Fisker in finanziellen Nöten

Fisker Automotive in finanziellen Nöten

Schluss mit Stromern

Fisker Automotive steht vor der Insolvenz. Der drohende Bankrott ist nur das Ende einer langen Kette von Fehlentscheidungen.

19. April 2013

Für viele E-Mobil-Jünger kam die Hiobsbotschaft wie aus heiterem Himmel. Fisker Automotive setzte rund 75 Prozent seiner Mitarbeiter vor die Tür. Nur 53 Manager blieben übrig. Die versuchen nun, die Filet-Stücke des Unternehmens - zum Beispiel die Entwicklungs-Abteilung - an möglichst solvente Käufer zu verramschen.

Das ist schwierig genug: Denn momentan sind ohnehin einige Fisker-Ingenieure auf Jobsuche.

 

 
 

Fisker geht im Streit

Der E-Mobil-Pionier Fisker war schon länger in wirtschaftlicher Schieflage: Im März dieses Jahres zerstritt sich Henrik Fisker mit seinem Top-Management und verließ die Firma, die seinen Namen trägt. "Es wäre falsch, wenn ich bliebe", sagte der Däne.

Der Abschied der Galionsfigur hätte zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt kommen können. Fisker Automotive befand sich gerade in Verhandlungen mit potentiellen Geldgebern, um die drohende Pleite noch abzuwenden.

Karmas brennen

Das Ausscheiden des Firmengründers war der finale Akkord in einer Ansammlung von Misstönen.

In Texas brannten im letzten Jahr einige Karmas, und 16 der teuren Limousinen gingen in Port Newark (New Jersey) während des Hurrican Sandy in Flammen auf. Das war dem Image nicht sonderlich zuträglich und belastete zunächst die finanziellen Ressourcen, da sich der kalifornische Autobauer erst mit den Versicherungen einigen musste.

Dass 258 Karmas aufgrund loser Batterieklemmen zurückgerufen werden, steigerte das Vertrauen der Öffentlichkeit nicht unbedingt.

Schlag für die sensible Produktionskette

Ein weiterer Schlag für die sensible Fisker-Produktionskette war die Pleite des Batterie-Zulieferers A123 im letzten Oktober.

Dieses Ungemach hatte sich angekündigt. Eine von A123 fehlerhaft produzierte Batterie war die Ursache, dass ein Karma bei einem Test des renommierten Magazins "Consumer Report", vergleichbar mit der Stiftung Warentest, liegenblieb.

Das führte zu einer Rückrufaktion, die A123s finanzielle Mittel komplett erschöpfte.

Suche nach Investoren scheitert

Auf einmal stand Fisker ohne Batterien da. Um die Produktionsanlagen des neuen automobilen E-Hoffnungsträgers Fisker Atlantic in der eigenen Fabrik in Delaware fertigzustellen, machte man sich ebenfalls auf die Suche nach Investoren und hoffte, in China fündig zu werden.

Doch ohne Erfolg. Nachdem das amerikanische "Department of Energy" die Hilfsmittel für den Atlantic einfrieren ließ, als sich der Einstieg chinesischer Autobauer abzeichnete, zogen sich Dongfeng Motor und Volvo-Eigentümer Geely erschrocken zurück.

Geschäftsmodell scheitert

Das sich abzeichnende Ende von Fisker Automotive ist auch ein Schlag für die Obama-Administration. Schließlich hatte die US-Regierung den Elektromobil-Pionier vor vier Jahren mit einer Finanzspritze von 529 Millionen US-Dollar (405,75 Millionen Euro) unter die Arme gegriffen.

Erschwerend kam hinzu, dass die unverändert hohen Batteriekosten die Autos für viele Kunden unerschwinglich machten.

Damit war das Geschäftsmodell gescheitert sein und der ambitionierte elektrische Traum, der vor sechs Jahren so hoffnungsvoll begann, ist vorerst gescheitert.

Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll