Computerviren im Auto

Computerviren im Auto

Angriff aufs Allerheiligste

Durch die steigende Anzahl an Assistenzsystemen und Software werden auch Autos anfällig für Computer-Viren.

12. Februar 2013

Die Attacke erfolgte über das Infotainment-System. Wissenschaftler der Universitäten von Washington und Kalifornien hängten einfach an eine MP3-Audiodatei einen Virus an, der sich dann von dort aus auf das ganze Auto ausbreitete. Die Konsequenz ist eindeutig.

"Da die Autos immer mehr zu rollenden PCs werden, können sie genauso angegriffen werden und müssen dementsprechend genauso geschützt werden", sagt Ralf Benzmüller, Forschungsleiter beim Virenschutz-Unternehmen G Data.

 

 
 

Gefahrenherd Smartphones

Ein Gefahrenherd sind Smartphones. Wobei Handys mit einem Android-Betriebssystem unsicherer sind als das geschlossene Apple-System. Doch sicher ist im Cyberwar ein äußerst dehnbarer Begriff.

"Eine absolute, 100-prozentige Sicherheit wird es nie geben. Wir entwickeln unsere Systeme aber so, dass sie - durch interne und externe Experten geprüft - auf dem jeweils aktuellen Stand der Technik sind", so Lamberti.

Bekannte Abwehrmechanismen

Neben diesen Hard- und Software-Updates werden auch bekannte Abwehrmechanismen aufgebaut, die beim privaten Surfen im Internet ebenfalls Pflicht sind - also zum Beispiel Firewalls und Virenscanner.

"Updates sind bei Software-Systemen im Auto unerlässlich, um einen langfristigen Schutz zu gewährleisten", weiß Viren-Experte Benzmüller. Darüber hinaus wird der Schutz der sensiblen Daten durch kryptographische Maßnahmen, also Verschlüsselung erhöht.

Dezentrale Architektur

Ein anderes Gegenmittel sind dezentrale Software-Architekturen. "Das IT- System des Fahrzeugs besteht aus einer Vielzahl von Geräten, die über diverse Bus-Systeme miteinander verbunden sind. Die Vernetzung ist dabei so gestaltet, dass für unterschiedliche Funktionsbereiche, wie Fahrfunktionen, Infotainment und Komfortfunktionen verschiedene Netzsegmente genutzt werden. Die Übergänge zwischen diesen Netzsegmenten sind durch spezielle Gateways gesichert", erläutert Ralf Lamberti, Leiter des Bereichs Telematik in der Forschung und Vorentwicklung der Daimler AG.

Schnittstellen sind Schwachstellen

Allerdings braucht jedes Auto Systemschnittstellen. Dort werden zum Beispiel Diagnose-Laptops angeschlossen, die über das Betriebssystem attackiert werden können. Doch auch da tun die Autobauer ihr Möglichstes, um die Schlupflöcher für die Schädlinge möglichst klein zu halten.

"Steuergeräte sind nur nach einer vorherigen Authentifizierung über die OBD-Schnittstelle reprogrammierbar. Die eingebrachte Software muss eine elektronische Signatur erhalten, die nur von BMW erstellt werden kann, um die Echtheit überprüfen zu können", erklärt Hans-Jörg Vögel von der Vehicle Programming BMW Group die Schutzmechanismen.

Der Cyber-Krieg ist also längst noch nicht vorbei. Im Gegenteil, bei den Automobilen beginnt er erst.

Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll