Der (Kraft-)Stoff, aus dem die Träume sind

Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Alternativ angetriebene Autos sparen Geld und sind zugleich umweltfreundlich. Die Technik ist ausgereift, das Tankstellennetz dicht.

Es ist ein bisschen wie beim Fernsehen: Früher gab’s nur das 1. und 2. Programm, dann kamen ein paar Privatsender hinzu, und inzwischen ist die Auswahl an TV-Kanälen riesig. Auch an der Tankstelle hat sich in den letzten Jahren das Bild gewandelt: Waren ursprünglich nur Benzin und Diesel im Angebot, werden heute an großen Stationen zahlreiche weitere Kraftstoffe vorgehalten.

Wer wenig fährt, bleibt besser beim alten

Es erscheint verlockend, den sich ewig steigernden Spritpreisen davonzufahren in ein Paradies der günstigen Mobilität. Doch bitte nicht mit zu viel Tempo: Auch alternative Treibstoffe unterliegen Preissteigerungen; und sie eignen sich nicht für alle Bedingungen. Wer zum Beispiel sehr wenig fährt, bleibt am Besten beim klassischen Verbrennungsmotor – da alternative Antriebe erhebliche Einstiegskosten für Umrüstung oder gar Neuwagenkauf verursachen, lohnt sich das nur, wenn man viel mit dem Auto unterwegs ist.

Alternative Antriebe sind weitgehend erprobt

Eins jedoch ist sicher: Viele der alternativen Mobilmacher sind inzwischen weitgehend erprobt. Hybridantrieb, Autogas, Erdgas, Ethanol, GtL ("Gas to Liquid" - Gasverflüssigung), BtL ("Biomass to Liquid" - Biomasseverflüssigung), Elektro- oder gar Wasserstoffantrieb bieten einen unübersehbaren Kostenvorteil sowie höhere Umweltfreundlichkeit gegenüber herkömmlichen Treibstoffen. Ihr Gebrauch ist mit keinerlei Risiken verbunden. Flächendeckende Tankstellennetze und Reparaturwerkstätten sind mehr oder weniger vorhanden. Allerdings darf die neue Kraftnahrung an herkömmliche Motoren nicht verfüttert werden; und damit beginnt das Problem: Welchen Kochclub soll man wählen, und wie wird man Mitglied?

Hybridantrieb ist nur eine Übergangsform

Viele zählen bereits Hybridautos zu den alternativen Antriebsarten. Allerdings verlässt sich die seit einigen Jahren vor allem von Toyota massiv vermarktete Mischform aus Benzin- und Elektroantrieb (noch) überwiegend auf den guten, alten Ottomotor. Vor allem der Toyota Prius, hinsichtlich der Zulassungszahlen an erster Stelle der alternativ angetriebenen Autotypen, hat dieses Konzept bekannt gemacht.

Hybridfahrzeug für weniger als 20.000 Euro

Mit seinem Rivalen Honda Insight, der 2009 auch bei uns verkauft wird, ist erstmals ein Hybridauto für weniger als 20.000 Euro erhältlich – der Prius kostet derzeit mindestens 25.000 Euro. Unter der Haube des Insight leistet ein 1,3 Liter großer Benziner 84 PS, dazu kommen noch mal rund 14 PS aus der E-Maschine – das Duo soll nur 4,6 Liter Super auf 100 Kilometer verbrauchen. Im Stand geht der Verbrennungsmotor sogar ganz aus, um zu sparen. Vor allem beim Beschleunigen entlastet die E-Maschine den großen Bruder, beim Bremsen wird sie zum Generator umgepolt und gewinnt Strom, der zurück an den Akku geht.

Mercedes stellt Luxusauto mit Hybrid vor

Der Erfolg der Japaner animiert zur Nachahmung: Inzwischen experimentieren viele Hersteller mit dem Prinzip, dem großen Verbrennungsmotor eine kleine, saubere Elektromaschine zur Unterstützung zuzuteilen. So hat auch Mercedes mit dem S 400 Hybrid im Sommer 2009 ein Luxusauto auf den europäischen Markt gebracht, bei dem ein 20 PS starker E-Motor den 279 PS des 3,5 Liter großen Sechszylinders ein wenig unter die Arme greifen darf. In Kombination mit Start-Stopp-Automatik, Bremsenergie-Rückgewinnung und zusätzlich strömungsoptimierter Karosserie soll der rund zwei Tonnen schwere Benz lediglich 7,9 Liter Super auf 100 Kilometer verbrauchen.

Doppelherz nur im Stadtverkehr sinnvoll

Problem des Hybridantriebs: Nur im Stadtverkehr mit viel Stop-and-go kann die Kraft der zwei Herzen sich voll entfalten, auf Langstrecken wirkt sich das zusätzliche Gewicht von E-Maschine, Elektronik und großen Akkus eher verbrauchssteigernd aus. Toyota zeigt wieder einmal, wohin der Hase läuft: Den Prius der 4. Generation (kommt 2010) wird die Batterie bereits ganz ohne Hilfe des Benzinmotors voranbringen – allerdings nur 13 Kilometer weit, dann geht ihr der Saft aus. Doch immerhin handelt es sich beim Prius um ein vollwertiges Auto für vier Personen samt Ladung. Und mit fortschreitender Batterietechnik dürfte diese Distanz immer weiter ausgedehnt werden. Insofern stellt der Hybridantrieb nur eine Übergangsform auf dem Weg zum Elektroantrieb dar. Doch bis der wirklich praxisnah anwendbar ist, heißt es: Abwarten und andere Alternativen prüfen.