot bietet für den neuen 208 1.2 l VTi eine Version mit „Stop & Start-System“ und automatisiertem Schaltgetriebe (EGS6) an. Das Diesel-Pendant punktet mit der Micro-Hybrid-Technologie e-HDi, die aus der Mittelklasse (508) über die Kompaktklasse (308) jetzt im Kleinwagensegment (208) angekommen ist. Vier der fünf Diesel fahren damit vor.

Das Spritsparsystem basiert auf einem Euro5-konformen Selbstzünder und einem reversiblen Generator, der den Motor stoppen und wieder starten kann. Der Starter-Generator (Volt Control) steuert die Rückgewinnung der Bremsenergie, ein „e-Booster“ genanntes Bauteil liefert dazu die Leistungselektronik und dient zugleich als Energiespeicher.

Bei einer Rollgeschwindigkeit von weniger als 20 km/h (Schaltgetriebe) bzw. 8 km/h (elektronisch gesteuertes Getriebe) schaltet sich der Motor automatisch ab – und springt bei Betätigen des Gaspedals wieder an, geräuschlos und vibrationsfrei. Einsparerfolg: bis zu 15 Prozent weniger Verbrauch im Stadtverkehr und bis zu 5 Prozent weniger CO2.

Halbe Kraft voraus für volles Sparen

Auch im Volkswagen-Konzern gehen die Motoren nicht nur an der Ampel automatisch aus, sondern auch beim Fahren. Die Zylinderabschaltung aus dem Vier-Liter-TFSI, der Audi und Bentley antreibt („cylinder-on-demand“), arbeitet auch im 1.4 TSI, der VW Polo und Golf bewegt.

Dort werden zwei der vier Zylinder zeitweise abgeschaltet, um Sprit zu sparen. Fiat geht noch weiter und halbiert seine Motoren gleich ganz: Spritspar-Heilsbringer der Italiener ist ein Zweizylinder („Twinair“).

Mehr dazu in der Bildergalerie von Teil 4 des Spritspar-Spezials von mobile.de.

Hier geht es zu Teil 1 (Hybrid-Antrieb: Doppelt hält besser), Teil 3 (Leichtbau: Jedes Gramm zählt) und Teil 4 (Efficiency-Tainment: Spaß am Sparen).

Text: Ralf Bielefeldt