Carsharing von Citroën und Peugeot

Carsharing-Special: Citroën und Peugeot

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Citroën und Peugeot setzen auf neue Mobilitätskonzepte. Elektroautos und Kooperationen mit der Deutschen Bahn sollen Kunden an den PSA-Konzern binden.

Die Autohersteller stecken zunehmend in einem Dilemma. „Das Mobilitätsverhalten und der Mobilitätsanspruch der Menschen haben sich verändert“, sagt Citroën-Sprecher Stephan Lützenkirchen.

„Immer mehr Menschen ziehen in die Großstädte, wo sie aufgrund der gut ausgebauten öffentlichen Verkehrsnetze, der meist angespannten Parkplatz- und Verkehrssituation und der immer weiter steigenden Benzinpreise zunehmend auf ein eigenes Auto verzichten“, führt er weiter aus.

Auch wenn dieser Trend in Hinblick auf die CO2-Bilanz einen positiven Effekt haben mag, kann er Automobilhersteller naturgemäß nicht erfreuen. Deshalb investieren sie zunehmend in alternative Mobilitätskonzepte: Daimler setzt auf car2go, BMW ist mit DriveNow im Geschäft, Volkswagen testet in Hannover Quicar, und Peugeot hat mit Mu by Peugeot ein flexibles, elektronisches Mietwagen-Konzept entwickelt.

 

 
 

Das größte Carsharing-Netz hat die Bahn

Einen branchenfremden, aber prominenten Partner hat sich Citroën ins Boot geholt. Schon seit geraumer Zeit arbeiten die Franzosen mit der Deutschen Bahn zusammen: Citroën stellt Hunderte von Fahrzeugen für die bahneigene Carsharing-Flotte Flinkster.

Flinkster, so wirbt die Bahn, verfüge mit 190.000 Kunden und rund 2500 Autos in mehr als 140 deutschen Städten über das „ größte Carsharing-Netz in Deutschland“. Werbegesicht von Flinkster ist der Citroën DS3 – erst kürzlich wurden 300 dieser Fahrzeuge an DB Rent übergeben.

Citroën startet erstes rein elektrisches Angebot

In Berlin bringen die Franzosen jetzt zusätzlich ein Carsharing-Angebot unter eigenem Namen auf den Markt. Multicity heißt das Kind, und „es ist das erste rein elektrische Angebot dieser Art in Deutschland“, sagt Konzernsprecher Lützenkirchen.

Anders als der Wettbewerb bietet man mit dem C-Zero ausschließlich Elektro-Fahrzeuge „zum Teilen“ an. „Wir glauben an die Elektromobilität, das ist der Antrieb der Zukunft“, sagt Lützenkirchen und fügt hinzu: „Wir wollen unseren Teil dazu beisteuern, dass diese Entwicklung weiter voranschreiten kann.“

Dafür schickt Citroën in Berlin zunächst einmal 100 der Elektro-Flitzer auf die Straße. Sukzessive und je nach Bedarf sollen spätestens 2014 bis zu 500 Multicity-Zeros durch Berlin fahren. Um den rein elektrisch fahrenden Viersitzer ausleihen zu können, muss man sich zuerst als Kunde registrieren. Das kostet einmalig 25 Euro.

 

„100 Prozent elektrisch, 100 Prozent flexibel“

So geht’s: Nach der Anmeldung über www.multicity-carsharing.de erfolgt gegen Vorlage des Führerscheins die Registrierung bei einem der Berliner Citroën-Vertragspartner, im Flinkster-Stadtbüro oder in einer der Verkaufsstellen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).

Per Telefon, Smartphone-App oder auf der Multicity-Website können die Teilnehmer dann den Standort des nächstgelegenen C-Zero innerhalb des Geschäftsgebiets (Berliner S-Bahn-Ring) ausfindig machen und das E-Mobil reservieren. 15 Minuten lang kann es einem dann keiner vor der Nase wegschnappen.

Mit Hilfe der Kundenkarte lässt sich der Citroën C-Zero öffnen, der Schlüssel befindet sich im Handschuhfach. Nach Gebrauch können die Fahrzeuge auf allen öffentlichen Parkplätzen oder an einer der Ladestellen von Strompartner RWE abgestellt werden.

