Mit dem Opel Ampera auf der Eisstraße

Mit dem Opel Ampera auf der Eisstraße

Anschnallen verboten

Elektromobilität und Kälte passen nicht zusammen – sagt man. Wir sind mit dem Opel Ampera über die zugefrorene Ostsee gefahren, um das zu prüfen.

4. März 2013

Die Regeln für die Fahrt über die zugefrorene Ostsee auf die Insel widersprechen teilweise der automobilen Vernunft. „Nicht anschnallen!“ Steht da. Doch die Anweisung, die jedem Crash-Test-Dummy das Blut in den Adern gefrieren lässt, ergibt Sinn: Im Falle eines Brechens der Eisdecke muss man möglichst schnell aus dem Auto kommen. Aus dem gleichen Grund dürfen die Türen nicht verschlossen sein.

Damit es gar nicht erst zu diesem Super-GAU kommt, muss das Eis mindestens 25 Zentimeter dick sein. Viel ist das nicht. Angeblich befinden sich unter unseren Reifen momentan durchschnittlich 38 Zentimeter. Das ist nur unwesentlich beruhigender, da man auf hoher See bekanntlich in Gottes Hand ist und das gefrorene Wasser an einer Stelle deutlich dünner sein kann. Wer weiß das schon?

 

 
 

Und noch mehr Regeln

Um ein Schwingen der Eisdecke und damit ein Brechen zu verhindern, darf man nicht langsamer als 10 bis 25 km/h und nicht schneller als 40 bis 70 km/h fahren. Der Abstand zwischen den einzelnen Fahrzeugen muss mindestens 250 bis 300 Meter betragen.

Nur im Falle eines Unglücks darf man auf der Eisstraße anhalten, sonst ist das verboten. Das Fahrzeuggewicht darf maximal 2,5 Tonnen betragen. Da ist der Ampera mit 1732 Kilogramm Leergewicht ja noch ein gutes Stück weit entfernt. Außerdem sind ja noch besagte 13 Zentimeter Toleranz-Eis vorhanden. Autosuggestion hilft.

Die Batterien werden vorgeheizt

Doch vor den Elektro-Eistanz haben die estnischen Götter die knackig kalte Nacht gesetzt. Am Morgen sind es noch 14 Grad Minus, da dürfte vorher die minus-20-Grad-Grenze geknackt worden sein. Doch die Opel-Hybride haben natürlich ausgiebige Wintertests absolviert und können bei bis zu minus 25 Grad starten. Wenn die Batterie bis 40 Grad unter Null auskühlt, muss sie an die Ladestation angeschlossen werden, bis die Mindest-Starttemperatur erreicht ist.

Da die Autos die ganze Nacht geladen wurden, ist das kein Problem. Wohl aber die aktuelle Temperatur. Bei weniger als minus 10 Grad springt der von Opel Range Extender genannte Verbrennungsmotor bei den Amperas des Modelljahres 2013 hin und wieder ein, um den Akku zu heizen.

Die älteren Modelle benötigen schon bei minus vier Grad die Wärmeunterstützung des Vierzylinders. Rein elektrisch schafft der E-Opel bei den deftigen Minusgraden immerhin 36,5 Kilometer. Damit wird die Mindestreichweite von 40 Kilometern zwar verfehlt, doch die Vielzahl der Verbraucher wie Klimaanlage oder Sitzheizung nagen an den Reserven des Akkus.

Spaß auf dem Eis

Auf den glatten, glänzenden Fahrspuren macht der Plug in-Hybrid dank seines Drehmoments von 370 Newtonmetern richtig Spaß. Aufgrund der Spurrillen führen allzu hektische Lenkbewegungen allerdings schnell zu einer Pirouette.

Also nicht die Nerven verlieren, auch wenn man das Land aus den Augen verloren hat und im Hintergrund große Fähren durch eine Eisrinne ihre Fracht transportieren.

Letztendlich hat der dunkelblaue Ampera wohlbehalten das rettende Ufer erreicht und so die Tauglichkeit für das Baltikum unter Beweis gestellt. Die ist wichtig, denn hier will Opel mit dem Ampera reüssieren. Im Sommer dieses Jahres soll es soweit sein.

Subventionen für E-Autos

Immerhin gibt es in Estland beim Kauf eines Elektroautos großzügige Unterstützung vom Staat. Die variiert je nach Größe des Akkus: bei einer 16 kWh-Batterie, wie der Ampera sie hat, sind es bis 12.000 Euro. Bei einem Grundpreis von 45.900 Euro ist das eine Menge Holz.

Ein Erfolg täte dem Ampera gut, der sich bislang unter den Erwartungen verkauft. In Deutschland entschieden sich letztes Jahr 828 Autofahrer für eine Ampera, europaweit waren es 5.200, davon 2.700 im stark steuerbegünstigten Holland, wo es rund 9.000 Euro Zuschüsse gibt.

Das Spaßfahren auf der Ostsee wird aber bald ein Ende haben. Ein Wetterwechsel kündigt sich an. Dann bringen starke Winde die Ostsee in Wallung und verschieben das Eis. Die Konsequenz: Löcher in der Eisdecke und Pfützen, die das Geläuf noch glatter machen als ohnehin schon. Natürlich steigt dann auch die Gefahr des Eisbruchs.

Wie war das nochmal? Ach ja, bitte nicht anschnallen. Wie lange genau die malerischen Eisstraßen über die Ostsee noch befahrbar bleiben, ist offen.

Text: Wolfgang Gomoll; press-inform