Sinkende Lieferzeiten

Sinkende Lieferzeiten

Jetzt geht’s schneller

Der Verkaufsrückgang in Europa drückt auf die Auslastung in den Autowerken. Die Folge: kürzere Lieferfristen für fast alle Modelle.

6. Mai 2013

Alles hat auch immer eine gute Seite. Sogar die aktuelle Absatzkrise, die nahezu alle Hersteller trifft. Klassenprimus Volkswagen Pkw meldet ein Auslieferungsminus von 2,4 Prozent im ersten Quartal 2013. Das operative Ergebnis halbierte sich fast auf 590 Millionen Euro.

PSA, mit Peugeot und Citroën nach dem Volkswagen-Konzern Europas Nummer zwei, verlor in der Autosparte 10,3 Prozent. Bis zu 8.000 Entlassungen und eine Werksschließung sollen das Schlimmste bei den Franzosen verhindern. Vor allem der südeuropäische Markt bereitet den Automobilherstellern Sorge; doch auch in Deutschland schrumpfen die Neuzulassungen (Januar bis März 2013: minus 17 Prozent) und demzufolge Umsatz und Gewinn.

Für die Verbraucher hat das durchaus Vorteile. Die Händler locken mit Sondermodellen und Rabattaktionen – und kürzeren Lieferfristen, weil die Produktionsbänder vielerorts nicht mehr so stark ausgelastet sind wie noch vor ein, zwei Jahren.

 

 
 

Flotter (fertig) denn je: BMW X-Modelle

Beispiel Audi. Vor zwei Jahren dauerte es – je nach Ausstattung und Motorisierung – im Schnitt vier Monate, bis das neue Auto vor der Tür stand, beim A3 waren es sogar fünf Monate. Jetzt sind es meist drei Monate. Dennoch laufe das Geschäft gut, sagt Konzernsprecher Moritz Drechsel. „Wir merken schon, dass die Nachfrage in manchen europäischen Ländern gesunken ist, aber wir haben im ersten Quartal 2013 trotzdem zugelegt, in Deutschland zum Beispiel um zwei Prozent.“

Auch im Hause BMW ist man laut Sprecherin Birgit Hiller „zufrieden mit dem Geschäft in Deutschland“. Tatsächlich haben sich die Lieferfristen nicht allzu sehr verändert – zumindest bei den meisten Modellen. Beim 1er und 3er beträgt die durchschnittliche Wartezeit sechs bis acht Wochen, beim 5er und 7er sind es sechs Wochen. Acht Wochen muss sich gedulden, wer einen neuen 6er oder Z4 ordert, „mindestens zwei bis drei Monate“ sind es bei den Offroad-Bajuwaren der X-Reihen. Das mag einem lange genug erscheinen. Aber: Vor zwei Jahren dauerte es noch acht bis zehn Monate, bis ein BMW X3 fertig war.

Mercedes hüllt sich in Schweigen

VW Golf, Polo und Passat dominieren in Deutschland nach wie vor die Top fünf der meistverkauften Autos; dennoch wurden im ersten Quartal 2013 deutlich weniger Exemplare geordert als noch im vergangenen Jahr. Zu den Lieferzeiten will man bei VW nicht allzu viel sagen. Nur dies: „Die Lieferzeiten der Volkswagen Pkw-Modelle liegen durchschnittlich bei sechs bis zwölf Wochen – je nach Modell und gewählter Ausstattung“, so Sprecherin Christina Pasternek. Bei Tiguan, Sharan und Touareg dauerte dies nachfragebedingt schon deutlich länger.

Auch der Daimler-Konzern bekommt die Absatzkrise zu spüren und blieb im ersten Quartal deutlich unter den eigenen Erwartungen zurück. In Sachen Lieferzeiten hüllen sich die Schwaben neuerdings in Schweigen. Konstanze Fiola, Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, sagt nur so viel: „Grundsätzlich variieren Lieferzeiten je nach Baureihe und Ausstattung der einzelnen Modelle. Bitte haben Sie daher Verständnis, dass wir uns zu den Lieferzeiten einzelner Baureihen nicht äußern.“ Früher (z.B. 2010) waren es offiziell zwei bis vier Monate.

Ein guter Mokka braucht seine Zeit

Wer schnell ein neues Auto möchte, könnte sich für einen Mitsubishi oder einen Hyundai entscheiden. Bei beiden Herstellern fährt das neue Stück in der Regel bereits nach zwei bis drei Wochen vor. Auch das war schon mal anders: Vor zwei Jahren dauerte es bei Mitsubishi manchmal bis zu sechzehn Wochen, bei Hyundai waren es zwei bis drei Monate. Ein ix35 konnte sogar ein halbes Jahr brauchen.

Freuen können sich Opel-Fans: „Nur“ sechs bis acht Wochen dauert es im Schnitt von der Bestellung bis zur Auslieferung. Vor zwei Jahren brauchten die Opelaner noch zehn bis 13 Wochen, um einen Meriva, Astra, Zafira oder Combo nach individuellen Wünschen zu fertigen. Gedulden muss sich nur, wer einen Agila oder Mokka haben möchte: Vor Oktober 2013 wird das nichts, macht fünf Monate Wartezeit. Ein neuer Vivaro ist in sieben bis zehn Wochen lieferbar.

Recht flauschig sieht man die Zukunft bei Kia. Während der Gesamtmarkt in Deutschland eingebrochen sei, habe man – nach einem Rekordjahr 2012 – auch im ersten Quartal 2013 den Absatz auf dem Vorjahresniveau halten können. Auch international laufe das Geschäft so gut, dass man auf einen in Korea produzierten Picanto oder Rio fünf Monate warten müsse. Die im slowakischen Zilina gebaute cee'd-Familie und der Venga seien in etwa acht Wochen lieferbar, beim SUV Sportage können es „wegen der großen Nachfrage“ auch mal zwölf werden.

Ford-Pressesprecher Isfried Hennen sieht die Zukunft ebenfalls recht optimistisch. Bei den meisten Modellen liege die Lieferfrist bei drei bis vier Monaten. Zum Vergleich: 2011 waren es im Schnitt noch vier Wochen weniger. Abenteuerlich wird es bei Exoten wie dem Ford Ranger, der für ganz Europa in Südafrika produziert wird. Die Nachfrage sei gigantisch, sagt Hennen, „und die Produktionskapazitäten dort sind beschränkt.“ Für die Kunden bedeute das eine Wartezeit von mindestens acht Monaten.

Mehr über die aktuellen Lieferzeiten in der Bildergalerie.

Text: ms/fayvels büro