„100 % elektrisch, 100 % flexibel“, lautet der Werbeslogan. Umsonst ist der E-Spaß natürlich nicht. Wer zehn Euro Grundgebühr im Monat bezahlt, kann für zwei Euro zehn Minuten fahren, ohne Grundgebühr werden dafür 2,50 Euro fällig. Höchstbetrag bei beiden Tarifen: 39 Euro pro Tag.

Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung (500 Euro Selbstbeteiligung) sowie die Kosten für den Ökostrom und die Parkgebühren auf öffentlichen Parkplätzen sind im Preis enthalten. Tickets gehen wie üblich zu Lasten des Mieters. Für Gewerbetreibende gibt’s spezielle Business-Konditionen.

Kundenvorteile bei der Deutschen Bahn

Angst liegenzubleiben – je nach Witterung kommt ein voll aufgeladener C-Zero maximal 150 Kilometer weit – muss laut Lützenkirchen niemand haben. „Wir kommunizieren mit den Fahrzeugen. Wenn eines nicht an einer Ladesäule geparkt wurde, stellen unsere Logistik-Mitarbeiter es um. So ist gewährleistet, dass die Fahrzeuge immer einen vernünftigen Ladezustand haben.“

Und wer einen längeren Trip zur Tante aufs Land unternehme, könne das Auto dort ja auch an den Haushaltsstrom anstöpseln, während er die Torte verdrücke. „Nach zwei Stunden ist der Akku wieder zu 40 Prozent aufgeladen.“

Wer nicht nur die Tante auf dem Land, sondern vielleicht den Onkel in München oder die Schwester in Hamburg besuchen möchte, kann dies ebenfalls tun. Durch die Kooperation mit der Deutschen Bahn haben Multicity-Kunden Zugriff auf das gesamte deutschlandweite Flinkster-Netz der Deutschen Bahn – ohne vorherige Registrierung und zusätzliche Kosten. Ein echtes Plus gegenüber Angeboten wie car2go, die stadtgebunden sind. Eine Ausweitung auf weitere deutsche und europäische Städte ist bei erfolgreichem Projektverlauf in Berlin bereits in Planung.

Peugeot will sein Mobilitätskonzept weiter ausbauen

Auch bei der Schwestermarke Peugeot strebt man eine Kooperation mit der Deutschen Bahn an. „Es gibt eine Absichtserklärung bezüglich einer Zusammenarbeit“, bestätigt Steffen Sauerbrei, Leiter Strategische Planung. „Bereits heute setzt die DB Rent insbesondere Elektrofahrzeuge von Peugeot in ihrer Flotte ein. Über weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit laufen Gespräche.“

Außerdem wollen die Franzosen ihr eigenes Mobilitätskonzept Mu by Peugeot weiter ausbauen. Vor zwei Jahren wurde Mu in Berlin gestartet, inzwischen können Kunden an 31 Standorten in Deutschland nicht nur Fahrzeuge vom Elektroflitzer bis hin zum Transporter mieten, sondern auch Fahrräder, E-Scooter, Pedelecs und sogar Zubehör wie eine Dachbox oder Schneeketten.

Europaweit gibt es derzeit laut Sauerbrei 95 Standorte, der 100. soll demnächst in Deutschland eröffnet werden. Anders als bei den anderen Herstellern kann über Mu by Peugeot aber nur tage- oder wochenweise angemietet werden. Sauerbrei: „Mu by Peugeot versteht sich bewusst nicht als reines Carsharing-Angebot, es handelt sich vielmehr um ein multimodales Mobiltätskonzept.“ Allerdings werde an einem Konzept zur automatisierten Kurzzeitmiete gearbeitet – Pilotmarkt solle Deutschland werden.

Wer Mu nutzen möchte, muss sich auf der Homepage www.mu.peugeot.de anmelden und per Kreditkarte sein Konto mit einer beliebigen Summe aufladen. Dann können bundesweit sämtliche Mu-Services genutzt werden. Die Abbuchung der Mietkosten erfolgt direkt über das Konto.

Mehr zu Multicity, Mu by Peugeot und Flinkster in der Bildergalerie.

Text: ms/fayvels büro