Sprit-Diät: Efficiency-Tainment

Sprit-Diät: Efficiency-Tainment

Blümchen statt Bleifuß

Mit „Efficiency-Tainment“ wecken die Autohersteller den Ehrgeiz zum Sprit sparen. Das macht nicht nur Spaß, sondern zahlt sich auch aus.

10. Dezember 2012

Bleifuß war gestern. Heute ist Sprit sparen angesagt, denn das schont den Geldbeutel und die Umwelt. Doch all die immer effizienteren Motoren, Start-Stopp-Systeme und gesparten Kilos bringen wenig bis nichts, wenn der Fahrer permanent auf den Pedalen steht.

Wer spät schaltet, stark beschleunigt und häufig abbremst und wieder Gas gibt, bläst den mittlerweile sündhaft teuren Sprit in unnötigen Mengen aus dem Auspuff. Wer das vermeidet und vorausschauend fährt, kann mindestens 15 Prozent Sprit sparen.

Das ist langweilig? Unsportlich? Im Gegenteil. Mit teils putzigen Gimmicks wecken die Hersteller den Ehrgeiz zum Sparen – Fische schwimmen durchs Display, Blümchen und Bäumchen wachsen, Punkte werden gesammelt. „Efficiency-Tainment“, auf Deutsch so etwas wie „unterhaltsame Effizienz“, heißt der neue Ansatz, der nicht nur gute Laune machen, sondern auch dauerhaft das Fahrverhalten verändern soll. Klingt kurios? Funktioniert aber prima.

 

 
 

Mini lässt den Goldfisch springen

Gewohnt kreativ geht beispielsweise Mini das Thema Fahr(er)erziehung an. Beim „Minimalism Analyser“ informiert ein Goldfisch im Display über die Fahrweise. Je effizienter die Pedale behandelt werden, desto mehr Wasser hat der Fisch in seinem Aquarium, bis er schließlich fröhlich nach einem Stern schnappt.

Ist der Fahrer dagegen mit Bleifuß unterwegs, sinkt der Wasserstand im Goldfischglas, bis das Flossentier 'ne dicke Lippe macht und aus vorwurfsvollen Glupschaugen guckt. Blubb.

Wer das Fischlein haben möchte, braucht ein iPhone und die kostenlose App „Mini Connected“. Ab Anfang 2013 soll die App auch auf Android-Smartphones laufen. Dann können auch Nicht-Apple-Nutzer ihren Mini-Fahrstil individuell verbessern und sich im „Minimalism Ranking“ mit anderen messen.

Mercedes und car2go sind „eco“

Power-Point-Stil statt blubberig-verspielt – diesen Weg nimmt Mercedes-Benz bei der Analyse des Fahrstils. Drei Balken, die je nach Fahrverhalten mehr oder weniger ausschlagen, geben Auskunft über die Fahrweise. Bei Fahrtbeginn stehen die drei Balken auf 50 %; Ziel ist es, 100 % zu erreichen – modellübergreifend. Die „Eco-Anzeige“ gibt es seit 2012 sukzessive in allen Mercedes-Klassen.

Auch Carshing-Anbieter car2go bietet ein Programm zum Spritsparen. Wie bei Mercedes auch, wird in den Miet-Smart mittels der drei Komponenten Beschleunigung, gleichmäßige Fahrweise und Ausrollen der Fahrstil analysiert. Damit das Ganze etwas hübscher aussieht, wachsen (oder schrumpfen) hier aber nicht drei Balken, sondern drei Bäume im Display – wenn man es richtig gut macht, tauchen sogar Tiere auf. Wer zu viel Gas gibt, wird dagegen aufgefordert, seine Fahrweise „bitte anzupassen“.

Netter Gag zum Fest: In der Vorweihnachtszeit stehen drei Weihnachtsbäume im Display. Bei Vollgas fallen die Nadeln, für vorausschauendes Fahren gibt es Geschenke. Mehr noch: car2go überlegt bereits, besonders umweltfreundliche Fahrer zu belohnen – zum Beispiel mit Freiminuten.

Spritspar-Programm zum Runterladen

Fiats Personal Trainer für umweltfreundliches Fahren heißt „eco:Drive“ – eine Art Analyse-Tool, das man sich auf der Fiat-Homepage herunterladen kann und auf einem Rechner sowie auf einem USB-Stick installieren muss. Der kommt dann in den USB-Port des Autos und zeichnet Daten über Beschleunigung, Bremsverhalten und Gangwechselvorgänge auf. Ausgewertet wird der persönliche Fahrstil dann nach der Fahrt auf dem Rechner.

„eco:Drive“ stellt Ihnen Auswertungen und Empfehlungen zur Verfügung, die Ihnen helfen, Ihre Fahrweise weiter zu optimieren und dadurch die Umwelt und Ihren Geldbeutel zu schonen“, heißt es bei Fiat. Ganz ähnlich funktioniert der „Ford Econo Check“. Allerdings müssen Ford-Fahrer zum Ford-Händler, um dort ihr Fahrzeug und ihre Fahrweise durchchecken zu lassen. Auch hier kommt ein USB-Stick zum Einsatz, den vom Mechaniker eingesetzt und nach einer Woche „Alltgasbetrieb“ wieder entnommen und ausgewertet wird. Kostenpunkt: 29 Euro. Jedes Mal.

Ihr grün-blaues Wunder erleben Honda-Fahrer im Hybridauto Insight und im SUV CR-V. Hier zeigt der „Eco Assist“ mithilfe verschiedenfarbiger Hintergrundbeleuchtungen des Tachos, wie sich der Fahrstil auf den Kraftstoffverbrauch auswirkt. Beim Bremsen und Beschleunigen ist die Hintergrundbeleuchtung blau. Werden die Autos sanft und kontrolliert gefahren, leuchtet die Hintergrundbeleuchtung grün. Wer möchte, kann auch Blümchen im Display wachsen lassen: Ist der Econ-Schalter aktiviert, signalisiert ein grünes Blumensymbol auf der Anzeigetafel, dass der Insight im Kraftstoff sparenden Modus gefahren wird.

Spritspar-Tipps von Peugeot

Unaufgeregt, aber effizient sind Schaltempfehlungen. Die bietet beispielsweise Peugeot in vielen Fahrzeugen an. Der Gedanke: Ist es ökonomisch sinnvoll zu schalten – sei es rauf oder runter, wird dies im Display angezeigt. „Zehn bis 20 Prozent Spritersparnis“ sei so drin, haben die Franzosen herausgefunden.

Mehr zum Thema in der Bildergalerie von Teil 4 des Sprit-Diät-Spezials von mobile.de.

Hier geht es zu Teil 1 (Hybrid-Antrieb: Doppelt hält besser), Teil 2 (Spritspartechniken: Start-Stopp & Co.) und Teil 3 (Leichtbau: Jedes Gramm zählt).

 

Text: ms/fayvels büro