Reportage: Lamborghini Aventador

Reportage: Lamborghini Aventador

Der Stier aus Plastik

Laut, flach und schnell – so stellt man sich einen Supersportwagen vor. Leider hat auch diese Fahrzeuggattung jedoch mächtig Speck angesetzt. Der Lamborghini Aventador mit Carbon-Monocoque trat an, die Ehre wiederherzustellen.

Wer ein Auto aus Carbon fahren möchte, hat es heutzutage nicht leicht. Entweder heißt man Michael Schumacher oder Sebastian Vettel oder man wartet noch ein bisschen. Formel 1-Rennwagen wie die von Schumacher oder Vettel werden schon lange aus Carbon gefertigt. Neben dem geringen Gewicht bringt Carbon auch bedeutende Sicherheitsvorteile.

Doch als Normalsterblicher sind die Chancen, einen Formel 1-Rennwagen zu fahren, gleich null.

 

 
 

Ein 700 PS starkes Allradmonster

Hoffnung für Carbon-Fans könnte BMW bringen. Das kommende Elektroauto namens i3 besteht in der Karosserie wie der tragenden Struktur aus Carbon. Doch es wird erst ab 2013 zu kaufen sein.

Bleibt also nur eine Option, die allerdings auch eher ein Traum sein dürfte, denn der Lamborghini Aventador , der im März 2011 vorgestellt wurde und im Verkauf ist, ist mit seinen 313.000 Euro (plus Extras) Neupreis eher nicht im Budget.

Der Aventador ist das Spitzenmodell der italienischen Marke, die seit 1998 zu Audi gehört. Der Supersportwagen hat beeindruckende Daten. Das 700 PS starke Allradmonster hat ein Leistungsgewicht von nur 2,25 Kilo pro PS. Dazu trägt bei, dass der italienische Stier dank Carbon eine Rohkarosserie vorweisen kann, die nicht einmal 230 Kilo wiegt und trotzdem extrem stabil ist.

Der Aventador ist wirklich schnell

Dank des Leichtbaus löst Lamborghini auch ein anderes Supersportler-Problem. Diese sind in der freien Wildbahn nicht besonders schnell. Zu groß und zu schwer sind die Zwölfzylinder-Boliden mittlerweile geworden.

In der Realität können sie nur auf der Autobahn ihr volles Potential ausspielen. Auf der Landstraße, dem eigentlichen Revier der Sportwagen, und erst recht in der Stadt sind die ehemaligen Könige zu Parias geworden, die sich jedem Golf GTI geschlagen geben müssen.

Will man das als stolzer Besitzer eines 700 PS starken, 350 km/h schnellen Supersportwagens ertragen? Eher nicht. Lamborghini schaffte dank der schlauen Konstruktion des Aventadors den Spagat: Der Lamborghini ist in der Summe seiner Fähigkeiten der mit Abstand schnellste Sportwagen, der heute zu finden ist. Die Konkurrenz aus Zuffenhausen und – viel wichtiger noch – Maranello hat keine Chance.

Der Weg zum Glück war lang

Dafür hat Lamborghini lange geforscht. Und konnte sich prominente Unterstützung sichern, denn neben der Universität von Washington ist der Flugzeugbauer Boeing mit im Spiel. Dieser hat gerade den „Dreamliner“ vorgestellt, ein in weiten Teilen aus Carbon gefertigtes Passagierflugzeug. Seit vier Jahren forschen die Lamborghini-Mitarbeiter in zwei Zentren in den USA am Werkstoff der Zukunft. Zahllose Patente waren der Ertrag – genug offensichtlich, um den Aventador auf die Straße zu bringen.

Das Monocoque des Lamborghini Aventador besteht aus mehreren Lagen der Kohlefasermatten. Diese werden teils per Hand in die Form gelegt und vakuumverpackt. Das ist notwendig, damit sich keine Blasen bilden können. Bei 135 Grad und unter einem Druck von sechs bar (dreimal so viel wie ein Autoreifen) werden sie dann mit Harz zu einer Einheit gebacken.

Eine 999 Kilo leichte Studie war der erste

Dabei ist der Aventador gar nicht der erste Lamborghini aus Carbon. Zuvor gab es die Studie Sesto Elemento. Der Name steht im Italienischen für das sechste Element des chemischen Periodensystems – und das ist Kohlenstoff.

Inklusive V10-Motor, Allradantrieb und allem Sonstigen wiegt der Sesto Elemento nur 999 Kilogramm. Ein für heutige Serien-Sportwagen nahezu unerreichbarer Wert. Lamborghini stellt seinen Kohlenstoff selbst her und verarbeitet ihn auch in einer neuen Werkshalle in Italien.

Das geht so weit, dass die Werkzeuge, mit denen die Karosserieteile aus Carbon hergestellt werden, ebenfalls aus Kohlenstoff bestehen. So wird absolute Präzision gewährleistet.

Leichtbau = geringerer Verbrauch

In vielen Ländern wie Asien oder Amerika ist es zwar – noch – kein Thema, aber in Europa sieht das anders aus: Supersportwagen haben auch ein politisches Problem. Der Vor-Vor-Vorgänger des Aventador, der berühmte Lamborghini Countach, wurde in einem Test über längere Zeit Vollgas gefahren.

Mehr als 40 Liter auf 100 Kilometer rauschten durch die Vergaser. Richtig sparsam ist ein moderner Zwölfzylinder natürlich auch heute nicht – aber die 17,2 Liter Durchschnittsverbrauch des Aventador gehen für einen bei so viel Leistung in Ordnung.

Sollten Sie jetzt auf den Geschmack gekommen sein und sich sofort einen Lamborghini Aventador zulegen wollen, um ein Carbon-Auto zu fahren - vergessen Sie es: Der Lamborghini hat derzeit eine Lieferzeit von 18 Monaten.

Text: SH | Bildmaterial: SH