Probefahrt Range Rover Hybrid SD V6

Probefahrt Range Rover Hybrid SD V6

Europa im Blick

Land Rover springt spät, sehr spät, auf den Hybridzug auf. Der Range Rover Hybrid SD V6 verspricht V8-Fahrleistungen und einen Sechszylinder-Verbrauch. Der Wagen überzeugt, doch der Hybrid-Aufpreis ist gigantisch.

27. August 2013

Der noch junge Range Rover wurde für Land Rover zum Volltreffer. Die Wartezeiten der S-Klasse fürs Grobe sind ellenlang und dürften nach der Premiere des Diesel-Hybriden noch etwas länger werden. Denn das, was der normale Sechszylinder-Diesel vermissen lässt, bietet der Hybrid.

Dass der noble Range Rover mit einem Hybridantrieb kommt, wird kaum jemanden überraschen. Dass Europa, dessen Autofahrer alles andere als glühende Anhänger der Teilzeit-Elektroautos sind, jedoch den Vorzug vor den USA bekommt, war kaum abzusehen. Doch die Briten wollen die Aushängeschilder Range Rover und Range Rover Sport insbesondere in Europa mehr in Szene setzen.

Das dürfte nur schwer gelingen, denn der Aufpreis von 20.000 Euro im Vergleich zum normalen V6-Diesel ist gigantisch und der Range Rover ist im Vergleich zu vielen anderen Modellen, die in den nächsten Monaten kommen, kein Plug-in Hybrid; er lässt sich also nicht an der Steckdose aufladen.

 

 
 

Geschützes Akkupaket

Das 50 Kilogramm schwere Akkupaket befindet sich geländetauglich geschützt unter dem Fahrzeugboden. „Wir haben den Hybriden für maximale Effizienz und nicht für das elektrische Fahren entwickelt. Die rein elektrische Reichweite liegt bei rund 1,5 Kilometern“, so Ross McMurren.

Hier schwimmt Land Rover dem Trend hinterher. Derartige Hybridmodule bieten andere Hersteller schon seit einigen Jahren in der Kombination mit Benzinern vergleichsweise erfolglos an. Die neuen Plug-in Hybriden sollen elektrische Reichweiten von bis zu 30 Kilometern bieten.

Im Gelände überzeugt die Hybridversion ebenso wie die anderen Modellvarianten. Die Bodenfreiheit reduziert sich gerade um einen guten Zentimeter. Das fällt angesichts der serienmäßigen Luftfederung und des ausgezeichneten Terrain-Response-Allrad-Systems nicht weiter ins Gewicht.

Das Ziel: Leistung wie im V8

„Wir haben den Verbrauch des V8-Diesels um 27 Prozent und den des V6-Diesels um 14 Prozent reduzieren können“, erklärt Ross McMurren, bei Land Rover verantwortlich für die Hybridentwicklung, „wir hatten die klare Vorgabe, uns an den Fahrleistungen des Range Rover SD V8 zu orientieren.“

Das ist allemal gelungen, denn schon nach wenigen Kilometern zeigt der 2,4 Tonnen schwere Landlord, dass er mit dem kleinen Sechszylinder alles andere als untermotorisiert ist. Kommt die normale Dieselversion mit drei Litern Hubraum und überschaubaren 258 PS gerade bei flotter Gangart im Range Rover nicht so recht aus den Hufen, bietet der Hybrid hier mehr Druck.

Spürbar greift der Elektromotor dem Diesel unter die Reifen. Jedoch ist es nicht nur das 35 kW / 48 PS starke Elektromodul im Gehäuse der ZF-Achtstufen-Automatik, sondern auch eine leichte Leistungsspritze.

Denn während der Dreiliter-Diesel im Range Rover mit den erwähnten 258 PS auskommen muss, verfügt der Diesel-Hybrid über die deutlich strammer werkelnden 292 Basis-PS des Range Rover Sport. Somit liegt die Gesamtleistung des Sechszylinders bei 250 kW / 340 PS und somit exakt auf dem Niveau des Achtzylinder-Diesels.

Die Fahrleistungen sind ebenfalls nahezu identisch. 0 auf Tempo 100 schafft der Luxus-Allradler in 6,9 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 218 km/h geht ebenfalls in Ordnung.

Den großen Unterschied macht der Normverbrauch, denn hier gibt sich der Range Rover Hybrid SD V6 mit 6,4 Litern Diesel zufrieden. Da bleibt die Frage, wieso man sich abgesehen vom Image überhaupt noch für den Achtzylinder-Diesel entscheiden soll, der für einen Achtzylinder vergleichsweise wenig Leistung bietet.

Der aufgeladene Sechszylinder stemmt Mithilfe des Elektromoduls opulente 700 Nm maximales Drehmoment an die Kurbelwelle. So geht es kraftvoller und bulliger denn je voran. Nicht mit dem sonoren Klang des Achters, aber kaum wenig elanvoll.

Gleicher Platz, mehr Informationen

„Der Laderaum ist bei der Hybridversion absolut gleich geblieben. Das gilt auch für den Range Rover Sport, der auch als 5+2-Sitzer erhältlich ist“, erläutert Ross McMurren weiter, „die gesamte Elektroeinheit mit Akku und Ladeelektronik wiegt gerade einmal 120 Kilogramm.“

Über den Kraftfluss zwischen den verschiedenen Antriebsmodulen informieren entweder das Zentraldisplay oder die ebenfalls komplett animierten Instrumente im Cockpit. Nur im Sportmodus ist hier beispielsweise die Drehzahl abzulesen. Sonst zeigt die linke der beiden Runduhren an, wie viel Leistung des Elektromotors abrufbar ist.

Feinabstimmung fehlt noch

Beim Vorserienmodell hapert es noch an der Feinabstimmung des sonst prächtigen Automatik-Getriebes. Gerade bei höheren Geschwindigkeiten ruckelt es zwischen den einzelnen Schaltstufen immer wieder hin und her, wenn sich das Elektromodul zu- und wieder abschaltet.

Auch das Segeln, das ausgekuppelte Mitschwimmen im Alltagsverkehr, findet im Vergleich zu den Hybridmodellen von Porsche Cayenne oder VW Touareg deutlich zurückhaltender statt. Der Range Rover rekuperiert lieber, was sich durch Zuschalten des EV-Modus noch verstärken lässt.

Stolzer Preis

Bleibt der Preis und der verschlägt einem fast die Sprache. Obschon der Range Rover Hybrid SD V6 nicht als Plug-in Hybrid erhältlich ist, soll er rund 120.000 Euro kosten. Das Hybrid-Aufgeld von 20.000 Euro ist trotz des stärkeren Sechszylinders und der besseren Serienausstattung mehr als üppig. Das fährt auf Lebenszeit niemand durch den Minderverbrauch wieder herein.

Eine Alternative zum Range Rover SD V8 ist der Hybride dennoch.

Text: Stefan Grundhoff; press-inform | Bildmaterial: Hersteller