Vor-Premiere: Neuer BMW 7er (G11/G12)

Erste Testfahrt mit der BMW-Luxusklasse

Der 7er zum Anfassen

BMW bringt Ende 2015 die neue Generation seines Flaggschiffs an den Start. Der Luxus-Renner kann Platz machen, Fingerbewegungen deuten und aufrecht durch Kurven schießen.

5. Mai 2015

„Wir haben uns sehr viel vorgenommen – und sehr viel erreicht.“ Walter Schindlbeck grinst von Ohr zu Ohr, als er das sagt. Der Leiter Projekt BMW 7er ist mächtig stolz auf das, was seine Mannschaft hier präsentiert.

BMW hat zum „PreDrive“ auf sein Testgelände in Südfrankreich geladen. Ein erster Blick auf die neue Generation Siebener, Fahreindrücke inklusive. Noch getarnt (mit Ausnahme des Daches) stehen acht Vorserien-Exemplare parat. Wer die psychedelischen Kreise und Ornamente auf der Außenhaut länger anstarrt, dem wird ganz blümerant.

Also lieber rein in den Luxus-Lulatsch. Dort beruhigen dunkle Filzlappen vor Armaturenbrett und Mittelkonsole das Gemüt. Wie es dahinter ausschaut – psssst, noch geheim. Das offenbart BMW erst im Laufe des Sommers, quasi im langen Schatten der IAA, wo der neue BMW 7er im September 2015 Publikumspremiere feiern wird.

 

 
 

 

Touch-Funktion für Navi, Klima & Co

Wo die Reise hingeht, zeigt die „Sitzkiste“: eine Art halber Siebener mit fast echtem Cockpit. „Alles ist da, wo es war, aber die Bedienmöglichkeiten sind mehr geworden“, frohlockt Schindlbeck. Bedeutet: Das „BMW iDrive“-System funktioniert nach wie vor über den vertrauten Controller auf der Mittelkonsole und über Sprachsteuerung („Voice Control“). Neu sind die alternative Bedienung per Gestensteuerung und per Touchscreen.

Das „Tatschen“ haben die Bayern nicht zuletzt den Chinesen zuliebe eingeführt. „Dort ist die Bedienung mittels Touchscreen deutlich ausgeprägter als in Europa“, erklärt Stefan Peters, zuständig für das Bedienkonzept des Siebeners.

Die neue „ConnectedDrive“-Generation ist selbsterklärend wie ein iPad. Temperatur und Lüftung zum Beispiel lassen sich jetzt auf dem Screen mit dem Finger rauf und runter regeln, Kartenausschnitte klassisch aufziehen und zuschieben. Sitzheizung, Musik, Einstellungen aller Art. Alles gelernt und vertraut.

Kleine Geste, große Wirkung

Einen echten Unterhaltungswert hat die Gestensteuerung. Um das Audiosystem lauter oder leiser zu stellen, reicht es, auf Höhe der Mittelkonsole mit dem Zeigefinger Kreise zu drehen: rechtsrum sorgt für mehr Lautstärke, linksrum für weniger. Ganz einfach.

Anrufe lassen sich per Fingerzeig aufs Zentraldisplay annehmen, eine Wischbewegung nach rechts weist das Gespräch ab.

Frei belegbar ist die sogenannte „Zwei-Finger-Geste“: Das horizontale Victory-Zeichen navigiert einen beispielsweise direkt nach Hause. Stoßrichtung Display reicht.

Attacke auf die S-Klasse

„Sehr luxuriöses Fahren – und sehr luxuriöses gefahren werden“, verspricht Schindlbeck den 7er-Nutzern. BMWs Flaggschiff steht für höchsten Komfort und beeindruckende Fahrleistungen.

Wer es sich leisten kann oder mag, mindestens 77.200 Euro (Stand: Mai 2015) für eine aktuelle 7er-Limousine auszugeben beziehungsweise durch seine Geschäftsbücher laufen zu lassen, sitzt in der kommenden sechsten Generation goldrichtig.

In der Luxusliga belegt der derzeit mindestens 5,08 Meter lange Bayer (Langversion: 5,22 m) unangefochten Platz zwei – klar vor dem Audi A8 und deutlich hinter der Mercedes S-Klasse. Letzteres würden die BMW-Mannen liebend gern ändern. Allerdings schon seit mindestens vier Modellreihen.

