Die schönsten Cabrios des Sommers

Neuwagen für Frischluft-Fahr-Fans

Heute kein Dach

Gefühlt sind Cabrios die Sorte von Autos, die einfach jeder haben möchte. Wirklich? In Verlauf der letzten Jahre kannten die Verkaufszahlen für offene Neuwagen immer nur einen Weg: bergab. Zum Glück kommen diesen Sommer haufenweise Traum-Cabrios. Die muss einfach jeder begehrenswert finden – oder etwa nicht?

23. April 2015

Es ist gar nicht so lange her, da träumte jeder halbwegs gestandene Kerl von einem PS-starken Cabrio. Möglichst ein Zweisitzer. Hat nur drei Scheiben, die geputzt werden wollen. Und spricht Mädels en Masse an, sobald man ihren Weg kreuzt.

So viel zur Theorie. Im realen Leben und in der Zulassungsstatistik spiegelt sich das so nicht wider. Cabrios parken stückzahlenmäßig unter einer dicken grauen Regenwolke. Rund 75.000 haben es 2014 zu den Zulassungsstellen geschafft. Das ist dürftig. 2013 waren es noch über 80.000. Und 2008 gar mehr als 131.000. Das nennt man dann wohl „rasanten Verfall“.

Woran liegt es? Tja. Der Mensch will hoch hinaus. SUV und Geländewagen boomen in allen Größen und Preislagen. Wer Sonne will, hebt ab und jettet nach Mallorca. Und wem es nach Frischluft und Abenteurer-Sexappel gelüstet, der lässt zwei Räder weg und fährt Motorrad. Der Zweiradmarkt hat 2014 auf 148.849 Neuzulassungen zugelegt – plus 10.000 Einheiten im Vergleich zum Vorjahr.
 

 
 

 

Helden fahren offen? Das war einmal

Cabrios? Autos ohne Dach? Da war doch mal was. Magnum, der alte Schnauzbart-Schnüffler (den heute wohl auch kaum noch einer kennt), wäre ohne seinen offenen Ferrari nur halb so cool gewesen. Thelma & Louise im SUV? Undenkbar. Helden und toughe Mädels fahren offen. Hieß es mal.

Heute haben die „Roobäääärts“ dieser Welt im TV ein Dach ab. Und das mit Abstand meistverkaufte Cabrio in Deutschland ist der offene VW Golf. 2014 brachte er es auf 7.707 Neuzulassungen.

Aber: Es gibt Hoffnung für die Oben-Ohne-Anhänger. Cabrio-Fahren wird wieder sexy. Nachdem jahrelang halbvernunft-getriebene viersitzige Cabriolets den Charme des Bausparens in die automobilaffine Szene gepestet haben, blenden wieder sexy-hexy Spaßmobile ihre LED-Scheinwerfer am Horizont auf.

Feine Blechmuskeln und Connectivity-Sixpack

Mazda mischt da ganz vorn mit. Die vierte Generation des MX-5 wirkt wie der kleine Bruder des offenen Jaguar F-TYPE. Die Neuauflage des meistverkauften Roadsters der Welt (die Stückzahlen-Million rückt in greifbare Nähe) hat zwar nicht mal halb so viel PS wie der rattenscharfe (und mindestens drei mal so teure) Basis-Brite, aber die gleichen hinreißend definierten Blechmuskeln und dazu ein fein modelliertes Connectivity-Sixpack.

Und das für voraussichtlich rund 23.000 Euro. So geht Verführen heute. Schade, dass die Sonne kaum noch wärmt, wenn der 131-PS-Womanizer vorfährt. Im Spätsommer 2015 soll es nämlich erst soweit sein.

BMW und Audi stoßen ins gleiche Horn, wenn auch mit Premium-Mundstück. Der offene 2er (ab 32.200 Euro) und der neue TT Roadster (ab 37.900 Euro) appellieren lautstark an die Unvernunft. Gönn dir was, Alter, raunen sie einem zu. Dein Platz auf der Sonnenseite des Lebens ist links. Hinterm Steuer. Komm schon, 2015 ist dein Jahr.

BMW und Audi machen Lust auf Unvernunft

Vier Benziner (ab 136 PS) und einen Diesel (220d, 190 PS) haben die Bayern vorerst auf der Preisliste. Stärkste Variante ist der BMW M235i mit 326 PS und „M Performance TwinPower Turbo Reihen-6-Zylinder Benzinmotor“ (so die Originalbezeichnung im BMW-Jargon).

Die schafft der Audi TT Roadster nicht ganz. Aber 310 PS im offenen TTS langen dann auch. 5,2 Sekunden auf Tempo 100, das reicht locker für eine neue Frisur.

Die zahmeren Varianten spulen die Disziplin in 6,2 Sekunden (TT Roadster 2.0 TFSI) beziehungsweise 7,3 Sekunden (2.0 TDI) ab.

Riesen-Show auch bei geschlossenem Dach

Alle drei haben das Zeug zum Sommerhit 2015. Sehr sexy, sehr stylisch – und sehr kommunikativ. Das „virtual cockpit“ des Zwei(t)sitzers ist echt eine Schau. Und eine echte Innovation: Das Kombi-LCD-Instrument beherrscht verschiedene Ansichten. Damit es auch bei geschlossenem Dach etwas zu sehen gibt.

Große Instrumente, kleines Info-Display – oder riesiger Navi-Bildschirm mit kleinen Instrumenten, ganz nach Belieben. Das ist großes Kino. Zumindest für den Fahrer. Der Beifahrer ist weitgehend abgeschnitten von der Infotainment-Show im 12,3-Zoll-Format. Aber nun, man kann nicht alles haben.

Oder doch? Was so geht, wenn man 2015 keinen Wert auf ein festes Dach überm Kopf legt, zeigt die Bildergalerie.

Text: Ralf Bielefeldt