Karbon-Technik wie beim BMW i3

Die Maße des neuen Siebeners bleiben weitgehend unverändert. Auch optisch wird sich sicher keiner fragen, was da vor ihm steht oder fährt. Die eigentliche Revolution findet unter dem Blech statt und nennt sich „Carbon Core“. Bedeutet: Der Kern des 7er-Karosserie ist wie bei BMW i3 und i8 in Teilen aus carbonfaserverstärktem Kunststoff (CFK). Eine echte technische Revolution.

Die erste Mischbaukonstruktion mit lackiertem Karbon in der Großserienfertigung macht den neuen Siebener unterm Strich bis zu 130 Kilogramm leichter als seinen Vorgänger. Rund 40 kg spart allein die Karosserie ein. BMW nennt es „das intelligente Zusammenspiel von Alu, Stahl, Karbon“.

„In jedem Lastpfad steckt Karbon“, erklärt Schindlbeck. Der konsequente Einsatz macht den neuen 7er extrem verwindungssteif. Und sicher. Dazu tragen standesgemäß Assistenzsysteme der neuesten Generation bei. Im Kopf-an-Kopf-Rennen der Premium-Anbieter hat BMW damit technologisch die Nase vorn.

Der neue 7er macht höflich Platz

Der aktive Seitenkollisionsschutz zum Beispiel greift ein, sobald ein anderes Fahrzeug dem Siebener von der Seite zu sehr auf die Pelle rückt. Der BMW weicht dann innerhalb der Fahrspur selbsttätig so weit zur anderen Seite aus, wie es der Spurassistent zulässt. Und gibt dem Fahrer so Gelegenheit, angemessen zu reagieren.

Aktuelle Tempolimits zeigt das Bayern-Flaggschiff nicht nur wie bislang im Bord- oder auf dem Head-Up-Display an. Künftig reicht ein Tastendruck am Lenkrad, und der Wagen regelt unverzüglich die vorgeschriebene Geschwindigkeit ein.

Parken auf Wunsch vollautomatisch

„All inclusive“ lautet die Losung beim neuen Parkassistenten, der sich um wirklich alles kümmert: Er erkennt die Lücke, lenkt, bremst und gibt Gas. So geht es vollautomatisch in und aus Parklücken längs und quer zur Fahrbahn. Das Fahrer muss nur noch aus- beziehungsweise einsteigen. System vollendet.

Die Remote-Funktion „Ferngesteuertes Parken“ setzt noch einen drauf: Über den neuen Display-Schlüssel kann der Fahrer das Auto von außen schnurstracks in schmale Parklücken oder enge Garagen manövrieren.

Die zurückgelegte Strecke darf dabei maximal das 1,5-fache der Fahrzeuglänge betragen. Macht rund 7,5 Meter vor und zurück. Das kann bislang kein Mitbewerber.

Extrem agil und verwirrend leise

Fahrdynamisch ist der neue BMW 7er wie erwartet eine Macht. Ein Ausnahmesportler im Smoking, der den Fahrer in feinstes Leder hüllt, mit Assistenzsystemen hätschelt und in jeder Fahrsituation mühelos die Muskeln spielen lässt.

Neben den klassischen Sechs- und Achtzylindern wird es eine Plug-in-Hybridvariante mit Vierzylindermotor geben. Der Zwölfzylinder genießt Bestandschutz, lässt BMW durchblicken. Mittelfristig wird es wohl auch eine reine Vierzylindervariante geben. Allein schon, weil Mercedes-Benz und Audi auch darauf setzen bei S-Klasse und A8. Als Leistungsspanne werden derzeit 265 bis 544 PS kolportiert. BMW selbst hält sich noch bedeckt.

Elektronisch geregelte Dämpfer, Wankstabilisierung, Zweiachs-Luftfederung mit automatischer Niveauregulierung, Integral-Aktivlenkung (jetzt auch für die Allradmodelle) – fahrwerkstechnisch hat der neue BMW 7er alles an Bord, was ein mindestens 1,85 Tonnen schweres Auto braucht, um sportwagengleich um die Ecken zu schießen.

Im Innenraum geht es dabei denkbar leise, um nicht zu sagen gedämpft zu. Auch hier spielt die Carbon-verstärkte Fahrgastzelle ihre Mischbau-Trümpfe aus. Vibrationen und Schwingungen werden auf ein Minimum reduziert. Die überarbeitete Achtgang-Automatik rackert präzise und nahezu lautlos. Vier Fahrmodi hat BMW feinjustiert.

Weitere Details zum neuen BMW 7er in der Bildergalerie

 

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Text: Ralf Bielefeldt / Fotos: Hersteller